Und wenn die Welt voll Teufel wär
Und wollt uns gar verschlingen,
So fürchten wir uns nicht so sehr,
Es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
Wie saur er sich stellt,
Tut er uns doch nicht,
Das macht, er ist gericht,
Ein Wörtlein kann ihn fällen.
Das Wort sie sollen lassen stahn
Und keinen Dank dazu haben,
Er ist bei uns wohl auf dem Plan
Mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib,
Gut, Ehr, Kind und Weib,
Laß fahren dahin,
Sie habens kein Gewinn,
Das Reich muß uns doch bleiben.
– Luther
Vers 13408 bis 13527:
Wenn rot der Oktober
Sein Schildwappen reckt
Und Soma-Zinnober
Die Schleichpfade scheckt,
Wenn Tautropfen tanzen
Im goldenen Bart,
So schnür deinen Ranzen
Zur Odenwaldfahrt.
Die hehren Legenden
Auf Träumen von Moos,
Sie werden nicht enden,
Und dies ist dein Los,
Zu stehen, zu fallen
Den Vorvätern gleich,
Zu künden, zu lallen
Vom heiligen Reich.
Die Dulder verrieten
Ihr Lehen dem Wahn,
Kastanien entbieten
Die Farbe des Pan,
Du siehst sie zerspringen,
Als wüßte die Elz
Noch immer zu singen
Im Es-Dur des Quells.
Noch ist in den Auen
Der Golder am Werk,
Ihm blind zu vertrauen,
Entstiegst du dem Berg,
Noch treiben die Flößer
Den Neckar hinab,
Noch streichen die Stößer
Mit Brunstrufen ab,
Und sagt auch die Scholle
Im schwarzbraunen Ton
Nur eines: sie wolle,
So spürst du doch schon
Im Blitzen der Zinnen
Des Niblungs Geschlecht
Die Waffen ersinnen
Zum letzten Gefecht.
Der Helm, der im Fange
Den Drachen verbirgt,
Die magische Spange,
Ist zarter gewirkt
Als steigend die Blässe
Des Nebels im Tal
Und du, der die Bässe
Verschweigt wie den Gral.
Mit blutenden Füßen
Betrittst du das Wehr,
Die Flußgötter grüßen
Mit Schlingwuchs am Ger,
Sie fordern mit Bitten
Und Drohung den Rat,
Der längst dir entglitten,
Wie ihnen die Tat.
Versöhnung der Erde
Mit menschlichem Maß,
Gelingt nicht der Herde,
Die jegliches fraß,
Wer Päpste und Kaiser
Zur Eintracht bewög,
Wüßt wohl, daß der Weiser
Des Reiches nicht trög.
Doch sind alle beide,
Die spinnefeind lang,
Entkleidet von Seide,
Von Treu und Gesang,
Dem Wuchrer, dem Raffer
Dem schlüpfrigen Heer,
Sind lieber die Kaffer
Als Söller und Wehr.
So steigst du im Fallen
Der Nacht gipfelan,
Ein Stein in den Krallen
Der Schwermut, ein Mann,
Der nur noch als Fänger
Der Tautropfen geht,
Der stillste der Sänger,
Der schweigend besteht.
Der Mond in der Schneise
Und Morpheus’ Diktat,
Sie führen die Reise
Zum Mordklingenpfad,
Dort schaust du mit Schrecken
Den Schatten so klar,
Als sollte dich wecken,
Was mohndunkel war.
Und nochmals die Gärten,
Terrassen und Wein,
Und mit dem Gefährten
Kehr spätabends ein,
Die Aue der Bienen,
Die Wiege des Zeus
Ist manchem erschienen
Als sichres Gehäus.
Hier laß dich verwöhnen
Mit Braten und Rahm,
Das Horn noch ertönen,
Das lang vor dir kam,
Und preisend die Sterne,
Des Mondes Gelock,
So stürbest du gerne
Den Tod des Barock.
Doch deinem Gesetze
Ward andres gewebt,
Noch sammeln sich Schätze
Für den, der sie hebt,
Noch lauscht deinen Oden
Den Vorvätern gleich,
Auf heiligem Boden
Das heilige Reich.
Es ist ein geheimes
Im Wechsel des Jahrs,
Der Zauber des Reimes
Befiehlt: offenbar’s!
Und weißt du im Schober
Die Ernte verwahrt,
So ruft dich Oktober
Zur Odenwaldfahrt.
Vers 13528 bis 13567:
Du kommst aus dem Rauschen
Der Wälder und gehst
In Wälder zu lauschen
Dem Wind, drin du wehst,
Doch Traum, der dich holdet
Durch Dickicht und Land,
Hat alles vergoldet
Im Griff deiner Hand.
Was dir auch begegne
Am Ausgang des Walds,
Berühr und so segne
Zu Wimpfen die Pfalz,
Denn alles was innen
Ermutigt, wird Werk,
Du kannst nur gewinnen
In Wimpfen am Berg.
Am Berg sollst du wachen
In dürftigster Zeit:
Ihr, Götze der Schwachen,
Als Schlange entgleit,
Den Dämmer zu brechen,
Mach Dunkleres kund.
Der Kaiser wird sprechen,
Doch dein ist der Mund.
Die Weiser, die Toten,
Sie mieden dich lang,
Doch ließen die Boten
Von Spruch und Gesang
Auf jeder der Zinnen
Im Stein den Vermerk:
Du kannst nur gewinnen
In Wimpfen am Berg.
Zwei Raben begleiten
Den Kaiser nach Rom,
Walvatern zu streiten
Den lichteren Dom.
Die Nebel durchwallen
Den Traumhort, versteint,
Du aber wirst fallen,
Bevor er erscheint.
Vers 13568 bis 13783:
Wer auszog zu streiten,
Wer Prüfungen sucht,
Die weichlichen Zeiten
Als unmännlich flucht,
Der sieht in der wahren
Versuchung des Manns
Die Burg der Gefahren
Im herbstlichen Glanz.
Wem sie zugemessen,
Der findet sie leicht,
Um bald zu vergessen,
Wie er sie erreicht,
Sie thront auf Basalten,
Verfärbten von Blut,
Scheint emsig gehalten
In sorgsamer Hut.
Nur heillosen Narren
Empfiehlt sich der Sturm,
Die Armbrüste starren
Von Zinne und Turm,
Drum ziehe in Frieden
Durch Gitter und Wall,
Denn was dir beschieden,
Geschieht überall.
Das Nachtmahl bescheiden,
Der Traum überfällt
Mit trauernden Weiden
Und zeigt dich als Held,
Doch weichen die Geister
Beim Glockenklang vier,
So ruft dich der Meister
Heraus zum Turnier.
Im Frührot die Wappen,
Fanfarenstoß, Ritt
Auf prächtigen Rappen
Manch Rittersmann stritt,
Und manch eine Dame
Schwenkt schluchzend ihr Tuch,
Schon reitet ein Name
Den nächsten Versuch.
Du brichst eine Lanze,
Du streitest zu Fuß,
Doch fehlt für das ganze
Ein Tuch und ein Gruß,
So spürst du im Blute,
Daß heillos allein
Dir abgeht das Gute,
Um heldisch zu sein.
Ein Fräulein du findest,
Das lauscht deinem Schwur,
Doch was du so bindest,
Das langweilt sie nur,
Sie hat keinen Drachen
Für Lanze und Stich,
Ihr Spott und ihr Lachen
Sind tödlich für dich.
Was taugt unterm Himmel
Noch heldischer Tat?
Das Menschen-Gewimmel
Am Marktplatz, im Bad,
Verdingt sich dem Schlemmer,
Dem Frieden, der Pracht,
Ist nicht für den Stemmer
Des Atlas gemacht.
Der Wohlfahrt zu dienen,
Stehn Mühe und Geist,
Gleich emsigen Bienen
Man anschafft und reist,
Das Maß gilt als Laster,
Verbrauch spornt die Tat,
Streit gilt als verpaßter
Gewinn für den Staat.
Der Ruhm und die Ehre
Sind Margen Gewinns,
Und heilig die Lehre
Von Handel und Zins,
Gott wird zum Verkäufer
Und haftet beschränkt,
Der Teufel zum Säufer,
Der einfältig denkt.
Du staunst in die Runde,
Die rastlos dich kaum
Gewahrt, weil sie Pfunde
Und Rechte und Raum
Zu werten, zu teilen
Zu Miete und Pacht,
Nichts weiß als ihr Eilen,
Aus Talern gemacht.
Du hörst, daß der Kaiser
Den Kreuzzug erklärt,
Du dankst ihm als Weiser
Den Ruf, der dich ehrt.
Des hiesigen Lohnes
Unfroh, zieh dein Stand
Zur Grabstatt des Sohnes
Ins heilige Land.
Du wagst durch die Wüste,
Von Räubern bedroht,
Die Sonne dich grüßte
Mit Schmerz und mit Tod,
Durch Fallen und Fluchten
Ziehst du dein Pfad,
Skorpione in Schluchten
Und Quallen beim Bad
Erzählen die Leiden
Des Heilands getreu,
Verrat und das Scheiden,
Der Angriff, die Reu,
Dann wieder die Fahne
Gemetzel, Gefecht,
Dann nahe am Wahne
Gerettet, geschwächt.
Was später der Sänger
So gern überspringt,
Die Mühe noch länger
Zu sehn, es gelingt,
Wer ringt, steht im Wege
Sich selber und sieht
Im Pfeilflug-Gehege
Begrenztes Gebiet.
Die Herrn und Strategen
Sind nicht deine Sach,
Dir scheints auf den Wegen,
Als spielten sie Schach,
Auch kannst du nicht wissen,
Wer Freund ist, wer Feind,
Und wer sich beflissen
Dem Teufel vereint.
Manch schwärende Wunde,
Die Regenzeit raubt,
Wodurch sie gesunde,
Hätt keiner geglaubt,
Daß Gott sich in Larven
Verbirgt, die uns fremd --
Und was wir entwarfen,
Birgt nur, was uns hemmt.
Im Wechsel der Jahre
Sind Rüstung und Stolz
Längst hin wie die Haare
Und trockenes Holz,
Entflammbar wie Zunder
Und mürrischer Tand,
Weiß nicht mal ein Wunder
Was je dich gesandt.
Doch dann folgen Ritte
Gradhin auf das Ziel,
Als werde die Mitte
Erfahrbar dem Spiel,
Nur kleinres Gerangel
Behindert den Zug,
Als ließ aus der Mangel
Dich Zweifel und Trug.
Schon siehst du die Türme
Der heiligen Stadt,
Die Mattheit, die Stürme,
Des Wechselspiels satt,
Sie fliehn vor der Ehre,
Die Waffen dir gab,
Zu schlagen die Heere
Am heiligen Grab.
Du wirst diese Stätte
Im Leben nicht sehn,
Den Siechen im Bette
Doktoren umstehen,
Die Schlacht ging verloren,
Wer weiß, wann das Glück,
Die Grabstatt, erkoren,
Uns hole zurück.
Und wie du mit Schmerzen
Und Atemnot ringst,
Bei flackernden Kerzen
Die Nächte verbringst,
Betrachtet dein Leiden
Ein Knappe genau,
Geschmeidig wie Weiden,
Mit Augen so blau.
Er gleicht deinem Blute
Und fragt dich ganz klar:
Was war deinem Mute
Je ärgste Gefahr,
Dich quält deine Lunge,
Die Stimme ist rauh,
Du antwortest: Junge,
Ich weiß es genau.
Nicht die Sarazenen,
Nicht Kaiser und Papst,
Nicht schmerzende Venen,
Das Gift, das du gabst,
Ich muß offenbaren,
Daß schrecklichste sei,
Die Burg der Gefahren
Im Wonnemond Mai.
Dort sterben die Gluten
Von Würde und Ehr,
Des Heilands Verbluten
Erneut sich nicht mehr,
Dort sind alle Riten
Gefälscht und bequem,
Dort herrschen die Nieten
Mit goldnem Emblem.
Man glaubt an Millionen,
Was jedermann feil,
Soll grenzenlos thronen
Und nennt sich das Heil.
Die Toten vergessen,
Man wandelt im Rausch,
Und zelebriert Messen
Für Handel und Tausch.
Da spricht dir der Knabe,
Bevor sich dein Geist
Zu Gott verfügt: Rabe,
Der Weisheit du leihst,
Nichts gelte mein Wagen,
Nichts ehr meine Schar,
Eh ich nicht zerschlagen
Die Burg der Gefahr.
Vers 13784 bis 13943:
Die alte Burg am Gartensee,
Wo Ortnit, der Lombardenheld,
Sich einst ein Weib, das ihm gefällt
Und würdig sei für Kron und Eh,
Zu suchen, einem goldnen Ring
Der Mutter folgt ins tiefe Land,
Noch einmal von der Minne sing,
Von Glück und Leid im Ritterstand.
Theoderich hat einst erbaut
Die stolze Wehr am Gartenstrand,
Nicht einmal Rotbart hat berannt
Den Wall, der unbezwingbar schaut,
Doch schützt ein Heim nicht vor Gefahr,
Die uns der Herr in Blust und Quest,
Noch ehe etwas ward und war,
Als unausweichlich legte fest.
Der Ring am Finger, Stein-geziert,
In Wildnis führt den Rittersmann,
Der Held, der um die Liebe sann,
Die Pfade und die Zeit verliert,
Bis unter einer Linde, hehr,
Sie böte hundert Mann Geschatt,
Er richtet sich zur Ruhe her
Auf einem Anger, blumensatt.
Ob es in einem Traume war,
Die Sage meint, der Nebel wich,
Der Elfenkönig Alberich,
Prüft lang und spricht am Ende klar,
Er ist der Ahn und folgt dem Ring,
Sein Zauber front dem stolzen Sohn
Bei jeder Ehr und jedem Ding,
Solang er nicht verliert den Thron.
Die Fürsten rings sind Ortnits Lehn,
Drum sei der Heid in Montabur,
Deß Tochter manches Lied beschwur,
Als hold und wonnig anzusehn,
Sein Ziel, der Elb holt aus dem Berg
Das Rosenschwert, die Rüstung licht,
Daß es dem Sohn im großen Werk
An Würde nicht und Glanz gebricht.
Sie brechen auf, Messina-her
Die Flotte erst nach Suders flieg,
Wo Ortnits Oheim Heidenkrieg
Seit langem führt zu Heilands Ehr,
Am Ziel, mit Schädeln rings beflankt
Der Werber um die holde Maid,
Ist bald der König angelangt,
Mit Roß und Harnisch kampfbereit.
Der Albe, den ein Mantel tarnt,
Betritt die Zinnen, Fries und Sarg
Der Heidengötter, Schleudern arg,
Und manches Trumm, das wehrt und warnt,
Wirft in den Graben er gewitzt,
Dann tritt er zu der jungen Braut
Und zeigt ihr wie im Streite blitzt
Der Recke, dem sie gern vertraut.
Sie fliehn und der Verfolger Schlacht
Fügt, daß Ortnit den Feldherrn fängt,
Weibs Vater er das Leben schenkt,
Daß freund ihm sei die Heidenmacht,
Doch die Geschenke, die nach Haus
Ihm folgen, trügen und dabei
Ist eine Brut, die bald zu Graus
Sich auswächst aus dem Lindwurmei.
In einer Grotte bei Trient
Schlingt alles Wild das Echsentier,
Bald gibt es keine Nahrung hier,
Sein Schlund das erste Dorf verbrennt,
Der Schrecken wächst, das Land verheert
Der Drache, der die Christen frißt,
Und dessen Gier den Herrn entehrt,
Der in der Burg ein Schatten ist.
Das Kleinod seines Minneglücks,
Sie weint und warnt von einem Kampf,
Gepanzert knickt des Tiers Gestampf
Die Eichen, schleudert hinterrücks
Mit seinem Schweife Fels und Haus,
Es hält kein Schild der Lohe stand,
Wer zieht zu einem Streite aus,
Er wird mit Hund und Roß verbrannt.
Der Himmel fügt uns Glück und Weh,
Doch sei gesetzt das Königswort:
Der Rittersmann, der rächt den Mord,
Sei Erb und Herr am Gartensee --
Der Lohe weicht er aus geschickt,
Ein Quarz, geschleudert, trifft ihn scharf,
Die Schwerthand ihm vom Leibe knickt,
Daß er den Ring zu Boden warf.
Nur weiß sein Mut, das Spiel ist aus,
Das Leben folgt gewiß dem Ring,
Doch eh das Untier ihn verschling
Wie eine Katz die graue Maus,
Vertraut er sich dem Heiland an,
Der mit dem Tod den Tod besiegt,
Daß er empfang den Rittermann,
Wenn linkerhand das Schwert nicht siegt.
Er stürzt sich auf den Kragenrand,
Gezackt mit Splittern Urgesteins,
Da werden Traum und Flamme eins,
Er schaut noch mal das Gartenland,
Die Burg, das Weib, das keinen Knab
Und keinen Erben ihm gebar,
Und die kein Stein am Blumengrab
Erwartet, daß sie tot ein Paar.
Und während Ortnit kämpft und stirbt,
Reift andernorts aus Gottes Plan,
Beschattet rings von Nacht und Wahn,
Der Sproß, der um die Krone wirbt,
Am stolzen Byzantinerthron
Getuschelt wird, es sei nicht klar,
Wen wohl zum Vater hätt der Sohn,
Den grad die Kaiserin gebar.
Dem treuen Bechter aus Meran
Befiehlt der Herr des Kindes Tod,
Der weigert sich, der Kaiser droht
Ihm furchtbar, kündigt Schrecken an,
Bis er ihm nachgibt und im Schlaf
Der Mutter raubt das Wickelkind
Und samt der Bürde, die ihn traf,
Die Mähre spornt im Maienwind.
Da Milde und Gehorsam Streit
Im Herzen führn, bald hin, bald her,
Wird ihm die Mörderwaffe schwer,
Er tut zuletzt dem Kind kein Leid,
Er läßt es frei am Weiher gehn,
Wenn es, berauscht von Lilienpracht,
Ertränk, sei Kaisers Will geschehn
Und er dürft schlafen in der Nacht.
Das Kind spielt auf der Wiese lang,
Bis Wölfe nahn und schnobernd sehn,
Daß Ungemach und Untergang
Den drohn, die sich an ihm vergehn,
Der Bechter schauts als Gotteswort,
Wolfdietrich er als Name schreibt
Dem Kind und führts in seinen Hort,
Dem Clan als Ziehsohn einverleibt.
Die Herrin klagt im Mutterschmerz,
Der Kaiser folgt Verleumders Rat,
Bezichtigt Bechter finstrer Tat,
Zu Widerstand faßt keiner Herz
Im Rittersaal, nur Baltram wagt
Zu fordern, daß ein Schwertkampf richt
In dieser Sach, und Wahrheit tagt,
Daß das Gerücht zusammenbricht.
Wolfdietrich wächst zu Wolfes Grimm,
Er ist der Held, den Gott erwählt,
Zu seinen Taten, hehr und schlimm,
Der Reif des Feuerdrachen zählt,
Sein Schwert brach ihm im Kampf entzwei,
Der Drache schleppt ihn in die Hohl,
Wo Ornits Schwert, der Ring dabei,
Verbürgen Sieg und fürder Wohl.
Die Königin am Gartensee
Erkennt am Ring der Schwiegermam,
Daß Gott ihr sandt in ihren Hamm
Die zweite Gnad zu Kron und Eh,
Der Herold macht dem Volk bekannt,
Daß wieder stolz die Aue gleißt,
Daß wieder Frieden herrscht im Land
Und daß der Herr Wolfdietrich heißt.
Vers 13944 bis 14063:
I
Die Krone, die des Reiches höchste Kür
Bestätigt, reiht zum Achteck reines Gold,
Und zwölf mal zwölf für edle Steine Tür
Sind Nischen und gleichviel für Perlen hold.
Der Kreuzesreif gleißt über Spruch und Bild,
Wo David, Salomo, Jesaja, Christ
Ermahnen, daß die Ehre Höchstem gilt,
Selbst den, der solcherweis geheiligt ist.
Jedoch der Große Albert schrieb den Satz,
Der Waise, Stein, der einzig in der Welt,
Groß, rot, karfunkelnd ist nicht mehr am Platz,
Von wo er einst bei Nacht den Thron erhellt.
Orphanus, mit dem Stein verlorn wir viel,
Bald folgten Apfel, Zepter, Schwert, Ornat,
Die Lanze, heilandblutig, im Exil
Nicht siegreich macht des Reichsverwesers Tat.
Schon früh geschah das Unheil, das Geschick
Zu lindern sucht, doch Alchymist und Sohn,
Sie suchten mit Gewalt, mit Kunst und Trick,
Jahrhunderte den Stein im Rosenton.
Manch Fabel ward erdacht von seinem Glanz,
Zu keinem Wunder fehle ihm die Macht,
Doch sicher scheint, er macht die Riche ganz,
Weil zeugend er die Einzigkeit bewacht.
II
Der Globus mit dem Christuskreuz gekrönt,
Wie Jupiter den Weltenkreis umspannt,
Gold, filigran, beperlt, Saphir-verschönt
Mit Monogramm aus Merowinger Hand --
Dies ist der Apfel, der die Linke schwert,
Da in der Rechten Szepter schwingend weist,
Wo Stab und Knospe, Blatt, das vierfach kehrt,
Bedeckt den ellenlangen Wandelgeist.
Der Apfel und das Szepter zeugen nur
In ihrer Art und Weise für den Herrn,
Sie weiht der Sinn und der Symbole Spur,
Denn sie sind heilig nicht im eignen Kern.
Dies eignet einzig Lanze, Krone, Schwert,
Die ihre Kunft legendenreich erfuhrn,
Und einzig wie das Reich in ihrem Wert
Gott selbst bezeugen in den Wunderspurn.
So mag ein Schmied, in dessen Kunst Genie,
Sie reicher schaffen, frommer in der Zeit,
Jedoch die Krone schüf ein Mensch uns nie
Und den Karfunkel-Stein der Einzigkeit,
Der ward, als Erd und Himmel Gott ersann,
Die Lanze weist auf des Erlösers Tod,
Das Schwert auf einen frühen Christenmann,
Der das Martyrium litt um Christi Not.
III
Mauritiusschwert, vielfach geschliffne Klinge,
Blutzoll und früher Christgemeinden Schild,
Die Scheide aus Olivenholz besinge
Der Dichter und der frühen Herrscher Bild,
Von Karl bis Heinrich vierzehn Reichsverweser,
Auf goldgetriebnen Platten im Ornat,
Relief, das wie ein Kupferstich dem Leser
Bezeugt die Zeichen, Würden und die Tat.
Stahl, Kruckenkreuz beidseits als Fegermarke,
Drin Kranz und Kreuz versöhnt in einer Huld,
Parierstange und Knauf ehrn gold die starke
Schwerthand am Griff, den Silberdraht umspult.
Und Christi ist der Sieg, die Herrschaft eigen,
Wie das Gebot, so eine Inschrift spricht,
Bereit die Spitze in die Höh zu zeigen,
Dem Heile nach, das den Gesalbten trifft.
Solch holdes Kleinod ist nicht länger Waffe,
Für harten Strauß und nicht für graden Schnitt,
Nicht daß die Wunde tief und blutend klaffe,
Führt es der königlich Erkorne mit,
Es weist hinauf, so wie der Speer zur Erde,
In ihm steigt Jugend, wo das Alter mahnt,
Daß eingebunden sei das Stirb und Werde
Ins Walten deß, der Wolken Wege bahnt.
IV
Der Krönungsmantel, von Sizilien stammend,
Arabisch und normannisch höchste Kunst,
Goldstickerei, die sich dem Purpur flammend
Vermählt und faßt kein Ornament umsunst.
Der Glanz der Alten und der Sarazenen
Verdichtet sich im Halbrund bodenhin,
Doch offen wie das Reich sind seine Szenen,
Goldspange links, daß nicht die Schwurhand drin.
Wo Doppelleu und Palme dominieren,
Folgt kufisch eine Inschrift Perlensaum,
Obwohl die Runen rein sich ziselieren,
Errät kein Deuter des Verfassers Traum.
Es seien Wünsche für des Mantels Träger,
So meint die Forschung, die am Ende paßt,
Denn erst wenn eins der Wager und der Wäger,
Wird auch der Sinn in diesem Spruch erfaßt.
Handschuhe, Strümpfe und Pantoffeln ründen
Den Mantel zu der hohen Kür Ornat,
Daß all die Dinge noch die Wiege künden,
Ist deutsches Los und weist auf Gottes Rat,
Der dies bewahrt vor Mottenfraß und Bränden,
Daß tausend Jahr der Herr im Kyffe schnarch,
Um endlich wieder stolz mit frohen Händen
Zu herrschen als des Alten Reichs Monarch.
V
Das größte Wunder ist die hehre Lanze,
Die noch bewahrt wird in des Reiches Schatz,
Sie weist ins Heil und meint damit das Ganze,
Drin alle Schöpfung findet Stand und Platz.
Zur Artusrunde weist ihr dunkles Werden,
In Mären, die zu Avalon ihr Tal
Gefunden, und es heißt das Glück auf Erden,
Käm, wenn sie fruchtbar rühr verlornen Gral.
So reicht das Deutsche tief ins Märchenhafte,
Der Dichter lokigleich die Unterwelt
Als Diener sucht, daß von dem Honigsafte
Ein Gran in unsre goldnen Waben fällt,
Als Glaube sich bewies in hohen Taten,
Daß frühstes Lied den jüngsten Kämpfer führ,
Hat noch dem Freien Vogelspruch geraten,
Daß er den Herrn erkannt in holder Kür.
Der Tag ist nah, da höchste Not die Rasse
Bedroht, die noch an diesem Traume webt,
Drum rüste dich und kämpferisch erfasse
Den Kreuzdorn, der in jeder Waffe lebt,
Denn nur wenn Christi Milde Cäsars Siegen
Vermählt, wird der Versucher machtlos sein,
Dann zieht der Herr geheiligt und gediegen
Mit Pomp und Freude in die Hofburg ein.
Vers 14064 bis 14098:
Wir wandelten auf Höhn, wo spät und trunken
Der Herbst das Wort mit Leichtigkeit begabt
Und frei und froh, sie in sein Gold zu tunken,
Die Stimme flügelt, die im Herz versunken
Des Hegers harrt, der sie mit Honig labt.
Beseligt überließen wir dem Reigen
Der Melodien, von Prunk und Glast umstellt,
Was wir gewöhnlich in die Zeit verzweigen,
Als gälte es, die Seele weiß zu zeigen,
Zu fallen aus dem Streit von Traum und Welt.
Jedoch der Gilber, der in seiner Leuchte
Noch einmal, was das Jahr uns bot, beschwor,
Fiel mit dem Tag, und aus dem Tal der Feuchte
Kroch Nebelung mit Grimm und Groll und scheuchte
Die Sonne, deren Blut im Weinberg fror.
Wir spürten wohl ein Ziel in unserm Schreiten,
Doch keinen Namen, keinen Reim im Wunsch
Nach Einkehr, Erde, und den Geist zu weiten,
Nach Süße und Essenz der Jahreszeiten,
Da bot ein Kind am Straßenrand uns Punsch.
Aus welchem Reich, mit welchem Aug betrachtet,
Tritt dieser Knabe ein und lächelt scheu?
Das Haus, verfallen, lichtlos, still, beachtet
Kein Wanderer, wenn ihn der Rausch umnachtet,
Entquollen aus dem dampfenden Gebräu.
Sein Zauber, als wir zueinander traten,
Erschien auf deiner Stirn und hell und klar
Im Blick, als hätt ein Engel dir verraten,
Was uns die Stunde schlug und welche Taten
Wir niederstelln auf seines Herrn Altar.
Nicht daß er uns in dieser Fährnis feie
Noch daß die Schau, die er verhieß, uns ein --
Die Hoffnung bleibt ein Truggebild für Freie,
Doch hat uns das Mysterium der Weihe
Tiefrot vertraut im hold gewürzten Wein.
Vers 14099 bis 14150:
I
Unter der Linden geborgen,
War es dem Alben das beste,
Daß du im Osterwind-Morgen
Zögest zum Bronnen der Queste.
Unter der Linden gesungen
Hast du den Bauern vom Dunkel
Fafnirs mit feurigen Lungen
Und von des Reiches Karfunkel.
Unter der Linden gesegnet,
Hat es dem Heiland gefallen,
Daß dir ein Engel begegnet,
Schwertschmied dem Dichter und allen.
Unter der Linden versprochen
Ward uns das Reich und der Mehrer,
Und bis der Bannstrahl gebrochen,
Singst du als Wahrer und Lehrer.
II
Die Linde, die wir oft umtanzt,
Im Jugendschmelz, in alter Zeit,
Der Weise, der sie einst gepflanzt,
Den Baum dem Dichter Körner weiht.
Er, früh gehegt von Schillers Rat,
Den Ruhm am Burgtheater tauscht
Dem Vaterland, der Waffentat,
Manch Kamerad den Liedern lauscht.
Er trägt die Klampfe zum Gewehr
Und fußflink folgt er Lützows Korps,
Seit Jugend singt und wandert er,
Er kommt sich wie zuhause vor.
Sein Lied die deutsche Seele hebt,
Bedräut von welscher Tyrannei,
Was er zum Ruhm des Harras webt,
Ihm selber Preis und Requiem sei.
Und kommt die Zeit, wo Dichter weich
Und träge sind, dem Schwerte fern,
So sei für Gott und unser Reich
Der Körner dir ein Morgenstern.
III
Unter Linden kann dich nicht,
Schlingen je ein Lindenwurm,
Denn wie Gottes Strafgericht
Ragt der Baum als Segensturm.
Unter Linden bist du frei,
Was der Feind auch Söldner ding,
Denn dich schützt die Himmelsdrei
Unter ihrem Schattenring.
Unter Linden wächst der Traum,
Der als Deutsche uns bestimmt,
Diese Blüten decken Raum,
Den uns kein Besatzer nimmt.
Unter Linden eint sich einst,
Christi Wein mit Odins Speer,
Und die Heimat, die du meinst,
Kommt in neuem Glanze her.
Vers 14151 bis 14238:
Wo dunkler die Tannen
Dir schatten zur Nacht,
Wo karger die Schrannen
Der Schober bedacht,
Fliegt, daß sie gebäre
Den Fürsten des Clans,
Die Hilke vom Gere
Durchs Zwielicht des Wahns.
Wo Friesen vor Bären
Nicht abschirmt das Kreuz,
Wo ehern und hären
Die Lust, keines Deuts
Verlustig, in Schreien
Sich austobt, erfahr
Das Gebenedeien
Vom Nordland-Altar.
Wo Deiche zu brechen
Dir drohn, will der Sturm
Nach Lohenart stechen
Den irdenen Wurm --
Dem Land, drauf die Woge,
Die neidische, schaut,
Die Hilke am Troge
Das Leuchtfeuer braut.
Sie weiß um die Kräuter,
Der Pilz ist ihr heil,
Hofft jeder der Häuter,
Daß er bei ihr weil,
Bleibt sie, deren Glieder
Im Mondlicht so kalt,
Wie Schwanengefieder
Die Engelsgewalt.
Das Mal der Geschlechter
Ist ihre Domän,
Die Eide Gerechter
Weiß sie zu duchspähn,
Das Krummschwert, die Pieke,
Was Waffen du kennst,
Schaut Hilke als Nike
Mit Lorbeer bekränzt.
Die herrische Küste,
Die Midgard umschlingt,
Zuckt durch ihre Brüste
Und Mutterkorn bringt
Ein Wissen und Weihen,
Das schreckenlos schaut,
Die Raben umschreien
Den Trank, den sie braut.
Das Reich der Germanen,
Von Wolken verdeckt,
Dem Willen der Ahnen
Getreu, sie erweckt
Im Wimmern des Mannes
Ein Samenkorn Mohn,
Und Hilke gewann es
Als Revolution.
Wo Eidbruch und Fremde
Als Mächte sich blähn,
Trennt sie sich vom Hemde,
Das deckt ihr Gewähn,
Und pflanzt, daß die Spötter
Verstummen, im Prunk
Die Flagge der Götter
Ins Gruftolm-Geunk.
Der Bannstrahl des Weibes,
Der Urborn der Nert,
Verächter des Leibes
Zum Grinsen verzerrt,
Entwaffnet, geschlagen
Von ihrer Gewalt,
Schafft Hilke den Tagen
Die Friesengestalt.
Und wenn sich die Sonne
In Schleswig erhebt,
Wird Blut sich der Wonne
Erinnern, die strebt
Nach Arnshaugk und Thule
Ins Xanadu-Eis,
Zu Spinnrad und Spule
Und Lammwolle weiß.
Dann legt sie das braune,
Das wallende Haar
Bedächtiger Laune
Auf alles, das war:
Die Macht, die sie brütet
Im Hilkengebet,
Das Heil, das sie hütet,
Wenn alles verweht.
Vers 14239 bis 14342:
Wo Amboß und Feuer
Recht sind und recht tun,
Sind Ställe und Scheuer,
Sind Fässer und Truhn
Abhold Phänomenen,
Tagfremd und unklar,
Denn jung sind die Sehnen
Im vierzigsten Jahr.
Die Mären, die Mahren,
Sie schrecken ihn nicht,
Er kennt die Gefahren,
Die Tenne ist dicht,
Er liebt keine Schwätzer,
Was man ihm verspricht,
Ob Heiliger, Ketzer,
Es kümmert ihn nicht.
Er beugt sich den Zwecken
Und hartem Gewerb,
Und daß ihm der Schrecken
Die Stirne verfärb,
Muß kurz sein, im Tage
Lobt Gott alles Tun
Und schafft eine Lage,
Nachts traumlos zu ruhn.
Doch manches im Liede
Ist ärger denn sacht,
So ruft ihn die Schmiede
Auch manchmal zur Nacht,
Er werkt für den Bauern,
Der frühmorgens kommt,
Den Weg zu bedauern,
Daß er seiner frommt.
Da schlägt um die Stunde,
Da Geister sich trolln,
Ein seltsamer Kunde
Ans Tor mit der volln
Kraft, die er zu missen
Gewohnt, die man dämpft,
Denn Oluf muß wissen,
Daß hier einer kämpft.
Er trägt einen Panzer
So schwarz wie das Korps,
Er schiebt sich mit ganzer
Erscheinung durchs Tor,
Und um seine Hüften
Das mächtige Schwert,
Es kündet von Grüften
Und Ländern, verheert.
Er sagt, daß er käme
Von Norderney her
Und rasche Fahrt nähme
Direkt übers Meer,
Nach Norwegen morgen
Zu blutigster Schlacht,
Und Oluf soll sorgen
Des Hufeisens Acht.
Die Rede scheint törig --
Wie soll das wohl sein?
Müht er sich auch hörig,
Das Eisen ist klein,
Zu klein für die Hufe
Des Rappen, der wild
Die haltenden Rufe
Mit Ungeduld schilt.
Doch da, ob er träume,
So fragt sich der Schmied,
Das Eisen durch Räume
Von selber sich zieht,
Es wächst bis zur Weite
Des mächtigen Hufs,
Dem Kriegsmann zur Seite,
Des Abschieds, des Rufs:
Wohlan, du beschlugest
Des Walvaters Roß,
Welch Los du auch trugest,
Daß Odin dem Troß
Dich ausnahm, erwählte,
Sei vor allem wert,
Sei jener, der stählte
Des Asenhaupts Pferd.
Der Reiter entschwindet
Durch Wetter und Sturm,
Der Hufschläger findet
Nicht heim, wie ein Wurm,
Zerhackt, wird der Magen
Ein Würgen nicht los,
So liegt Olufs Tagen,
Die Neige nun bloß.
Er wird noch berichten
Die Zeit, die ihm bleibt,
Die Barden bedichten
Die Tat, die er schreibt.
Doch Amboß und Feuer
Verfallen, der Mann
Verliert, was ihm teuer,
Der krankt und nichts kann.
Die Nähe der Asen
Kein Handwerk verträgt,
Auf göttlichem Rasen
Nichts hämmert und wägt,
Es zeigt sich vom Tode
Gezeichnet, wer wacht
Zur Stund, da der Gode
Sich rüstet zur Schlacht.
Vers 14343 bis 14390:
Der Ritter Harras sitzt allein
Auf seiner Burg zu Lichtenwald,
Er ging so gern die Ehe ein
Mit Luitgard, monden von Gestalt,
Doch Schellenberger ist sein Feind,
Und Vater der begehrten Maid,
Kein gutes Wort die Fehde eint,
Und einsam geht die Sommerzeit.
Bei Schellenberger wächst der Haß,
Wenn er die Burg von weitem sieht,
Besinnt er nur, wie er sie schaß
Und seinen Feind zu Tode kriegt,
Da meldet ihm ein Knappe hell,
Daß Harras an der Flöha Gmünd,
Den Überfall beschließt er schnell
Und weiß nichts mehr von Brauch und Sünd.
Die Route führt durch finstern Wald,
Hier birgt der Mörder sein Gesind,
Das Laubicht deckt den Hinterhalt,
Die Lichtenwälder reiten blind,
Die Rotte schlägt gewaltig drein,
Und rasch färbt sich die Aue rot,
Doch Harras wendt sein Roß zum Hain
Und flieht mit Macht den sichern Tod.
Bald holen die Verfolger auf,
Da schaut er eine Lichtung vorn,
Tief unten trennt der Zschopau Lauf
Den Rittersmann vom Heimatsporn,
Er wagts, er stürzt mit kühnstem Sprung
Ins Flußbett, seiner Rettung hin,
Ein Springborn netzt die Dämmerung
Und Gottes Wunder leuchtet drin.
Die Mähre findt im Strome Tod,
Doch er schwimmt sich zum Ufer frei,
Dem sich ein solches Schauspiel bot,
Bestimmt der Sprung, daß er verzeih,
Wer solchen Muts und solcher Gnad,
Führt Heil und Segen ins Geschlecht,
Drum ist dem Nachbarn nach der Tat
Die Eh mit seiner Tochter recht.
Noch heute man die Klippe schaut,
Wo Mut das Menschenmaß beschämt,
Hier rettet nicht nur seine Haut
Der Reiter, den kein Schrecken lähmt,
Hier ward ein Mal den Erben gut,
Das spricht vor Gott und dem Gericht
Von deutscher Art und deutschem Mut
Und des Gerechten Ehr und Pflicht.
Vers 14391 bis 14454:
Vom Sachsenkrieg ist Salza uns geläufig,
Auch stritten hier der Staufe und der Welf,
An solchen Orten findet sich recht häufig
Die Einsicht, daß nur größre Weite helf.
Als Hermann wuchs als Sproß von Ministrialen,
Das Unstrutland schon nicht mehr trug, man teils,
Daß Papst und Kaiser sich zu tausend Malen
Bekriegten, schien ihm nicht der Weg des Heils.
Im Orden, der benannt nach deutschem Hause
Jerusalems, wo Hermann später pries
Den Kaiser, dem geglückt die Waffenpause,
Drin er des Heilgen Landes König hieß,
Stand er nach wengen Jahren an der Spitze,
Begabt zu schlichten und nach vorn zu schaun,
Daß dieser bald sein eignes Land besitze,
Fand Hermann Kaisers und auch Papsts Vertraun.
Wies ihm gelang, die Fronten aufzubrechen,
Erzählt uns kein Chronist, doch es geschah,
Denn als er in Salerno bösen Schwächen
Erlag, warn Fehd und Hader wieder da,
Doch eh in Christo heimging alles Hasten,
Dem Kulmerland im Einklang der Partein
Beglaubigt ward in Kruschwitz, nicht zu tasten:
Das Baltikum soll bei dem Reiche sein.
Es leugnet heut der Pole Konrads Siegel
Und meint, Masowiens Herzog war nicht dort,
Die ganze Urkund sei ein falscher Spiegel,
Gleichzeitig ist das Original nun fort,
Das Klare ists Motiv bei dem Verschwinden,
Wärs eine Fälschung, müßte sie nicht weg,
Man soll die Würde Preußens nicht mehr finden,
Und Polen sei im Rechte, ist der Zweck.
Doch ward den Templern und den Johannitern
Voll gleichgestellt der Deutsche Orden einst,
Auch mag die Grabeskirche uns verwittern,
Doch Hermanns Preis erhielt sich klar und reinst,
Daß einer, der die Herrn der Welt begleitet,
Für seinen eignen Orden gäb nur Schaum,
Behauptet nur, wen Geistestollheit reitet
Und schwindeln läßt der große Polentraum.
Auch kam der Deutsche Orden einst zu Weichsel,
Weil Polen stets geschlagen ward vom Pruß,
In neurer Zeit ergriffen sie die Deichsel,
Die war ein Lehn von England und vom Ruß.
Wenn die Lakaien nun ins Mittelalter
Zurückdatieren, was sie unverschämt
Besetzten, schau den miserablen Halter,
Das Land, das sich entleert und drüber grämt.
In alter Zeit zog deutscher Mann nach Osten
Und gab sein Blut für Christi Botschaft hin,
Das Heidenvolk, auf dessen Lebenskosten
Der Sieg geschah, bestreitet nicht den Sinn.
Hingegen Dritte, die da feig beiseite
Gestanden, wollen ins gemachte Bett,
Und Advokaten, denen einst man Scheite
Geschichtet hätt, die findens gut und nett.
Zu Hermanns Ruhm seit endlich noch beteuert,
Er zog nicht selber ein ins neue Land,
Und die Vermittlung wurde noch erneuert,
Als Söldner halb Apulien abgebrannt,
Wer bis zum Tod gedient der deutschen Sache,
Verdients auch noch nach Menschenaltern viel,
Daß ihm das Volk ein großes Denkmal mache,
Daß dieses mahn das unerreichte Ziel.
Vers 14455 bis 14544:
Fünf Burgen hat die Kaiserpfalz zu Wimpfen
Als Tugendpreis der Ritterschaft geschart,
Und über Flegeln, die im Auland schimpfen,
Den Possenreißern, Parvenüs und Pimpfen
Erfreun sie sich der hohen Gegenwart.
Nur wer sich scheut, die Stätten aufzuspüren,
Ist ausersehn, zu ahnden, was sie eint,
Denn was Gestalt gewann, dich zu verführen,
Ist nur ein Abglanz durch verschloßne Türen,
Als sei der Traum durch Zauberwort versteint.
Der Stolz ist eines Ritters erste Gabe,
Der Kleingeist nennt zuerst die große Tat,
Auch achtet er die Ritter nur im Grabe,
Und spottet sonst das närrische Gehabe
Der Fahrenden im Traum von Monsalvat.
Doch dies soll unsre Kreise hier nicht stören,
Allein der Stolz, den nichts bedingt, macht frei
Zu Taten, die dem Dichterwort gehören,
Er ist das Pfand, dem Höchsten zuzuschwören,
Daß noch ein Mann in seinem Dienste sei.
Von Stolzeneck zur Minneburg der Erde
Spreng, daß dem hehren Ich ein holdes Du
Erblüh, und schlägt das Herz geschwind zu Pferde
Füg dem »Es sei« ein zarteres »Es werde«,
Dem Schwertgeklirr den Harfenton hinzu.
Und doch, dich wird schon bald die Lerche mahnen,
Daß du der Adler bist, den niemand hält,
Dein Element ist leicht und deine Bahnen
Magst du nicht länger im Verweilen ahnen,
Denn nur die Fahrt verwandelt Traum zu Welt.
Die Welt hat große Schätze ausersonnen
Für einen, der das Bad im Drachenblut
Nicht scheut, und manches Quellgeraun, verronnen,
Hebst du aus seiner Nacht in deinem Bronnen,
Und manches Leid wird für den Guten Gut.
Nur wer im Glück, das Dankbarkeit bereitet,
Zu nehmen weiß, nichts braucht, doch was ihm frommt,
Bewahrt und wer als Herr durch Güter schreitet,
Das Lehen mehrt und allem Feind bestreitet,
Der ist gefeit in allem was da kommt.
Der braucht sich keine Gründe auszusinnen,
Daß Segen ruh auf seinem Weg und Werk,
Und niemals werden echtes Gut gewinnen,
Umstürzler, die aus Rachsucht Streit beginnen,
Auf Gottvertraun erhebt sich Guttenberg.
Sind Sorgen auch des Ritters nicht, beschwere
Doch eine das Geschick in seiner Hand,
Wie er ihr treu sei und sie ständig mehre,
Lenk deinen Blick hinauf zum Berg der Ehre,
Das Feuer, das die Waffen hart gebrannt.
Kein Mißgeschick, kein Urteil kann sie bannen,
Solange du nicht in Verzagtheit harrst,
Und was die Philosophen nie ersannen,
Ist Eros, der regiert im Kampf der Mannen
Und auch das Schwert fügt, das der Faust zerbarst.
Er ist der Mittler und das Band der Burgen,
Er hat an allen Elementen teil,
Und auch der Kaiser, sein Gefolgsmann, fuhr gen
Italien, warb im Schatten des Demiurgen
Um ältre Würde und um ältres Heil.
Ließ ihn die Göttin, die dem Wogentanze,
Dem Schaum entstieg, am heiß erkämpften Riff
Im Vagen? Doch, flog nicht der Zug durchs ganze
Christliche Abendland wie deine Lanze
In gutem Wurf, und hieß das Heil nicht: Triff?
Nicht in Historien ist der Traum zu fassen,
Der sich zur Tugend jenen Reif gewann,
Wie Schätze, die nur in die Zeiten passen,
Da sie vergessen prunken und verlassen
Und sie allein der Dichter preisen kann.
Das fünfte Element, der Sphären-Äther,
Der Traum von Reich, Burg Reichenstein,
Rührt nur noch mit Legenden an den Täter
Im fernen Sarazenenland, der später
Als Drache mit der Perle spielt, allein.
Im Kyffe soll er schlummern, allem Reifen
Entrückt, die Treuen in Schlacht zu führn,
Auf Zinnen, die es nicht gelang zu schleifen,
Erscheint dir seine Gegenwart zum Greifen,
Und nachts im Traum weißt du ihn oft zu spürn.
Du hast wie er die Kaiserpfalz verloren,
Und auch im Burgenkreis bliebst du nur Gast,
Doch wärest du zum Ritter nicht geboren,
Du hättest sie zum Aufenthalt erkoren
Und hättest dich in Stein verwandelt, fast.
Du aber siehst den Adler, der im Blauen
Sich wiegt und dir den Göttertag verheißt,
Daß du in seiner Huld dem Reich vertrauen,
Daß du ihm gleichen kannst im hohen Schauen,
Ist Heils genug und alles was du weißt.
Vers 14545 bis 14616:
Im langen Kriege blieb kein Fleck
Verschont von Söldnern, Raub und Gier,
Man nahm dem Bauern alles weg,
Das Saatgut selbst und jedes Tier.
Wer Gold und Silber nannte sein,
War dieses Schatzes nicht mehr froh,
Denn Plündrern ists ein Freudenschein,
Krönt ihren Übermut die Loh.
In Questenberg drei Brüder warn
In großer Sorg um ihren Schatz,
Denn dauerhaft würd nicht ersparn
Die Abgelegenheit die Hatz.
Sie kamen schließlich überein,
Die Höhlen sein ein sichrer Ort:
Hier traut sich wohl kein Fremder rein,
Und nimmt uns Vaters Erbe fort.
Sie stiegen in den dunklen Schacht
Und suchten einen Platz mit Plan,
Schon bald war alles hergebracht,
Und jede Spur mit Staub vertan.
Nicht lang darauf in bösen Jahrn,
Hieß es bei Schwed und bei Kroat,
Wo stets nur Hungerleider warn,
Sei dir der Weg ins Dorf zu schad.
Dann kam der Frieden, und die drei
Begehrten nun ihr Gut zurück,
Doch grad als ob verhext es sei,
So hatten sie kein Finderglück.
Der Streit lag in der Luft, ob wer
Von ihnen ein Betrüger sei,
Doch Einsicht stellte Eintracht her,
Daß ohne Gold doch alle drei.
Daß jemand hätt den Schrein entdeckt,
War möglich nicht in dieser Welt,
Sie hattens nicht nur gut versteckt,
Es waren Fallen aufgestellt,
Hätt jemand diese zwar geahnt,
Ganz spurlos wär dies nicht geschehn,
Von außen war kein Weg gebahnt,
Auf das Geheimnis zuzugehn.
Sie grübelten, wie es geschah,
Daß Gold und Silber wie ein Hauch
Verschwanden, wo doch niemand da,
Als nur des Berges dunkler Bauch.
Als Lösung einzig möglich blieb,
Obs auch verwundert und verstört,
Der Questenberg war selbst der Dieb,
Im Meinen, daß ihm dies gehört.
Obgleich kein Richter solches rächt,
Sprach schließlich einer von den drein:
Uns scheint die Lage ziemlich schlecht,
Doch könnte es nicht wirklich sein,
Daß was man schürft an Erz und Glanz
Im Glauben, Gott hätt dies erlaubt,
In Wahrheit heißt ein Unrecht ganz,
Weils die Gewalt dem Berge raubt?
Dann ward uns Gnade wohl zuteil,
Daß keiner uns als Hehlern gram?
Mir schafft das Traun auf Schatzes Heil
Zunehmend Bitternis und Scham.
Drauf sprach der andre wie befreit:
Und ward im Krieg nicht Pest und Spieß,
Wärs möglich nicht, daß dieserzeit
Der Berg uns seine Huld bewies?
Darauf der dritte: Lobet Gott,
Wir sind gesund, der Mai ist feucht,
Entgangen Folter und Schafott,
Lockt uns im Feld das Taugeleucht.
Die Krume drückt uns Jahr für Jahr
Die goldnen Ähren in die Hand,
Der größte Schatz, dies seh ich klar,
Bleibt immer unser gutes Land.
Vers 14617 bis 14680:
In Sagen, die das Volk erzählt,
Stehn Schätze, die erschöpfst du nie,
Wird wer zum Finderglück erwählt,
Gehts grad wie in der Lotterie,
Mal wird ein kruder Dienst verlangt,
Oft Zuschaun nur, wie jemand tollt,
Wertloses Zeug man dann erlangt,
Und über Nacht wird dies zu Gold.
Die Sporne, allerwege wild
Ins Land gereckt, oft neckisch kraß,
Verkörpern uns kein Armutsbild,
Schon ehr ein berstend volles Faß,
Was sich mit harten Steinen deckt,
Mit Zacken, Schrunden, Salz und Rost,
Bestimmt sich guten Schutz bezweckt,
Daß niemand schlürf den süßen Most.
Wohl ruft uns mancher Eingang her,
Doch meistens bloß in Nacht und Tod,
Der Reichtum wäre nicht so schwer,
Wenn sich der rechte Eingang bot,
Doch scheints, daß ihn das Aug erspäh,
In tausend Jahrn macht eine Stund,
Wer dies erfährt, allein und jäh,
Nicht wiederholt den guten Fund.
Doch manchmal ists nicht bloß der Tag,
Der öffnet Aug und Berg zugleich,
Mitunter spricht das Volksgesag
Von einem Schlüssel in das Reich.
Manchmal ist dies ein Flötenlied,
Doch öfter eine schlichte Blum,
Der Blumenweg führt ins Gebiet,
Wo ein geheimes Königtum.
Von vielen Bergen wirds bemüht,
Mal ist die Blume blau, mal sagt
Man nicht, wie diese Pflanze blüht,
Doch oft wird der Verlust beklagt.
Der Blumenfromme, der die Nacht
Sieht voller Gold und Edelstein,
Vergißt, daß sie den Weg gemacht,
Geblendet von dem Glitzerschein.
Das Wort: Vergiß das Beste nicht,
Meint meistens nicht die Seligkeit,
Es geht allein ums Höhlenlicht,
Das eine zarte Blüte leiht,
Mir scheint darin der Weisheit Reim,
Nicht im Metall ist dein Zuhaus,
Was blüht, führt fort und wieder heim,
Und haucht dabei den Himmel aus.
Novalis, der im Berg vom Fach,
Und der die Sagen wohl bedacht,
Sang, daß die blaue Blume lach,
Sei alle Poesie gemacht,
Die Führerin erfand er nicht,
Sie ward im Volk schon oft beschworn,
Doch seine Zeit hat dies Gesicht,
Wie unsre auch im Herz verlorn.
Drum auch in Barbarossas Reich,
Fährst nicht mit Stößel oder Beil,
Das Harte zwingt was selber weich,
Drum nicht zum Rabenmorde eil,
Such lieber zwischen Feld und Rain
Die blaue Blume, die dich führt,
Dann wird im Kyff der Träger sein,
Und unserm Volk, was ihm gebührt.
Vers 14681 bis 14720:
Der Kaiser Rotbart steht im Sang
Des Volkes auf der Höh allein,
Kein Mann seit seinem Untergang
Sollt wieder so besungen sein.
Meist spricht die Sage namenlos
Von Leuten von geringem Stand,
Ob auf der Heid, im Ried, im Floß,
Wer kam und sah, ist unbekannt.
Mal wird ein Ritter, ein Geschlecht,
Wohl sagenhaft in Berg und Tal,
Doch bleibt das mythische Geflecht
Stets landschaftshörig und lokal.
Von Kronen, Szeptern, Schlachtenglück
Lebt wenig fort im Sagenraum,
Was den Gemeinen kränk und drück,
Betraf die Welt der Throne kaum.
Erst Martin Luther wieder fand
Von Politik zu Sagengold,
Wie Seele er und Leib verband,
Ward solche Phantasie gezollt.
Denn hier traf sich das Naturell
Mit deutscher Sehnsucht nach dem Thing,
Als ob ein lang Gedrücktes hell,
Als Bronnen aus der Erde spring.
Dies zählte mehr als aller Streit,
Wie dich am Abendmahl erlabst,
Ob die Apostel seinerzeit
Den Schlüssel ließen Kirch und Papst.
Was Luther oder Rotbart trägt,
Ist Glauben, der nicht Konfession.
Ihn hegt, wer nach den Toten frägt,
Und wo er einst mit ihnen wohn.
Wenn solches jedem närrisch scheint,
So sei geboren uns wer will,
Um schnöden Tand der Volksgeist greint,
Und in der Sage bleibt es still.
Erst wenn die Frag der Seligkeit,
Gilt jedem wieder mehr als Glück,
Kehrt deutschem Land die Sagenzeit
Und so die Hoffnung selbst zurück.
Vers 14721 bis 14816:
I
Im lenznen Schmelz
Stimm Lieder ein
Der Tafelfels
Von zähem Stein,
Tannhusers Land
Belaub das Vlies
Von Erz und Sand
Und Muschelkies.
Die Zeche steht
Auf dichtem Werg,
Das Pfingstgebet
Beschallt den Berg,
Erlösen soll
Vom Wahn, der trennt,
Posaunenzoll
Im Linnenhemd.
Was drunten schwelt,
Was lichtlos wacht,
Was man erzählt
Von Hohl und Nacht,
Sei unserm Fest
Nicht fern und feind,
Wer wachsen läßt,
Die Weiser eint.
Vergibt die Treu
Dem Wankelmut,
Sind Has und Leu
Als Wappen gut,
Nicht alten Zwist
Bekränz der Mai,
Was Leben ist,
Erschalle frei.
Am dunklen Teich,
Am Osterschloß,
Drum sich das Reich
Der Nacht ergoß,
Sei Wiederklang
Für Sang und Zupf,
Daß Freude drang
In jeden Schlupf.
Der Minneleich
Den Himmel rühr,
Der Traum vom Reich
Den Fels verführ
Zum Festgelag
Von Mensch und Zwerg,
Daß Rosen trag
Der Gamsenberg.
II
Vom Gamsenberge geht die Red,
Wo Zechstein wild zerklüftet steht,
Berühren Weid und Hirtenpfad
Das unerlöste Reservat
Der Heiden, Riesen, Zaubrer, Alb,
Manch Bauer ließ hier Lamm und Kalb
Dem Gnom, der sich als Hörsel-Sitz
Versenkt die Feste Österlitz.
Von Brauerpfannen puren Golds,
Weiß dir der Wind im Unterholz,
Ein Drache wacht mit arger Loh
Am Schatz, der keinen Menschen froh
Je macht, denn dieser Reichtum groß
Kann lindern nicht das Schreckenslos
Des Dunklen, der verbannt vom Licht,
Mit Schatten und mit Schemen ficht.
Nur manchmal springt ein goldnes Korn
Der Wanderer in Krug und Horn,
Auch sah ein Weib hier nächtens zu
Und fand die Unze Gold im Schuh,
Doch wer den Schlangenkreis betritt,
Den nimmt ein graues Männlein mit,
Und wer in Zechen sich verirrt,
Nie mehr zum Sohn der Eltern wird.
Ein Schäfer sah mit Eisenblatt
Die Dunklen spieln an dieser Statt,
Sie warten lang, doch wir im Tun,
Sind gleichviel fern den Flügelschuhn,
Dem Engelsflaum, der Aug und Arm,
Umschaudert lind und maienwarm.
Wir warten wie das Bergverlies,
Verschüttet von Geröll und Kies.
Wir hegen Hoffnung, denn uns kam,
Der Sohn, der uns als Kinder nahm,
Doch tausend Jahre gehn ins Land,
Die Vorwelt bleibt in Acht und Brand,
Der Frost zersprengt den ersten Keim,
Der Traum verfahlt und findt nicht heim,
Das Rittertum ward welk und weich,
Und kaum wer glaubt noch an das Reich.
Ob druntenher uns Maß und Glast
Zum Wandel taug aus unsrer Hast,
Scheint ungewiß, der Toten Sang,
Bedeutet uns nur Untergang.
Doch daß im Kyff der Staufer dächt
Auch dieser Fels stell treuen Knecht
Für seine Kunft und seine Schlacht,
Hält unser Herz für ausgemacht.
Vers 14817 bis 14886:
I
Da du hier anklopfst, sag, was willst du wagen?
Schreckt dich der Strauß, so rette Bein und Wanst!
Vermagst du es, den Drachen zu erschlagen,
Sieh zu, daß du das Gold auch tragen kannst!
II
Wer wagt, gewinnt, wer schwatzt, hat rasch verloren,
Denn wer kann wissen, ob die Karte sticht ...
Und schirmt dich, junger Mann, der Schild der Toren,
Macht mich der Tarnhelm unsichtbar wie Licht.
Was wunderts, daß nur ausnahmsweis in Foren
Das Tier erscheint, dem man den Lorbeer flicht?
Bevor du nicht der Prosa abgeschworen,
So lernst du auch bei mir das Fürchten nicht.
III
Am Markt, wo mancher Unberufne gafft,
Ließ ich was ihm nicht ziemt und frommt im vagen,
Fast ärgert mich, daß hier es jemand schafft,
Noch weniger als ich von sich zu sagen.
Doch reizt es dich, den Raunenden zu binden,
Der unerkannt am Born der Liebe wacht,
Such nicht, was er verschweigt, herauszufinden,
Denn nur im Geist wohnt seine Zaubermacht.
IV
Du hast das Tier geweckt, das zu Poemen
Die Rätsel flicht aus Wind und Vogelspruch,
Dies ist kein Schwatz mit Frommen und Bequemen,
Ein schwaches Kreuz geht dabei leicht zu Bruch.
Auch Jamben, die sich ungelenk und schwammig
Verbreitern, sind nicht erster Klasse Paß,
Der eine stirbt im Rost und schlummert schlammig,
Der andre gleißt im Firneis des Parnaß.
Doch nicht die Form sei allererste Zierde
Für den, der sich dem Quell zum Trunke neigt,
Nach welchem Stock sich deines Dursts Begierde
Bemißt, im Kyff dir erst das Szepter zeigt.
V
Ich wache tausend Jahr vor den Kleinoden
Mit Grimm, und wenn dereinst der Weise strahlt
Mit milderm Rot und wirft den Feind zu Boden,
Hat sich Geduld und Treue ausgezahlt.
Ich bin der letzte des Geschlechts der Riesen,
Die einst den Asen schufen Wall und Turm,
Für Darwin und die ihn zum Herrn erkiesen,
Bin ich ein Mißgriff und ein nackter Wurm.
Erst wenn die Alter vor des Heilands Kommen,
Erlöst sind vom Verdikt, das sie verdammt,
Darf auch dem Leben ihre Weisheit frommen,
Sind wahrhaft kosmisch Herrlichkeit und Amt.
Dann wird die Irminsul sich neu belauben,
Die Raben fliehn den Grottengang am Kyff,
Dann hörst du auch wie Odins Rosse schnauben
Nicht mehr als Alp, der nach dem Leben griff.
Denn wer das Leben hegt zum Neid der Toten,
Ist immer nur ein Günstling seiner Zeit
In beiden Reichen wesen Gottes Boten,
Und jede Gruft steht ihrem Flug bereit.
Doch nicht erst, wenn sie blasen zum Gerichte,
Wird Ruh für mich und hohes Glück für Hans,
Wenn Golgatha und Mimirs Quell Geschichte
Vereint, wird auch des Reiches Krone ganz.
VI
Nur Fahrenden geziemts, das Horn zu blasen.
Am Herd mag ruhn, wer gern den Weibern front,
Du weißt, daß selbst der mächtigste der Asen
Durch Wälder streift und nicht im Himmel thront.
Doch magst du gern an meinem Rätsel halten,
Vielleicht ists klug, vielleicht auch nur gewitzt.
Der Weisheit Freunde nannten sich die Alten,
Weil nur ein Gott die Weisheit selbst besitzt.
Genug! schon naht die Nacht mit ihren Mären,
So steig vom Pferd und öffne das Visier!
Ich weiß nicht, was die Götter uns gewähren,
Doch diese Stunde wache ich mit dir.
Vers 14887 bis 14958:
Der Herr aller herrlichen Heere,
Der Walter des Winds und des Walds,
Der Stifter von Eiden und Ehre,
Des Deutschen Beseelung und Salz,
Will haugkher, wo Licht aus Kristallen
Den Goldreif des Niblungs verheißt,
Des Rüstmeisters Kammer bestallen
Und segnen im Kyffhäusergeist.
Uns gehts wie dem Schmiede der Flamen,
Zur Jüterbog stark und bekannt,
Es braucht für die Tat keinen Namen,
Wer Teufel und Tod überwandt,
Doch wer sich das Heil nicht erbeten,
Eh Boten des Himmels verreist,
Der muß in die Kyffgrotte treten
Und dauern im Kyffhäusergeist.
Zum Weltbild der Ptolemäiden
Führt uns weder Kaiser noch Papst,
Die Zukunft heißt Kampf und nicht Frieden,
Heißt Freiheit, der du dich ergabst,
Verfolgt von dem römischen Banne,
Der Blut seiner Wurzel entreißt
Und taub für das Horn ist im Tanne,
Drin wiederklingt Kyffhäusergeist.
Wir haben die Unschuld verloren,
Der Vögel, der Wölfe sogar,
Wir haben ein Los uns erkoren,
Daß kindsgläubig scheint uns der Aar,
Wir schufen die mächtigsten Schwerter
Und Schilde, titanisch verschweißt,
Und bleiben doch unreif wie Werther
Und treu nur im Kyffhäusergeist.
Im Kyff ist uns alles versprochen,
Gemeinschaft, die Volk überragt,
Und wird einst die Grotte zerbrochen,
Weil all deine Herrlichkeit tagt,
So soll uns die Thinglinde scharen
Zu Tilleda, wie es da heißt,
Daß wir das Jahrtausend erfahren,
Das Reich und den Kyffhäusergeist.
Doch weh! es vergehen die Jahre,
Die Eiche ist tot längst und hohl,
Der Motor verbannt die Fanfare,
Es schmelzen uns Gletscher und Pol,
Der Weltbrand schlingt Runen und Reiser,
Der Lebensborn schimmelt verwaist,
Uns führt kein Prophet und kein Weiser,
Uns führt nur der Kyffhäusergeist.
Er sagt uns was wahr ist was Blendung,
Wenn hundert der Edelsten stehn,
So bleibt deine Stiftung uns Sendung
Wird Trug und Gemeinheit verwehn,
Solange die Fackeln uns lodern,
Solange du Atem uns leihst,
Kann deutsches Land nicht vermodern,
Wird aufstehn im Kyffhäusergeist.
Zwar wissen allein noch die Dichter,
Wer drunten im Kyffhäuser wohnt,
Es wurden die Ämter und Richter
Entweiht und gleich mehrfach entthront,
Wir stehen, umzingelt von Fremden,
Verrätern, mit Schmerbäuchen feist,
Uns schützt nicht der Ringwall von Emden,
Uns schützt nur der Kyffhäusergeist.
Wer weiß, wann die Raben verflogen,
Der blitzschwarze Baum sich belaubt,
Man hat uns unendlich belogen,
Doch rein bleibt die Seele, die glaubt,
Dein Reich kann sie nimmer verlieren,
Die Träume, von wannen du seist,
Und wir werden weitermarschieren
Und sterben im Kyffhäusergeist.
Vers 14959 bis 15002:
Bist du von Rasse, so fragt dich der Kamerad Peter,
Den du verdächtigst, ein ahnloser Mischling zu sein,
Ist auch die Frage die gänzlich verpönte, kein Meter
Soll dich vom Kern ihres wuchtigen Ernstes befrein.
Rasse ist Glaube der Ahnen, vererbt, angeboren,
Den du als Kind, das die strengen Verbote nicht kennt,
Spürst, wenn sich in die gemessene Stille der Horen
Eingräbt ein Sonnensymbol, das die Mutter verbrennt.
Höre, das bringt uns unendliche Tränen und Leiden,
Spricht sie, der Lehrer zählt bald die Verbrechen dir auf,
Die unsere Großväter, wie alle Zeugen beeiden,
Übten an Nahen und Fremden zumeist und zuhauf.
Doch das Verbotne verlangt, diese Tür zu erforschen:
Ob nicht ein Gran dieses Lichtglanzes stark in dir west?
So wie die Störche ihr Nest wiederfinden auf morschen
Türmen, verharrst du am Borne der Herkunft und flehst:
Mög doch der Makel, der grenzenlos bittere, weichen,
Daß man als Deutscher beim eigenen Namen nicht frör!
Aber das Ausweichen gilt nicht, erwidert das Zeichen,
Und es bleibt seltsam verstockt bei dem innren Verhör.
Irgendwann wird dir bewußt, daß der Feind jene Mären
Aussann, die hindern, du selbst und ein Enkel zu sein,
Ließest du ihn und die käuflichen Diener gewähren,
Wärst du von Rasse nicht, fällt dir zum Herkommen ein.
Hast du nicht frühtags die Linde, die Esche gestreichelt?
Künden nicht Ahorn und Märchen im ähnlichen Wort,
Daß unsre Götter, vielfältig gezähnt und geeichelt,
Hütet die Sprache wie Fafner den goldenen Hort?
Hinzelmann wird dir Gefährte im Schloß Hudemühlen,
Er, der nur guttut, daß er der gemordete Knab,
Stille verschweigt, muß die Häme der Hofgäste fühlen,
Bis er den Drosten vertrimmt mit dem Haselnußstab.
Dir wird zumut, nun ein lutherisch Liedlein zu singen,
Wenn man uns feindlich, so soll es, so muß es so gehn,
Wer sich erhob, sich dem bleiernen Bann zu entringen,
Bleibe am Haff und sodann an der Weichsel nicht stehn.
Wer überwindet Erziehung zu Schuld und Komplexen,
Pferche der Seele, daß Glauben und Mut sie zerquetsch,
Und wer entsagt dem Gebräu der atlantischen Hexen,
Wird nicht genügsam am Brenner und alt an der Etsch.
Bist du von Rasse, die Schatten im Abendrot fragen.
Schau auf das Bauhaus und schaue den gotischen Turm!
Nur vom Altar wie vom Szepter der Ahnen getragen,
Darfst du dich aufschwingen über den zeitlosen Wurm.
Vers 15003 bis 15046:
Elfmal zwölf Sommer vergingen, seit jäh der Erwählte
Sank, bis die Erblande kamen dem Reiche zurück
Für ein Jahrsiebent, und wenn man ins künftige zählte,
Trennt uns ein halbes Jahrhundert vom Einigungsglück.
Kleinmut vergleicht diese Frist mit dem irdischen Leben,
Wähnt das Geschehene wirklos, die Worte verstaubt,
Aber der Mensch ist gemacht, seinem Erben zu geben
Kunde des Wunders, das dauert, solange er glaubt.
Glaube allein macht die Lügen der Gegner nicht wahrer,
Was Propaganda vermag, zielt auf einen Instinkt,
Der dominiert bei den meisten, des Halbmondes Fahrer
Scheinen das letzte, das nicht in dem Unrat versinkt.
Aber es steht uns nicht an, vor Allah zu erbleichen,
Um unsrer Toten, seit langem geschmäht und entehrt,
Willen, muß alles was Rasse hat, Tatkraft erreichen,
Die den Verrätern die sechsfache Anmaßung wehrt.
Dienst du nicht Gott, so gehörst du Billionen Bakterien,
Denen der Mensch nur als Vorrat von Eiweiß besteht,
Aber wenn Gott ist, so kennt er nicht Urlaub und Ferien,
Das Interregnum der weltlichen Krone vergeht.
Wisse das Reich, und Vernunft wird es dir offenbaren,
Einzig das Reich wird den Pfeffersack, der uns erwürgt,
Zähmen und uns in der ständischen Ordnung verwahren,
Wo die Gemeinschaft das Heil und die Heimat verbürgt.
Welcher der Volksstämme sollte den Archipel einen,
Der sich benamt nach dem Opfer des kretischen Zeus?
Wählst du den Ritter, den Sense und Teufel umgreinen,
Oder Hieronymus in seinem Spinnen-Gehäus?
Schlichte Gemüter, sogar bei den feindlichen Polen,
Trauen die Einung allein den Teutonischen zu,
Unter der Hand und der mächtigen Aufsicht verhohlen,
Hoffen sie Ordnung und Frieden in Reiches Tabu.
Aber wir sollen als Süchtige danken der Knute,
Die unser Herzblut, Gesang und lebendigen Brauch
Macht zur Komödie, und mit der Vermischung im Blute
Will, daß die Herren am Ende der Darm und der Bauch.
Siehe, wir waren bescheiden und wollten uns fügen,
Aber es gibt keinen Feigenbaum, wo wir verschont.
Was sich von Fäulnis ernährt und versilberten Lügen,
Kann nicht erlauben, daß irgendwo Wahrhaftes wohnt.
Also beginne, dem Schwerte die Scharte zu wetzen,
Sende den Pfeil deiner Sehnsucht und mache nicht halt!
Mag auch den Kleinmut das große Vertrauen entsetzen,
Küren doch Fürsten für uns die erhabne Gestalt.
Vers 15047 bis 15070:
Heil dem Allzeit Mehrer,
Höchst erkorn, erwählt,
Reiches Trutz und Wehrer,
Der die Schilde stählt.
Heil dem Allzeit Mehrer,
Höchst gesalbt, geweiht,
Weiser, Fürst und Lehrer
Durch das Joch der Zeit.
Heil dem Allzeit Mehrer,
Höchst bekränzt, bekrönt,
Sagenborns Verzehrer,
Der in Liedern tönt.
Heil dem Allzeit Mehrer,
Höchst bereift, belehnt,
Sehnsuchts Schild Durchspeerer,
Der den Äon dehnt.
Heil dem Allzeit Mehrer,
Höchst erfleht, erschaut,
Aller Ehre Ehrer
Uns zum Dom erbaut.
Heil dem Allzeit Mehrer,
Höchst ertrotzt, ersiegt,
Deutsch wird der Entbehrer,
Wenn die Lanze fliegt.
Vers 15071 bis 15130:
Im Wonnemond des Jahres einundachtzig
Lädt Schilling seine Schar zum Maientag
Zu Quedlinburg auf Turm und Wall und macht sich
Zum Sohn von Lindengrün und Finkenschlag.
Er denkt des Voglers, den das Horn zur Beize
Hinausrief, da der Werwolf schweift im Tann,
Er rühmt das Land und seine stillen Reize
Und kündigt eine hohe Stiftung an.
Die Burg, wo Kunde seiner hohen Kür
Heinrich erreicht, daß er des Reiches Haupt,
Ist für den Geist die unverschloßne Tür,
Dadurch er sich in unsre Mythen glaubt.
Dreifach gestaltig ist des Dichters Leite,
Das Deutschtum, lutherisch, dem Nietzsche sah
Den Pfeil der Sehnsucht und in finstrer Weite
Den großen Mittag, Ring und Omega.
Dem mischt sich Traum, waldeinsam, stromgewunden,
Novalis’ Wort, nach Haus zu gehn zur Nacht,
Und Tristan löscht die Fackel, ungebunden
Zu lieben, eh die Sonne neu erwacht.
Das dritte ist der Bann aus Form und Stil,
Die Treue und die hohe Disziplin,
Die uns im Höllenkreis wie ein Vergil
Das Erbe und die Träume läßt vollziehn.
Er zeichnet Wappen und er teilt sie aus
Und manchem ist dabei der Wind zu kalt,
Doch eh die Nacht zerrinnt im Glanz des Taus,
Macht Lammla grad bei Schwan und Scharlach halt.
Ein Jüngerer, der erst die ersten Sprossen
Der Leiter klimmt, die deutscher Dichtkunst steht,
Berauscht sich und bewundert den Genossen
Als frischen Wind, drin seine Fahne weht.
Die Schar zerstreut sich bald in alle Winde,
Nur Lammla, der nach diesem Mythos lechzt,
Der kein Gefolge hat und kein Gesinde,
Wagt sich zum Kyff, davor der Rabe krächzt.
Und Schilling wird der Meister seiner Werke,
Er sinnt im Dank auf Lohn, der diesem frommt,
Und wie er ihn verläßt in Mannesstärke,
Ein neues Amt ins Haus der Dichtung kommt.
Bei Schilling wird der Traum vom Reich zur Schwinge,
Die ihn in Feld und Flur mit neuer Schau
Für Gottes Wunder und den Ring der Ringe
Begabt und stiften läßt in Hain und Au.
Doch Lammla stellt sich der Historie näher,
Für ihn ist nicht die Zeit zum tiefsten Traum,
Der Feind ist nah, und sendet seine Späher
In jedes Haus und läßt uns atmen kaum.
Wird unsre Rasse ausgelöscht, so werden
Auch Schillings Runen aus der Welt verwehn,
Drum laß nicht aus Verachtung für die Herden
Den Schild im Stall, das Schwert im Speicher stehn.
Dein Vers zerreiße das Gespinst aus Lügen,
Das Reich ist kein Zierrat, nicht Rausch und Wahn,
Du sollst das Horn des Stauferherolds fügen,
Daß seine Reiter finden Licht und Bahn.
Dann wird ein Sperber alle Raben köpfen,
Die um die Grotte flattern, und der Eich
Wird grün, was wir aus deutscher Erde schöpfen,
Wird wieder heilig sein und wieder Reich.
Vers 15131 bis 15154:
In Gold und Blut des deutschen Mittelalters,
In Chronik, Spruch, in Stein, in Pergament
Und in den Liedern Wolframs, Heinrichs, Walters
Findst du nichts, was noch mehr Erstaunen kennt
Als das der Welt, als der zum Reichstag wallte,
Der als Normannenerb in Flandern Otto schlug,
Und froh, daß er des Heilands Grab erhalte,
Den Königsthron nach Palästina trug.
Der Weisheit gab wie früher die Hellenen
Sein Regnum Weite und geweihten Hort,
Darin die Deutschen und die Sarazenen
Im Brauch sich fanden und im hohen Wort.
Und das Imperium dehnte sich zur Größe,
Daß sich der Papst dem Geld der Lombardei
Verband und jedes Fernsein, jede Blöße
Benutzte, daß ihm Schmach und Schaden sei.
Er starb gebannt, er, der nach Ausgleich strebte
Er kürte keinen Gegenpapst, befocht
Die Würde nicht, die schändlich er erlebte,
Denn Welt und Geist warn ihm wie Wachs und Docht.
Er mehrte stets und blieb dem Christentume
Bei aller Lust, die Orient lebt und liebt,
Getreulich in den Opfern und im Ruhme,
Und im Vertrauen froh, daß Gott vergibt.
Vers 15155 bis 15282:
Der Lieblingsort des, der Erstaunen
Der Welt von der Mitwelt genannt,
Erhebt sich mit weißen und braunen
Kalksteinen im fruchtbarsten Land,
Von ruhlosen Völkern durchzogen
Von Seeraub geplündert und wund,
Wo Herrschaft die rollenden Wogen
Bekrönen und schlingen im Sund.
Im Bann der apulischen Feste
Erhebt sich der Geist zum Triumph,
Und sind auch die Türme nur Reste,
Wahrt Macht und Geheimnis der Stumpf,
Das Labyrinth, das gewaltig
Den schlägt, der nicht Größe und Plan
Begreift oder flügelgestaltig
Weiß schwebend aus Wolken zu nahn.
Im Maß der ägyptischen Ellen
Wird Sternkunde Mauer und Stein,
In achtfachen Gleichklängen stellen
Die Türme den Innenhof ein,
Das Gangsystem, vielfach verschlungen,
Hat, eh du gelangst an dein Ziel,
Oft Orient und Hellas besungen
Im pythagoräischen Spiel.
Das Eingangsportal, das von Osten
Dich einlädt so rot wie der Bart,
Romanische Löwen als Posten
Um Flachgiebel griechisch gepaart,
Das Rechteck und farbige Weiser
Gemahnen dich an den Islam,
Und achtstrahlig gibt sich der Kaiser,
Der siegte, noch ehe er kam.
Hier mischen sich alle Symbole
In Einheit, wo Kreis und Quadrat
Versöhnt sind wie Wölbung und Hohle,
Wie Melancholia und Tat,
Hier sammelt das Oktagonale
Die Ritter und Barden zum Trank,
Wer einfand sich jemals im Saale,
Spricht groß und geheimnisvoll dank.
Das Schloß als der Reim der Gestirne
Im Glast des Imperiums ergleißt,
Die Fronenden, Bube und Dirne,
Begreifen, was Kaisertum heißt,
Die Aachener Krönungskapelle,
Ihr Leuchter, und achtfach gezackt,
Die Krone in strahlender Helle,
Mit Wappen der Stämme beflaggt.
Der Hochlage nahst du von unten,
Der Gnade gewahr, das des Herrn,
Der solch eine Würde gefunden,
Wir Kinder wie Sonne und Stern,
Wer Mann ist, sinnt hier nur auf Treue,
Begreift sie als Ehre und Lust,
Daß ewig der Glanz sich erneue,
Sei Samen, sei Reife und Blust.
Die Türme, wo steinerne Stiegen
Sich winden zum Kreuzrippendach,
Ein Kopf weiß die Wölbung zu wiegen,
Ein Antlitz versteinert im Fach,
Es sind die gefallenen Ritter,
Normannische Scharn, die das Land,
Einst eisern wie Turmspitz und Gitter
Zu Größe und Reichtum erkannt.
Gesetze von Stütze und Schwere
Der gotische Meister umging,
Im filigransten Verkehre
Die Masse der Strebpfeiler fing,
Weil jedes der Bauelemente
Schon Teile des Kuppelbaus hebt,
Sind leicht auch die äußeren Stände
Drein Lichtflut die Vielfalt belebt.
Das Maßwerk mit Glasmalereien
Bringt Blust in den steinernen Wald
Die Kreuzblume, Blauaug des Freien,
Vervielfältigt Maß und Gestalt,
Und rot in der Krönungsrosette
Auf Ranken der Alchymist flammt,
Weiß Psyche im Schmetterlingsbette,
Wie Georg den Drachen zerschrammt.
Der Kosmos im Großen und Kleinen,
Schildwappen und Allegorie,
Im Werk alle Werke zu einen
Samt dunklerer Zeit Häresie,
Ein Christentum, das nicht verlästert,
Den heidnischen Urgrund des Lichts,
Ein Kreuzgang, von Sonnen umquestert,
Abhold einer Mystik des Nichts.
Magie ist das Denken der Fürsten
Zur Stunde, da alles sich mählt,
Das Gold, danach Schwertkämpfer dürsten,
Mit Silber, von Frauen erzählt,
Wo Feste und leuchtende Scheiben
Verschlungen wie Liebe im Akt,
Darf pflanzlich der Geist sich verschreiben
Und wandeln im schirmenden Trakt.
Daß solches erreicht und geworden,
Der Mensch, der den Himmel sich greift,
Sei Muster für jeglichen Orden,
Drin Mut noch und Männlichkeit reift,
Sei Ansporn, sich niemals zu beugen
Blasphemischer Dumpfheit, die taub
Den Ruhm und die steinernen Zeugen
Läßt Winden und Wettern zum Raub.
Der herrschende Geist von Reptilen,
Der alles verkleinert und teilt,
Weiß nicht, daß in gottfrohen Zielen
Das Wundmal der Schöpfung verheilt,
Er kennt nur geringes, das allen
Verständig, hat göttliche Macht
Um Heimat, um Stolz und Vasallen,
Die Toten um Ehre gebracht.
Nur kurz kann der Mut, Kathedralen
Zu baun, die Verfallszeit erhelln,
Und Träume, versteinert zu Malen
Ins geistlose Spielzeugland stelln,
Als Krieg, der Europa verheerte,
Nicht faßt der Gefallenen Zahl,
Der Deutsche den Stauferbau ehrte
Als Muster zum Tannenwald-Mal.
Zwar ist diese Wiedererweckung
Seit langem gesprengt und geschleift,
Doch kam hier ein Geist aus der Deckung,
Der Taten als Willen begreift,
Und der uns beflügelt zu hoffen
Auf den, der Erstaunen der Welt,
Du weißt, die Geschichte ist offen
Solange sie Gott uns erhält.
Vers 15283 bis 15354:
Als Heinrich der Löwe gewährte
Auf Gotland ein Tauschprivileg,
Der Kreuzpunkt der baltischen Fährte
Fand Recht und zu Reichtum den Weg,
Von hier wuchs zu mächtigem Bunde
Ein Netz, das die Häfen dem Land
Auf Frühlingspunkts Drift eine Stunde
Im Zeichen mercurius verband.
Denn wie einst von Visby die Leute
Zur Satzung erhoben ihr Wort,
Daß Händler zu mehrender Beute
Dies herschaffen und jenes fort,
Da blähen die mächtigen Takel
Mit Ballen, mit Fässern und Truhn,
Zur Kathedral das Mirakel,
Zur Kunst alles menschliche Tun.
Die Wirtschaft dient Herrn und Gemeinen,
Dem Ruhme des Heilands, der kehrt,
Die Planken der Koggen vereinen
Die Stände, am Achtern bewehrt,
Hier binden sich Tatkraft und Rechte,
Daß Frohtat das Krähennest weist,
Zum hansischen Kaufmannsgeschlechte
Europas im christlichen Geist.
Die Ostsee verdingt sich dem Ruhme
Germanias im lübischen Recht,
Wer festhält an Scheuer und Krume,
Fährt bei diesem Austausch nicht schlecht,
Das Tun, das im Messen und Wägen
Zum Nutzen den Mangel verkehrt,
Die göttliche Freiheit dem Trägen
Im Sieg des Gemeinschaffens lehrt.
Zur Mutterstadt Rigas in Livland
Wird Visby, zur Blüte gereift,
Da kommt es zum Aufstand, das Tiefland
Die Zinnen der Stadtmauer schleift,
Als darauf die schwedische Krone
Die Mannen von Gotland belehnt,
Ziehn Gleichteiler wankelmutsohne
Zur Stadt und verlangen den Zehnt.
Zwar reinigt der Deutschritter-Orden
Auch Gotland von Freibeuterei,
Doch mählich verödet der Norden
Im Fernglück, entnebelt und frei,
Im Weg zu westindischen Inseln,
Wo Wind über Goldminen fegt,
Ein Volk von einfältigen Pinseln
Grundstein neuen Weltalters legt.
Bald sind Privilegien der Kaiser
Kaum mehr als die Tinte der Schrift,
Der Ton in Kontoren wird leiser,
Der Sturzflug die Stolzesten trifft,
Verfallen der Rat und die Lade
Und traurig der Türme Fanal,
Die Ostsee lockt nur noch zum Bade,
Der Welthandel wird kolonial.
Der Freiraum der hansischen Segel
Kann nur durch den Kosmos bestehn
Des Abendlands christlicher Regel,
Des Treubunds aus Wegrecht und Lehn,
Verfällt uns das Recht der Germanen,
Zerbricht auch der Wirtschaft der Sinn,
Das Bündnis von Wiege und Ahnen,
Es herrscht nur der höchste Gewinn.
Drum muß eine neue Elite
Europa autark, autonom,
Abtrennen von Schwätzer und Niete
Und heimführn im gotischen Dom,
Daß reiferer Geistigkeit inne
Es hansische Fahrten erneut,
Das eins wieder wird im Gewinne
Das Reich und die einfachen Leut.
Vers 15355 bis 15450:
Wir leben in Stämmen, wo Zwietracht und Neid
Vom Rand der Geschichte nach Brudermord schreit,
Wir träumen in Wäldern mit dichtem Gezweig,
Im Nebel und unter der Rauhnacht Geschweig,
Wir herrschen in Mären, die fern einer singt,
Der nie in den Schein unsrer Sonnfeuer dringt,
Und spät ward ein Name uns Makel und Lohn,
Doch schon unser Werden war immer Passion.
Der Limes der Römer durchschnitt unser Land,
Der West und der Süd ging dem Feinde zur Hand
Und kaufte von Freien mit gutem Gewinn
Den Bernstein und mancherlei Hausrat aus Zinn,
Doch auch die Gezähmten im römischen Staat,
Sie sannen auf Abfall und schnöden Verrat,
Erwacht im Cherusker der alte Teuton,
Wird Varus das Opfer der deutschen Passion.
Wer Grauen nicht meidet, dem stehts zu gebot,
Ist Tod nicht mehr Leiden, wird Leidenschaft Tod,
Wer nah bleibt dem Quell, der das Leben gebiert,
Lacht über den Gecken, der schamvoll sich ziert,
Barbar, was als Schimpf und Verachtung gedacht,
Entpuppte sich rasch als geschichtliche Macht,
Und bald wird Byzanz seine Heldenlegion
Erkennen in Stämmen der deutschen Passion.
Die Inbrunst, die nach dem Erlöser sich sehnt,
Erstickten die Pfaffen und drückender Zehnt,
Wer frei ist, der duldet nicht Steuer und Zoll,
Stößt Schranzen aus Fenstern und zeigt seinen Groll
Mit Waffen, die bar aller Zierde und Weih
Der ländliche Alltag ihm steuert herbei,
Und hilft gegen Plündrer nur Reformation,
Erfährt auch Herr Tetzel die deutsche Passion.
Wir sind in die Mitte Europas gestellt,
Wir einen das Kleine der Größe der Welt,
Das göttliche Recht, im Gemächte des Manns
Verbürgt, macht uns einig und fruchtbar und ganz,
Von Welschen und Schweden zur Walstatt erkorn,
Hat Deutschland ein ganzes Jahrhundert verlorn,
Doch ziehn die Besatzer mit Flüchen und Drohn,
So bleibt doch das Deutschsein für immer Passion.
Denn ernst nimmt der Deutsche die Liebe, den Streit,
Den Glauben, das Recht und Gerechtigkeit,
Er duldet nicht Phrase, Theater, Zierrat,
Er fordert die Treue, die Ehre, die Tat,
Er haßt eine Ordnung, bequem und korrupt,
Sie gilt ihm als Teufel und Drache, beschuppt,
Bis Siegfried, Sieglindes erbsündiger Sohn,
Das Untier läßt spüren die deutsche Passion.
In Frankreich verspielte der König den Kopf,
Als Freigeisterei als gefährlicher Kropf
Sich auswuchs, wo Spiel und der Unernst am Hof
In Albernheit punkte, für keine zu doof,
Der Mühe abhold und im Fordern sich keck
Erhebend, erfand ein Regime seinen Zweck,
Doch fand hier auch mancher begeisterter Ton,
Verharrten die Deutschen doch in der Passion.
Da reiner Verbrauch an die Endlichkeit stößt,
So wurden als nächstes die Nachbarn erlöst.
Dem Reich, das von Rom einst den heiligen Stab
Forttrug, gab der Korse ein ruhmloses Grab,
Bis endlich die Preußen und Bismarck gewitzt
Ertrotzten, daß Deutschmann im Vaterland sitzt,
Und Türme und Male, gehuldigt dem Thron,
Erschienen als Zeugen der deutschen Passion.
Die deutschen Erfolge, die Flotte, das Heer,
Ertrugen die Angeln nur knirschend und schwer,
Sie schufen Allianzen, zu stoppen den Fleiß
Des Deutschen, der ärgerlich viel kann und weiß,
Sie forschten nach Schwächen in Reiches Gebälk,
Sie stützten, was brachliegt, was morsch ist und welk,
Bis Kriegslust Europa berauschte wie Mohn,
Für Deutschland der Weg in die ärgste Passion.
Denn nicht nur versagt blieb dem Reiche der Sieg,
Der Frieden ward schlimmer als jeglicher Krieg,
Im Osten zerstückelt, im Westen besetzt,
Ein Staat ohne Würde und Hunger zuletzt,
Ein Mann und ein indisches Lebenssymbol,
Sie stiegen und wurden der Deutschen Idol,
Was diese versprachen, als hätten sies schon,
So träumten die Deutschen in ihrer Passion.
Doch tiefer nur noch als beim ersten Mal fällt
Der Deutsche im Wahne, den Haß aus der Welt
Mit Waffen zu kehrn, mit Gefolgschaft allein,
Als könne der Führer der Gottessohn sein,
Und Kleinmut besetzt, was der Größenwahn ließ,
Und Deutscher ist nun, wer Zerknirschung bewies,
Den Deutschen ist Deutsches nun Abscheu und Hohn,
Sie spotten ihr Dasein und ihre Passion.
Wie lang soll das gehn? fragt sich mancher und glaubt
Man hätt den Verstand allen Deutschen geraubt,
Doch sammeln sich fern vom Getön der Parteien
Geächtete, reif, wieder Deutsche zu sein.
Sie rüsten sich, wecken den Kaiser im Kyff,
Der tiefer als Spätre nach Heiligkeit griff,
Die Pfalzen vereinte im Burg-Oktagon
Als Walstatt des Geistes und deutscher Passion.
Vers 15451 bis 15498:
Wort, einem Grabstein in Dahlem entliehn,
Sesam, der öffnet das Tor, um zu ziehn
Aus einer Enge, die Jugend nicht kennt,
Bis sie sich selber ermannt und benennt,
Steglitzer Aubruch und märkisches Kind,
Lied, das im Volk und im heimlichen Wind,
Selber erfand seine Klampf, seinen Zupf,
Mythen erfüllte mit Heimat und Schlupf.
Nicht was Kurzhösler, was Rohkoster sucht,
Was Limonadler verdammt und verflucht,
Nicht eine beßre, die eigene Welt,
Sucht der Scholar unterm offenen Zelt.
Aufbruch ist alles und lenzen und früh,
Fern sind Klausuren und Pauker und Müh,
Karg ist das Mahl, das am Feuer sich bräunt,
Still ist die Nacht und noch stiller der Freund.
Hier wird Gemeinschaft und Treue erprobt,
Fahrt, die den Himmel des Einfachen lobt,
Führt dich zum Hain, wo selbst Tannhusers Klag
Wachendes Herz zu erlauschen vermag,
Nicht was die Kneipe, die Butzscheibe reimt,
Noch was der Leiermann rührselig leimt,
Wird Poesie, wo das Blümelein blau
Ruft auf die Almen, auf Anger und Au.
Seid ihr die Deutscheren, Vögel, dem Geist
Nachspürend, der der romantische heißt?
Schnurre und Spinnstube eint euer Gut,
Handwerk, Soldaten und Landstraßen-Glut
Machen mit Ernte, mit Klage und Tanz
Leben vergangener Weltalter ganz,
Da noch von Schloten, von Draht und Fabrik
Ungestört faßte die Landschaft der Blick.
Volkslied, in stadtfernen Kammern bewahrt,
Sammelt ihr bienengleich ein auf der Fahrt,
Doch euer Schaun ist nicht nur ein Archiv,
Was ihr zurückstrahlt, weckt Urträume tief,
Gabe, das Echte zu scheiden dem Trug,
Anführt noch heute den alldeutschen Zug,
Eint gegen Rachsucht und Stubengedöns
Murmeln des Quells mit der Milde des Föns.
Wurzeltraum, Wipfelrausch, Schneise und Bach,
Nur auf der Fahrt wird die Lebenskunst wach,
Nur in der Landschaft, Geschichte und Gott,
Löst sich der Sänger vom sklavischen Trott,
Nur wer der Jugend das Recht ließ und fuhr,
Findet zu Weisheit und gründender Spur,
Völker, wo Jugend sich rüstet zur Fahrt,
Dauern im Mahlstrom, der wenig bewahrt.
Vers 15499 bis 15538:
Gehört der Ornat Spekulanten,
Wo Wuchrer und Dummköpfe teiln,
Wenn Reichsschwert und Lanze von Tanten,
Traumtänzern, vom Wahn nicht zu heiln,
Verwaltet, verspottet, verpfändet,
Versagen der Heimat Bestand,
Dein Leben als Untertan endet,
Erneut in der Roßbacher Hand.
Was einst dir der Vater, der Lehrer,
Die Kirche, der Staat, das Gesetz,
Das frommt nun dem Niedergangswehrer,
Der Tat wider Trug und Geschwätz,
Was einstens dir Luther und Dürer,
Was Schiller und Gurnemanz’ Tor,
Das bot sich als Aura dem Führer,
Der anführt das Roßbacher Korps.
Mischt jegliches Gut sich mit Margen,
Mit Renten und Kursen das Glück,
So laß dich nicht länger verarschen
Und hol dir die Heimat zurück,
Du findest dich im Kameraden,
Der uralte Rechte und Fug
Führt stolz gegen polnische Schwaden
Und Lenin im Roßbacher Zug.
Der rheinische Industrielle
Hat je schon den Osten gehaßt,
Wo unter der Feldarbeit-Helle
Der Reiz alles Künstlichen blaßt,
Dort ackern die pommerschen Bauern,
Und suchen nicht Geld-Kapital,
Dort kann auch die Reichsidee dauern
In Menschen aus Roßbacher Stahl.
Der Roßbacher wird stets verraten,
Im Feld hat ihn keiner besiegt,
Und deutsch nennt sich mancher der Staaten,
Der ihn als den Deutschen bekriegt,
Sein Aug kann die Weiser verlieren,
Doch niemals das Roßbacher Amt,
Das Deutsche zu mobilisieren,
Das alle Welt schmäht und verdammt.
Vers 15539 bis 15586:
Der Mensch ist ein zuchtloses Wesen,
Ein Strom, von Kloaken durchsetzt,
Zu kehren mit eisernem Besen,
Ein Stall, dessen Stampfboden wächst,
Sein Arm ist zu klein für die Tugend
Und selten entschlossen zur Tat,
Doch wird er auch Gott deiner Jugend,
Der Übermensch heißt Kamerad.
Wo Spießer und Gutmensch besetzen
Die Zeitung, den Funk und den Staat,
Das Sandkastenspiel zu verletzen,
Grüß männlich und deutsch, Kamerad.
Wer wahrspricht, wenn andere lallen,
Beweist durch sein Wort, sein Gebet,
Daß keiner vergeblich gefallen,
Solang Kameradschaft besteht.
Wir sind nicht nur Deutsche und Christen,
Wir sind Kameraden zuvor,
Zum Bürger und zum Zivilisten
Taugt keiner in unserem Korps,
Wir stehen als Gleicher mit Gleichen,
Getauft mit Granaten und Blut,
Verbrannt wie die uralten Eichen
Und treu ihrer uralten Hut.
Was Eigensinn, eitles Gehabe,
Uns blieb von der Mütter Geheg,
Das trug unser Treuschwur zu Grabe,
Es rottet vergessen am Weg,
Für uns ist die Ehre die Treue,
Und einsilbig schallt unser Ruf,
Daß Leben und Volk sich erneue
Und lebe der Geist, der uns schuf.
Wir fliehn nicht in Träume und Phrasen,
Erwarten nicht Wunder noch Glück,
Wir erbten den Kriegsmut der Asen
Und kennen kein Fünkchen Zurück,
Was wir von einander erfuhren,
Durchfurcht unser helles Gesicht
Und trägt seine Sporen und Spuren
Vor Gott und das Jüngste Gericht.
Dann mag man uns richten und prüfen,
Wie wir es im Leben gekannt,
Doch was uns die Himmel auch schüfen,
Wir halten das ewige Band,
Der Geist führt an manchen Gestaden
Das Leben zu Kunst und Gestalt,
Doch wir bleiben stets Kameraden
Und beugen uns keiner Gewalt.
Vers 15587 bis 15659:
Dem Andenken Hans Grimms
Stiller Hof und Wandelgänge,
Dichtertag im Klosterhaus,
Zeiten einst mit Volksgedränge,
Dann blies wer die Lichter aus,
Lied und Spruch in Wechselwinden,
Wer verrät, was kommt, was geht? --
Was die Alten nicht mehr finden
In der Jugend neu ersteht.
Weit bist du umhergekommen,
Deutscher Schmach wie keiner kund,
Was dir jemals schien zu frommen,
Ward zerstört bis auf den Grund.
Schlimmer noch: verfälscht, verfemt
Wurden Botschaft, Sinn und Ziel,
Wer zur Kenntnis sich bequemt,
Lästert über Ernst und Stil.
Dichterwort, das nicht mehr einigt,
Ohne Volk steht dieser Raum,
Was die Einsamkeiten peinigt,
Rührt die meisten Menschen kaum,
Manche Zeit verehrt Poeten,
Manche schüttelt bloß den Kopf,
Mancher wirft Apologeten
Und Kritik in einen Topf.
Da die deutschen Banner sanken,
Und der Feind ergriff die Macht,
Schienen frei dir die Gedanken,
Da der Genius eint und wacht.
Tiefer wolltest du ergründen,
Daß wir fielen weit und tief,
Nach dem Weg aus Schuld und Sünden
Dein Gebet den Schöpfer rief.
Aber Gott wird nicht als Rater
Tätig, denn er rät seit je,
So ward Lippoldsberg der Kater
Nach dem Rausch, aus Gram und Weh
Blühte nicht die blaue Blume,
Die die Jugend lockt und treibt,
Fruchtlos blieb die Ackerkrume,
Drein der Dichter wirkt und schreibt.
Ward der Geist zur Todesfalle,
Da das Leben nicht mehr stört?
Ewig gestrig sind wir alle,
Eh die Zukunft uns gehört.
Jüngren blieb es vorbehalten,
Wenn dein Kreis Legende ward,
Spruch und Weiser zu gestalten
Für die ewig deutsche Fahrt.
Zwar der Geist kann nicht veralten,
Doch der Samen fordert Ruh,
Da die Keime sich entfalten,
Schlug das Tor des Klosters zu.
Doch die Sprache sonder Hege
Reift zu Runenspruch und Chor,
Wo die Malve blüht am Wege,
Pocht ein junges Heer ans Tor.
Längst hat Gott dich abberufen,
Fern dem Leiden und der Tat
Schaust du von den Tempelstufen,
Wer in deine Spuren trat.
Waffen trägt man in die Zellen,
Wehr schmückt Mauer, Erker, Dach,
In Gesichtern, jugendhellen,
Wird das Horn der Freiheit wach.
Und das Dichterwort beflügelt,
Scharen, froh des Morgentaus,
Kein Gesetz den Aufbruch zügelt,
Als die Strenge dieses Baus,
Lieder, die das Leben tragen,
Schmerzen in des Feindes Ohr,
Und es dämmert seinen Tagen,
Daß die Herrschaft er verlor.