Serge Mangin

Uwe Lammla ist Poet und Krieger zugleich, ganz in der Tradition von Archilochos und Ernst Jünger. Seine Kraft sowie seine Sünde sind, was er selber den »göttlichen Leichtsinn« nennt. Beim Lesen seiner Gedichte sowie bei unseren Gesprächen ist es mir aufgefallen, daß er sich mit dem Ich – das Arthur Rimbaud schon einen »anderen« nannte – fast nie ausdrückt: Es kommt daher, daß die Poesie, welche von dem Dichter kommt, ihm nicht gehört, so wie die Luft, die wir atmen, und das Feuer, das uns erwärmt, uns nicht gehören. Insofern stellen wir ohne Überraschung fest, daß die Schlüsselworte seines Œuvres rein oberirdisch sind: Luft, Himmel, Blau, Feuer, Schmieden, Licht, Glanz, Mut, Jugend, Götter und Blüte. Sogar der wohltuende minoische Frieden bleibt unter seiner Feder nicht verschont und steht nicht im Zeichen der Weiblichkeit und des Wassers, wie man es üblicherweise glaubt, sondern in dem des Stieres (das »Tier des Windes« wie Henri Bosco ihn nennt), der Helden, des Widders und der Streitäxte. Wenn er einmal an das Wasser appelliert, in »Aquarellkunst«, handelt es sich um ein reines, aktives und strenges Wasser:
»Im Reich der verfließenden Wasser,
Marderhaar, das seine Kräfte aufs äußerste zähmt.«
Wahrscheinlich auf Grund des Gesetzes der Gegensätze fühlt sich der Bildhauer der feuchten Erde in mir von dieser nietzscheartig fröhlichen, luftigen Kraft angezogen. Aber diese Kraft ist nicht nur tätig, sie will auch Philosophie sein und sucht, wie unsere Mutter, die Antike, das Goldene Mittel: Wie Archilochos lehnt Lammla das Selbstmitleid wie die zügellose Euphorie ab, er will die Zyklen des Kosmos und den Rhythmus des menschlichen Daseins verstehen.
All dies erinnert mich an die Betrachtung meines Lehrmeisters Gaston Bachelard: »Der Pessimismus von Schopenhauer hat in der Werkstatt des Handwerkers nichts zu suchen.«
Aber wie hoch sollte man dann die Bereicherung, welche diese Poesie mit sich bringt, schätzen, wenn es nun nicht mehr um die Inspiration eines Bildhauers geht, sondern darum, ein Leuchtturm in der jetzigen Nacht, die Europa aufgezwungen wird, zu bleiben?
Uwe Lammla hat mich auch zur Poesie meiner Jugend zurückgeführt, meiner Pariser Bohème, welche ich verlassen habe, um wie er nach Licht zwischen den Säulen des Atlas zu suchen. Um ihm meine Dankbarkeit auszudrücken, aber auch nach seinem Wunsch, habe ich versucht, durch meine Aquarellkunst zu diesem männlichen Mut etwas Milde zu legen, aber auch Honig auf die Wunden desjenigen, der leidet und der es nur einmal zugibt:
»Der Dichter ist allein dem Gott zu Willen,
Der mit dem Schmerz den Traum verflicht zu Welt,
Er kann das Blut der Schöpfungswunde stillen,
Wenn er die eigne Wunde offen hält.«
(Bild: Uwe Lammla, Poet und Krieger. Bronzebüste von Serge Mangin, 2001)