Einer fand ein rostrauhes Horn
Am strauchüberwachsenen Wegborn,
Wo er einsam und selbstvergessen
Streunte hin längs Kornraden und Kressen.
Er kratzte vom Erz das Gekrust
Und blies ein Lied sich zur Lust -
Ins Hohle stieß er: Sein Hiefen
Weckte Träumer, die welttief schliefen.
– Bartuschek
Vers 17215 bis 17254:
Sieben Jahre sollst du lieben,
Sieben Jahre trauern dann,
Doch erst wenn du dreimal sieben
Jahre wandelst, steht geschrieben,
Kehrt das Knabenglück im Mann.
Und du sollst das Auge schauen,
Das Gewißheit schafft allein,
Und in tief verschneiten Auen
Zwischen Schmerz und Gottvertrauen
Sollst du still und weiser sein.
Wach und such nichts zu bewegen,
Denn am Helden, Handstreich-kühn,
Und am fürstlichen Strategen,
Ist dem Schicksal nicht gelegen,
Soll die Blaue Blume blühn.
Mancher Traum hat ihr gegolten,
Als der Geist sich Rädern ließ,
Bis sie unaufhörlich rollten
Und so viele glauben wollten,
Erzen käm das Paradies.
Du hast stets am Rand gestanden,
Doch im Takt, der weckt und lähmt,
Kam auch dir der Reim abhanden,
Drin sich einst die Dichter fanden,
Wenn der Tag den Traum beschämt.
Keiner Tat blüht sie zum Ruhme,
Doch wer jedem Wunsch entsagt,
Zu beherrschen Keim und Krume,
Findet auch die Blaue Blume
In der Stunde, da es tagt.
Wenn der Lenz dich als Belauber
Aus der Klause schickt ins Tal,
Labt die Quelle hell und sauber,
Wird ihr Blau Karfreitagszauber
Parsifals und zeigt den Gral.
Ahnde, daß ihr Duft der Frühe
Auch das Gold der Ernte weih,
Wenn du fern von Furcht und Mühe
Glaubst, daß sie dir immer blühe,
Wird dein Herz zur Liebe frei.
Vers 17255 bis 17270:
Vergeben -- ach, wer gab dich hin?
Wer spürt im Spruch den Hintersinn,
Das Herz, beschenkt wie nie zuvor,
Das sich vergaß und sich verlor?
Warum und wie? du weißt es nicht,
Und ging dein Glück im Abendlicht,
So wär der Schmerz, dem du gefront,
Noch ärger, wenn er dich verschont.
Vergeben -- ach, verfallen sein,
Wer schloß das Herz in diesen Schrein?
Wer warf im Übermut das Los
Und frug nicht, ob zu klein, zu groß?
Sei still! und hab das Schweigen lieb,
Dem Traum, der dich verriet, vergib,
Bis dir, was unauflöslich dein,
Geoffenbart wird -- dir, allein.
Vers 17271 bis 17286:
Im Krieg und in der Liebe
Sind Masken gut und recht,
Hier steht die Kunst dem Diebe,
Dem Schwert und dem Geschlecht.
Im Staat und in Kontoren
Sind Masken gut und not,
Gespür in Aug und Ohren,
Bringt manchen um sein Brot.
In Prosa und Romanen
Sind Masken gut und rar,
Man kann beizeiten ahnen,
Was führt aus der Gefahr.
In Versen und Gedichten
Sind Masken gut und weis,
Mag uns das Bild vernichten,
Der Reim gewinnt den Preis.
Vers 17287 bis 17322:
Die erste Maske trägst du an der Mutter,
Die Seligkeit, wo du doch voller Gier
Verdaust und schlürfst das angemeßne Futter,
Wie später dich berauscht das deutsche Bier.
Dann bist du guter Sohn in Vaters Augen,
Der alles tut, was der so gern getan,
Du willst für seine Hoffnung trefflich taugen
Und gehst voran auf pfeilgerader Bahn.
Du wechselst deine Maske in der Liebe,
Die deine Wege zu Spiralen schlingt,
Wer manchmal Glück verlangt und manchmal Hiebe,
Weiß wohl, wie unerbittlich Eros dingt.
Dann wirst du reif, um einen Spruch zu wagen,
Die Maske nennt sich Eigenheit und Stil,
Das Publikum zu preisen und zu plagen,
Steh jedes Wort am Platz und keins zuviel.
Dann wirst du frech und änderst deine Schreibe,
Manch einer ist entsetzt und schreit im Schmerz,
Du findst in einer neuen Maske Bleibe,
Denn was der Dichter reimt, ist nicht sein Herz.
Du parodierst dich selbst und deine Schüler
Im Wechselspiel zu viert, zu fünft, zu sechst,
Die Maske ist der Hort, drin du die Fühler
Behende nach der nächsten Maske streckst.
Und im Theater meinen manche Gäste,
Sie zahlten nicht, sie würden noch bestallt,
Du tauschst die Rollen und vermeidest feste
Bezüge und wirst in dem Treiben alt.
Die Maske ist das Leben selbst, weil jede
Entlarvung nur verstärkt den Maskentanz,
Und schreibst du ohne Schnörkel deine Rede,
Machst du den Kreis der Maskenvielfalt ganz.
Erst wenn der Schnitter untersagt zu säumen,
Rutscht dir die letzte Maske vom Gesicht,
Doch was man liest und lehrt von Gottes Träumen,
Führt auch der Engel ohne Maske nicht.
Vers 17323 bis 17355:
Im Einzelwesen scheint der Kreis das kleine,
Der Tag, die Woche und die Jahreszeit,
Geburt und Tod dagegen sind gemeine
Erfahrungen im Reich der Endlichkeit.
Doch schaut man die Planeten und die Sterne,
So glänzen sie mit Reim und Wiederkehr,
Und was im Raume fern, ist zeitlich ferne,
Doch sie, ein Rad, bringt alles endlich her.
Und welche Deutung die Kultur bestimme,
Entscheidet sich daran, ob eine Schar
In Ehrfurcht und in Selbstbescheidung glimme,
Oder obs Wahl der allermeisten war.
Bei Goethe reimt sich deutlich, daß die Leute
Nur ihres Teils gewahr und größrem kalt,
So fand mit ihrer Macht und Vielheit heute
Die Linie gar als Fortschritt Zweckgestalt.
Der Fortschritt ist Verbrauch in jeder Weise
Und was er erbt, gibt er zum Abschuß frei,
Er wuchert wie ein Pilz in jede Schneise
Und macht sogar den Himmelsdunst zu Blei.
Das Kreuz ist zwar die Linie vor dem Kreise,
Jedoch die Ebne, die sie selbst nicht schafft,
Erfüllt ihr einer weitren Linie Schneise,
Da sie Geschichte kreuzt mit Gotteskraft.
Dies Bild wird oft von Deutern mißverstanden,
Als ob dies handle von Augustus Zeit,
Der Scheitel doch, da Heil und Zeit sich fanden,
Ist immer und steht jedem Tag bereit.
Also versteh die Zeit als eine Flanke,
Die das Gebot, von Nacht und Licht zu wähln,
Berührt, und deinem Schöpfer ewig danke,
Daß in der Furcht vor der Versucher-Pranke
Nicht nur die Uhren Tag und Taten zähln.
Vers 17356 bis 17391:
Kaum wagst du deine eignen ersten Worte,
Schon wird in dir der Philosoph geweckt,
Kaum lerntest du, was not an welchem Orte,
Schon wird das Wort als unerlaubt versteckt.
Auch Sein und Haben werden dir Begriffe,
Und daß, wer zu genau sie trennt, nervös,
Im Wannenwasser froh versenkst du Schiffe,
Bis man dir sagt, dies sei entsetzlich bös.
Es haben und es sein folgt manchmal später,
Drum würf man besser manche Dinge fort,
Der eine hat bestimmt den schwarzen Peter,
Der andre hat gewiß das letzte Wort.
Das letzte Wort wird dir oft vorgehalten,
Als wüßtest du vorher, daß nichts mehr kommt,
Denn im Gespräch muß immer recht behalten,
Wer weiß, was ihm und auch dem andern frommt.
Im heißen Wunsch, daß niemand widerspreche
Und Echo uns allein gegeben sei,
Zahlt mancher schon allein die ganze Zeche
Und macht sich damit von der Antwort frei.
Zuletzt ist nicht nur zeitlich zu verstehen,
Auch logisch hat es Sinn als höchster Stand,
Ein Einwand, der ertönt in Erb und Lehen,
Ist läppisch wie die Fliege an der Wand.
So ist der Wunsch zum Antworten-Vernichter
Voll synonym der Willenskraft zur Macht,
Man unterschätzt den reimverliebten Dichter,
Nicht ahnend, welcher Urgrimm hier erwacht.
Der Dichter will Zuletzt und Echo einen
Und Widerred erstickt er schon im Keim,
Denn es gibt keinen Platz für das Verneinen,
Im Machtbezirk von Takt und Silbenreim.
Und läßt er schließlich seine Leibeshülle,
Behält er doch auch fürder letztes Wort,
Weil er sich sicher ist, daß seine Fülle
Noch weiter echot, wenn er längst verdorrt.
Vers 17392 bis 17435:
Wenn sich das Licht zerteilt und einen Fächer
Gebiert, der sich gefällt im Regenband,
Schaust du beglückt, wie über Hain und Dächer
Der Himmel seine Herrlichkeiten spannt.
Nicht nur das Ganze überragt die Teile,
Auch jeder Teil ist eigentlich und ganz,
Vergeblich ist das Grübeln nach dem Heile,
Jedoch die Schöpfung sagt dir stets, sie kanns.
Was lebt, will Vielfalt, und noch im Bizarren
Erkennst du seine Liebe zum Detail,
Drum sollst du nicht der Offenbarung harren,
Die allerorten, so dein Blick verweil.
Die Wiese färbt der Lenz, um uns zu grüßen,
Mit Krokus-Blau und Osterglocken-Gold,
Bald wird dir Mohn die Lust im Korn versüßen,
Und drüber weißen Wolken-Lämmer hold.
Die Farben sind die Schwingungen der Seele,
Das Braun der Erde, die uns trägt und nährt,
Im Bann der Rose stocken Schritt und Kehle,
Doch Flieder macht uns leicht und unbeschwert.
Olivenzweige trägt der greise Seher,
Und Buchenrot gemahnt an Vorwelt-Traum,
Der Ruß weist auf die Runenschrift noch eher,
Als dich das Meer beruft mit Silberschaum.
In Stein und Blume wie in Hof und Ställen
Begleiten dich die Farben durch den Tag,
Ob sie sich leuchtend oder falbend hellen,
Das Aug nicht immer ganz entscheiden mag.
Sie decken nicht, sich andren zu verfeinden,
Das Edle ist dem Schlichten einverleibt,
Der Mensch muß nur sich selber eingemeinden,
Daß ihn der Herr mit Gold und Blut beschreibt.
Sie suchen nicht die Reinheit des Sublimen,
Die Blüte dankt sich Untergang und Mühn,
Und fester als an deinem Sack der Riemen
Gegründet ist das zarte Lindengrün.
Der Grieche sieht im Tod, daß Licht und Farbe
Ihn lassen, und stellt dies der Freude gleich,
Der Christ erkennt in jeder goldnen Garbe,
Die ihm gedeiht, das ganze Gnadenreich.
Er stellt sein Tun in lebensfrohe Sphären,
Darin das schmale Feld, das wir bemühn,
Schattierung ist wie Mutterkorn an Ähren
Und läßt sich heiter den Verwandlungsblühn.
Vers 17436 bis 17471:
Dem Tag, der Woche und dem Jahr sind Farben
Vielfältig und mit strengem Strich gestellt,
Doch wenn sie blühten oder bald verdarben,
Blieb mir doch eine wert vor aller Welt.
Wenn der Gefährte sich mit Mohnrot schmückte,
So wählt ich stets im Korn das Blaugezack,
Und was mir in den Kindertagen glückte,
Dem jubel ich noch einst als greises Wrack.
Vor jeder Tugend, die die Not bezeugte
Und auch das Glück, wählt ich die Treue stets,
Und wenn ihr Blau aus reifen Feldern äugte,
Gemahnt es an die Heilkraft des Gebets.
Denn mögen Glück und Freiheit dich verlassen,
Hört doch der Herr dein Wort durch Kerkerwand,
Und kannst auch das Himmelsblau nicht fassen,
So hält es doch der Traum in seiner Hand.
Die Treue ist die fruchtbarste der Gaben,
Sie bringt die Würde, Tat und Stolz hervor,
Sie feit dich, so wie Nektar in den Waben
Beschützt ist und das Heil vom Himmelstor.
Das Blau des Himmels, das sich stets erneute,
Viel länger als ein Auge je es pries,
Das Blau des Meers, das seine reiche Beute
Bewahrt und einzig Weiser spült auf Kies.
Das Blau der Beere, die im Kräuticht reifte,
Die blaue Blume und dein blaues Hemd,
Das Jugendblau, das durch die Wälder schweifte,
Das blaue Licht, dafür man Felsen stemmt.
Der blaue Flachs, drin Ofterdingen ruhte,
Das Blau der Nacht, gewölbt zu stolzem Dom,
Der blaue Reiter, der mit blauem Blute
Durch Städte ritt im Untergangs-Arom.
Dein Segel ist gespannt in blaue Weiten,
Wer wahrhaft treu, den schreckt Verwandlung nicht,
Und mag dich auch das Drachenblau bestreiten,
Schützt dich dein Augenblau im Angesicht.
Vers 17472 bis 17511:
Als Stiege dient die Leiter,
Die eine Sprosse ließ,
Doch steige hurtig weiter
Hinan ins Paradies,
Wer das Geschwätz der Schranzen
Nicht mag noch Küchenkrach,
Den grüßen Floh und Wanzen
Im Speicher unterm Dach.
Zwar ist verpönt die Kerze,
Der Leser nutzt sie doch,
Er dichtet in der Schwärze
Und lugt durchs Eulenloch,
Er läßt den Wind berichten
Und Tropfen, hart im Fach,
Und langweilt sich mitnichten
Im Speicher unterm Dach.
Wer reinen Herzens rastet,
Dem ist im Schlichten gut,
Der schlemmt auch wenn er fastet
Und singt mit hohem Mut,
Wo Eifer, Zank und Fehde,
Den Bürger hält in Schach,
Da reimt sich Sinn und Rede
Im Speicher unterm Dach.
Hier läßt sich manches finden,
Vielleicht ein altes Schwert,
Was störte in den Spinden,
Ist nun der Ansicht wert,
Wer gräbt in solchen Tiefen,
Ruft manch Geheimnis wach,
Und auch ein Horn zum Hiefen
Im Speicher unterm Dach.
Der Ton aus andern Altern,
Die wir erinnern kaum,
Auf Aun, besät mit Faltern,
Entführt des Bläsers Traum,
Wo Honig, Milch und Butter
Nicht kennen Weh und Ach,
Daß wie der Schoß der Mutter
Der Speicher unterm Dach.
Vers 17512 bis 17559:
I
Das Haus des Traums hat eine große Diele,
Und mancher trabt zu Pferde hier herein,
Und gibt es der Gemächer hier auch viele,
Die meisten möchten nicht in Kammern sein.
Hier prunkt vor dem Intimen das Gemeine,
Wo nie das Feuer lischt, die Klampfe schweigt,
Hier ist die Stiege kurz zum Hort der Weine,
Dem Bild der Toten, wer hier kommt, sich neigt.
Hier sind der Mut, der Rausch und die Geschichte
Nicht vor dem Sturm und Fluten eingedeicht,
Hier finden sich die Stände im Gedichte,
Das in den Himmel und ins Grauen reicht.
Und manche derbe Rede darf hier unken,
Sich mischen einem Bart im Glast des Schaums,
Und wers nicht weiß, dem sei gesagt, nur trunken
Findst du den Pfad hinein ins Haus des Traums.
II
Das Haus des Traums ist kein fragiler Leuchter
Aus Seide, Pergament und vielen Spiegeln,
Es zeigt sich derb und nach dem Regen feuchter,
Und lobt den Backstein vor den Klinkerziegeln.
Hier gleißt kein Marmor, drüber Nymphen huschen,
Arachne stört kein Besenschwung beim Weben,
Die Erde selbst darf Übelkeit vertuschen,
Hier ist zuhaus, was heimisch ist im Leben.
Die Derbheit aber ist nicht ohne Flitter,
Die Ampeln passen zwar nicht recht zusammen,
Sie duften nach dem Brand und Kriegsgewitter
Der Burgen, die sie sahn mit allen Schrammen.
Was hier sich anhäuft, will und muß erzählen,
Wem solche Kunde schwerfällt zu ertragen,
Der soll sich eine andere Bleibe wählen
Und niemals in das Haus des Traums sich wagen.
III
Das Haus des Traums kann niemand mehr erbauen,
Und stünds nicht längst, wär alle Welt verlorn,
In einer Zeit, wo solches nicht zu schauen,
Bliebst besser du für immer ungeborn.
Es ist begabt mit sicherem Instinkte,
Wer hier hereindarf und wer draußen bleibt,
Dies heißt nicht, daß dem Unflat Ausschluß winkte,
Weil seine Ordnung streng nicht kleinlich schreibt.
Wer reinwill, ist längst drin, und wems ein Schrecken,
Den führn hinein nicht Los noch Mißgeschick,
Es zinst der Steuer nicht noch andern Zwecken,
Und nie war jemand hier mit Zahlenblick.
Ihm ist die Zeit wie Wellen sind dem Schiffe,
Auch füllt sichs nicht zur Last des freien Raums,
Man faßt es nicht mit sonstigem Begriffe,
Drum spricht man einfach nur vom Haus des Traums.
Vers 17560 bis 17595:
Als unser Hof den Namen noch verdiente,
Gabs einen Raum von eignem Naturell,
Ein Lob des Orts führt heute ins verminte
Gelände, drum vergiß mein Wort recht schnell.
Als ich ein Kind, gabs zwar schon die Maschine,
Doch wusch die Oma gern nach altem Brauch,
Nichts war zu groß, als daß es nicht bediene
Des breiten Kessels schaumbedeckter Bauch.
Das Feuer war zu hören, und der Nebel
In dichten Schwaden zog zur Tür hinaus,
Hier war aus Holz der Waschfrau langer Hebel,
Und sichtbar, ob der Dreck inzwischen raus.
Zum Hof, zur Leine warns nur ein paar Schritte,
Und manchmal nahm man alles wieder mit,
Das Sonnenlicht zeigt eine andre Mitte
Als jene, die mit Schaum und Wellen stritt.
Hier schimpfte keiner, wenn was überschwappte,
Und auch die Uhr war ausgesperrt vom Naß,
Die Perfektion, daß alles planbar klappte,
Besaß kein Visum hier und keinen Paß.
Die Waschfrau ward von keinem hier gepeinigt,
Sie liebte wuchtig tun und nirgends lau,
Nicht lang mehr, und der Dichter wird gesteinigt,
Wenn er erwägt, dies sei die Lust der Frau.
Wurd nicht gewaschen, war der Kessel offen
Wurstsuppe, wenn geschlachtet ward ein Schwein,
Auf solches Schlemmen darf man nicht mehr hoffen,
Denn heutzutag friert man die Keulen ein.
Und überhaupt die ganze Wucht und Größe
Paßt nicht mehr zur Familie, die versiegt,
Auch für die Hochzeit brauchts nicht so viel Klöße,
Weil jeder Gast auf Wunsch was andres kriegt.
Drum sollte Feuer hier nicht länger brennen,
Man riß das Monstrum weg nach kurzem Streit,
Wenn Menschen die Gemeinschaft nicht mehr kennen,
Wird wenigstens die Frau von Mühn befreit.
Vers 17596 bis 17655:
Tritt in diesen Wintergarten,
Der im Hof des Hauses ruht
Und mit Ampeln und Standarten
Züchtet Witz und Spielermut.
Suche ihn in allen Arten
Von Behausung, Herd und Hut,
Ob der Träumereien Sparten
Solches Heil für Milz und Blut.
Sein Gedeihen abzuwarten,
Geize nicht mit Naß und Glut,
Denn im Weichen wie im Harten
Tut er Leib und Seele gut.
Wo die Reiser sich verzweigen,
Prunkt die Blüte hell und groß,
Manche scharen sich zu Reigen,
Andre stehn allein und bloß.
Was dem Reich der Blüher eigen
Zwischen Ranke, Stiel und Moos,
Darfst du nur im Schauen schweigen,
So als teiltest du ihr Los.
Wenn sie ihren Reichtum zeigen,
Steigt dein Sinn in Traumes Floß,
Und das Maß, dem sie sich neigen,
Wird im Reim dir Takt und Stoß.
Was als Spiegel deiner Launen
Trumpft und stirbt und rankt und steht,
Galt als Liebestat der braunen
Erde wie ein Dankgebet.
Wenn die Halme schwankend raunen
Und dir lächeln im Gered,
Sind die Stacheln wie die Daunen
Sommers Anwalt und Prophet.
Alle lehren dich das Staunen
Wie ein Horn mit Honigmet
Und die Lüsternheit von Faunen,
Die im Jahre nicht vergeht.
Wenn die Monde dich umkreisen,
Steht der Garten souverän,
Du erinnerst dich des Weisen,
Der dir riet, ihn auszusän,
Wer sich fand in solchen Schneisen,
Brauch nicht nach dem Glück zu spähn
Und mit scharfgeschliffnem Eisen
Hang und Wiese abzumähn.
Keine Wünsche zu verreisen,
Keine Lust auf Jagdtrophän
Je entfernte ihn den Leisen,
Die des Herzens Wunden nähn.
Hier sind Mitgefühl und Taten
Nicht mehr von verschiednem Stand,
Haben Zauberkunst und Spaten
Nicht den andern jäh verkannt.
Die die Lebenskraft verraten
Fenstern, Säulen, Tür und Wand,
Bilden Gilden, Stämme, Staaten,
Drin dein Aug sich wiederfand.
Und du gibst im Amt des Paten,
Unberührt von Menschentand,
Alles was sie still erbaten,
Bis es kehrt in deine Hand.
Vers 17656 bis 17675:
Großstadtleben ist ein Jammer,
Hier gibts keine Speisekammer,
Nicht im Rauchfang Wurst und Speck,
Wo du plünderst jung und keck.
Großstadtmenschen schmerzt der Dämmer,
Hier gibts keine weißen Lämmer,
Keinen Hahn auf schwarzem Mist,
Der dir sagt, wie früh du bist.
Großstadtjahre werden teuer,
Gold gibst du für Ofenfeuer,
Wer nichts hat, schläft nicht im Stall,
Sondern eisig fremd im All.
Großstadtwünsche sind voll Frevel,
Daß dich nicht mehr stör der Schwefel,
Schuf der Teufel Markt und Bar,
Wo einst Heu und Kornfeld war.
Großstadtschmerzen hatt ich lange,
Doch mir ist im Herz nicht bange,
Denn ich fand den besten Reim:
Speisekammer, ich komm heim.
Vers 17676 bis 17707:
Er hat die Höhe mühelos erklommen,
Dies ist ein Ort, wo niemand unkt und stört,
Man fühlt sich vom All-Einen angenommen,
Wenn man nicht mehr der Kleinlichkeit gehört.
Nur etwas Mut, ein Schwindel läßt ihn halten
Erinnerung treibt aus der Seele her
Mit manchem Bild, den Willen zu erkalten,
Und endlich wird, was leicht erschienen, schwer.
Die Liebe hat gelogen, weiterleben
Heißt unterschreiben des Gehörnten Los,
Dem neuen Tag ein neues Trugbild geben,
Vergessen, was so einzig schien und groß.
Alltäglichkeit -- dies ist ein herzlos Wesen,
Die Linderung der Zeit ein schlechter Scherz,
Wer fühlt, der will vom Bluten nicht genesen,
Wer jemals liebte, liebt auch seinen Schmerz.
Wie soll man, vom Betrug gepeinigt, leben?
Allein, die Pfade, die das Leben führt,
Und Schätze, die erst späte Jahre heben,
Sind unserm Aug mit festem Band verschnürt.
Und manches, was uns Unheil dünkt und Schrecken,
Erweist sich später als das rechte Tor
Zu höhern Glücken oder höhern Zwecken,
Wenn unser Blick die Ungeduld verlor.
Er wankt zurück und schreibt in seiner Beichte,
Daß mutlos er, jedoch das Herz so wund,
Was er zu tun bereit, doch nicht erreichte,
Macht er gereimt den Dichterfreunden kund.
Die sprechen gern von Metren und Gedanken,
Doch über allem Trost steh Lebensmut:
Das Leben läßt uns zweifeln, straucheln, wanken,
Doch was es schenkt, macht alle Schande gut.
Vers 17708 bis 17739:
Schwärze, kaltes Un und Ur,
Unbesternte Himmelsflur,
Allem früher, allem vor,
Immer Anfang, Eingang, Tor.
Schwarze Tat und schwarzes Blut,
Dunklem Lehm entkeimt das Gut,
Aus der Finsternis der Nacht
Ist noch jeder Tag erwacht.
Frage sei bei Schwarz-Magie,
Ob aus dir die Ohnmacht schrie,
Oder ob in Adern Golds,
Treibst du Schacht und Stollenholz.
Schwarzes Wort und schwarzer Scherz,
Ob Verstand spricht oder Herz,
Macht die Kunde schwer und leicht,
Daß sie tänzelt oder schleicht.
Schwarzes Kleid und schwarzer Flor,
Schwarzgebälk und lichter Chor,
Wo die Engel preisend gehn,
Darfst du einen stürzen sehn.
Flammenhaar und Lichtgestalt,
Jüngstes ist Äonen-alt,
Eh es in die Schwärze taucht,
Ist der Groll des Lichts verraucht.
Doch der Welten Zwienatur
Lehrt, daß eins des andern Uhr,
Und daß eins des anderen Pfad,
Jedem Leiden fügt sich Tat.
Darum nutz die schwarze Tracht,
Die ein Brauch dir zugedacht,
Daß die Orchidee des Glücks
Götter überrasch am Styx.
Vers 17740 bis 17763:
Ach, sag mir nur, wo Weltwitz liegt,
Es ward mir zwar ein Weg genannt,
Doch wer ihn fährt, weiß wohl, es siegt,
Die Müdigkeit im weiten Land.
Ich hab auf diesen Weg gebaut
Mein Heil und meinen Lebensherbst,
Doch hast du, Herr, mir nicht vertraut,
Wie du die Wolken jagst und färbst.
Es sei ein Witz der Welt verwebt,
So raunt uns manches Pergament,
Ich frug den Wind, der westher fegt,
Ich glaub, daß er ihn selbst nicht kennt.
Ich hab dem Ost mein Leid geklagt,
Im Süden Licht und List erhofft,
Ich glaub, wer solche Weisheit wagt,
Spricht elbisch und auch dies nicht oft.
Einst sprech ich gar den Sensenmann
Und seinen harten Marschbefehl
Ganz dreist auf dieses Rätsel an
Und schweig nicht mal am Hof der Hel.
Kein Amt und keiner Bürgen Neid
Sei Mauer mir und Hypothek,
Ich bleibe stündlich marschbereit
Nach Weltwitz auf dem schlanken Weg.
Vers 17764 bis 17805:
I
Nach Hause werd ich gehn zum Abendmahle,
So spricht das Buch, das ich als Kind geliebt,
Ich hab manch tausend Pfunde Sand gesiebt,
Doch blieb kein goldnes Korn in meiner Schale.
Vom Hügel, da ihr einst mein Heil vertriebt,
Seid, Schergen ihr, verstreut in sanfte Tale,
Ich hege keinen Groll, den ich euch zahle,
Denn ich gehör dem Herrn, der uns vergibt.
Doch reicht es nicht, daß ihr die Hoheitsmale
Am First getilgt, den Wall zur Seite schiebt,
Ein Leuchten losch und labt nicht mehr am Grale.
Und Aladin vermißt, wo Sperling fiept
Und fruchtbar rauscht vom Fichtel her die Saale,
Die Lampe, die ihr ihm zu Tode riebt.
II
Die Heimat ist ein Reich, das nichts erstreitet,
Allein der Engel kann mich dorthin führn,
Ich meinte seine Flügel oft zu spürn,
Doch wars ein Knecht, der bloß vorüberschreitet.
Ich machte hoch die Tore und die Türn,
Ich hab den Sternen mein Gewand gebreitet,
Doch hat mich stets in fremdes Land geleitet
Mein Feilschen um die Maut und Zollgebührn.
Längst gab man mir Befehl, mich frei zu rührn,
Jedoch kein Weiser Fuß und Fahrt begleitet,
Und keiner rief, daß ihn die Freien kürn.
Wie Kirke dem Odyß die Fahrt bestreitet,
So sorgte ein Gespinst von Femeschwürn,
Daß mir das Herz zur Heimkunft nicht bereitet.
III
Heim werd ich kommen in der Morgenstunde,
Noch eh der Tau sich senkt auf Gras und Blatt,
Das Buch der Reise schlummert prall und satt,
Ich sitz am Bach und lausche seiner Kunde.
Ich glaub, daß er viel mehr zu sagen hat
Als die Magnaten und das Moribunde,
Die Quelle hat recht viel von einer Wunde,
Die Ringelnatter zeigt sich flink und glatt.
Er führt ein Zauberwort im Silbermunde,
Wir spielten gern und fanden meistens Patt,
Und ich verdanke ihm die frühen Funde.
Für Fremde spricht er schwer verständlich platt,
Jedoch ich reim mit ihm, bis mich die Hunde
Zum Mahle rufen in die Heimatstadt.
Vers 17806 bis 17861:
I
Mein Engel hat nicht Schwanenkleid noch Feuer,
Nicht Waffen sind die Zeichen seiner Macht,
Doch was sein unverhofftes Nahn gebracht,
Das fänd ich nicht in ferner Zeit noch heuer.
Ihn ziert kein Sternenkranz noch fremde Pracht,
Verborgen bleiben guter Wind und Steuer,
Doch führt er flink, und das Erreichen neuer
Gestade wird mir leicht in seiner Acht.
Was er berührt, steht segensreich und teuer
In meinem Sinn und leuchtet in der Nacht,
Daß niemand Weiser bräun, noch Weine säuer.
Wer solch Geleit und solche Gnaden-Pacht
Erfahren darf in Hof und Stall und Scheuer,
Der spürt das Heil und daß ein Engel wacht.
II
Mein Engel ist in einer Nacht erschienen,
Die mich in Jahren band in ein Exil,
Erst schien mir die Gestalt zu Lust und Spiel,
Und später erst zu Spruch und Lied zu dienen.
Doch ward mir auch in Reim und Andacht viel
Geschenkt, so waren Hymnen und Terzinen
Der Nektar nur, den seine Honigbienen
Kredenzten wie den Tau von Selsebil.
Als ich nicht mehr von Schwänen und Delphinen
Erborgte Flamme, Botschaft, Kunst und Stil
Und nicht mehr sang in meinen Jugendspleenen,
Erwachte mir ein reifres Glaubenziel,
Und Freude brach wie schmetternde Lawinen
In meiner Klause mürben Federkiel.
III
Mein Engel führte mich zurück zum Glauben
Der Väter, deren Tag und Jahreskreis
Und deren Müh und Wollen Spur und Gleis
In Formen fand, die Freiheit erst erlauben.
Und was sich bot dem Forschenden zu Sais
Warn nicht mehr Mumien, die im Wind zerstauben,
Noch Rösser, die im Nebelmorgen schnauben,
Und auch kein Fels, bedeckt von Gipfeleis.
Auch nicht die Feen, die mit Burgunderhauben
Sich schmücken, Schleiern, violett und weiß,
Normannen nicht, die waffenklirrend rauben.
Nicht Palmbaum, Adler, Schlange, Wolf und Geiß,
Nicht Apfel noch des Weinstocks rote Trauben
Es war des Priesterstabs ergrüntes Reis.
IV
Mein Engel hat die große Kehr vollzogen,
Und wo er horstet, dämmert Ostertag,
Was immer einer münz und einer wag,
Es wird mit seiner Heiterkeit gewogen.
Dies ist kein Maskenball, kein Gastgelag,
Ob wer sich salb und hüll in Purpurtogen,
Ob seine Köchin nähm vom Stör den Rogen,
Gilt ihm wie Spatzenbalz und Froschgequak.
Sein Wappen ist der weite Regenbogen,
Und seine Botschaft heischt allein Geklag
Den Parasiten und den Demagogen.
Drum bin ich still in seiner Hut und frag
Nicht, ob ein weitrer Bote käm geflogen
Und ob mich sonstwer führ und herzlich mag.
Vers 17862 bis 17911:
Die Häuser sind beflaggt, geputzt
Sind Gehsteig, Platz und Rinne,
Und wer die Stadt spazierend nutzt,
Hat sorgfältig sein Haar gestutzt
Am Kragen und am Kinne.
Heraus in diesen Maientag
In Dirndl, Tracht und Leder!
Wer wie Marie sein Madel mag,
Der trage sonder Not und Klag
Am Hut die Pfauenfeder.
Das Marterl kränzen Kerzen licht,
Die tags und nächtens brennen,
Des Brauers Mähre weiß die Pflicht,
Und trabt mit manchem Faßgewicht
Zum Markt, den alle kennen.
Dort bläst der Lehrer die Posaun,
Der Drucker streicht die Geige,
Die Pauke schlagen Bäckersfraun,
Die frisch wie warme Brezen schaun,
Der Ausschank ist nicht feige.
Das Volksfest Frau und Mannsbild schart
Zu ungeübten Chören,
Das Bier bringt frohen Lärm in Fahrt,
Doch wer hier nicht geboren ward,
Wird nie dazugehören.
Ob du auch glänzt im Hahnenfett,
Der Durst den Maßkrug leere,
Daß jedes Mäkeln und Gefrett
Du meidest, macht den Gram nicht wett,
Der nicht gereicht zur Ehre.
Dein Herz ist schwer im frohen Tag,
Es meint, du darfst nicht feiern,
Als rief ein Horn aus nahem Hag,
Will dir dein Fuß, der wandern mag,
Das Aug mit Dunst verschleiern.
Zwei Dutzend Jahre rannen hin,
Seit du ins Land gekommen,
Es geizte nicht mit Grund und Sinn
Und machte Aussicht auf Gewinn,
Den dir die Zeit genommen.
Zwar liegt der Ort, wo jeder tanzt,
Gar lieblich lind im Tale,
Doch deckt der Himmel Berg-befranst
Nicht, daß du einzig lieben kannst
Im Burgenland der Saale.
So sei das nächste Maienfest
Für dich in Orlamünde,
Auch wenn dich mancher Herbst betreßt,
Der lenzne Ost wie grimmer West
Von deiner Heimkehr künde.
Vers 17912 bis 17951:
Meint eine Lehre, das Wort sei die Fessel des Geistes,
Weil es die Fülle in eigenen Maßen vermummt
Und in Verwandtschaft vernebelt und tötet, so heißt es
Hier, daß das Reimwort als letzter der Laute verstummt.
Wer sich dem Wort überläßt und den lauteren Klängen,
Die es in Beugung, Verdichtung und Kehre ersinnt,
Findet im Lied, das ihn anspricht auf einsamen Gängen
Adel und Anmut, Gespiele und reiches Gesind.
Aber das Wort ist nicht frei vor den Rufen der Greife,
Wogen des Korns und von Klage im finsteren Moor,
Seiner Bedeutung, Gesellung, Erweckung und Reife,
Ist stets das Land, da die Mutter dich koste, zuvor.
Irrst du dem Heimatlaut fern in gestalteten Gärten,
Auen, die du nicht als kindlich Gefeiter durchkämmt,
Wirst du am Ende vermissen das Heimatvertrauen,
Bleiben dir Weiser, Gefährten und Heimlichkeit fremd.
Ob du von Mauern umgeben, von Türmen, von Bergen,
Einzig ist jegliche Warte und jegliche Klamm,
Daß dir die Furt ihren Führer, die Flut ihren Fergen
Rate, erhoff, wo Geburt dir vererbte den Hamm.
Babylon steht für den Turm, der die Sprachen zerstreute,
Aber zerstreut ist ein jeder, der fern ist dem Quell,
Einzig der Bach, der dich erstmals mit Kühle erfreute,
Weiß dieses Wort und bedeutet es silbern und hell.
Daß du dich nährest vom Blut, das die Väter dir gaben,
Mythen und Mären und Sagen von Tagen so froh,
Darf nicht die einzige Kost sein, das Herz zu erlaben,
Ohne das Licht bleibt es ungestalt, blutig und roh.
Erst wenn Erinnerung wecken die summenden Bienen,
Wenn du im Wein deine eigene Lehmkrume schmeckst,
Darf dich der Glaube und seine Geschichte bedienen,
Wo du dich selber im Heile der Schöpfung entdeckst.
Dies ist die Taufe am unvermischt frühesten Borne,
Wo sich im Wasser der Geist und die Erde berührn
Und dir ein Engel den Psalm mit verwittertem Horne
Hieft, um dich fürder durch eigene Reiche zu führn.
So ist das Wunder gerückt aus den schütteren Schriften
In das Lebendige, das in dir tastet und schmeckt,
Also ist nicht mehr zu scheiden in Weiden und Triften,
Was dir das Aug in den Auen der Heimat entdeckt.
Vers 17952 bis 17963:
Der Hügel Roms, da einst nach einer Sage
Sabiner wohnt im Doppelkönigtum,
Drin Titus Tatius, Romulus in Waage,
Begründete des großen Reiches Ruhm.
Ein umbrisch Volk und Reich mit Metropolen,
Amiternum, Reate, Nursia hehr,
Und da die Römer manches Weib gestohlen,
Fortlebten sie im Reich am Mittelmeer.
Nur in der Kunst und in den deutschen Namen,
Lebt fort ihr früher Himmel und ihr Traum,
Die Erben Roms, gereift aus diesem Samen,
Erinnert heut der Hügel an den Flaum.
Vers 17964 bis 18011:
Uralter Himmel, schöpfungsfrüh,
Der noch in kargen Resten zeigt,
Daß jung im Paradiesgeblüh
Der Mensch die höchsten Leitern steigt,
Daß einst er glich des Gottes Bild,
Von dem der späte Sänger träumt,
Daß alles Maß, das wahrhaft gilt,
Den Fluten des Euphrat entschäumt.
Im Kalksteinbau, im Zikkurat
Stehn Großskulptur und Mosaik,
Sie hegen Kult und Hochzeitspfad
Vom Ewigkeit und Augenblick,
Daß Heil die Augen führ und treff,
Bezweifle nicht an diesem Ort,
Ein Reichtum grüßt aus dem Relief,
Der holder ist als jedes Wort.
Rollsiegel, vom Onyx gekrönt,
Zeigt Gilgamesch und Enkidu,
Die unerreichte Kunst verschönt
Der Seele Glück im holden Du,
Die Helden, tragisch, groß und wild
In Leidenschaft, in Lust und Schmerz,
Verraten uns, was dauernd gilt
Im Himmel und im Menschenherz.
Was in den Ton gegraben steht,
Hat früh dein junges Blut entflammt,
Denn was der Herbstwind nicht verweht,
Aus diesem Liebes-Loblied stammt,
Hegt deine Dichtung nur ein Gran
Von diesem Hort, gilt beim Gericht
Ihr Bluten vor dem Scribblerwahn
Und zeigt dem Wäger ein Gewicht.
Die Siedlung gründet Enmerkar,
Sein Vater schwand auf hoher See,
So stehn am Anfang Flucht und Fahr,
Die Wunde und das Schöpfungsweh,
Das Opfer bleibt Millennien hier,
Bis sich die Rasse falb verbraucht,
Der heitre Bund von Gott und Tier
In Schlämme des Euphrates taucht.
So bleibt uns die Sumererstadt
Das goldne Alter vor dem Fall,
Wer einen kurzen Atem hat,
Besinge nicht den stolzen Wall,
Wir hoffen nicht, daß solches kehr,
Wir stehn umspukt im Nebelland,
Doch unser Traum ruft Uruk-her
Und kennt nicht Schlamm noch Wüstensand.
Vers 18012 bis 18035:
Tüftelei und feines Wägen --
Paradoxes nicht gespart!
Statt Geraden nutz die Schrägen,
Jeder Umweg ist apart!
Konjunktive als Methode,
Wo was klar, verrat nicht was!
Wasch mich doch, so spricht die Mode,
Aber mach die Haut nicht naß!
Solche Sätze zu verschachteln,
Jede Lücke räumt was ein,
Sagt euch, auch das Ei der Wachteln
Könnte eins vom Schwane sein,
Ein Schritt vor und zwei zurücke,
Mancher nennt es Katz und Maus,
Eine Regenbogenbrücke
Schlug schon Wotan in sein Haus.
Laß dich nicht zum Eid verleiten,
Daß was stehe oder nicht!
Denn wer weiß -- was noch für Zeiten
Trüben unser Angesicht?
Konjunktive als Verhüter
Oder gar als Feigenblatt,
Bleiben doch die höchsten Güter,
Welche unsre Bildung hat.
Vers 18036 bis 18055:
Wie der Heiland ward im Stall,
Scheint es mir kein seltner Fall,
Daß dem Trog, drin Unrat flammt,
Auch das reinste Licht entstammt.
Wer die Sünde schilt und haßt,
Oft den höchsten Wink verpaßt,
Wenn im Haus des Lasters weilt
Eine Hand, die hegt und heilt.
Nie ein Selbstgerechter fand
Jemals das gelobte Land,
Sondern wer im Herz die Glut
Paart mit Offenheit und Mut.
Selig ist, was auch geschah,
Wem der Herr beständig da,
Wer gepriesen und gekränkt
Weiß, daß ihn der Himmel lenkt.
Drum das Herz vor Hochmut hüt,
Treibts die Gier auch arg und rüd,
Denn verborgen bleibt dem Wahn,
Was da geht nach Gottes Plan.
Vers 18056 bis 18079:
In einer Kirche jüngst in Van
Fand man die Stele neu verbaut,
Die ohne Wo und ohne Wann
Das seltsam dunkle Wort vertraut.
Ein Feldherr sagt, daß er die Stadt
Hab ausgelöscht mit Weib und Kind,
Doch wo er so gewütet hat,
Das weiß allein der Wüstenwind.
Ein Forscher meint, dies sei die Stadt,
Wo Jason nahm das goldne Vlies,
Doch kaumwer beigepflichtet hat,
Daß so die Stadt Medeas hieß,
Drum denke: nicht der stumpfe Stein
Ist letztes wenn die Blüte fällt,
Zuletzt fällt auch die Ordnung ein,
Die einem Wort den Sinn erhält.
Dann läßt das Wissen den Bezug,
Und allen Zaum der Phantasie,
Daß Lethe die Geschlagne trug
Vom Nimmermehr gerad ins Nie.
Dies ist vielleicht die beste Ruh,
Denn wo kein Grab vergangen macht,
Kann sich getrost der Zukunft Schuh
Bewegen, weil ja keiner lacht.
Vers 18080 bis 18095:
Wer jung ist, meint, im Alter schwell
Das Herzblut still und selbstbefaßt,
Doch auch im Alter juckt das Fell,
Wenn auch nicht mit derselben Hast.
Was in uns träumt, berückt uns nun
Viel farbenreicher ausgeschmückt,
Wir haben viel viel mehr zu tun,
Weil immer mal ein Anfang glückt.
Wir sind dem Tod viel ferner heut,
Wo Jugend weiß den Lebensgrund,
Die Langeweil ist was für Leut,
Die wiederkäun, was ungesund.
Wer sich zerstreut, vergreiset rasch
Im Leib, doch ärger noch im Geist,
Wer sorgt, daß er vom Himmel nasch,
Noch vor dem Grab das Kind beweist.
Vers 18096 bis 18116:
Für Anton Rückel
Die Werke, die moderne Kirchen schmücken,
Entspringen Theoremen Intellekts,
Und nicht mit Christus wollen sie beglücken,
Ihr Manifest, nach Selbstbespieglung schmeckts.
Die Kirche sollte besser sie verbannen,
Denn Schönheit kann nicht ohne Wahrheit sein,
Was die Narzisse ohne Gott ersannen,
Ist wie ein Kelch, der nie empfängt den Wein.
Ganz anders Anton Rückel sie gestaltet,
Ein Meister und den Schmieden Kürassier,
Er trägt die Botschaft, die uns nie veraltet,
In Stolz und Demut immer im Panier.
Er wagt die keinen Dinge und Titanen,
Kein Perlenspiel und kein profaner Geist
Darf trüben sein Verherrlichen und Mahnen,
Das tröstet und den Mensch ins Zentrum weist.
Nicht scheut er den Vergleich zu alten Meistern,
Wie andere mit Technik und Sujet,
Drum darf sein Werk die Gläubigen begeistern,
Und es wird dauern, weil es gilt seit je.
Vers 18117 bis 18130:
Du schmiegsam holder Flaum in fester Kruste,
Erlöser für des Hungers grimme Pein,
Wenn du mir frommst mit Aufstrich und allein,
Schau ich die Ähren golden im Auguste.
Manch Gaumen dünkt sich deinem Reiz zu fein,
Er meint, daß er bei schlichter Nahrung huste,
Der Luxus ist sein Teil und als Verluste
Betrachtet er Gewöhnliches im Schrein.
Daß dieses Gut den Weltlauf beeinflußte,
Das leuchtet selbst dem größten Narren ein,
Der nie sich sorgen oder darben mußte.
Es gilt als Sakrament im Bund mit Wein,
Und wie es sich vermehrt durch das Bewußte,
Kann jeder Laib das Brot der Engel sein.
Vers 18131 bis 18202:
Wo Schiefer sich und Lieblichkeit berühren,
Wo mädchenhaft die Saale sich im Knie
Verspielt, und Pfade über Brücken führen,
Die noch der Ritter Hufgetrappel spüren,
Und Burgen schroffen Fels zur Herrschaft küren,
Erneut sich stets die traute Melodie.
Kein Ruf, kein Wahn soll dich der Mitte scheiden
Und dem Geschlecht, dem alles frommt und paßt,
Das reicher noch als Wenden oder Heiden
Mit Ruhm und Glanz in Waffen und Geschmeiden
Den Orlagau mit Burgen, Dörfern, Weiden
Von Auma bis nach Lobdaburg umfaßt.
Und hast du auch zuerst in Orla-Auen
Der Welt geblinzelt mit verhangnem Aug,
Traf doch der Aar mit seinen scharfen Klauen
Am Grat das Kind, von diesem Ort zu schauen,
Und du bestehst ihn, da mit Gottvertrauen
Dich taufte eine Kirche auf Arnshaugk.
So soll es sein, so wird es immer bleiben:
Du trittst in manchen Kreis, in manches Feld,
Wirst dich in manche ferne Gilde schreiben,
Manch fremdes Spiel mit Leidenschaft betreiben
Und dich in Fehden anderer Mächte reiben,
Doch von Arnshaugk schaust du auf alle Welt.
Hier bleibt ein Platz der Tafelrunde offen,
Der dir gehört, den niemand je besetzt,
Auch wenn die Zeichen sich im Wind entstoffen,
Und keiner davon weiß, den du getroffen,
Dein Herz bleibt eins mit diesem Ort im Hoffen,
Daß du es hörst und wiederkehrst zuletzt.
Du hast dich wie der Aar zum Flug erhoben
Und blicktest scharf, ob dir ein Weiser taug,
Du hülltest dich in Rüstungen und Roben,
Du suchtest allenorts Bewährungsproben
Und weit im Land wirst du dein Herz verloben,
Doch Hochzeit hältst du einzig auf Arnshaugk.
Hier kann die Liebe sich zum Heil entfalten,
Hier wächst der Wind, der helles Segel bläht,
Hier können Lust und Anmut nicht erkalten,
Weil Stern und Erde Mut und Glück erhalten
Und Eide, die durch das Jahrtausend galten,
Am Quell, der dir die frohe Weisheit rät.
Dein Reim wird nicht mehr nach den Bildern suchen,
Weil Stoff und Sage hell und offenbar,
Du hörst die Lieder im Gerausch der Buchen,
Bedauerst tief die Großstadt, wo Eunuchen
Um Nichtigkeiten forschen, flirten, fluchen,
Und Lindenkronen gleicht dein blondes Haar.
Ein eignes Reich setzt du dem Markt entgegen,
Daß seine Gier dir nicht das Blut entsaug,
Du darfst dich frei auf seinem Feld bewegen,
Die Zeichen streun und auch zusammenfegen,
Wenn seine Diener Splitter bloß verlegen
Von dem, was fest zusammenfaßt Arnshaugk.
So mögen Jahre grüßen dich mit Schrecken,
Wo finster rüstet sich des Menschen Feind,
Doch wird der Herr dir manche Wehr entdecken,
Und tobt die Hölle wider deinen Flecken,
Wird selbst dein Weib die Knechte niederstrecken,
Daß ihnen das Gericht gekommen scheint.
Wo viel Gefahr, da ist auch Zeit zu feiern,
Im Ernteglück, in Osterwunders Fest,
Wenn du mit Störchen oder Silberreihern
Im Ried dich tummelst, wenn mit anderen Meiern
Du Felle tauschst mit Honig und mit Eiern,
Und wenn die Amsel singt im Tanngeäst.
So ein in dir, was Horst und Hang bedeuten,
Die Sole aus den Schieferklüften laug,
Da lieg nicht faul und feist auf Bärenhäuten,
Denn wird die Erde deinen Leib erbeuten,
So schallt, umwogt vom Kirchenglockenläuten,
Ein lutherisches Trutzlied auf Arnshaugk.
Vers 18203 bis 18335:
I
Meinem Vater
Als das deutsche Heer geschlagen,
Nahm der Feind dir Heimatgau,
Mühsam hat das Los getragen
Einst der Treck im Morgengrau.
Wo man arm im Burgenlande
Haust und Barbarossa träumt,
Kam ein neues Heim zustande,
Ward der Schutt beiseit geräumt.
Haus und Hof gab dir die Höhe,
Wo die Herren von Arnshaugk
Einst getrutzet Sturm und Böe
Weiter als erkennt das Aug.
Deine Söhne wuchsen prächtig,
Doch kein Enkelsegen schreit
Froh im Haus, wo übernächtig
Ringt dein Erb im Wahn der Zeit.
Wie in Klöstern einst und Klausen
Wächst zu Spruch und Lied ein Geist,
Der ein Volk in Putz und Flausen
Heim in seine Tiefen weist.
Darum sollst du nicht verzagen,
Wenn das Blut nicht weiter trägt,
Es entwächst sich Erdentagen,
Wer die Runen reimt und wägt.
Ob Gedichte was bewegen?
Mancher hälts für Glitzertand,
Doch der Ruf nach Gottes Segen
Fehlt uns arg in diesem Land.
Was die Sprache gab dem Sohne,
Opfert er des Reichs Passion,
Und das Wort vom Gotteslohne
Wechselt mählich Sinn und Ton.
II
Meiner Mutter
Mutter, deine blonden Haare
Lehrten Stolz den Bubenmund,
Wie den Fraun der dreißger Jahre,
Lag der Anmut Kraft zugrund.
Eh er rechnen konnt und lesen,
Wußte er sich ausgewählt,
Denn ein gottgesandtes Wesen
Hat von Grimm die Märn erzählt.
Wie von Engelshand geleitet,
Schritt er durch die Menge hin,
Wo die Mutterhand gebreitet,
Wachsen Segen, Sohn und Sinn.
Nur das Übermaß an Liebe
Gab ihm Glauben, Wissen, Mut,
Wer die Macht verlacht und Hiebe,
Weiß, daß Mutter wacht und tut.
Reime, die sie einst gesungen,
Wurden Kraft und ein Orkan,
Daß vom Christentum durchdrungen,
Dichtung bannt den Teufelswahn.
Parodien von Heil und Gnade
Sanken, doch die Macht des Gelds
Macht die Dinge zur Fassade
Und versuchts mit Gottes Fels.
Zwar ein schlichtres Glück erbeten,
Haben Demut und Verstand,
Doch es taugt zu Exegeten
Nicht, wer spürt die Schöpferhand.
Also muß dein Sohn dem Bösen
Nachstelln mit dem Tintenfaß,
Denn der Herr wird uns erlösen,
Wenn entlarvt sind Neid und Haß.
III
Meinem Bruder
Ob sie ähnlich, ob verschieden,
Streitet mancher hie und da,
Was sie wählten, was sie mieden,
Stets derselbe Himmel sah.
Daß Geschwister meistens streiten,
Ist so alt wie nur die Welt,
Doch in frohn und schlimmen Zeiten
Bleibt das Los in eins gestellt.
Oft der Ältre sagt dem Jungen,
Daß er frei noch früh genug,
Was der Einsamkeit gelungen,
Scheint dem andern Selbstbetrug.
Ob sich Handwerk oder Schreibe
Feindlich sind wie Katz und Maus?
Jeder Mensch braucht seine Bleibe,
Aber groß ist Gottes Haus.
Wenn der Sturm am Dachstuhl rüttelt,
Und der Drache Feuer speit,
Wird der Staub vom Haupt geschüttelt,
Und die Brudereintracht weit.
Bruder sein kann eine Bürde
Sein, doch wird es ernst und arg,
Steht nichts, was man wählen würde,
Nah wie was die Mutter barg.
Was der Herr so gab und fügte,
Soll kein Teufel je berührn,
Wenn es manchmal nicht genügte,
War die Gnade doch zu spürn.
Also soll der Weihnachtsfrieden
Auch bedenken dieses Glück,
Wem ein Bruder ward beschieden,
Schaut vom Paradies ein Stück.
IV
Meiner Liebe
Spätling auf dem Weg zum Manne,
Grad noch recht, dem Feind zu drohn,
Träumt ein Herz im dunklen Tanne
Langer Reife Finderlohn.
Wie die Blüte harrt der Biene,
Wie der Pilger träumt das Ziel,
Daß ein Engel einst erschiene,
Wollt ein Wandrer viel zu viel.
Doch er sinkt nicht vor dem Quelle,
Denn die Hand, die Wasser reicht,
Wärmt mit Sonnenaufgangshelle,
Weil sie niemals wankt und weicht.
Wer die Liebe bei der Mutter
Reich erfuhr und dann entbehrt,
Den erkennt sie weich wie Butter
Und sie hegt, beschenkt und mehrt.
Nur von Pfleg und Müh umfriedet,
Kann der Kämpfer schaun und stehn,
Wenn das Blut im Streite siedet,
Muß die Sorg um Gnade flehn.
Zwiefach sind des Herrn Gebote,
Hart und weich das Münzmetall,
Und im Blauen wohnt der Rote
Milan, der umkreist das All.
Einsam schaut man im Gerichte,
Was zu leicht gewogen sei,
Doch im liebsten Angesichte
Wird der Mensch von Schulden frei.
Denn nur dieses Unverhoffte,
Das bejaht vor aller Welt,
Hebt, was die Geburt verstoffte,
Engelgleich ins Himmelszelt.
Vers 18336 bis 18375:
Weit ist er umhergekommen,
Was die Länder ihm beschieden
Auf dem Pfad, den er genommen,
Bleibt in seinem Lied verschwommen,
Ob es Krieg war oder Frieden.
Mancher Spruch hat ihn begleitet,
Und die Einsamkeit begnadet,
Ob man grüß, ob man ihm streitet,
Daß er durch die Fluren schreitet,
Wehrt nicht, daß im Teich er badet.
Eine Scheune, die im Felde
Obdach bot für kalte Nächte,
Ob da jemand gier dem Gelde
Oder Bruch dem Schulzen melde,
Rührt nur wenig seine Rechte.
Freiheit kann nur Gott gewähren,
Der für Freie Mond und Sonne,
Wandern läßt, daß sie uns nähren,
Und dem Menschen wie dem Bären
Mühsal gab und reine Wonne.
Wandern ist das Los der Dichter,
Denn im Gang der Jahreszeiten,
Wechseln Wolken, Schatten, Lichter,
Eingeprägt in die Gesichter,
Die uns durch das Leben leiten.
Wie die Liebe meint die Linde,
Spür die Treue in der Traube,
Salb dich mit der Ackerwinde,
Daß den Schatz dein Traumaug finde,
Und euch segne Schwert und Glaube.
Trunken sein heißt jedes Küssen,
Drum die Liebe braucht der Sänger,
Zwischen Gold und Regengüssen,
Zwischen Rast und Weitermüssen,
Wird sie holder, reifer, länger.
Hat die Hand den Reif gefunden,
Muß sich eins im andern schauen.
So im Wanderglück gebunden,
Wird derselbe Quell euch munden
Im Gebirg und in den Auen.