Der Dichter Uwe Lammla

(1961–2024)

Kursachsenspiegel

Wenn alle untreu werden,
So bleib ich dir doch treu,
Daß Dankbarkeit auf Erden
Nicht ausgestorben sey.
Für mich umfing dich Leiden,
Vergingst für mich in Schmerz,
Drum geb ich dir mit Freuden
Auf ewig dieses Herz.

– Novalis

Vers 36389 bis 36468:

Sachsen

Im grauen Altertume,
In keiner Chronik fest,
Zog einst nach beßrer Krume
Manch blonder Stamm nach West,
Doch wie die Schar sich mehrte,
Der Sohn den Vater ließ
Und einen Frühwind ehrte,
Der weit nach Osten blies.

So wurden dichte Wälder
Dem Bauern Brot und Aun,
Er schuf Getreidefelder
Mit neuem Gottvertraun,
Der Franke zwang die Saale,
Die Elb trug manchen Kahn,
Dem heilgen Abendmahle
Wich Wüstenei und Wahn.

Als Albrecht, den man Bären
Genannt, die Nordmark nahm,
Ließ er viel Volk gewähren
Von Rheinmann, Sachs und Flam,
Vom Harz zum Elbeufer
Gab der Askanier Raum,
Gern ward gehört der Rufer,
Wos Land gab nur noch kaum.

Die Grafschaft Brehna brachte
Elbhöher noch den Schritt,
Ein neues Land erwachte
Und nahm den Namen mit,
Die Goldne Bulle höhte
Das Fürstentum mit Kur,
Wo Reiches Morgenröte
Zu neuer Mitte fuhr.

Den rauhen Niedersachsen
Inzwischen altes Land,
Wie Kräuticht fest verwachsen,
Schien gar nicht mehr verwandt,
Was ihren Namen tauchte
In ein gar andres Licht,
Ihn nicht mehr volkhaft brauchte
Als Werk der Lehnsgeschicht.

Ein neuer Geist verstoffte
Sich dorten im Barock,
Nun trug, was man erhoffte,
Der Musikus im Stock,
Der Kurfürst wechselt Glauben
Aus reinem Machtkalkül,
Die Kapriolen rauben
Dem Volk das Rechtsgefühl.

Der Aufstieg Preußens machte
Zur Nische Elbflorenz,
Jedoch der Künstler lachte
Nunmehr als Quintessenz,

Sonaten, Putten, Gärten --
Gibts sonst noch eine Welt?
Wir minnen zum Gefährten
Den Geist, der uns gefällt.

Zuletzt die Königswürde,
Die ein Tyrann befiehlt.
Wer abgeschworn der Bürde,
Recht gern mit Titeln spielt,
Der Kaffee von den Mohren,
Doch muß er süßlich sein,
Ist auch ein Krieg verloren,
Gibts doch Musik und Wein.

So ward zwar nicht katholisch
Das Volk in diesem Land,
Doch taugte dies symbolisch
Fürs Tändeln mit dem Tand,
Klang Sachs einst nach Empörer
Für Karl und später lang,
Wird nun dem Opernhörer
Beim Paukenschlag nicht bang.

Doch geht dies eine Weile,
Vielleicht bin ich schon tot,
Daß endlich nur im Heile
Der Sachs erkennt das Brot,
Daß Feldern du den Segen
Nicht ungestraft entfernst,
Noch dem barocken Degen
Den lang vergeßnen Ernst.

Vers 36469 bis 36493:

Wahlspruch

Wer ein Buch hat vollgeschrieben,
Sorg auch, daß ers gut verkaufe,
Regeln gibts dafür wohl sieben,
Doch die erste ist geblieben:
Schmeichle wohl dem Leserhaufe.

Drum der Lektor dieser Zeilen
Zürnt schon bei den ersten Strophen:
Wo es Lob gilt auszuteilen,
Sucht der Klotz nach groben Keilen.
So was kann man nicht verkofen!

Beßrung will ich wohl geloben,
Denn es geht wie sonst im Reiche,
Schwimmt der Schmutz auch immer oben,
Und vom Besen brauchts den groben,
Lebt nicht nur der Frosch im Teiche.

Also folgt dem Wandersmanne,
Denn er zeigt am Wegesrande
Euch den Pilz am Fuß der Tanne,
Und zum Grale wird die Pfanne,
Siehst du ab von deutscher Schande.

Wo der Bauer ehrlich rackert,
Und der Schmied die Müh nicht scheute,
Wird kein Schranzengrab gebaggert,
Weil Marien und Christo flackert
Ein Geleucht ins trübe Heute.

Vers 36494 bis 36533:

Vita Bennonis

Von Benno sei zuerst die Red,
Will preisen ich das Meißner Land,
Wer sonnenblicks im Himmel steht,
Der achtet nicht, was linkerhand
Ihn anbellt oder rechts bedroht,
Wenn die Gewalten uneins dräun,
Den hindern nicht Gewinn und Not,
Sich nur des Heilands zu erfreun.

Daß hell sein Krummstab Quellen schlug,
Mag Fabel sein und Volkes Mär,
Doch was er zu den Wenden trug,
Kam anderswo mit Schrecken her,
Ihm aber blieb die Botschaft froh
Und treu dem Herrn, der Freiheit bringt,
Die Lieb kein Ding, damit man droh,
Denn nicht vom Krieg die Lerche singt.

Das Milzner Land, wo schwarze Krum
Von Segen spricht und reiner Gnad,
Verlangt kein andres Königtum,
Als es der Sohn von Gott erbat,
Gefolgschaft heischt des Kaisers Acht,
Gehorsam das Gelübde fügt,
Doch in Gethsemane ist Nacht
Wie überall, wo Licht nicht lügt.

Wer Frieden mag, ist nicht Partei,
Drum ist ihm bald schon jede gram,
Die Welt ist nur dem Täuscher frei,
Dem Stolz, der stets ans Ende kam,
Der Fromme ist nicht Ochs noch Gaul,
Daß wer ihn vor den Karren spann,
Sein Tag ist lang und niemals faul,
Doch auf das Heil kommt alles an.

Und wer die Schöpfung als Geschenk
Begreift, dem wird das Gut beschert,
Das, wie der Herr die Wolken lenkt,
Sich unaufhörlich schenkt und mehrt,
Der zeigt dem Grimmen, der Gewalt
Als Schirmerin Gedeihns begreift,
Daß seine Schritte biblisch alt,
Daß dauern wird, was ihm gereift.

Vers 36534 bis 36581:

Vogtland

Als die Osterburg erkundet,
Schritt ich in das Orlagau,
War das Tannenland umrundet,
Neu ich Greiz und Weida schau,
Vogtland, diesem Buch gestundet,
Ehr als Kyff und Goldne Au
Hat es mich erweckt, verwundet,
Und getaucht in Himmelblau.

Thüring, Sachs und Böhm und Bayer
Teilen heut sich die Region,
Kurbad-Fünfeck lädt zur Feier
Und bei Kiffern weiß man schon,
Nicht nach Holland ruft die Leier,
Sollte eine Knappheit drohn,
Teuer nicht wie Pleitegeier
Sind in Eger Hanf und Mohn.

Schon in Rotbarts alten Zeiten
Durft der Vogt auf Weida baun,
Wenig willens sich zu streiten,
Kamen Gera, Greiz und Plaun,
Mancher Weg war zu beschreiten,
Manche Scharte glatt zu haun,
Denn im Offnen, Ungefeiten
Heißt der Doktor Gottvertraun.

Wo sichs hügelt und die Täler
Oft ein Viadukt bespannt,
Siedelt nicht der Erbsenzähler,
Denn die Not liegt auf der Hand,
Nicht das Wanken frommt dem Wähler,
Und die Tatkraft schätzt nicht Tand,
Das Geschrei der Selber-Quäler
Scheint dem Landsmann unverwandt.

Plaun und Reichenbach die Schiene
Macht zu Knoten für das Reich,
Morgentau-Plans Bundestrine
Mags dagegen lieb und weich,
Freizeitpark und Disney-Biene
Passen nicht zu Stahl und Eich,
Also ward das groß gediehne
Rasch zur Kapitalmarkt-Leich.

Doch ich will mich heut bescheiden
Mit Kritik am Zins-System,
Wo der Meineid allen Eiden
Machts vergnüglich und bequem,
Und um abzusehn vom Leiden
Unter Teufels Diadem,
Will ich mich an allem weiden,
Was seit je hier angenehm.

Vers 36582 bis 36601:

Schleiz

Zwar nicht sächsisch, doch dem Vogte
Willens, von Arnshaugk am Weg,
Drum der reife Weizen wogte,
Ich die Stadt ins Logbuch leg.

Wer nach Linda hat geschoben,
Weiß: nun hügelt sichs dem Rad
Sanft, und was man angehoben,
Gibt sich bald als Abfahrtstrab.

Die Wisenta, die als Beizer
Keuperton und Schiefer fand,
Böttger, Alchemist und Schleizer,
Machte Meißen weltbekannt.

Dudens Regelwerk zur ehren,
Stand mir damals nicht der Sinn,
Als, das Haar mir nicht zu scheren,
Einst ich abgehauen bin.

Vogtland lautet die Parole,
Sachsens Grenze grüßen läßt,
Darum Wadenbein und Sohle
Tretet die Pedale fest!

Vers 36602 bis 36621:

Oberböhmsdorf

Daß hier das Ziel im wilden Dreieck-Rennen,
Bekümmert nicht beim Lagern auf der Halde,
Die Prager mochten wohl den Ort benennen,
Doch merkt man wenig hier vom Böhmerwalde.

Die Kirche ist zwar nach dem Brand die zweite,
Doch schlichter Anmut und im Stil erlesen,
Und daß der Geist, der heilige, uns leite,
Wirkt sie mit ihrem unverstellten Wesen.

Der Orgel fehlt das Innere, Versteckte,
Jedoch sie spricht zu uns im Schein der Ampel,
Und wir verstehn auch noch vor dem Prospekte,
Dem Künstler war nicht wohl beim Namen Trampel.

Dem Florentiner oder Genueser
Sind lieblicher Traktur, Pedal und Pfeife,
Dem Schöpfer ist der Spieler bloß Verweser,
Drum Trampeli den Südvokal nicht schleife.

Er ließ im Vogtland überall die Spuren,
In Sornzig, Gössig, Reichenbach und Plauen,
Drum sehn wir ihn als freudigen Auguren,
Denn Musik lehrt immerfort Vertrauen.

Vers 36622 bis 36637:

Mühltroff

Ein weißer Fisch mit leuchtend roten Flossen,
Auf blauem Grunde ragt er längs durchs Wappen,
Hochwasser, sagt man, sei zum Markt geflossen,
Ließ auf dem Ratstisch Fisch nach Atem schnappen.

Nach Sachsen schub man fort die Angerflächen,
Das Urteil doch, wo Schloß und Mühlen wohnen
Ließ jemand nicht vom Mittelalter sprechen,
Weil ihm gering die Salier und Ottonen.

Die Lobdeburger und damit Arnshaugker
Belehnte unser Kaiser mit der Aue,
Drum nimmt es mir auch heut kein Standort-Pauker,
Daß ich mich dieses anzugreifen traue.

Es sei betont, um Sachsen zu beehren,
Fuhr ich noch nicht genug des Wegs nach Osten,
Ich bleibe taub für oft gehörte Lehren,
Daß Herrschaft eine Frage sei der Kosten.

Vers 36638 bis 36653:

Mehltheuer

Hier saßen schon zu Christi Zeit Germanen,
So sagen Gräber uns und Siedlungsreste,
Die temporäre Wüstung ist zu ahnen,
Auch künftig wähnt der Seher nicht das Feste.

Hier hielt das Volk in einem langen Brauche
Gesetzlos Markt, bis dies der Kurfürst störte,
Der Ortsnam spricht von einem leeren Bauche,
Wenngleich ich nie Genaueres da hörte.

Von Teuerungen gibts zwar viele Klagen,
Jedoch das meiste ist davon entbehrlich,
Gemeingut ist dem Menschenvolk der Magen,
Drum ist ein Angriff dorten höchst gefährlich.

Gleichwohl, die fetten Zeiten sind gegessen,
Die Zukunft pfeifen schon vom Dach die Spatzen,
Wahn folgt auf Wahn, es fragt sich freilich, wessen,
Und die Entlarvung bringt nur ärgre Fratzen.

Vers 36654 bis 36677:

Syrau

Der Kirchturm zeigt als Achteck das Barocke,
Das Heiltum ragt dem Wahn der Zeit enthoben,
Wer frei, daß er sich ins Gestühle hocke,
Sieht rings die Maler unaufhörlich loben.

Ein Paar aus dem Geschlecht der Watzdorf-Grafen
Fand hier sein Grab, wie uns der Stein verkündigt.
Gibts einen schönern Ort, um auszuschlafen?
Doch nein, auch hier wird bitterbös gesündigt.

Die Grabbemalung wird uns angepriesen,
Als sei dies ein profaner Ort der Lehre.
Als wesentlichen Satz behielt ich diesen,
Daß die Unesco schütz des Werkes Ehre.

So wird ein Grab zum Propaganda-Mittel,
Um alle Demut aus dem Haus zu treiben,
Man spürt den Kunstprofessor, der im Kittel
Nicht müde wird, sich seine Hand zu reiben.

Ob die Unesco oder ihresgleichen
Respekt bezeugen einer deutschen Sitte,
Ist unerheblich, einem Dorf muß reichen
Das Zeichen, das der Herr in seiner Mitte.

Wir sind umstellt von ungebetnen Rühmern,
Drum nottut ein Gesetzestext, ein kurzer:
Wir sagen nein zu allen Inter-tümern,
Es gibt auch so genug der Sesselfurzer.

Vers 36678 bis 36717:

Drachenhöhle

Steig hinab ins Labyrinth,
Wo den Meißel schlang der Spalt,
Wenn der Kalk Figuren spinnt,
Das Getropf durch Säle hallt,
Herrscht das schweigende Gesind,
Werden Tag und Jahr nicht alt,
Doch die Fackel preis, was blind
Webt an dieser Traumgestalt.

Von dem Drachen geht die Sag,
Der die Landeskinder schlang,
Bis ein Liebender vor Tag
Gab dem Schrecken Untergang,
Als das Schuppentier im Hag
Schlummerte und war nicht bang,
Traf das Herz der Todesschlag,
Weil die Not die Furcht bezwang.

Die Geschichte mit der Hohl
Bringt ein Hänfling nur in eins,
Dem Walhalla wenig wohl
Und ein Graun der Ruf des Hains,
Ein ganz anderes Symbol
Weigert sich des Sonnenscheins,
Wo die ungetrübte Sol
Heimelt wie Gerank des Weins.

Als das Elefantenohr
Ruft man eine Fahne dort,
Dringt das Wasser granweis vor,
Es zu feinstem Tuch verdorrt,
So als obs der Fön beschwor,
Wächst ein Vorhang in dem Hort,
Seidig perlt der Sinter-Store,
Daß dir fehlt das rechte Wort.

Auch der See, der klar und grün
Schauen läßt den feinsten Lehm,
Durfte im Verborgenen blühn,
Daß der Wind kein Körnchen nehm,
Spiegel, drauf nicht Wolken sprühn,
Heiltum, das nicht aussagt, wem
Dienen die bewahrten Frühn
Mit kristallnem Diadem.

Vers 36718 bis 36729:

Schöpsdrehe

Schafe, trampelnd rundherum --
Ob des Quesenbandwurms Finne
Graden Kopf und klare Sinne
Machte irr und tödlich dumm?

Oder meint die Hutungsgrenz
Dieses Wort, damit man drehe
Und nicht fremden Grund begehe,
Ob das Gras auch süß im Lenz?

Nicht verrät es uns der Ort,
Weideland, nun ganz verbautes,
Weder Schrecken noch Vertrautes
Mischt dem hergekommnen Wort.

Vers 36730 bis 36869:

Plauen

I

Elstersohle, Waldespöhle,
Kemmler mit der Bismarckspitze,
Wird gewerkelt in der Höhle,
Fuchtelt Donar mit dem Blitze.

Vielfach hergeschobne Mulde,
Mancher Herren Lehn und Diener,
Was da Karl dem Böhmen schulde,
Kam ins Wachsen der Wettiner.

Der Komtur vom Deutschen Hause
Eulner Luthern war gewogen,
Also klaffte keine Pause,
Daß der Glaub hier eingezogen.

Feine Schleier oder Schöre
Wirkte man vom Baumwolltuche,
Wechselnd, wem der Gau gehöre,
Ob zum Segen, ob zum Fluche.

Plündert Holk der Wechsel-Däne,
Gallas dann der Kaiser sandte,
Daß den Rücken frei er wähne,
Wallenstein die Stadt verbrannte.

Dörffel schrieb hier von Kometen,
Daß sie parabolisch schweifen,

Theolog, dem in Gebeten
Widerspruch nicht zum Begreifen.

Auch die Fahrpost Nürnberg-Dresden,
Ob auch nochmals kam der Schwede,
Wo man Taten schätzt vor Gesten,
Brückt die Flüsse nicht Gerede.

Nach dem Großen Nordschen Kriege,
Kam die siebenjährge Plage,
Ob geschlagen, ob im Siege,
Frag, wer die Armeen trage.

Preußen, Württemberger, Bayern
Trieb Napoleon in die Gosen,
Wo man kargt mit Speck und Eiern,
Werden fündig die Franzosen.

Doch nach jeder Katastrophe
Größre Ziele machbar schienen,
Bürgerstube wird zum Hofe,
Englisch sind die Tüll-Gardinen.

Eisenbahnen, Viadukte,
Knoten aller Herren Lande,
Falkengleich die Schwinge zuckte
Eh die Zeit verrann im Sande.

In Paris als Weltaussteller,
Großer Preis der Plauner Spitze,
Schiens, daß nicht nur Rockefeller
Plätze an der Sonn besitze.

Doch wie Lebensglück und Würde
Folgen Siechtum stets und Krise,
Harrt des Menschen schon die Bürde,
Leuchtet rot die Blumenwiese.

Da ich schreibe diese Zeilen,
Ist der Tiefpunkt unsers Falles
Unerreicht, denn kein Verweilen
Sagt, wozu uns prüft das alles.

Doch solang die Christen glauben,
Ist die Hoffnung auch begründet,
Daß die Eichen sich belauben
Und die Zeit im Heile mündet.

II

Aus Industrie-Ruinen
Mir eine Frage schaut:
Wars Glück nicht, das sie schienen,
Auf losen Sand gebaut?

War nicht im Anbeginne
Der Glaubenssatz verfehlt,
Der Rausch sei Ziel der Sinne,
Die große Stückzahl zählt?

Wars nicht dem Produzenten,
Der Absatz mißt und schafft,
Ein Trug, den Elementen
Zu traun als eigner Kraft?

Der Irrtum der Moderne
Ists, daß sie reicher sei,
Als die, die davon ferne
Und glücklicher dabei.

Denn Händler und Maschinen
Vermehren nur den Tand,
Der Mammon, dem sie dienen,
Nimmt uns nicht bei der Hand.

Dies tut der Herr alleine,
Dem ist das Leiden wach,
Drum beuge dich und weine,
Wird dir der Glaube schwach.

III

In Plauen stehn die Räusche
Des Deutschen und sein Leid,
Daß er uns drüber täusche,
Der Teufel tut und schreit.

Wo Zirkus und Musike
Weismachen, daß was los,
Folg Pallas nicht und Nike,
Auf Halden grünt dir Moos.

Doch auch die Gegenwelten
Sein dir nicht ungesagt,
Wer heilen will, muß schelten,
Was bös die Wunde plagt.

Den Wunsch der Architekten,
Der Krippe sei kein Stall,
Gigantisch sie entdeckten,
Mit Tempeln überall.

Sie spreizen sich numerisch,
Und huldigen der Zahl,
Und bauen luziferisch,
Daß fruchtlos sei das Tal.

Sie bauen auf Vergessen
Und wenn kein Mensch mehr weiß,
Das Brot mit Wein zu essen,
So kommt ihr Paradeis.

IV

Das Bauhaus von den Plagen,
Die Zion uns gesandt,
Am schwersten ist zu tragen
Für unser armes Land.

Landauer kam von München,
Daß er das Volk umtopf,
Nicht außen nurs zu tünchen,
Griff er nach seinem Kopf.

Er baute Synagogen
Und mehrere davon,
Und erstmals war der Bogen
Darin von Stahlbeton.

Von Babel und ägyptisch
Warn Bilder dran und drin,
Dem Volke schien es kryptisch,
Dies war nach seinem Sinn.

Denn alle Hexenbesen
Sind der Verehrung wert,
Bleibt nur des Heilands Wesen
Gewaltig ausgesperrt.

So hat er auch in Plauen
Gezeigt, wie man zersetzt
Den rechten Sinn fürs Bauen
Und allen Glaub zuletzt.

Zwar ward der Bau geschliffen,
Jedoch wie Sporenstaub
Die Krankheit hat ergriffen
Das Volk, der Liebe taub.

Von Kniffen und von Ränken
Der Heiland nur befreit,
Dies hoffnungsvoll zu denken,
Erfüllt mit Heiterkeit.

Vers 36870 bis 37045:

Synagoge

Als Karl und die späteren Kaiser
Zum Rhein, dann zur Elbe zu fahrn,
Errichteten huldvolle Weiser,
Zu locken die willigen Scharn,
Kam vielerlei Volk zu bestellen
Das Neuland mit Egge und Pflug,
Bald glichen die fremden Gesellen
Der Scholle, die allesamt trug.

Doch einige nahmen die Sprache
Zwar an und gehorchten dem Thron,
Doch pflanzen sie eigen ins Brache
Den Brauch ihrer Bund-Religion,
Sie mischten sich nur mit Genossen
Und mieden die Christen bestimmt,
Wo Stämme zusammengeflossen,
Wars Sorg ihnen, daß nichts verschwimmt.

Dies war manchem Prediger grausig,
Doch dachten die Mächte schon früh,
Der Fernhandel dümpelte lausig,
Bewirkten die nützliche Müh
Nicht jene, die sich als Gemeinde
Beschnitten verstanden allein,
Sie spotteten wider die Feinde
Und fuhren den Höchstgewinn ein.

Schon Zeiten, die Spätre verklären,
Erweisen sich so als korrupt,
Die Heiden vertrieb man in Mären,
Doch was sich als Münze entpuppt,
Das soll was ihm trefflich ist beten,
Denn Gold ist die Herkunft egal,
So litten die Christen betreten
Die Andern in wachsender Zahl.

Zum Handel der Länder und Städte
Kam bald ein gar luftiges Haus:
Manch einer begehrt, daß er hätte
Den morgigen Tag im voraus.
Dem Christ war das Zinsen gescholten,
Und einsprang der witzige Jud,
Der Trug, den nicht wenige wollten,
Verschafft sich seinen Tribut.

Doch während die Werkstatt, der Acker
Nicht wachsen, daß Jüngern man heißt,
Daß ferne er walte und racker,
Und so die Familie zerreißt,
Ists eigen dem Händler und Leiher,
Daß niemals zu groß ihm die Welt,
So wurd dies Gewerbe zum Freier,
Dem ewiges Wachstum gefällt.

Und eins kam dem andern zugute,
Daß bald noch ein drittes entstand,
Das Volk von verschiedenem Blute
Die Kirche zur Einheit verband,

Hier festeren Hanf zu ersinnen,
Hieß jenem, der herzhaft ihn schläng,
Die Deutungsgewalt zu gewinnen
Für alles, was spräch oder säng.

Den Clou, der zur Macht führte später,
Vollführte der Geist paradox,
Man stürzt nicht im Gotte der Väter
Die Krippe mit Esel und Ochs,
Spinoza, der nicht als Rabbiner
Befolgte die Lehrtradition,
Ersann einen Typ von Schlawiner,
Der bleichen läßt Kirche und Thron.

Die Welt setzt er selber zum Gotte,
Der Heilsplan sei Priestergeschwätz,
Dem Mensch seis gemäß, daß er spotte,
Was weltlich nicht reift zum Gesetz,
Weil außer der Welt nichts bestünde,
Sind Teufel und Hölle Legend,
Allein der Verstand setzt die Sünde,
Und jegliche bannt, wer erkennt.

Der Teufel war ganz aus dem Häuschen,
Des Nichtseins sinistre Idee
Schafft Purpurpaläste dem Mäuschen,
Dems leid nicht mehr, daß man es seh,
Wen wunderts, daß immer noch frecher
Er herkommt, seit solches geglaubt,
Nicht mal ein ägyptischer Fächer
Des Nichtsein Gloriole ihm raubt.

Zwar wollte dem Bauern und Wagner
Des Holländers Lehr nicht ins Herz,
Doch wer sich als Musen-Getragner
Versteht, der liebäugelt dem Scherz.
Schon bald war dem Dichter, dem Denker
Das Pathos der heiligen Welt
Fortuna und staatlicher Lenker
Im All, das sich selber bestellt.

Der Spürsinn für künftige Wellen
Dem Jud war von alters vertraut.
Erfasse den Strom an den Schnellen!
Ein Narr, wer Potenzen nicht schaut!
Der Wegfall der alten Gesetze
Zerstört die Gemeinde nicht echt,
Real sind persönliche Netze,
Die Humbug nicht knüpft, sondern schwächt!

Das geistige Klima Barockes
Hieß Freisinn und auch Toleranz,
Statt Dogmen des Lehrers, des Stockes,
Den Zeiten von Gretel und Hans,
Bevorzugte man nun Profundes,
Und Aufklärung setzt guten Ton,
Dies macht bei Getreuen des Bundes
Den Unterschied zur Konfession.

Doch haben die so Toleranten
Bedacht nicht, wie einseitig die,
Man hielt für den nächsten Verwandten,
Der weiter Verweigerung schrie,

Ein Lästermaul, ein Revoluzzer
Nicht Abrahams Segen entbehrt,
Doch jeder verläßt als Beschmutzer
Das Nest, wer den Heiland verehrt.

Der Jud, der Verfall alter Sitte
Bedauert, erkannte nun bald,
Der Freigeister praktische Schritte
Bekamen dem Talmud-Erhalt,
So wurde mit Langmut gelitten,
Wer Gott aus dem Weltbilde strich,
Solange dabei nicht bestritten
Das Judentum, göttlich an sich.

Es blieb nicht bei bloßen Gedanken,
Die Könige wurden geköpft,
Das Sterben der sittlichen Schranken
Ward jenem Gewinn, der ihn schöpft,
Das Vakuum bald im Entkernten
Gab neuen Geschäften Bedarf,
So säte für fürstliche Ernten,
Wer vorher die Brandsätze warf.

Erst waren es Preß und Verlage,
Dann folgte der Träume Fabrik,
Die Pornographie ist nur Plage,
Wem fehlt das perfekte Geschick,
Die Unzucht kennt nirgends Genügen,
So sättigt sich niemals der Markt,
Wer kundig, die Medien zu fügen,
In jeglicher Runde erstarkt.

Erst haben der Zins, die Profite
Dem Michel die Galle gereizt,
Dann stand ein Dämon in der Mitte,
Der Sinn und Geschichte verheizt,
Die Sozis vertrieben den Kaiser,
Das Geld ward zu bloßem Papier,
So wurden geschichtet die Reiser,
Zu brennen das garstige Tier.

Wer Darwin vertraut und dem Affen,
Mißdeutets als erbliches Gen,
Die Bande vom Hals sich zu schaffen,
Muß man auf die Anfänge sehn,
Der Teufel hat Macht durch Bestechen,
Und wer nicht dem Wohlstand entsagt,
Der zahle gefälligst die Zechen,
Die ungerecht laut er beklagt.

Nutzt niemand die Zeitung, die Röhre
Der Pleite der Schmutz nicht entrinnt,
Ist klar, daß man gar nichts verlöre,
Wenn man nicht mit Schulden beginnt,
Benutzt man kein Ding, das im Gaue
Ist feil aus dem eignen Bemühn,
Man warte nicht lang und man schaue
Der künstlichen Blumen Verblühn.

Zwar ist auch der Silberling-Nehmer
Im Heilsplan ein göttliches Muß,
Doch hälts nur ein Narr für bequemer,
Die Welt käme endlich zum Schluß,

Der Mensch ist beschenkt mit dem Willen,
Daß er seine Prüfung besteh,
Im Lärm und im zweifelhaft Stillen
Den Leuchtstern von Bethlehem seh.

Auf Gott setze all dein Vertrauen
Und nicht auf des Teufels Geschäft,
Die Brücken, die Werber dir bauen,
Mit Demut und Milde entkräft,
Die Juden sind einzig die Strafe
Für Sünden im Tun und im Geist,
Entlaufen dem Hirten die Schafe,
Frohlocken die Wölfe zumeist.

Vers 37046 bis 37065:

Rittergut Reusa

Im Jahre nach vorletzter Hundertwende
Hat Plauen Reusa sämtlich aufgekauft,
Drum ist die Macht des Rates nicht zu Ende,
Wenn schattenfrei ihr durch die Heide lauft.

In frührer Zeit, weiß der Chronist zu sagen,
Den Zugriff widerrief manch dürres Jahr,
Zurück zur Freiheit gehts in unsern Tagen
Nicht mehr, was auch die Kasse offenbar.

Verniedlichend der Schreiber hieß die Beute
Ein Vorwerk, wo das Gut an manchen Stelln
Selbst Vorwerk hatte, Hufe dort und Leute,
So macht man kurz den Meister zum Geselln.

Nun hundert Jahre später gilt als Posse
Der Anfang, daß kein Dorf mehr selber schafft,
Ob Unternehmeranwalt, ob Genosse,
Man saugt aus jedem Flecken Seim und Saft.

Gemeinde sein war schließlich nur noch Bürde,
Zu zahlen, was wer anders gut befand,
Erst wenn das Dorf zurückbekommt die Würde,
Kann wieder Frieden sein im deutschen Land.

Vers 37066 bis 37129:

Friesenbach

An der Rangmühl in Kleinfriesen
Schau das Viadukt und wein,
Nicht der Übermut von Riesen
Schliff die Schien nach Falkenstein.
Morgenthaus Vernichtungswegen
Gaben Zwerge Müh und Fach,
Meiner Route strömt entgegen
Teilnahmslos der Friesenbach.

Auch die Mühle will nicht mahlen,
Weil sich solches ja nicht lohn,
Besser ists, für Öl zu zahlen!
Und ein Brot - was ist das schon?
Unser Klippklapp ist vergessen,
Und es wird erst wieder wach,
Gibts kein Trinken und kein Essen
Auf dem Markt am Friesenbach.

Glitzert Sonne in den Wellen,
Willst das Trübe nicht mehr schaun,
Denn dem wandernden Gesellen
Frommt ein großes Gottvertraun,
Die Karossen rings der Spießer
Die schon häßlich ohne Krach,
Übersieht der sanfte Fließer,
Der Gesang vom Friesenbach.

Ob sein Murmeln lobt die Heiden,
Wo man Sleipnir neu beschlägt,
Der den Hünen über Weiden
Bis in Balders Träume trägt?
Keine Seherin wird deuten,
Ob er grolle, ob er lach,
Hörner oder Glockenläuten?
Wer versteht den Friesenbach?

Zwischen Plytenberg und Esens
Hast des stolzen Stamms gedacht,
Der im Kerne seines Wesens
Polder aus dem Salzschlick macht,
Harsweg hat dich eingeladen,
Daß dich frei die Liebe mach.
Und sie spricht: Da ist kein Schaden,
Den nicht schwemmt der Friesenbach.

Leicht verkritzelt sich der Dichter,
Friede liegt so nah beim Fries,
Kräuselt Bach die harten Lichter,
Scheint er hold und nichts als dies,
Und das Fließen wie das Wellen
Muß verwischen Weh und Ach,
Sag: wer wollt sich nicht gesellen
Solchem Fried am Friesenbach?

Ist das Wasser voller Zauber,
Fehlt dir nur zur Ruh der Baum,
Der als Brunnennacht-Belauber
Hütet unsres Volkes Traum,

Unbeeindruckt vom Verfalle
Wird der Stamm nicht mürb und zach,
Den er weiß die Lieder alle,
Die ihm sang der Friesenbach.

Eine Linde soll dich bergen,
Wo der Mittag sticht und brennt,
Suche keinen holdern Fergen,
Weil ihr euch schon immer kennt,
Wer dem Mutterschoß entbunden,
Findet nie ein lindres Dach,
Und dem Stolzen wie dem Wunden
Plätschert hier der Friesenbach.

Vers 37130 bis 37153:

Mechelgrün

Der Mauerrest, verrottet längst,
Verlangt nicht wenig Phantasie,
Zu ahnden, wem du Sehnsucht schenkst
Und deiner Stimme Melodie.

Die Wasserburg, ein Dreieck erst,
Mit Walmdach, Wohnturm, Grabenwehr,
War nie gefeit, daß sie zerberst,
Doch immer stellte man sie her.

Nach völliger Zerstörung wuchs
Sie neu mit einem vierten Turm,
Und die Gewißheit ihres Fugs
Beschädigte kein Flammensturm.

In Sonnenkönigs großer Zeit
Zerstörte Feuer bis zum Grund,
Und nur fünf Jahre war es weit,
Daß alles neu gerichtet stund.

Doch voriges Jahrhundert nahm
Dem Ab und Aufwärts Wechselsang,
Was man ererbte, rings verkam,
Und auch das Baun ward Untergang.

Drum sind die Birken wohl im Recht,
Die walden, wo der Wall zerbricht,
Eh Moosbewuchs und Pilzgeflecht
Das Letztkapitel der Geschicht.

Vers 37154 bis 37169:

Trieb

Waldhufendorf im Plauner Amt
Grundherr war oft ein Rittergut,
Und wer aus diesen Triften stammt,
Kennt keinen unverdienten Mut.

Ob Bergen, Oberlauterbach,
Ob Mühlberg oder Ellefeld,
Beständig war allein die Sach,
Daß jemand hier die Stellung hält.

Dann trieben nicht mehr Ritter her,
Das Land, das nur mit Bauern Nutz,
Die Städter und ihr Fahrverkehr
Besetzten es und nanntens Schutz.

Heut heischt nach eingeschlafner Flur
Kein General und auch kein Von,
Die Straße blieb, die man befuhr,
Sonst nicht mal was im Lexikon.

Vers 37170 bis 37189:

Siebenhitz

Man meinte wohl Vegessensein
Sei ärgstes Los für die Gemeind,
Doch sind Verfall und Abendschein
Niemals der allerärgste Feind.

Die Köberey mit lustgem Nam,
Nur Häuslerreihe, wenig wert,
Zu einem Krebsgeschwüre kam,
Daß der Verfall dagegen ehrt.

Der Landvermesser Kapitals,
Kaum daß er dran, der Flur beschied:
Das Land, in neuem Glanz erstahls!
Gewerbe macht erst ein Gebiet!

Wir brauchen öde Äcker nicht,
Dienstleister aber marktgewandt!
Wer Augen hat, bedeck sie dicht,
Am sichersten mit jeder Hand.

In allen Kinderfarben schaut,
Was Schreier schafften uns herbei,
Und kaumwer sich zu sagen traut,
Daß alles dies des Teufels sei.

Vers 37190 bis 37213:

Falkenstein

Von der Zeit der Falknerei
Weiß der Name dieser Flur,
Daß das Wappen rechtens sei,
Glaubt ein großer Tölpel nur.

Eine biedere Gestalt
Hält den prunkgewellten Schild --
Dies ist zwanzig Jahre alt,
Und ein aufgeblasnes Bild.

Vorher war er schlicht und karg,
Und ein Greif, der dreifach hehr,
Krallte ihn und trug ihn stark,
Nicht ein Geck mit Flügelehr.

Schlägel im Andreaskreuz
Wies der alte Schild schon aus,
Hauer und Verhütter freut’s,
Doch die warn hier kaum zuhaus.

Bergbau gabs im Vogtland wohl,
Doch den Falkensteinern schien
Gold in Stollen nicht und Hohl
Sondern weiß im Musselin.

Thorey webte hier fürs Heim,
Abriß, Brache, Morgenthau
Machten drauf den letzten Reim
Und die Stadt zum Rentnerbau.

Vers 37214 bis 37233:

Göltzsch

Ellefeld -- nun mache Rast,
Eh da kommt die nächste Stadt,
Schon der Radweg scheint dir Hast,
Wo man kaum noch Wälder hat.

Göltzsch, was sorbisch Goldbach heißt,
Bach und Bach gehn hier ins eins,
Und das Tal nach Süden weist,
Doch sein Ziel ist heut nicht deins.

Ja, die Göltzschtalbrücke sahst
Jung du schon und hast gedacht,
Nicht nur dem, das elbisch grast,
Auch im Geist wächst Himmelsmacht.

Daß der Konstrukteur den Tod
Wählte, als der Bau geweiht,
Scheint dir nicht mehr Zweiflers Not,
Sondern Schöpfers Ewigkeit.

Wer den Traum gebannt in Stein,
Wem beim Teilen blieb kein Rest,
Kann nicht länger Künstler sein,
Und kein Auftrag hält ihn fest.

Vers 37234 bis 37249:

Mühlgrün

Nach Mühlgrün sollts weitergehn,
Doch was Pflanze einst und Keim,
Ist inzwischen, klar zu sehn,
Auerbacher Schreberheim.

Namen stehn auf Karten rum,
Und der Dichter sinnt und hofft,
Alle Ewigkeit ist krumm,
Doch sie ward begradigt oft.

Zwar der Gastwirt ist wie je
Nur dem guten Zahler grün,
Aber wenn ich Mühlen seh,
Seh ich keine Seel sich mühn.

Stetig fließen Land und Laut
In legendenhaften Schaum,
Wer nicht alt und wiederschaut,
Spürt den Sog der Tiefe kaum.

Vers 37250 bis 37314:

Auerbach

Als ich grad halbstark suchte rings
Nach Sinn und Anteil und Geselln,
Mir selber wie den meisten gings,
Ich sagte, ursprungsnah gelings,
Und hielt für echt die neusten Welln.

Zum Blues nach Auerbach getrampt,
Das Bier war stark, der Sommer heiß,
Man fror zur Nacht auch nicht im Hemd,
Und wer hier herkam, blieb nicht fremd,
Und mancher sucht noch heut den Kreis.

Der Stegreiftext authentisch schien,
Zur Spannung dient ein Doppelsang,
Was grade eben erst gediehn,
Als würd es große Kreise ziehn,
Doch zum Vergessen wars nicht lang.

Das Dürftige, das Simple sprach,
Als seis ein Quell im Wüstenland,
Und immer wieder flutend brach
Die Stimme ein und setzte nach --
Wer leer war, griff nach dieser Hand.

Die Pentatonik Afrikas,
Die mit zwei Tönen sich begnügt,
Gab dem Verfließungswunsche Maß,
Und Flüchtende wie Sand und Gras
Sahn sich dem Kosmos eingefügt.

Es gab kein Nörgeln, kein Gefrag,
Nur Woge, wo die Luft so dicht,
Die Stunden rannen und der Tag,
Als schlummernd man im Schober lag,
War alles frei und nirgends Pflicht.

Der Rausch war groß, und wer ihm treu,
Will fragen nicht woher, wohin,
Und ruft solch ein Ereignis neu,
So flieht auch allerletzte Scheu,
Zu schätzen dies als Weltensinn.

Ich aber kam kein zweites Mal,
Obgleich berauscht wie jeder dort,
Die Festlichkeit in großer Zahl,
Für die schon längst genügt kein Saal,
War niemals mehr mein Schwelgeort.

Warum? Was ward mir offenbar?
Die Theorie kam erst nach Jahrn.
Obgleich ich ganz der ihre war,
Verließ ich doch gemach die Schar,
Und hab ein andres Land befahrn.

Wir wissen nicht, wie Engel tun,
Doch manchmal stehn sie wohl am Tor,
Ich wollte im Vergessen ruhn,
Und schuf doch immerfort am Nun,
Nicht wissend, ob hinab, empor.

Heut les ich, daß in Auerbach
Die Kirche ward zum Künstlerhaus,

Daß schummrig uns das Banjo mach,
Feucht-heißer Süden Durst entfach,
Ruft man in alle Welt hinaus.

Zum Jazz- und Bluesherbst sich geselln
Nun Hardcore- oder Metalbands,
Die Fälle findst von allen Fälln,
Die Songpoeten Weiser stelln,
Wie jeder gut ist, letzten Ends.

Kein End allein dem Feiern wird,
Denn stets am Ziel ist nur die Kunst,
So weiß ich endlich, wie verirrt
Ich jung war, denn die Motte sirrt
Nicht blöder in die Flammenbrunst.

Vers 37315 bis 37354:

Auerbachs Keller

Zwar kam er aus der Oberpfalz,
Der dem Lokal den Namen gab,
Doch macht mir keinen Kloß im Hals,
Daß lang ich mich getäuscht wohl hab.

Wann immer von der Stub die Red,
Ich dachte stets ans Vogtland nur,
Drum dorthin mein Gedanke geht,
Wenn ich ins Namensgleiche fuhr.

Wie oft ein alter Stall verdreckt,
So war zur Russenzeit der Mief,
Wo Faust in dem Studenten steckt,
Ein Fall, der nach der Sitte rief.

Ich ging nie hin, obgleich ich nachts
Oft dachte, den Versuch wärs wert.
Nun mancher läßts und mancher machts,
Inzwischen ists ein stumpfes Schwert.

Hier ritt schon Faust auf einem Faß,
Eh der Geheimrat dies bereimt,
Es hat, beflügelt gut vom Naß,
Seither hier manch Student geschleimt.

Studentenkneipen sah ich viel,
Wenn auch nicht so verrufnen Ort,
Ich weiß, es ähnelt sich das Spiel,
Drum sei gewagt ein freies Wort.

An einen Fall in Leipzig denk
Ich oft, ein Neunmalkluger sprach:
Wer schätzt Novalis als Geschenk,
Weint Eichendorffen gar nichts nach.

Genie, ein Wort, das ihm gefiel,
Sah er allein im Pfeil, der fliegt,
Ein Irrweg sei ein Lebensziel,
Wo die Gesichtshaut Runzeln kriegt.

Der Jugendkult der ältern Zeit
War zwar nicht Mode und Kommerz,
Doch wars auch ihm die Heiterkeit,
Daß er gepachtet Geist und Herz.

Mephisto kommt es grade recht,
Mit derart blödem Volk zu spieln,
Daß einer sich zum Gotte dächt,
Ist Geistersatz von viel zu vieln.

Vers 37355 bis 37394:

Schönheide

Wie ist die Heide hier so schön!
Rief, sagt man, Karl der Fünfte aus,
Westerzgebirges sanfte Höhn
Sahn bald darauf manch festes Haus.

Die Landwirtschaft war mühereich,
Auch Bergbau brachte wenig Glück,
Es ward der Menschenschlag nicht weich,
Doch stolz auf ein gelungnes Stück.

Schönheiderhammer Pleite sah
Recht oft, doch nie der Hammer schwieg,
Die Hütte ist auch heut noch da,
Was ich nicht oft zu hören krieg.

Der Bürstenmann war reichsbekannt,
Die Not war der Erfinder stets,
Man Pinsel, Bürsten, Quoddeln band,
Zur Messe auf nach Leipzig gehts.

Vom Knock aus wird gerodelt gern,
Wenn Winter kommt mit Schnee und Schiern,
Der Städter, der den Bergen fern,
Hat ein paar Groschen zu verliern.

Mir steht, nicht nur, weil Sommer grad,
Nicht so der Sinn nach Talgesaus,
Doch gibts hier einen Kräuterpfad,
Der breitet wahre Schätze aus.

Am Kuhberg lang durch Wies und Wald
Gehts wellig bis nach Stützengrün,
Obs Wetter sonnig oder kalt,
Siehst Sträucher du und Ranken blühn.

Wer meint, dies sei ein Unkraut bloß,
Der wird von Tafeln bald belehrt,
Daß manchen Krauts Geschmack famos
Und überdies dem Husten wehrt.

Ob Knoblauchrauke oder Giersch,
Ob auf dem Brot Spitzwegerich --
Der Schwabe raunt dir zu: Probiersch!
Und kein Geschäft enteignet dich.

Ob Würze, Salbe, ob Tinktur,
Ein Kräutlein wächst für jedes Weh,
Drum koch und back und brau nicht nur,
Zuallererst nach Kräutern geh.

Vers 37395 bis 37414:

Eibenstock

Erst Seifenbergbau, Eisen, Zinn,
Meist in der Herrschaft Schwarzenberg,
Ein kleiner Markt, wo jed Gewinn
Errackert ward mit hartem Werk.

Dann kam mit Clara Angermann
Das Tambouriern in diese Stadt,
Fünf Jahre hielt die Lehrzeit an,
Bis jede Frau ihr Rüstzeug hat.

Das Sticken mit dem Häkeldorn
Ward hochberühmt, Betriebe hier,
Sie drängten mit dem Reich nach vorn,
Maschinenrasch zu höchster Zier.

Eh Weltkrieg kam als Musenmord,
Die Stickerei war Glanz und Staat,
Amerika selbst hielt im Ort
Fast zwanzig Jahr ein Konsulat.

Den Höhenflug erstickte Weh,
Drin manches Lied die Wende singt,
Gott weiß allein, ob ich noch seh,
Daß sie im Erzgebirg gelingt.

Vers 37415 bis 37454:

Saafnlob

Der vierte Bub der Bergmannsfrau
Ward Lehrer und hat gern gereimt,
Sein Verswerk ist kein Rotfuchsbau,
Sein Ratespiel nicht abgefeimt.

Ehr Fiedler, der in Wald und Heid
Die Heimat spürt mit offnem Herz,
Dort küßt die Freud das tiefste Leid,
Und nur der Star weiß nichts vom Schmerz.

Der findt sein Kastel neu im Lenz,
Wo Häuser einsam stehn am Wald,
Und daß der Schnitter bald schon sens,
In jedem Vers als Grundbaß hallt.

Und trotzig heißts, die Sitte sei
Hier alt und abhold neuster Mod,
Stets klingt das feine Weh dabei,
Von dem, der weiß, die Zeit ist rot.

Als Rotarmisten an der Muld
Des Bauers weiße Flagge loht,
Der Lehrer war am Weltleid schuld
Und kriegte sein Berufsverbot.

Doch nicht genug, man schleppte ihn
Nach Mühlberg und nach Bautzen fort,
Er büßte für den Bildungs-Spleen,
Weil nun verderblich deutsches Wort.

Als er drei Jahr geduldet Haft,
Das Regiment ward minder derb,
Mann gönnte ihm die Leidenschaft
Für Brauchtum und für Kunstgewerb.

Das Erzgebirgeln ward erlaubt,
Solangs den Takt der Zeit nicht stört,
Wenn man die Heimat harmlos glaubt,
Wird bloß der halbe Reim gehört.

Denn, wer den Wald singt und das Nest,
Macht Recht auf eigne Lebensweis
Wohl geltend, vor Tyrannen fest,
Und löst sich nicht im Dunst des Breis.

Die Heimat ist kein Standortplus,
Nicht Wachstum will sie und Profit,
Wer immerfort sie preisen muß,
Der macht den Wahn der Zeit nicht mit.

Vers 37455 bis 37524:

Blauenthal

Wer Märsche will nicht überland,
Es taglang mag mit Schau und Mahl,
Wer pflichtenmüd und ausgebrannt,
Dem werde mein Gedicht bekannt
Vom Wanderweg bei Blauenthal.

Die große Brockau läd dich ein,
Durch eine tote Holzfabrik
Dring pirschend in den Hangwald ein,
Dort soll ein großes Wunder sein
Und dir besprühen Haar und Blick.

Das Wasser stürzt von hohem Sprung,
Wenn du nicht mit den Alpen wägst,
So findst du selten Steigerung
Des Schauspiels, welches urkraft-jung
Verlacht, was du im Blute trägst.

Daß man den Fall mit Willkür schuf,
Vergiß bei seiner Schönheit Flut,
Hier war nicht taub dem ältsten Ruf,
Wer aussann Wege, Haus und Huf,
Und dem der Abend sagte: gut!

Beim Zimmersacher freilich mußt
Das Mühlrad, das die Stadt nicht braucht,
Vermissen, und der Bratenkrust
Wie auch dem kühlen Wein zur Lust
Erdgas durchs Netz der Netze faucht.

Von Holzfiguren wird flankiert
Die Rektorbrück, das Blockautal.
Dem, was im Winter niemals friert,
Gar mancher abspricht, daß es ziert,
Drum sag ich ein für allemal:

Geringe Kunst, die Einfalt setzt,
Verachtet bloß, wer impotent
Nur immerfort nach Trümpfen hetzt
Und letztlich Ideologen schätzt,
Weil sein Gebahrn er drin erkennt.

Die großen Meister fußten stets
Im volkgewachsnen Herzeleid,
Drum abhold Professorn-Gereds
Sei deinem Volk, denn also gehts
Zu Werken über Zweck und Zeit.

Bergahorn, Buche, Fichte, Tann,
Dann wird der Weg ein Schlangenwurm,
Ab Wildenthal steigts kräftig an,
Wer meint, daß er bald nicht mehr kann,
Hoff auf ein Bier am Auersturm.

Zum Ausblick reicht die Sonnenhand,
Doch Windschutz heischt den Obolus,
Das Vogtland schau, das Böhmerland,
Die Fluren rauschen urverwandt
Und wissen nichts von Überdruß.

Wenn dich der Wurzelrodi schreckt,
So wisse, dies wird hier gepflegt,

Der Mummenschanz nur Spaß bezweckt,
Die Lust, was man so ausgeheckt,
Sich leicht nicht bei dem Volke legt.

Nach Sosa zweig am Kleinen Stern,
Den Weg stört hie und da ein Schacht,
Es ist bekannt doch nah und fern,
Der Bergmann gräbt die Stollen gern,
Und mancher ist dann eingekracht.

Dann gibt der Wald dem Auge frei
Den Blick auf Wasser angestaut,
Ein Lärm sagt, daß da Sosa sei,
Dort schweigt zwar längst die Meilerei,
Doch ist das Sonntagsvolk hier laut.

Nach Blauenthal, die Sonne sinkt,
Der Zinnsteig schließlich führt zurück,
Vergoldet dir die Landschaft winkt,
Und wenn er sie in Verse bringt,
Ist Müdigkeit des Wandrers Glück.

Vers 37525 bis 37548:

Schwarzenberg

Schwarze Berge sah einst der Ottone,
Zwischen Böhmen und dem Pleißenlande
Hieß es, daß Befestigung sich lohne,
Wo der Wald verbarg die Räuberbande.

Barbarossa gab die Stadt dem Erben,
Lobdeburg und Tettau war sie eigen,
Bis Kursachsen konnte sie erwerben
Und zur Vormacht Luthertumes steigen.

Kirch und Schloß stehn auf dem Felsenriegel,
Drum die Schleife zieht das Schwarze Wasser,
Dennoch gleicht das Umland einem Tiegel,
Totenstein und Ottenstein die Fasser.

Hirschstein, Hoher Hahn und Hohe Henne,
Galgenberg und Rockel sind markante
Sporne, dran ich Schwarzenberg erkenne,
Auch wenn oft die ganz Stadt verbrannte.

Grobgefasert oder mittelschrotig
Ist der Augengneis mit erznen Adern,
Ob der Mensch hier wendisch oder gotisch,
Keiner sollte mit dem Schlägel hadern.

Heute freilich ist auch die Kommune
Ein Museum für die Bustouristen,
Wenn verkehrt sich stellt die Lebensrune,
Braucht es großen Lärm in Schweigefristen.

Vers 37549 bis 37572:

Kumpel

Der Mann, mit dem man Brot teilt, wie Lateiner
Einst sagten, ward zum Synonym für Hauer,
Denn der Betroffne ist hier jeder einer,
Wo mächtig liegt das Schicksal auf der Lauer.

Die Not verschweißt, des Berges dichtes Drohen
Wiegt ärger als der Feind vorm Schützengraben,
Der Toten denkt im Schein der Osterlohen
Wer schweigsam trägt das Dunkelkleid der Raben.

Oft schickte man, um Lohn und Raum zu sparen,
Auch Kinder oder Frauen in die Schächte,
Dies ist wohl Grund, daß recht verhalten waren
Die Stimmen, daß man dies rein männlich dächte.

Die Frauenfreiheit, hin und her beschworen,
Scheint derzeit sich vom Ausgang abzukehren,
Im Bergbau hätten Weiber nichts verloren,
So sprach man, um das Muttertum zu ehren.

Der Konvention, daß Frauen seis verboten,
Mit Glückauf in die Schächte einzufahren,
Trat Deutschland bei, als noch die Bombentoten
Recht unvergessen in den Nachkriegsjahren.

Doch jüngst ward diese Unterschrift gekündigt,
Nun gilts als Schimpf, das Schwache zu beschützen,
Dabei wird praktisch freilich nichts versündigt,
Weil Bergarbeiter Deutschland nicht mehr nützen.

Vers 37573 bis 37584:

Raschau

Grünhainer Mönche fanden jäh
Am Emmlerfelsen Eisenstein,
Man meinte, wenn man weiter säh,
Müßt mancherlei zu finden sein.

Der Seegen Gottes hieß die Grub,
Wos Kiese gab fürs Vitriol,
Auch Silber war und Zinn im Hub,
Wo bald die ganze Gegend hohl.

Der Ziegenberg, der Knochen steil,
Das unterirdische Gewirk
Hat nicht gering am Namen teil,
Der heut noch immer Erzgebirg.

Vers 37585 bis 37608:

Scheibenberg

Für Scheibenberg gar vieles gilt,
Was zu der Gegend ward gesagt,
Doch eigentümlich scheint ein Bild,
Nach dem wohl selten einer fragt.

Der Feldherr Holk, Mann Wallensteins,
Triebs nach dem Seitenwechsel kraß,
Die Scheibenberger waren eins,
Man wehr den Wiesenthaler Paß.

Wo Mächte Treue und Allianz
Mal wogen und mal bliesen fort,
Stieg auf den Berg der deutsche Hans
Und kämpfte gegen Völkermord.

Der Paß ist kein geringes Ding,
Spanische Reiter sah er schon,
Wenn auch am Galgen keiner hing,
Verstand man wohl den rüden Ton.

Er ist der höchste, den die Post
Im Erzgebirge kannte je,
Nicht nur die Alpen kennen Frost,
Auch hier war Tod der Winterschnee.

Er führt nicht mehr nach Gottesgab,
Das böhmisch wie ein Röcheln klingt,
Doch Achtung vor der Mannheit hab,
Auch wenn der Sieg ihr nicht gelingt.

Vers 37609 bis 37623:

Schlettau

Im Gegensatz zum Wiesenthaler Steige
Ist die von Preßnitz niedrig und kommod,
In Zwickau man von ihr schon Zeugnis bot,
Als Ritter in Jerusalem die Not
Der Pilger rief, daß sich ein Orden zeige.

Hochmittelalterlich und heut Geschichte,
Talsperrenbau versperrte diesen Weg,
Daß man den Übergang der Zschopau heg,
Den Unrat von der Handelsstraße feg,
Half Schlettau zu dem eigenen Gesichte.

Die Zschopau hab ich früher schon bedichtet,
Im Harras und im Sprung von Gottes Gnad,
Hier ist auch heut die Stimmung wenig fad,
Denn ein Erwachen staut sich auf zur Tat,
Nachdem so vieles, was geliebt, vernichtet.

Vers 37624 bis 37643:

Annaberg und Buchholz

Die Sehma grenzt den Teil der Ernestiner
Von dem der Albertiner ab im Osten,
Der Silberberg war beider Seiten Diener,
Und ähnlich warn auf jeder Seit die Kosten.

Das künstlich so getrennte Tal zu einen,
Scheint mir vergleichbar nicht dem Willkürbrauche,
Mit dem sonst Flecken als gemeinsam scheinen,
Daß man die Lasten der Verwaltung stauche.

In Annaberg und Buchholz sind die Brücken
Längst nicht mehr Tore, daß man sie bedenke,
Doch Tradition kann auch die Frag bedrücken,
Wer welcherart dem andern Teil sich schenke.

Die Sowjets wollten da nicht diskutieren,
Der Kommandant befahls, und Land und Räte,
Sie duckten sich wie immer großen Tieren,
Auf daß man ihren Pfründen bloß nichts täte.

Dies war in diesem Falle wohl erträglich,
Und niemand will die beiden Hälften trennen,
Der Doppelname ist schon lang alltäglich,
Jedoch die Grenze will kein Mensch mehr kennen.

Vers 37644 bis 37663:

Schloß Wolkenstein

Den Namen teilt es bloß mit einem Dichter,
Und ist kein Ort, wo Musensöhne reifen,
Der Felsvorsprung als tiefen Waldes Lichter
Läßt weit die Blicke an der Zschopau schweifen.

Obgleich befestigt, hieß dies Schloß schon frühe,
Zweihundert Jahr warn hier die Waldensteiner,
Das Ende des Geschlechts enthob der Mühe
Wettiner, weil dem Anspruch streitet keiner.

Heinrich dem Frommen wurds ein Hort der Fülle,
Sohn August schuf ein Jagdschloß, bis gewachsen
Zum Kurfürst ihm gering ward die Idylle,
Er anderswo nach Hirschen ritt und Dachsen.

Der dreißigjährge Krieg hat zwar die Mauern
Nicht abgebrannt, doch hie und da geschunden,
Und seither hieß es, auf die Beßrung lauern
Und derweil lecken links und rechts die Wunden.

Die beßren Zeiten sind noch nicht gekommen,
Die Volkskunst heizte wenigstens die Hallen,
Doch davon hat man auch nichts mehr vernommen,
Und also bleibts bei stetigen Verfallen.

Vers 37664 bis 37683:

Grete Baier

Das Örtchen Brand gefiel den Zeitungsschreibern,
Als Bürgermeisters Tochter ward der Ruhm,
Als die historisch letzte von Weibern
Geköpft zu werden in dem Königtum.

Im Albertpark zu Freiberg lief die Menge
Zusammen, wie es sonst nicht üblich war,
Empörung herrschte wider Königs Strenge,
Da jung das Mädchen, dem es ging ans Haar.

Tucholsky ließ den Coup sich nicht entgehen,
Zu hetzen wieder allen Brauch im Staat,
Sein Pathos läßt soziale Flagge wehen,
Und fordert Umsturz und nicht etwa Gnad.

Doch selbst zu Gnad gabs wenig Argumente,
Die Mörderin trieb ab und log und stahl,
Die Not ist hier nur eine Zeitungsente,
Denn Überfluß schuf ihr die Qual der Wahl.

Sie spielte mit Verwandten und Geliebten,
Was ihr gefiel, das steckte sie sich ein,
Wer Zeitung liest und also im Gesiebten,
Meint wohl, der Krimi müßt romantisch sein.

Vers 37684 bis 37708:

Freiberg

Novalis nennt den Herrn der Erd,
Wer Stollen gräbt ins Schwermetall,
Der Schlägel ist das beßre Schwert,
Weil er beschenkt und nicht nur wehrt,
Und selbst ergreift den Schicksalsball.

Romantisch ist wohl auch der Sinn,
Zu säen nicht für karge Ernt,
Der Bergmann setzt sich als Beginn
Und wähnt ein Recht auf den Gewinn,
Mit dem einst Gott die Nacht besternt.

In Freiberg wuchs die Wissenschaft,
Gut auszubeuten Nacht und Grund,
Zu wissen, wann die Ader schlafft,
Daß neuem Schürfen gelt die Kraft,
Weil unersättlich ist der Mund.

Das philosophisch Disputiern
Liegt diesem neuen Eifer nicht.
Er will nicht lange Zeit verliern,
Er sucht nach Öl, das Rad zu schmiern,
Und glaubt nicht an ein Letztgericht.

Da hilf wohl nicht Poeterey,
Allein die Not macht wach und fromm.
Ob dieser Berg von Schätzen frei?
Ob dieser Tag der letzte sei?
Wir winken nur dem Engel: Komm!

Vers 37709 bis 37758:

Freiberger Gymnasium

Das Freiberger Gymnasium tut
Sich vieles gut auf Tradition,
Als erste Sachsens hochgemut
War die Lateinschul Bildungsgut
Vor Luthers Thesenanschlag schon.

Zum zweiten ward die Schul benannt
Nach Hans und auch nach Sophie Scholl,
Seit neunundvierzig ists bekannt,
Nun wird viel Lärm darauf verwandt,
Weil dies ja richtig wirken soll.

Daß Sowjet-Militär verfügt
Den Namenspaten diesem Haus,
Wird nicht erwähnt und nicht gerügt,
Weil man ihn liebt und dies genügt,
Auch ist der Sowjet-Ärger aus.

Die Schüler psalmodiern im Chor,
Es kämpften für ein beßres Land,
Die Scholls und breschten da sich vor,
Wo mancher liegt auf faulen Ohr
Und nennt die Rose hirnverbrannt.

Es hat getobt Vernichtungskrieg,
Ausrottung deutsches Schicksal schien.
Es ging nicht mehr um Recht und Sieg,
Welch Russ auf deiner Mutter lieg,
Fragt man in Breslau und Berlin!

Wer da im Flugblatt närrisch schreit:
O Deutscher wirf die Waffen hin!
Zeigt nur, daß er in Heiterkeit
Der Metropol dem Elend weit,
Und tückisch hofft, der Feind gewinn.

Mag sein, daß der Prozeß ein Witz,
Doch so geschiehts in jedem Staat,
Wer einräumt zweifelnd oder spitz,
Der Feind das beßre Recht besitz,
Büßt mit dem Leben diese Tat.

Als Mildrung seh ich bestenfalls
Die Jugend und Inkompetenz.
Doch wer macht solche Todesbalz,
Die selbstgelegte Schling am Hals,
Zum Vorbild für den Bildungslenz?

Nur wer das deutsche Hochgefühl
Zu wissen tief im Grunde haßt.
Wer sich Zersetzung und Gewühl
Ergeben hat und mit Asyl
Schmarotzer ruft als Dauergast.

Wenn solcher Geist an Schulen lehrt
Und selbst sich feiert noch dazu,
So wird die Jugend rings verheert,
Daß sie den Drogenrausch begehrt,
So kommt sie wie gewünscht zur Ruh.

Vers 37759 bis 37806:

Tharandter Wald

Sachsen ist so stark besiedelt,
Daß der Wald fast nirgends dicht,
Daß der Schrat am Borne fiedelt,
Nix im Dämmer Goldhaar flicht,
Daß der Braunbär komm aus Polen,
Ist ein Scherz für jung und alt,
Doch man glaubt es unverhohlen,
Sprichst du vom Tharanter Wald.

Zwischen technischen Triumphen
Und Betrieben eingequetscht,
Freut die Seele sich am Stumpfen,
Isegrim die Zähne fletscht,
Wo man Fischzucht treibt und Bienen
Schwärmen läßt zum Unterhalt,
Webt Arachne die Gardinen
Goldig im Tharanter Wald.

Längst vergessen sind die Mühen,
Drin der Forst aus Ödland klomm,
Wo man satt hat Rauch und Brühen,
Ruft die Lerche leichthin: Komm!
Umweltforscher, Geologen,
Prüfend Wandel und Gestalt,
Sind dem Studienort gewogen,
Nennend sich Tharanter Wald.

Mittelpunkt von Sachsens Kreisen,
Reitweg, Kutschplatz, Schlittenspaß,
Deck er rasch geschlagne Schneisen,
Und weiß nichts von Ziegenfraß,
Wandrer mögen Wipfelrauschen,
Ob es heiß ist oder kalt
Und wer hier ist, mag nicht tauschen
Etwas dem Tharanter Wald.

Auch Lips Tullians Schwarze Garde
Loht im Aquarellgetupf
Wo dich grüßt die wilde Karde,
Liegt der Räuber Unterschlupf,
Manche Beute sei vergraben,
Heißts, in feste Truhn geballt,
Dies ist alles leicht zu haben,
Gräbst du im Tharanter Wald.

Allzugern läßt man sich täuschen,
Hält für echt Potemkins Dorf,
Die Moderne sucht nach Räuschen,
Patina und dichten Schorf.
Erst wenn ihr euch abgefunden,
Daß ihr ins Vergessen fallt,
Wächst aus euern Gräber-Wunden
Wirklich der Tharanter Wald.

Vers 37807 bis 37926:

Dresdner Zwinger

I

Was auch hinab die Elbe floß,
Was auch in Dresden je geschieht,
Ich denk stets, wie in Phosphoros
Man Flüchtlinge aus Breslau briet.

Behördlich angewiesen ward,
Daß man die Opferzahlen senkt,
Ich sag dazu in meiner Art:
Ein Schelm, der Arges dabei denkt.

Doch weil ich mein, der Schreckenstag
Wird Meister finden noch und noch,
Will ich vertiefen nicht die Klag
Und ausmaln nicht das schwarze Loch.

Wo offenbar Motiv und Tat,
Brauts nicht Prozeß und keinen Reim,
Vielleicht gibt uns die Zukunft Rat,
Und Gott führt die Verlornen heim...

II

Was Dresden ausmacht und Barock,
In einem Scheibensplitter zeig,
Ob dich auch größte Fülle lock,
Nur einem Stück das Auge neig.

Man pöne dies als ungerecht
Und schimpflich mancher großen Zeit,
Doch sieht das Dichterauge schlecht,
Ists nicht durchloht von Heiterkeit.

Hier eine Scharte, dort ein Leck!
Der criticus Versäumtes nennt.
Doch auch wer schreibt für Paperback,
Hat irgendwo ein Kontingent.

III

Der Zwinger zeigt, wie sonst kein Haus im Lande,
Den deutschen Mann als Horter und Erhalter,
Die hellen Blöcke aus dem Elbsteinsande,
Verfielen schon nach einem Menschenalter.

Die Konzeption war groß und nicht zu halten,
Was später kam, war schon in anderm Stile,
Manch einer träumte, frisch und frei zu schalten,
Doch seine Gegner waren viel zu viele.

Bei Kirchen war die Proportion der Größe
Zur Nutzung wohl vom Praxissinn geleitet,
Jedoch erpicht auf Pomp und auf Getöse,
Fragt nicht der Fürst, wie oft er dies durchschreitet.

Auch war der Wunsch, gemütlich dort zu hausen,
Verderblich für die Luft mit Schwefelgasen,
Derweil die Herrschaft und die Diener schmausen,
Fällt Säure auf die Mauern wie den Rasen.

Man kann sich eines Eindrucks nicht erwehren,
Das ganze sei wie heut die Olympiade,
Man orientiert sich an den größten Ehren,
Und daß mans wegschmeiß, ist es dann zu schade.

IV

Was absolut sich setzte im Barocke,
War fern dem einstgen Dienste und dem Lehen,
Hier rief den Hof nicht mehr die Bronzeglocke,
Die Demut und Erlösung zu erflehen.

Man schuf Gebäude nicht mehr um zu beten,
Lustwandel heißt, daß anderswo die Sklaven,
Auch militärisch Rechte zu vertreten,
Taugt nicht, daß Nymphen unterm Springborn schlafen.

Das Ringsumher ist auch kein Klostergarten,
Der mehr erbringt, als seine Heger zehren,
Es ist gemacht, den Zuschuß abzuwarten,
Den Untertanen fern und nah entbehren.

Man pönt mich Geizhals oder Pfennigfuchser,
Es müsse in Welt auch Höhres geben,
Nur freilich brächt ich leisest nicht den Muchser,
Wärs da, den Geist und die Moral zu heben.

V

Die Leichtigkeit, das Spiel der Ornamente --
Wie haben es geschafft, so sagt man frisch,
Was uns von dunklen Zeiten sicher trennte,
Ist Aufgeklärtheit, die uns deckt den Tisch.

Nun hat man freilich nie noch Aberglauben
Dienstbar erlebt, daß er den Staat ernähre,
Selbst feinste Damen mit Burgunderhauben,
Sie wußten, weit ists nicht zu Charons Fähre.

Erst als man sich Perücken gab und Puder,
Stolzierte man, als wärs auf dem Parnasse,
Die Zeit war nicht wie einst ein geiles Luder,
Und in der Karte gab es sechzehn Asse.

VI

Das Königtum in Sachsen ist Rebellen
Geschuldet, einem furchtbaren Gemetzel.
So fangen an die Ordnungen, die hellen!
Dagegen ist ein Engelsknab selbst Tetzel.

Der Kurfürst war nicht mehr bereit zu küren,
Dies nannte er ein Glück für die Karriere,
Im Volk ist nicht mehr Heiligkeit zu spüren,
Der Folgen wegen keiner sich beschwere!

Wenn aber nicht mehr Gott vergibt die Kronen,
So ist der Prunk darum die reinste Schande,
Drum sag ich euch, die heut im Schlosse wohnen,
Es ist im Grund ganz die gleiche Bande.

VII

Der Zwinger zwingt nicht, weder uns noch andre,
Er zwingt sich nicht mal selber zu bestehen,
Solang ich durchs Geneck der Putten wandre,
Ich kann die Größe dieses Reichs nicht sehen.

Kunstfertigkeit mit Hang zum Folgenlosen,
Ein Schmuck des Daseins und ein Trost dem Sünder,
Da bin ich bei den Flechten und den Moosen,
Die auf dem Steine Kolonien-Gründer.

Denn dieser Glanz ist tot wie sein Gebieter,
Und niemals wird erstehn uns dieser Adel,
Das Eingeständnis des Gebrechens flieht er,
Aus Lügen wächst dann alles, was ich tadel.

Der echte Führer führt das Volk aus Wüsten
Aus Spieglungen der Luft und aus der Rache,
Es bleibt der tiefste Lichtblick jedes Mysten,
Daß nur im Herrn ich frei mich selber mache.

VIII

Der Zwinger litt gar bitterlich im Kriege,
Und deutscher Fleiß hat erneut erhoben,
Mit diesem Fleiß wärn möglich andre Siege,
Doch reichts dem Volk, die Freiheit laut zu loben.

Sie ist mit keinem Staatsakt zu erzwingen,
Nicht durch Gewalt und auch nicht durch Palaver,
Doch jede Runde ruht auf ältern Ringen,
Zu Weizen wird in tausend Jahrn kein Hafer.

Wer heute schafft, daß seine Enkel spüren,
Nicht der Verbrauch und Unrat ist das Erbe,
Den wird auch Gott zu der Erkenntnis führen,
Das größte ist, daß man in Frieden sterbe.

Verehrung aber frommt nicht unsern Schätzen,
Den Mensch verehrt die Folge der Geschlechter,
Nur Gott allein ist Ruhm und Ehr zu setzen,
Sein Frieden nur ist ewig ein gerechter.

Vers 37927 bis 37966:

Bischofswerda

Einst umsäumt von siebzehn Teichen,
Galt als Werder dies im Ried,
Viele Bäume mußten weichen,
Eh man erste Furchen zieht,
Benno gilt als Siedlungsgründer,
Bischofsstab und Weihnachtsstern
Sollten lehren jeden Sünder,
Daß er folge unserm Herrn.

Hirtenstern verweist auf Weide,
Und der Stab auf weites Ziel,
Wieder eine Wasserscheide
Überschritt das Minnespiel,
Sag, wohin gilt es zu fahren,
Wenn wir ausschaun, taubenetzt?
Wenn sich dicht die Schatten scharen,
Wirst du weise sein zuletzt.

Jeder Pilgrim hat die Mühen,
Die der trägt auf seinem Pfad,
Zu erkennen als ein Blühen,
Das recht eigentlich die Tat.
Weg ist Ziel, hör oft ich sagen,
Doch dies triffts nur ungenau,
Denn das Tun ist stets ein Wagen,
Und wer zielte schon ins Blau?

Fühl ich Benno in der Nähe,
Bin ich gleichwohl nicht bei ihm.
Herrlich wärs, wenn es geschähe,
Daß auch mir ein Neuland ziem!
Doch die Welt ist längst erschlossen,
Und gefüllt mir Tand und Kram,
Doch so viel auch Zeit verflossen,
Nicht zum Herrn die Seele kam.

Also darf der Zweifler fragen,
Ob der Weg nicht falsch und irr?
Ob das Ziel von allen Tagen
Ist zerschlagenes Geschirr?
Elster flattert auf der Mauer,
Diebisch wie auf Donars Eich,
Und der ehrlichste der Schauer
Ward derweil nicht kenntnisreich.

Vers 37967 bis 37982:

Bautzen

Fern dem unversöhnten Hang,
Daß man Salz in Wunden kipp,
Und ein gräßliches Geripp
Mach aus einem Schreckensklang,

Kann ich doch im Fall der Stadt,
Die ich kaum recht angeschaut,
Überhaupt nicht aus der Haut,
Die nach Jahren noch nicht glatt.

Dieses Wort war jedem hier,
Der im roten Paradies,
Furcht, die ihn nicht nachts verließ,
Und auch früh das Hahnentier.

Sprechen kann ichs nicht normal,
Und ein Reim ist auch nicht feil,
Also bleib die Seite kahl,
Und man denk sich seinen Teil.

Vers 37983 bis 38022:

Markersdorf

Es markiert kein Stein im Grase,
Aber schlesisch ist es doch,
Nicht betrügt der Zoll die Nase
Und im Strumpf das große Loch.
Eichendorff, ich schlug die Brücke
Von der Saal zum Oderbruch,
Denn die Grenzverschieber-Tücke
Merzte niemals den Geruch.

Längst bedichtet sind die Forste,
Wo uns heimelig der Schrat,
Wo vom Binder spricht die Borste
Und die Ähre von der Mahd,
Wenn einst Deutsche wiederkehren,
Wirst du Krume neu erblühn,
Doch berauscht von Hiobslehren,
Wähln sie rosa oder grün.

Zwar ist hier noch nichts vertrieben,
Doch der Schatten auf dem Land,
Furcht die Stirne mir mit Hieben,
Und der Mut scheint abgebrannt,
Ist das Ziel dies Nest am Wege,
Wie das Deutschtum stets Provinz?
Wie ich auch die Karten lege,
Raus kommt immer nur: ich bins.

Ob ich schelmisch Abschied nehme
Oder Meißen noch besuch?
Jedem Dichter sind Systeme
Perfidie und Rackerfluch,
Und es würde mir nichts nützen,
Rief der Sensenmann mich nie,
So viel Spatzen, so viel Pfützen,
Alles schreit nach Poesie.

Darum pöne nicht Fragmente,
Denn die Welt ist selber eins,
Und das innerst Quintessente
Sagt uns nur der Geist des Weins,
Wo wir fanden Grund zu singen,
Sei das Werk uns recht getan,
Es zu Ende je zu bringen,
Ist und bleibt ein frommer Wahn.

Impressum Datenschutzerklärung