Büchertisch auf Schloß Döbbelin

Berdjajew, Nikolai Alexandrowitsch: Die Weltanschauung Dostojewskis. Übersetzt von Wolfgang Groeger. Neusatz d. Ausg. München 1925. 2023. 190 S. #270. Fester Einband. 22,– €
Berdjajew, vier Jahre jünger als Lenin und zuerst Marxist, erkannte durch die Werke W. Solowjows die Bedeutung der russischen Orthodoxie und geriet so schon im Jahrzehnt vor der Revolution in Widerspruch zur späteren Staatsphilosophie, was 1922 zur Ausweisung führte. Er starb 1948 in Frankreich. Geistesströmungen der folgenden Jahrzehnte konnten mit dem christlichen Sozialismus russischer Prägung wenig anfangen.
Obwohl sich Dostojewskis Werke gerade in Deutschland großer Beliebtheit erfreuen, wird die enge Verknüpfung metaphysischer und sozialer Fragen weithin übergangen, wie ja auch die politischen Schriften des Dichters kaum bekannt sind. Berdjajews Interpretation erschließt einen Kosmos von großer realpolitischer Aktualität.
Bismarck, Alexander von (Hg.): Begegnungen zwischen Russen und Deutschen. Eine Anthologie der Verständigung. Mit 35 Zeichnungen von Sebastian Hennig. 2023. 159 S., 4 Abb., 35 Zeichn. #272. Fester Einband. 18,– €
In dieser literarischen Anthologie zeigen siebenunddreißig Autoren mit Erzählungen, Gedichten, kleinen Essays und einer Bildgeschichte, wie in Vergangenheit und Gegenwart persönliche Begegnungen zwischen Russen und Deutschen unbeschadet von allen politischen Verwerfungen funktionierten und funktionieren. Außerdem stellt der Herausgeber mit seinem Bismarck-Dialog auf Schloß Döbbelin ein Projekt des konstruktiven Austauschs und der Verständigung vor. Ein Zeichen inmitten neu entflammter Ausgrenzung und Kontaktscheu.
Mit Beiträgen von Alexander von Bismarck, Sebastian Hennig, Uwe Steimle, Jens Lammla, Alexander Block, Bernd-Ingo Friedrich, Oda Schaefer, Jürgen Kuhlmann, Georg Steiger, Helmut Bartuschek, Hilko Gerdes, Uwe Lammla, Horst Köhler, Michael Klonovsky, Werner Ulrich, Norbert Zankl, Klaus Ender, Tanja Krienen, Alexander Ulfig, Rolf Schilling, Adorján Kovács, Helmut Roewer, Viola Schühly, Hansjörg Rothe, Uwe Haubenreißer, Franns-Wilfried von Promnitz, Árpád von Nahodyl Neményi, Uwe Nolte, Richard Reschika, Roman Koshmanov (Piligrim), Oliver Guntner, Marc Zoellner, Burkhard Jahn, Maria Vola-Vladykina, Rainer Hackel, Daniil Koshmanov und Jurek Haslhofer.
Danilewski, Nikolai Jakowlewitsch: Rußland und Europa. Eine Untersuchung über die kulturellen und politischen Beziehungen der slawischen zur germanisch-romanischen Welt. Übersetzt und eingeleitet von Karl Nötzel. Neusatz d. Ausg. Stuttgart 1920. 2023. 320 S. #265. Fester Einband. 26,– €
Jahrzehntelang herrschte im übrigen Europa das Vorurteil, Gesellschaft und Politik seien in Rußland so vom Marxismus geprägt, daß sich ein näheres Hinschauen nicht lohne. Auch die Gegensätze zu China und Jugoslawien wurden einzig auf den Alleinvertretungsanspruch von Lenins Erben geschoben. Dabei galt als ausgemacht, die Bolschewiki hätten in jeder Hinsicht mit der vorrevolutionären Geschichte gebrochen. Abgesehen davon, daß ein so totaler Bruch niemals möglich ist, hätte etwa ein Blick auf Kunst und Literatur gelehrt, daß im sowjetischen Rußland mehr Kontinuität bestand als im übrigen Europa. Unsere Reihe mit russischen Philosophen zeigt die dortige Klarsicht schon im 19. Jahrhundert, daß nicht Rußland, sondern der Westen unser gemeinsames Erbe verläßt. Mit steigendem Unbehagen im Westen erhöht sich die Bereitschaft anzuerkennen, daß die russische »reaktionäre« Weltsicht in Wahrheit die von morgen und übermorgen ist.
Friedrich, Bernd-Ingo: Heinrich Stieglitz, ein Denkmal. Erster Teil: Biographie und Exkurse. 2018. 539 S. #188. Fester Einband. 58,– €
Heinrich Stieglitz gehört zu den Persönlichkeiten, deren Bild sich durch interessengeleitete Wahrnehmung, Deutung und Bewertung schon zu Lebzeiten weitgehend verfestigt hat. Ein solches auf verschlungenen Pfaden tradiertes und durch die Macht steter Wiederholung erstarrtes Bild infrage zu stellen, gehört zu den vorrangigen Aufgaben biographischer Forschung. Biographische Spurensuche bedeutet in diesem Fall, zunächst eine Lichtung in ein schwer zu entwirrendes Dickicht aus Fakten und Fiktion zu schlagen. Die kritische Sichtung und Neubewertung überlieferter Interpretationen und bekannter Quellen, eine ergänzende Befragung bisher unbekannter biographisch aufschlußreicher Dokumente und nicht zuletzt eine umfassende Kontextualisierung, die vor allem das politische und literarische Umfeld in den Jahren des Vormärz in den Blick nimmt, sollen dazu beitragen, einen vergessenen Dichter des Berliner Vormärz zumindest in seinen Konturen wieder sichtbar zu machen.
Adaptiert von: Dirk Brietzke, »Der Dichter Wilhelm Hocker (1812–1850) und die Macht der Zensur« in: Mythen der Vergangenheit; Göttingen 2012, S. 204 f.
Friedrich, Bernd-Ingo: Heinrich Stieglitz, ein Denkmal. Zweiter Teil: Anhänge, Nachklänge und Register. 2019. 433 S. #189. Fester Einband. 58,– €
Der zweite Band des Denkmals für Heinrich Stieglitz ist seinem Werk gewidmet. In einem ersten, acht Anhänge (= Kapitel) umfassenden Teil werden »Der Dichter Heinrich Stieglitz«, seine Bilder des Orients und die im vierten Band derselben enthaltene Tragikomödie »China« in Beziehung zur Gesamtheit der deutsch-orientalischen Dichtung des 19. Jahrhunderts gesetzt. Ein Verzeichnis der Publikationen und nachgelassenen Produktionen runden die Bestandsaufnahme ab. Dem Anhang »Heinrich Stieglitz als Texter« folgt eine ausführlich kommentierte Bibliographie der Vertonungen seiner Gedichte. Der zweite Teil besteht aus rund 90 »Nachklängen«, das heißt: »einer kritischen Sichtung und Neubewertung überlieferter Interpretationen und bekannter Quellen«, sowie einer kurzen Zusammenfassung. Ein dritter Teil enthält die Register für beide Bände der Monographie.
Hackel, Rainer: Der unbemerkte Aufstand. Eine Woche mit dem Dichter Uwe Lammla. 2021. 200 S. #306. Fester Einband. 18,– €
Obwohl Uwe Lammla mit Reim und Rhythmus die Natur besingt und nicht müde wird, Gott zu loben, hat er sich nicht in den vielfach geschmähten Elfenbeinturm – gegen den ja im Grunde nichts einzuwenden ist – zurückgezogen, sondern steht mit beiden Beinen im Leben: Er ist Dichter, Buchhändler und Verleger, und er kümmert sich um ein weitläufiges Anwesen.
Diese Dinge nahmen mich für den unbequemen Dichter ein, so daß ich erwog, mit ihm Gespräche über sein Leben und Werk zu führen. Glücklicherweise zeigte Uwe Lammla Interesse an einem solchen Buch. Die sechs Gespräche gehen aber über ein Werkstattgespräch weit hinaus. Entstanden ist ein Vademecum in dürftiger Zeit, ja ein libertäres Manifest. Denn Uwe Lammla nimmt bei seinen Antworten weder auf Kritiker noch auf die politische Korrektheit Rücksicht. Der Leser erlebt eine Souveränität des Urteils, eine Unmittelbarkeit des Erlebens und eine Bejahung des gottgewollten Schicksals, die sich jedem Satz eingebrannt haben.
Hackel, Rainer: Welt und Dasein als Erfahrung im Werk Ernst Jüngers. Ein Essay. 2022. 95 S. #255. Leinwandeinband. 20,– €
Der Titel dieses Essays könnte zu dem Irrtum verleiten, daß eine Differenz zwischen der Erfahrung von Welt und Dasein im Werk Ernst Jüngers unterstellt wird. Das ist aber nicht der Fall. Es soll vielmehr gezeigt werden, daß sich in Jüngers Autorschaft Daseins- und Welterfahrung gegenseitig bedingen. Indem Jünger seine eigene Biographie als repräsentativ versteht, verhilft ihm deren poetische Transformation zur Erkenntnis des Weltstoffs der Epoche. Dabei wird die Frage, ob die neuen Bereiche des Seienden, die sich Jünger erschließen, sich allein der in der individuellen Entwicklung gründenden Wahrnehmung des Autors verdanken, oder ob sie sukzessiv sich offenbarende Momente der geschichtlich-metaphysischen Wirklichkeit sind, in der Schwebe gehalten. Die idealistische Position des absoluten Erkennens, die Hegels Philosophie so eindrucksvoll zu behaupten vermochte, übersieht, daß jede Erkenntnis mit der Lebensgeschichte des Autors verwoben ist.
Hennig, Sebastian (Hg.): Das Lindenblatt. Schriftenreihe für Schöne Literatur. Bd 7: Der Traum. 2018. 287 S., 17 Graphiken. #192. Leinwandeinband. 20,– €
Prophetische, erotische, literarische Träume, Traumwandlei und Utopie, das Thema des Traums ist unerschöpflich gerade für uns Deutsche. Mit Träumerei kreuzt sich auch das Reformationsjubiläum, hier wird den Akteuren von damals literarisch gedacht. Auch in allen anderen Rubriken bleibt das »Lindenblatt« seinem Ruf treu. Ab 2018 erscheint das »Lindenblatt« in loser Folge fest gebunden und graphisch gestaltet.
Mit Beiträgen von Peter Anderson, Jürgen Andrae, Felix Johann Baldig, Helmut Bartuschek, Peter Bickenbach, Bettina Brüggemann, Herbert Böhme, Annette von Droste-Hülshoff, Bernd-Ingo Friedrich, Christian Erich Glowatzki, Oliver Guntner, Wolfgang Haase, Jurek Haslhofer, Uwe Haubenreißer, Monika Hauff, Ludwig Heibert, Sebastian Hennig, Paul Hugo, Burkhard Jahn, Wolfgang Kaufmann, Bertram Kazmirowski, Florian Kiesewetter, Fritz Köhncke, Hans Krieger, Uwe Lammla, Horst Lange, Harald Metzkes, Baal Müller, Uwe Nolte, Stefan Raile, Martin Raschke, Hansjörg Rothe, Manfred von der Sandfort, Rolf Schilling, Sylvia Schilling, Wolfgang Schühly, Georg Steiger, Ruedi Strese, Molch von Tockenburg, Herbert Ulrich, Holger, Uske, Joachim Werneburg und Marc Zoellner.
Hennig, Sebastian: Pegida. Spaziergänge über den Horizont. Eine Chronik. Mit einem Vorwort von Michael Beleites und Karikaturen von Peter Willweber. 2015. 191 S., 28 Zeichn. #139. Fester Einband. 16,– €
Ein Augenzeugenbericht zu allen Abendspaziergängen in Dresden und einigen in Leipzig und Chemnitz bis August 2015. Weiterhin mit vielen Diskussionsveranstaltungen im Hintergrund. Sehr genau beobachtet und dabei offen, humorvoll, persönlich, anschaulich und spannend zu lesen. Dazu sehr witzig illustriert. Ein Volksbuch für Sachsen und Deutschland.
Hennig, Sebastian (Hg.): Von eytel Raub und Strauchdieberey. Ein Schelmengeständnis. 2017. 158 S. #174. Fester Einband. 18,– €
Chemnitz in den Neunzigern. Bittere Not für die einen, Goldgräberstimmung für die anderen. Das Werk von Generationen wird verzockt, und zum Zug scheint zu kommen, wer dreist genug ist. Für Heranwachsende ist die Autorität zerbrochen und keine neue in Sicht. Wer mit besserer Ortskenntnis verfolgende Polizeiautos erfolgreich abhängt, verliert den letzten Respekt vor der Ordnung. Den Triumph auf der Straße verlacht aber die magere Barschaft, und Leergutklau ist auf Dauer unergiebig. Da hilft nur noch ein Banküberfall! Spätestens hier erweist sich, daß wir es nicht mit abgebrühten Ganoven, sondern mit Kindsköpfen zu tun haben. Die Härte der Buße wird nicht verschwiegen. Überhaupt zeigt die charmante Räuberpistole Glanz und Dürftigkeit der Jugend auf unsentimentale Weise und setzt dem »Wilden Osten« ein ganz eigenes Denkmal.
Iljin, Iwan Alexandrowitsch: Die Philosophie Hegels als kontemplative Gotteslehre. Neusatz d. Ausg. Zürich 1946. 2023. 415 S. #261. Leinwandeinband. 48,– €
An Hegel-Kritik und Studien zur Widersprüchlichkeit seiner Lehren besteht bekanntlich kein Mangel. Was diese komplexe Analyse auszeichnet, ist die Schwerpunktsetzung auf eine sonst nahezu durchgängig übersehene und nach Meinung des Autors tiefsinnigste Spekulation, nämlich die Lehre vom Allgemeinen und vom Konkreten. Hegel wollte eine Theodizee schreiben, und zwar in der Form des Pantheismus. Aber der Pantheismus ist dazu nicht geeignet. Hegels »Gottheit« ist ein erhabener Weltschöpfer zweiten Ranges, – um eine alte neuplatonische Bezeichnung zu gebrauchen, – ein »Demiurg«, eine schaffende Weltseele oder Weltsubstanz, welche die Grundformen ihres Lebens aus der Offenbarung Christi entlehnt hat, die als »Logos« beginnt und als ewig schaffender »Telos« abschließt. Aber Gott ist es nicht. Denn das Wesen Gottes bleibt über der Mühe, über dem Leiden, über dem Schicksal der Substanz in der Welt erhaben.
Koshmanov (Piligrim), Roman: Questenberg. Hymnen und Lieder nach Texten von Uwe Lammla für Solisten, Chor und Orchester. 2014. 1 Audio-CD 51:21 min. #122. 16,– €
1. Unter der Linden - 2. Kyffhäusergeist - 3. Langewiesen - 4. Im Speicher - 5. Paulinzella - 6. Rennsteiglied - 7. Kaiserhymne - 8. Thuiskon - 9-16. Questenberg (I-VIII). Gedichte: Uwe Lammla (alle Titel). Komposition: Roman Koshmanov (alle Titel außer 6, 8 und 14), »Rennsteiglied« trad. »Auf, du junger Wandersmann«, »Thuiskon« Boris Sevastianov, »Questenberg VI« bearb. »Die Alte«, W. A. Mozart 1787. Orchestrierung: Boris Sevastianov (1-2, 4-8), Roman Koshmanov (3, 9-16). Arrangement: Roman Koshmanov (alle Titel). Sänger: Roman Koshmanov (1, 3, 9-16), Mark Koshmanov (4), Kathrin Rieger-Loeck (5), Uwe Lammla (6, 8 als Sprecher), Chor (2, 7)
Koshmanov (Piligrim), Roman: Сказание о рыцаре Далиборе. Мистерия в 4 д. 2013. 92 стр., 24 иллюст. #096. Fester Einband. 16,– €
Знаменитый полководец, рыцарь Далибор, по пути с войны на родину, встречается с коварной ведьмой, проклятый ею, лишается зрения. Суть проклятья в том, что зрение вернуть он сможет только в том случае, если женится на своей возлюбленной - Агнессе, дочери короля Владислава. Далибор учится жить и сражаться слепым, обретает друзей, но весть о бракосочетании Агнессы приводит его в отчаяние, и он на годы остаётся жить при дворе своего знатного друга. Позднее, когда герой узнает, что Агнесса не была обвенчана, и король устраивает турнир, победитель которого станет новым королём и мужем Агнессы, Далибору кажется, что надежда и шанс на счастье - безвозвратно утеряны. Сможет ли слепец отважиться на опасный путь, успеет ли попасть на турнир, и, главное, - выйдет ли из сражений победителем?
Koshmanov (Piligrim), Roman: Sojdu k rasmytym beregam. Ausgewählte Dichtungen und poetische Übertragungen. Mit zehn Bildern des Autors. 2023. 160 S., 10 Abb. #269. Fester Einband. 18,– €
Dieses Gedichtbuch in russischer Sprache enthält neben einer Auswahl eigener Gedichte Nachdichtungen von Christoph Martin Wieland, Annette von Droste-Hülshoff, Theodor Storm, Wilhelm Busch, Detlef von Lilienkron, Jean Aicard, Otto Ernst, Max Herrmann-Neiße, Fritz Usinger, Elisabeth Langgässer, Oda Schaefer, Wolf von Aichelburg, Horst Köhler, Rolf Schilling, Uwe Lammla, Uwe Haubenreißer, Uwe Nolte, Florian Kiesewetter und Daniil Koshmanov.
Lammla, Uwe: Götzenspiele. Gesammelte Dramen, Bd 3. 2022. 300 S. #262. Fester Einband. 22,– €
Der Band enthält die Dramen zu zeitgeschichtlichen Stoffen »Anna Luise«, »Hinz und Kunz«, »Der Mauerfall«, »Lob des Knasters«, »Muttermord«, »Hermann Sterl« und »Götzenspiele«. »Anna Luise« spannt einen Bogen vom Jahre 1912 bis 1950, im Epilog zeigt sich sogar die Jahrtausendwende. Anna Luise von Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen, Freundin der Nietzsche-Schwester Elisabeth, zeigt in ihrem Leben beispielhaft Aufkommen und Wechsel der Ideologien nach dem Unverbindlichwerden der christlichen Weltanschauung.
Der Niedergang der Literatur geht mit einer Inflation der Literaturpreise einher. Wie man sich gegenseitig ehrt und beglückwünscht, auf der richtigen Seite zu stehen, zeigt »Hinz und Kunz«. Im übrigen wird deutlich, daß sich 1990 die schlechtesten Seiten beider deutscher Staaten unter der Aegide Amerikas vereinigten und wie dies lange vorbeitetet wurde. »Muttermord« zeigt die Folgen der Fortpflanzungsmedizin. Eine Zwillingsschwangerschaft mit Teilabtreibung führt den Überlebenden in eine Selbstverachtung, aus der er sich mit einem Muttermord zu befreien sucht. Eine Feministin sorgt für seine dauerhafte Wegsperrung. Das Drama zeigt, daß in der BRD Humanität nicht mit legalen Mitteln zu erreichen ist. »Hermann Sterl« thematisiert einen Aussteiger in Rußland und die russische Art, mit der Finanzkrise von 2008 umzugehen. »Götzenspiele« zeigt Schauspieler, die Corona-Lockdown und Russophobie in der Ukrainekrise zwingen, in ihren eigenen Lebensläufen dem zu folgen, was sie eigentlich nur nach Goethe spielen wollten. Die christliche Botschaft in der aktuellen Tragödie Deutschlands. Dieses Drama, im Herbst 2022 vollendet, erscheint hier erstmals.
Lammla, Uwe: Gospod menja sjuda priwjol. Ausgewählte Dichtungen und Dramen. In russischer Sprache. Übertragen von Roman Koshmanov (Piligrim). 2023. 336 S. #264. Fester Einband. 26,– €
Die Ausgabe enthält in russischer Sprache Gedichte aus allen Sammlungen von »Endymion« bis »Winterlandliebe«, sowie vollständig die Dramen »Polyphem«, »Medea«, »Orpheus«, »Anna Luise« und »Götzenspiele«.
Lammla, Uwe: Unstrutleuchten. Gedichte. Mit Bildern von Sebastian Hennig. 2020. 223 S., 37 Zeichn. #213. Fester Einband. 22,– €
Die Unstrut, der wasserreichste Nebenfluß der Saale, ist eng mit der deutschen Geschichte verflochten. An der Helmemündung soll Heinrich die Ungarn geschlagen haben. Vom Wendelstein und der nahen Kaiserpfalz leuchtet das frühe Reich. Dieses Licht spürt der Dichter in den zahlreichen darüber liegenden Schichten auf, in Flurnamen, Sagen, Bräuchen, aber auch in Irrtum und Selbstverleugnung. Die Bilder fassen in eigener Weise Landschaft und Menschenschlag und führen den Leser wie ein Vergil in das Traumhafte einer Wanderung am leichtsinnigen und dabei schwerbeladenen Fluß.
Leontjew, Konstantin Nikolajewitsch: Byzantismus und Slawentum. Aus dem Russischen von Daniil Koshmanov. 2023. 167 S. #256. Fester Einband. 22,– €
Weil die Römer (und das sind vor allem die mächtigen römischen Familien) es Kaiser Konstantin niemals verziehen, daß er die Hauptstadt in das tatsächliche Zentrum des Reiches verlegte, und mehr als tausend Jahre Propaganda betrieben, sind Byzanz und Byzantinismus im Westen geradezu ein Schimpfwort geworden. Der Autor zeigt in seinem, hier mit fast 150 Jahren Verspätung auch in deutscher Sprache erscheinenden, bekanntesten Buch, wie Byzanz für Staatswerdung und -erhaltung Rußlands wesentlich ist. Die anderen slawischen Völker opponieren unter westlichem Einfluß dagegen. Solange sie aber das dritte Rom verneinen, werden sie immer Werkzeuge fremder Mächte bleiben. Ein geradezu prophetisches Buch von bedrückender Aktualität.
Nolte, Uwe: Schirjajewo. Gedichte. 2017. 107 S., 3 Abb. #190. Fester Einband. 18,– €
Uwe Noltes vierter Gedichtband ist eine Huldigung an das »Abenteuerliche Herz«. Schirjajewo ist ein russisches Dorf an der Wolga, nahe der Stadt Samara, wo etwa Ilja Repin wirkte. Unter freiem Himmel, bei Adler und Wolf keimten die Bilder, die sich hier in stiller Anklage gegen die Formlosigkeit der Moderne versammeln. Einige Gedichte dieses Bandes werden im Orplid-Album »Deus vult« zu hören sein.
Reschika, Richard: Epiphanien der Schönheit. Nicolás Gómez Dávilas axiologische Kunstästhetik. 2022. 311 Seiten, 1 Frontispiz, 16 farb. Abb. a. Taf. #257. Leinwandeinband. 38,– €
In seiner synoptisch angelegten Studie zeichnet Richard Reschika die weitverzweigten Gedankenblitze Gómez Dávilas zur Kunst und Ästhetik, aber auch zur Philosophie und Theologie kommentierend und interpretierend nach, indem er immer wieder auch konkrete Beispiele vor allem aus dem reichen Schatz der älteren und neueren Kunstgeschichte des Abendlandes heranzieht. Dergestalt unternimmt er zugleich den ambitionierten Versuch einer geistes- und ideengeschichtlichen Situierung dieses Ausnahmedenkers vom Rande der Welt auf seiner intensiven Spurensuche »göttlicher Schritte« und »heiliger Schatten« der Kunst.
Reschika, Richard: Goldgrund der Welt. Ernst Jüngers poetische Metaphysik. 2. erw. u. überarb. Aufl. 2023. 568 S. #263. Leinwandeinband. 54,– €
Eine integrale und systematische Darstellung der spezifisch Jünger’schen (poetischen) Metaphysik im Spannungsfeld von Tradition und Innovation, und zwar unter Berücksichtigung des Gesamtwerkes – nicht nur einzelner Schriften beziehungsweise Schaffensperioden –, bildet jedenfalls nach wie vor ein echtes Desiderat. Diese bibliographische Lücke schließen zu helfen, ist das vornehmliche Ziel des vorliegenden Buches über Ernst Jüngers poetische Metaphysik, das sich als Annäherung versteht, nämlich sowohl im ursprünglichen Wortsinn als auch im Jünger’schen (metaphysischen) Verständnis: Vollkommenes ausschließend, aber das Vollkommene anstrebend. Denn wir haben es, wie noch zu zeigen sein wird, mit einem gleichermaßen kohärenten wie – über viele Jahrzehnte – erstaunlich konstanten metaphysischen System zu tun, das Jünger jedoch hauptsächlich in Gestalt sinnlich-poetischer Bilder und viel weniger durch abstrakte philosophische Begriffe darzulegen sucht.
Reschika, Richard: Rebellen des Geistes. Sieben Profile. 2014. 263 S. #121. Fester Einband. 22,– €
In der Manier seines Erfolgsbuches »Philosophische Abenteurer« stellt der Autor weitere Profile von philosophischen Außenseitern vor: Paul Thiry d’Holbach, dessen Skandalbuch, wiewohl von Voltaire und Goethe abgelehnt, auf Büchner und Engels und auf das Gros der naturwissenschaftlich orientierten Denker nachhaltigen Einfluß ausübte; die romantischen Revolutionäre Amerikas Ralph Waldo Emerson, Henry David Thoreau und Walt Whitman, die jenseits von Pragmatismus und Machbarkeitswahn die amerikanische Kultur (so vor allem die Jugendbewegung der 1960er Jahre) prägten; Wladimir Sergejewitsch Solowjow, der zum Christentum und zum Kampf für die Einheit der Kirche ausgerechnet in der Leidenschaft der Geschlechtsliebe fand und diese über die Eltern- und Freundesliebe, über die geistige Liebe zu Kunst und Wissenschaft, über die Liebe zur Menschheit und selbst über die asketische Liebe der Mystikerinnen und Mystiker stellt; Nikos Kazantzakis, dessen Grabspruch unverständlich bleiben muß, wenn man das philosophische Werk dahinter nicht kennt. Dann Hegel, sonst kein Außenseiter, der mit seinem verstörenden Bild von der Eule der Minerva das Wesen und die Aufgabe der Philosophie kritisch hinterfragt und damit die musealen Verwalter des gesammelten Denkens ohrfeigt, die sich nicht mehr trauen, ins Weltgeschehen einzugreifen.
Schilling, Rolf: Was der Schatten sprach. Aus dem Französischen und Russischen. 1993. 191 S. #010. Leinwandeinband. 22,– €
Der Band enthält dichterische Übertragungen nach Charles d’Orleans, François Villon, Joachim du Bellay, Pierre de Ronsard, Philippe Desportes, Paul Scarron, Jean Racine, Victor Hugo, Gérard de Nerval, Charles-Marie Leconte de Lisle, Charles Baudelaire, Armand Sully Prudhomme, Stéphane Mallarmé, José-Maria de Heredia, Paul Verlaine, Paul Valéry, Pascal Taddei, Alexander Puschkin, Afanassi Fet, Iwan Bunin, Alexander Block und Ossip Mandelstam.
Zoellner, Marc: S.O.S. Britannia. Roman. 2020. 128 S. #220. Fester Einband. 18,– €
Ein junger Journalist trifft 1961 in Conakry, Westafrika, auf einen alten britischen Seemann, dessen Schiff zwanzig Jahre zuvor von deutschen Truppen versenkt wurde und dessen Mannschaft 23 Tage auf dem Atlantik um ihr Überleben kämpfte. Während der Erzählung des Alten erfährt der Journalist ganz neue Konflikte am eigenen Leib: Ein paranoides Regime mit Schauprozessen und den Hilferuf der Diktatorentochter, außer Landes gebracht zu werden. Die Dramatik des Untergangs der SS Britannia und die totalitäre Herrschaft Ahmed Sékou Tourés über Guinea wetteifern an Spannung. Immer wieder stellt sich die Frage, was wohl brutaler sein mag: Der intelligente, kaltblütig kalkulierende Mensch oder die nackte Natur, wenn der Mensch zum Spielball zu werden droht?
Zoellner, Marc: Der Mann, der Rudolf Diesel erschlug. Roman. 2022. 115 S. #243. Fester Einband. 18,– €
Seit der Erfinder des Dieselmotors auf hoher See ums Leben kam, beschäftigt sein Tod die Gemüter. Als abwegig muß die Selbstmordthese gelten, der Mann war mit großen Schwierigkeiten fertiggeworden und stand unmittelbar vor einem glänzenden Auftrag. Gleichzeitig hatte er etliche mächtige Feinde. Zahllos die Indizien, die auf organisierte Vertuschung deuten und eine endgültige Lösung des Rätsels wohl niemals zulassen werden. Der Autor hat die kaum überschaubare Literatur zum Thema studiert, und sich schließlich für eine fiktive Gestaltung aus der Perspektive des Mörders entschieden. Eine spannende Schilderung deutschen Pioniergeists und der Machenschaften der Hochfinanz.

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