Was machst du, Freund, so viel Spektakel,
Kehrst uns den Glauben um nach neuer Regel?
Ich mindestens glaub lieber zehn Mirakel
als einen – Hegel.
– Grillparzer
Vers 38023 bis 38062:
Wo zart die Orlanixe träumt,
Ists Brauch zu feiern gern und oft,
Entschuldet, was das Feld geräumt,
Herbeiposaunt, was man erhofft.
Bei Dank und Bitte ist der Geist,
Den Gärung schafft bei Hopf und Malz,
Der allertreuste Gast zumeist
Und nötig wie das Suppensalz.
Denn so wie Wunsch und Segen lau,
Wenn Augen stumpf und ohne Glut,
So nennt man, wer am End nicht blau,
Die Vogelscheuche unterm Hut.
Wenn, wie uns heut zu selten freut,
Ein Strampler sich ins Leben schreit,
Der Vater keinen Aufwand scheut,
Denn es ist Kinderpinkel-Zeit.
Bekanntlich ist das Harn-Gerinn
Zur Windelzeit ein Kernproblem,
Das Bier, dem Fließen Zweck und Sinn,
Macht vor, wies zünftig und bequem.
Drum sein geladen Schluck und Specht
Zum Gerstensaft, der goldig fließt,
Eh dieser Reichtum schal und schlecht,
Verdroschen sei, wer nicht genießt.
Doch hört, eh ihr besoffen singt
Und macht die Dichtung mir obszön,
Nicht nur daß man Gestricktes bringt,
Ist dieser Tag so lang und schön.
Auch Sitte ists, daß wer hier weilt,
Den eignen Kindersegen zähl,
Und eh die Fruchtbarkeit enteilt,
Die Nacht zum guten Hoffen wähl.
Damit was wir vom Herrn erflehn,
Fürs Madel, dem die Sünd noch fern,
Die Obhut im Zusammenstehn,
Von Lenz bis Herbst den guten Stern,
Noch oft mit Inbrunst und Gelall
Sei laut, bis selbst die Orla baff,
Neun Monde sein zum nächsten Stall,
Bis voll Geplärr das ganze Kaff.
Vers 38063 bis 38134:
Wer golden den grimmigen Wettern
Zum Trotze in Himmel sich reckt,
Wen weder das blitzende Schmettern,
Noch wolkige Einsamkeit schreckt,
Wem Mitgift, was manchen Geschlechtern
War Sorge und Glück in der Welt,
Ist Führer den übrigen Wächtern,
Krönt magisch den Turm und das Feld.
Wir kamen, der Zeit zu entwinden
Die Botschaft, das schüttre Gefäß,
Und Spätere sollen hier finden,
Was unserer Stunde gemäß --
Wer hoch überm Hause der Bitten
Grad wie eine Spange den Schopf
Bedacht, was der Herr uns erlitten,
Ist mehr als ein einfacher Knopf.
Der Turmknopf war stets der Gemeinde
Ein Postmann Jahrhunderte-hin,
Wir haben Vergessen zum Feinde,
Wir schreiben nach draußen wie drin,
Doch während sonst Obrigkeit Schriften
Bewertet, was Schul und was Schaum,
Gelingts ihm, das Bild zu entgiften,
Durchloht er die Zeit wie den Raum.
Wir fanden die Zeitung der Ahnen,
Die Liste der Spender fürs Gold,
Die Nöte, die schrecken und mahnen,
Den Ernst, der der Kirche gezollt,
Wir fanden beschämt uns als Erben
Der Pflicht, der sich Treue gesellt --
Doch er, wenn wir alle einst sterben,
Krönt magisch den Turm und das Feld.
Wo einst uns die Taufe verbunden,
Wo froh wir der Ernte gedacht,
Wo spürend des Heilandes Wunden
Wir feiern das Mahl vor der Nacht,
Dort binden sich Himmel und Erde,
Vereinen sich Glieder und Kopf --
Wer drüber mit sanfter Gebärde,
Ist mehr als einfacher Knopf.
Er strahlt, doch im hellen Metalle
Ist dunkel bewahrt unser Blut,
Dem Mensch ist bestimmt, daß er falle,
Doch steht er in ewiger Hut.
Und was wir im Feuer vergolden,
Fällt nicht wie der Apfel vom Baum,
Dem Leide geweiht wie dem Holden,
Durchloht er die Zeit wie den Raum.
Er schweigt, doch er wird wieder sprechen,
Gerecht und der Lüge nicht feil,
Von Leistungen und von Gebrechen,
Von Fall und Vertrauen aufs Heil,
Vergänglich sind eitle Geschmäcker,
Gewänder und Wägen und Geld --
Doch er, der dem Morgenrot Wecker,
Krönt magisch den Turm und das Feld.
Wir maßen uns still am Vergangnen
Und demütig reihn wir uns ein,
Wir künden im Buch vom Empfangnen,
So soll es auch weiterhin sein,
Wer hell eine kindliche Strähne
Vereint mit dem ältesten Zopf,
Wer starr wie das Haupt der Fontäne,
Ist mehr als einfacher Knopf.
Die Botschaft, im Knopfe entriegelt,
Zu deuten, manch Winter uns komm,
Nun ist eine weitre versiegelt –
Wer weiß, welchem Schlusse sie fromm?
Ob uns noch die Kirche die Mitte,
Erbarmen der innigste Traum? --
Als leises Gebet und als Bitte
Durchloht er die Zeit wie den Raum.
Vers 38135 bis 38206:
Wie jedes Tier nicht dulden kann,
Wer raube, was zum Leben not,
Sind Dinge, die der Mensch ersann,
In ebensolcher Weis bedroht,
Sie finden Wo, sie finden Wann
Im Rechte, das ihr täglich Brot,
Es gibt nicht Geltung ohne Bann
Und keine Höhe ohne Lot.
Der Staat, der keinem Bürger kalt
Anheimstellt, ob er sei, ob nicht,
Setzt absolut sich als Gewalt,
Setzt Ausweis-, Wehr-, und Steuerpflicht.
Er tritt ans Gut von jung und alt,
Daß Selbstmord bloß dagegenspricht,
Drum weiß der Mensch, daß Ohngestalt
Nicht etwa heiße Ohngewicht.
Die Krone und das Parlament
Sind nur so hehr wie anerkannt,
Wer diesem Glanz den Schlüssel fänd,
Dem fiele zu das ganze Land,
Doch gilt, solang der Aszendent
Geknickt agiert mit morscher Hand,
Das Lebenslicht des Staates brennt
Und scheint der Ewigkeit verwandt.
Die Schlüssel sind sehr gut verstaut,
Doch bei den Ostberlinern schwor,
Aus Draht und Stahlbeton gebaut,
Die Mauer, daß sie sei ein Tor.
Da wußte, wer da geht und schaut,
Sie fall dem Staat nur kurz zuvor,
Wem nicht mehr vor dem Drachen graut,
Mit ihm auch seinen Herrn verlor.
Der Weststaat lacht noch heute frisch,
Weil falsche Schlüssel weit gesät,
Dem, der da spricht vom großen Fisch,
Dies bald zum großen Flop gerät.
Das Grundgesetz wär nur ein Wisch,
Wenn es das Volk begreifen tät,
Doch lockt hier kein gedeckter Tisch,
Wie einst den Ossis früh und spät.
So lachen Hans und Grete heut
Vom Pfefferkuchenhaus verlockt:
Was ist schon ein Tabu ihr Leut,
Solang der Nachschub niemals stockt?
Und manchen hats schon arg gereut,
Daß er als Kind, das albern bockt,
Geschmäht ward, weil ihn gar nicht freut,
Vor welchem Geist der Deutsche hockt.
Die Ernte ohne Erntedank
Als katerfreier Rausch gedacht!
Wir haben doch die Notenbank,
Die allgemeinen Reichtum macht.
Zwar ist so manches siech und krank,
Und im Gebälk es öfters kracht,
Jedoch man hält, ob dick, ob schlank,
Verfloßnes für die Hungersnacht.
Der Sänger, der die Verse setzt,
Ist Pythia nicht und kein Prophet,
Er weiß nicht, wer da lacht zuletzt,
Obs Pfefferkuchenhaus verweht,
Nicht ob der Wolf die Zähne wetzt
Und bald schon vor der Türe steht,
Nicht ob ihm wer im Hause petzt,
Wie leicht geölte Klinke geht.
Doch zweifelsohne ist ihm klar,
Das irgendwann was heut tabu,
Nach einem Wechsel offenbar
Gemeinplatz heißt und dumm dazu.
Dann ist mit einmal groß die Schar,
Die mit dem Wissen stets auf Du
Erinnernd heut schon wissend war
Und die Gewalt nur zwang zur Ruh.
Vers 38207 bis 38294:
So alt die Welt, so alt der Streit
Im Geiste, was da wahr und echt,
Was einem Spaß, ist andrem Leid,
So sagts die Regel im Gefecht,
Am Markte wie am Hofe wills
Des Narren Art, er übertreib,
Der Buchdruck ward ein Hefepilz,
Und ewig fruchtbar scheint dies Weib.
Die Keule und die Nadel stehn
Als Pole aller Waffenkunst,
Die Feinde huhngefiedert sehn,
Verspricht der Teer der Musengunst,
Nicht hat der Tiger solch Gezähn,
Wies packt und peinigt schräg und schrill,
Verfährt der Dichter souverän
Mit Spott und Stachel und Pasquill.
Menipp gab dieser Gattung Glanz,
Daß sie nicht mehr ein Schmuddelkind,
Bekannt die Worte Quintilians,
Satiren gänzlich unser sind,
Ob Republik, ob Prinzipat,
Zu kritteln gibt es Grund und Lust,
Und das Erlaubte ist ein Grat,
Den du mit Scharten schmücken mußt.
Ob Sermon, Hexameter-streng,
Ob Epigramm, ob Satyrspiel --
Gar manchwer lieber Toten säng,
Geriet er selbst zum Angriffsziel,
Im Mittelalter war solch Tun
Didaktisch, denn des Teufels Rührn,
Steckt auch der Huf in Lederschuhn,
Ist löblich sehr zu überführn.
Das Narrenschiff Sebastian Brants,
Und Eulenspiegels Narretein,
Sie machten zur Gewißheit ganz,
Daß auch die Deutschen Spötter sein,
Tut Huttens Dunkelmännerbrief
Daß den Papisten Eifer pack --
Von dems nie hieß, er staple tief,
Steht da als Teufels Dudelsack.
Harmloser wird dies im Barock,
Hier zeigt sich das Geschmähte oft,
Wie auch der Engel Goldgelock
Als Mesalliance, die doch erhofft,
Der Ritter trauriger Gestalt,
Der wider Mühlenflügel stritt,
Zieht einsam im Gelächterwald,
Jedoch der Autor reitet mit.
Drum sieh im Lärm die Träne leis,
Die tropft dem Spötter auf die Wang,
Auch Heines Fahrt ins Brockeneis,
War vorgewähnter Untergang,
Oft zeigt ein melancholicus
Mit Pfeffer und mit Lebertran,
Die Narren er betölpeln muß,
Daß ihn nicht faß der nackte Wahn.
Gleichwohl verfehlt nenn ich die Lehr,
Jed Schimpfen stünd im Selbstbezug,
Daß nur die Traub weit oben wär,
Nennt man den Dichter Volksbetrug,
Da schaut euch bloß die Schöpfung an,
Nicht nur daß er ein Meister sei,
Sprach Gott und spielte oft den Mann
Von Parodie und Narretei.
Die Zeit, in der wir selber tun,
Ist tief zerrissen im Gefühl
Fürs rechte Wirken und fürs Ruhn,
Drum sind ihr selbst die Bäder schwül,
Der Pfeil, der von der Sehne sirrt,
Weiß kaum noch welches Ziel ihm taugt,
Dem Walde, drin der Ritter irrt,
Ward alle Wirklichkeit gesaugt.
Für Schemen taugt kein Kabarett,
Dem Spiegelsaal-Grimassenziehn
Ist aggressiv gleich wie adrett
Nur Eifersüchtelei und Spleen,
Drum muß, wer seine Zunge spitzt,
Sich bilden an des Volkes Not,
Erst wenn die Sorg sein Herz besitzt,
Wird auch die Schreibe herzensrot.
Wem aber Häme Zeitvertreib
Und wer bei seinem Publikum
Nur kitzeln mag den Unterleib,
Der erntet, was gemein und dumm,
Gelächter macht noch keinen Witz,
Und rote Ohrn kein Musenstück,
Eh aus den Wolken strahlt der Blitz,
Ziehn sie ein sehr sehr langes Stück.
Vers 38295 bis 38334:
Sieh mal an: sie dichten wieder,
Und ein Reim ist nicht zur Hand,
Plustern eitel das Gefieder,
Weil sie keine Seifensieder,
Die ein altes Handwerk band.
Wozu liedhaft und gefällig?
Pauker solln Grammatik ehrn!
Was zerhackt und schlaglochdellig
Herkommt schaum- und staubgesellig,
Braucht Kritik sich nicht zu wehrn!
Wozu sich das Hirn verrenken?
Etwas Mystik hilft doch stets!
Wer da will, soll sich was denken,
Und wer nicht, der mag sichs schenken!
Absatz, Punkt -- und weiter gehts!
Wird geklatscht, ist schon bewiesen,
Daß der Dichter weiß bescheid,
Wer sich traut, das zu vermiesen,
Und mit Fragen nervt, mit fiesen,
Tuts doch bloß aus blankem Neid.
Wer da reimt, erlaubt Vergleiche
Mit den Meistern einst und heut,
Doch die Wildsau nutzt die Eiche,
Daß es ihr zum Wohl gereiche
Und auch ihre Ferkel freut.
Kinder reimen frisch und heiter,
Weil der Mangel sie nicht stört,
Doch wer höher will und weiter
Auf der Prominentenleiter,
Weiß recht gut, wie man betört.
Rätsel machen froh den Deuter,
Darum meid, was klar und rein,
Muht die Kuh, so lockt das Euter,
Also muß der Bärenhäuter
Ein Genie und göttlich sein.
Hält den Pegasos der Reise
Trotzdem wer für krud und krumm,
Gibt es noch die Lyrikpreise,
Daß sich schwarz auf weiß beweise,
Wer begnadet und wer dumm.
Vers 38335 bis 38362:
I
Hell leuchtend, doch von tiefer Kraft --
Solch Blau ist rarer noch als Rot
In allem, was der Herr erschafft,
Und was das Reich der Blüher bot.
Dies ist als Ornament verfaßt,
Das manches plump nennt, was da singt,
In schlichter Anmut, die Kontrast
Des steifen Korns zur Geltung bringt.
Einjährig wechselt sie den Stand,
Doch anspruchslos verzagt sie nie,
Sie ist vom Mittelmeer gesandt
Und bleibt das Tüpfelchen dem i.
II
Mit Klatschmohn und Kamille
Wächst sie am trocknen Rain,
Sie muß dem Lied der Grille
Wie ich verbunden sein.
Sie mag das karg vertraute
Und schlichte Hausmannskost,
Das wilde Düngen graute
Ihr mehr als Winterfrost.
So ist mir manchen Sommer
Ihr Blau nicht mehr gediehn,
Bis sie als Wiederkommer
Dem Bauern hat verziehn.
Dies macht die Schritte heiter,
Sind auch die Wolken grau,
Was wiederkehr, was scheiter,
Man weiß es nicht genau.
Vers 38363 bis 38426:
Zu entbehren, muß man haben,
Zu entfalten, muß man sein,
Was wir hinterm Wort vergraben,
Schließt das Gegenstück mit ein.
Sagt mir Sterben, daß ich lebe,
Zeigt sich beides doppelhändig,
Daß eins wirke im Gewebe,
Setzt voraus es eigenständig.
Nur wer wahren kann, läßt gelten,
Nur wer traut, entrinnt dem Schein,
Was uns auftut Aug und Welten,
Schließt das Gegenstück mit ein.
Wem die Brille nie genügte,
Sage: Allzuscharf macht schartig.
Jedes Blatt die Regel rügte,
Jeder Halm ist eigenartig.
Keiner Trift ist offensichtlich,
Ob sie tückisch oder dein,
Was die Ernte nennt geschichtlich,
Schließt das Gegenstück mit ein.
Sieh denselben Genius weiden,
Wenn er freundlich oder störig,
Denn im Los ist nicht zu scheiden,
Was bestimmt, was eigenhörig.
Hoff im Wägen und Bestimmen
Das Erkennen als zu zwein,
Denn das Leuchten wie das Glimmen
Schließt das Gegenstück mit ein.
Auch dem Sternbild, das dich leitet,
Fordre nur, was recht und billig,
Denn wie alles, was da streitet,
Bist du frei und eigenwillig.
Wer der Jäger, wer die Beute,
Weiß die Natter bloß im Hain,
Denn das Immer wie das Heute
Schließt das Gegenstück mit ein.
Nicht mit Stolz die Büchse lade,
Denn wer weiß, was bald gewichtig,
Nur die Demut vor der Gnade
Bleibt am Ende eigenrichtig.
Bleib im Heischen still und eigen,
Sei zum Knausern dir zu fein,
Was die kleinen Gesten zeigen,
Schließt das Gegenstück mit ein.
Wo die Welt längst ausgebrütet,
Wirk des Hochmuts unverdächtig,
Auf der Hut und so behütet,
Scheide nicht, was eigenmächtig.
Nicht von Truhn und Schätzen singe,
Ob Metall, ob Edelstein,
Auch der Tand und das Geringe
Schließt das Gegenstück mit ein.
Wem geschenkte Glücke lieber
Als ein Tag, der hart und tüchtig,
Nennt im Spekulantenfieber
Selbst die Sonne eigensüchtig.
Wer den Kreis hat ausgeschritten,
Braucht vom Reichtum nicht zu schrein,
Denn die Mitte aller Mitten
Schließt das Gegenstück mit ein,
Sorge ist es nicht dem Frommen,
Ob der Sommer groß und rühmlich,
Denn daß Herbst und Winter kommen,
Ist dem Jahre eigentümlich.
Vers 38427 bis 38510:
I
Die Fremde ist dem Eigenen die Grenze,
Nicht starr und dennoch ehern im Beharren,
Die Narren voller Argwohn auf sie starren,
Dem Frohen aber wird der Hamm zum Lenze.
Die jüngern übertreffen ältre Narren
Und sind versessen ganz auf Totentänze,
Bestreitend diese Scheidungen zur gänze,
Sie alles Eigne auf die Halde karren.
Daß freilich selbst das fremde Gut zu achten,
Das eigne not, daß es uns Demut lehre,
Bleibt völlig außen vor bei dem Betrachten.
Wie mag das gehn, so ohne Treu und Ehre?
Die Eile machts, das eigne Grab zu schachten,
Daß unbemerkt die große eigne Leere.
II
Die Fremde ist des Eignen weiße Schale,
Und manchen lockt sie mehr als Turm und Glocke,
Doch wer sich ohne Heimat weiht dem Stocke,
Kommt nirgends an, ging er auch tausend Male.
Ob uns die Fremde droh, ob sie uns locke,
Sie spiegelt nur das Leuchten und die Fahle,
Bedürftig, daß das Eigne wähl und zahle,
Das an uns kratzt vom Kragen bis zur Socke.
Und würfest du auch jeden Rock ins Feuer,
Allein das Aug, das sucht nach neuen Kleidern,
Es wüßte wohl, daß nur der Schein ein neuer.
Drum sag ich den Verweigerern und Meidern:
Sich selber fremd ist nur das Ungeheuer,
Ansonsten steht vorm Nacktsein immer Schneidern.
III
Die Fremde kann uns manche Weisheit lehren,
Jedoch das Urteil, ob uns diese lohne,
Macht dich dem Vater immerfort zum Sohne,
Und muß im Klang die Muttersprache ehren.
Wer meint, es kümmer die geringste Bohne
Ihn nicht, was Blut und Tradition begehren,
Wird stets mit also Schwebenden verkehren,
Tuts nah und fern und jedem Land zum Hohne.
Wenn aber die Gespenster sich am Tage
Rings häufen, heißt dies nicht, daß Trug und Lüge
Sein angemessen der Bewußtseinslage.
Sie meinen, daß ein breiter Strom sie trüge,
In Wahrheit ist ein Abschaum bloß die Plage,
Nicht wert, zu harrn, bis dieser Spuk verflüge.
IV
Die Fremde koch uns wie durch Dach und Ritzen
Ins Haus, das nun ein Heim den Apparaten,
Wer endlich hat genug von diesen Paten,
Der sorge, einen Ofen zu besitzen.
Das meiste freilich taugt nicht mal zu braten,
Drum solls nicht mehr auf unsre Kosten schwitzen,
Man faß es mit den Fingern, mit den spitzen,
Und frag nicht mehr, wie es hineingeraten.
Wer so befreit, statt einem Satelliten
Hörts Holz im Herde warm und heimlich knacken,
Hat sich des Hausherrn Titel schon erstritten.
Und ists nicht not, den Nachschub frisch zu hacken,
Die Brüder Grimm recht bald um Einlaß bitten,
Und Rumpelstilz steigt aus verglühten Schlacken.
V
Das deutsche Märchen ist im deutschen Hause
Der Geist, der uns den Schlüssel bringt, zu wissen,
Aus welchem Heile uns der Krieg gerissen,
Und daß er forttobt ohne jede Pause.
Unfähig selbst, die Heimat zu vermissen,
Wünscht sich der Feind die Gäste seiner Sause,
Daß jedem Deutschen vor sich selber grause,
Herrscht Überfluß jetzt an Gewissensbissen.
Was brauchen wir die Mythen und die Mären,
Wo täglich uns die Macher der Programme
Greulbilder unsres bösen Volks gebären?
Den Wahn erkenn als unsre ärgste Schramme,
Ein Gran der Freiheit würd der Feind gewähren,
Und sieh den ganzen Drachen unterm Kamme.
VI
Die Fremde kann das Eigne nicht gewichten,
Drum wächst das Falsche stets auf beiden Seiten,
Gesundes Volk sieht solches Gift beizeiten,
Drum kam der Feind, Millionen zu vernichten.
Dann konnte er zum nächsten Angriff schreiten,
Mit Hunger, Propaganda, Scheingerichten,
Die Folter riet, auf Wahrheit zu verzichten,
So wuchs die Mär, Verzagtheit auszubreiten.
Dann starben jene, die noch Zeugen waren,
Daß Jüngre nur noch das Erwünschte kannten,
Und doch wird sich die Wahrheit offenbaren.
Denn wie sich Käfer tummeln im Verbrannten,
Wird einst der Staufer die Eliten scharen
Und zeigen, daß die Deutschen sich ermannten.
Vers 38511 bis 38594:
I
Seit je verlangts den Menschen zu erfahren,
Was ihn bestimm im Nahen wie im Fernen,
Die Frage nach den Göttern, nach den Sternen,
Soll immer ihm ihn selber offenbaren.
Er kaut verträumt an Sonnenblumenkernen
Und ist sich der Bedingtheit sehr im Klaren,
Auch wenn der Hunger packt nicht an den Haaren,
Brauchts keine Schul, die Mächtigkeit zu lernen.
Die Mäuse knabbern Körner, und die Eulen
Zerschlagen sie aus gleicher Not zu fressen,
In mondenheller Nacht die Wölfe heulen.
Der Mensch mag sich zu mancher Tat vermessen,
Er baut Paläste, Architrav und Säulen,
Jedoch den Magen kann er nicht vergessen.
II
Stoffwechsel nannte man, daß Fleisch und Säfte
Als Fremdes werden Eigenes im Leben,
Doch scheint das Wort den falschen Wink zu geben,
Gleichwertig seien hier die Ordnungskräfte.
Allein der Kerf, der gallend ritzt die Reben,
Zeigt drastisch, daß nicht beidnutz die Geschäfte,
Drum an den Wolf sich Selbsterkenntnis hefte,
Wenn wir in Rudeln nach der Beute streben.
Die Ordnung, die Lebendiges besiegelt,
Verdankt sich stets Verlusten im Reviere,
Zum Streite hat die Milde aufgewiegelt.
Und die Gewalt gilt nicht allein dem Tiere,
Mit Klauen wird die Walnuß auch entigelt,
Und nichts besteht, eh einer nicht verliere.
III
Gott schuf die Sonne uns so unermeßlich,
Und eh das Leben Leben konnt befechten,
Es mußte mit dem größten Schatze rechten,
Und immer noch scheint diese Sünde läßlich.
Kein Mechanismus, den wir je erdächten,
Wär vor dem Chlorophyll nicht plump und häßlich,
Die Sonnenblume, nicht wie wir vergeßlich,
Zeigt ihre Andacht niemals mindern Mächten.
Was mit dem Strahle einströmt in die Gaue,
Verwandelt sich in Formen und Gestalten.
Drum dankbar dem, der dies gemacht, vertraue!
Die Himmelswärme wird den Kreis erhalten,
Drum stets auf ihren Witz zu wandeln baue,
Dann wird sich Geist im Tagewerk entfalten.
IV
Nicht nur das Leben dankt sich diesem Spender
Auch was das Mineralreich uns verkündet,
Sind Dinge, drein der holde Strahl gemündet,
Und sonnenhaft sind Luft und Meer und Länder.
Je mehr sich Wissen um die Herkunft ründet,
So staunender wir stehn vor dem Vollender,
Geheimnis, das als Innen wie als Ränder
Sich fortschreibt und sich selber so begründet.
Dem Geiste aber, dem sich dies verschwendet,
Steht Demut an und muß Gehorsam frommen,
Denn einem Zögling wird das Reich gespendet.
Er wird dem Herrn nicht auf die Schliche kommen,
Doch wird im Buch des Geists ein Blatt gewendet,
Wird immer neu die Fackel aufgenommen.
V
Das Leben und die Welt der Minerale
Der Geist wird niemals müde zu durchmischen,
Mitunter leis, mit Krachen mal und Zischen,
Und oftmals wird der dunkle Kern zur Schale.
Gefundnes und Gejagtes aufzutischen,
Bezwang den Hunger lang und viele Male,
Doch daß die Sonne winterbleich verfahle,
Schob uns die Sorg und bald die Kunst dazwischen.
Denn nun wird nicht im Magen nur vollzogen
Die Wandlung, daß zu Eignem das Erfaßte,
Drum sieh im Koch den ersten Theologen.
Daß Feuer Wasser nach Rezept belaste,
Bis sich im Topf die Früchte vollgesogen,
Ist Anfang der Kultur und jeder Kaste.
VI
Umsonst nicht sprach der Herr vom Salz der Erde,
Als er uns gab ein Gleichnis von dem Geiste,
Hartnäckig formt das Wasser uns das meiste,
Jedoch das Salz tut, daß es rascher werde.
Das Rad ist gut, daß es die Richtung leiste.
Doch spann vor deinen Karren flinke Pferde!
Dem Wasser raubt die Nacht nicht Glanz am Herde,
Wenn mit dem Salze es beflügelt reiste.
So fügt sich die Magie schon zum Quadrate,
Wenn Salz und Wasser treffen Frucht am Feuer,
Und wer begreift, daß hier der Geist der Pate,
Der fragt nicht, ob der große Griff ein neuer,
Er weiß, daß der in allen Zeiten nahte
Im Schlichtesten grad wie im Ungeheuer.
Vers 38595 bis 38666:
Das Ölsein bezeugt sich verständig,
Wenns dicklich und tranig sich ziert,
Doch leichtere sind so lebendig,
Wie Wasser die Haftung verliert,
Drum bleibt das untrügliche Zeichen
Für öliges Wesen allein,
Des Wassers beständiges Weichen,
Denn eins wolln die Flüsse nicht sein.
Die Nüsse, die Kerne, die Bohnen
Sind ihm wie dem Honig das Wachs,
Das Gold Oreaden belohnen,
Der Schlichte nimmt Samen vom Flachs,
Seit Vorzeiten preist uns der Barde
Was kernig in Fleisches Gehöhl,
Die Wurzel der indischen Narde,
Sie salbte den Heiland als Öl.
Das Öl stellt sich anders zum Feuer
Als Wasser auch eh es verbrennt,
Den weiteren Umkreis das Steuer
Der Wärmstufen hierin erkennt,
Denn ehe das Talgige siedet,
Gesotten wird Schrunde und Ritz,
Im dunkelsten Samen befriedet,
Uns schlummert der mächtigste Blitz.
Zum Kochen, zum Brauen, zum Backen
Zum Schmoren am Rost und am Spieß,
Stellt Öl seine fettigen Flaggen
In Kochkünstlers Brat-Paradies,
Jetzt werden die zähesten Brocken
So zahm wie am Euter das Kalb,
Und alles was fasrig und trocken,
Verliert seinen drückenden Alb.
Doch freilich mit Mitteln und Wegen,
Wächst auch die Gefahr des Zuviel,
Wieviele der Scheite wir legen,
Triumph macht und Jammer im Spiel,
Wenn heißer uns dienlich die Lohe,
Verkürzt sich die Zeit zum Moment,
Wo aufhört die Kochkunst, die hohe,
Zu Kohle der Braten verbrennt.
Wenn eine der Schmaus-Komponenten
In Eifer und Säumigkeit stirbt,
Wenn halb nur die Phasen sich trennten,
Wenn eines vorher schon verdirbt,
So werden mit Sorgen vergolten,
Die Mühen des Tags und der Nacht
Und stets wird der letzte gescholten,
Wenn alles zum Tische gebracht.
Doch gleichwohl ist meistens Gelingen,
Sonst wäre die Menschheit schon tot,
Und Steinadler breiteten Schwingen,
Von niemandes Armbrust bedroht,
Die Nahrung vermehrt sich gewaltig,
Wenn Küche sie aufschließt und streckt,
Drum vielzählig und vielgestaltig,
Der Mensch nun die Erde erschreckt.
Davor mag ihm selber oft grauen,
Als Lehrling, der Wahngeister rief,
Doch gibt es auch manches zu schauen
Im Zeiten- und Länder-Archiv,
Der Frevel beginnt, wo die Künste
Sich selber verstehen als Maß,
Dann schlingen entfesselte Brünste,
Was ewig der Schöpfer besaß.
Dann wird auch das Öl nicht mehr salben,
Weil dann die Mikroben Gesetz,
Dann mag eine Kuh nicht mehr kalben
Als Knoten im zeitlosen Netz,
Und macht nur die Gegenwart trunken,
Nennt selber sich Schöpfer und Gott,
Dann mag man in Siedeöl tunken
Das ganze als leidigen Spott.
Vers 38667 bis 38714:
Älter ist die Küchenzwiebel
Als der Abraham der Bibel,
Darum schilt nicht den Gesang
Übellaunig und verstört,
Weil sie von geringem Rang
In den Kinderreim gehört.
Zwar das traum- und liebevolle
Auge schmäht die schlichte Bolle,
Weil sie mit dem Lid tarockt,
Freilich nicht nicht als Sehnsuchts Ziel,
Sondern Traurigkeit entlockt,
Die gemahnt ans Krokodil.
Pöne nur als Weibersprüche
Was vom Herd kommt und der Küche!
Was da gart und schmort, sich bräunt,
Was den Hunger fröhlich macht,
War noch jedem Helden freund,
Eh es aufging in die Schlacht.
Fleisch und Fisch zu marinieren,
Meeresfrüchte zu verzieren --
Wem gelingts wie diesem Lauch?
Warum soll man ihn nicht ehrn?
Was dem Ärmsten gibt sich auch,
Kann der Reiche nicht entbehrn.
Stilles Träumen, das verschleiert
Sich in seinen Schalen feiert,
Pergementen und Perlmutt!
Dürre schützt den herben Duft,
Ist das Trockne erst kaputt,
Nistet er auf Hand und Kluft.
Dieses zarte Lebewesen
Dämmert zwischen Mopp und Besen
Aufgehangen da im Netz,
Doch sein Reiz in Öl und Quark
Sei dem Koch ein Grundgesetz,
Seiner Stellung Rückenmark.
Nicht nur, daß sie schärft den Magen,
Ihre Zucker, fortgetragen
Für die Zwerge im Gedärm,
Daß ihr Werk Vollendung böt,
Schlagen diese schließlich Lärm,
War die Dosis überhöht.
Aber Dankbarkeit und Meutern
Folgen Wurzeln oder Kräutern
Stets in Graden von Promilln --
Darum halte maß und heisch
Nur was not bei gutem Willn,
Denn auch du bist Haut und Fleisch!
Vers 38715 bis 38734:
Oben ohne, hohl und offen --
Kanzler, Scheich und Dalai Lama,
Doch sie werden übertroffen
Vom Orakel des Obama.
Ohne Sinn für Zeit und Klima,
Raucht gemütlich Fujiyama,
Minder zärtlich Fukushima
Sucht die Rettung bei Obama.
Odoakers Tod als Omen --
Aus der Ofen, aus das Drama!
Drohnen orgeln in den Domen
Offensiv wie Ohm Obama.
Ordnung soll im Kosmos wohnen!
Also nimmt statt Butter Rama,
Denn so schaffen wir Kanonen
Für den Friedensfürst Obama.
Die Oliven rauszuholen,
Der Osmane ruft Osama,
Gib der Obrigkeit Obolen,
Wie Oblaten dir Obama.
Vers 38735 bis 38806:
Der Geist von Thing und Thule
Ward luftig und modern,
Doch deutscher Dichterschule
Aufging ein neuer Stern,
Der alles weckte, wagte
Wie Ritter Lanzelot,
Bis er zum Abschied sagte:
Ich bin der Phallus-Gott.
Dies war ihm keine Zote
Und keine Parodie,
Für Lebende und Tote
Tat er so ernst wie nie,
Er dichtet von der Seele
Und macht sein Schifflein flott,
Daß stünd auf Grab und Stele:
Ich bin der Phallus-Gott.
Wer kennt das Marktgerechte,
An Feuchtgebiete denkt,
Daß er gern spiegelfechte,
Hat man ihm noch geschenkt,
Auch daß er sich galanter
Erdachte als sein Trott,
Nun sagt er es prägnanter:
Ich bin der Phallus-Gott.
Ihr mögt ja tun und streiten,
Mir ist die Wahrheit Spleen,
Ich seh das Loch der Zeiten
Am Speer vorüberziehn,
Ob hier ein Wiedertäufer,
Ob da ein Hugenott,
Es spricht der Samen-Träufer:
Ich bin der Phallus-Gott.
Sich sitzend fliegen träumen,
Dies tut gewiß kein Aar,
Sich so bequem versäumen
Im Orient Tugend war,
Der Pascha, nicht der Gote
Zeigt sich in solchem Spott
Und daß das Fazit drohte:
Ich bin der Phallus-Gott.
Der Harem der Muslime
War noch zu sittenstreng,
Und also lief der Mime
Zu Mao und zu Deng,
Daß ihn der Drachen lehre,
Sein Auswurf sei La Motte,
Doch fehlte ihm die Ehre:
Ich bin der Phallus-Gott.
Der Lingam, der ihn nächtlich
Und morgens schon verhunzt,
Wo Schlangen sind verächtlich,
Bloß schweinisch gilt der Kunst,
Doch stehn am Indus offen
Gemächt und Fauns Gezott,
Drum heißt ihn Shiva hoffen:
Ich bin der Phallus-Gott.
Den Samenstrom zu wagen
Zu Stier und Wassermann --
Es wird den Psalm ertragen,
Wer dies nicht besser kann,
Und Deutschland sei empfohlen,
Weil seine Dichtung Schrott,
Mögs doch der Teufel holen --
Ich bin der Phallus-Gott.
Wer stieg zu solcher Größe,
Den bindet kein Gericht,
Den schrecken keine Schöße
Und auch der Henker nicht,
Weil Köpfe ja entbehrlich,
Bleibt selbst auf dem Schafott
Die frohe Botschaft ehrlich:
Ich bin der Phallus-Gott.
Vers 38807 bis 38831:
Wald und Acker ruhn im Schnee,
Und der Tag, ein scheues Reh,
Sagt im Aufgang schon: Vergeh!
Sind die andern Lichter fern,
Kommt herauf der Weihnachtsstern.
Längst die Ernte ist verwahrt,
Jeder prüft auf seine Art,
Ob das Maß des Jahrs gewahrt,
Ob es steh vor teuerern,
Kommt herauf der Weihnachtsstern.
Es ist Zeit der Brüder Grimm,
Vor dem Fest die Harfe stimm,
Und als Stoff der Sage nimm
Den von Dietrich, den von Bern,
Kommt herauf der Weihnachtsstern.
Aus der Fremde geht es heim,
Schlicht und flüssig wird der Reim,
Und im Herzen schon den Keim,
Der im Lenze treibt so gern,
Kommt herauf der Weihnachtsstern.
Zwar die Sorge deckt kein Eis,
Wer die Zeit zu deuten weiß,
Atmet tief und fügt sich leis,
Denn die Rettung liegt im Herrn,
Kommt herauf der Weihnachtsstern.
Vers 38832 bis 38851:
Lichtmeß kommt, und eine Stund
Holt der Tag sich von der Nacht,
Und der Bauer schaut ins Rund,
Ob die Scholle schon erwacht.
Lichtmeß kommt und fragt den Dachs,
Ob es stürm, das Los zu drehn,
Scheint die Sonne, muß er stracks
In den Bau zum Schlafe gehn.
Lichtmeß kommt und reicht dem Knecht
Schuh, daß er sich neu vergeb,
Seine Liebe folgt dem Recht,
Daß sie wandelsternig leb.
Lichtmeß kommt, kein Jubeltag,
Aber Hoffnung, Harfen-fein,
Was im Schnee verwunschen lag,
Träumt von Sonne, Mohn und Wein.
Lichtmeß kommt -- ob auch dem Reich
Blüh ein Glöckchen, milchig zart?
Aber schwarz bleibt Kaisers Eich
Und kristallen glüht sein Bart.
Vers 38852 bis 38876:
Zärtlich benennen die Russen den Herrn,
Der unser Gartenland zwingt zum Palast,
Scharf und gewienert sind Sichel und Stern,
Ahorn und Hasel stehn hoheitlich fern,
Und selbst ihr Schatten zerschneidet dich fast.
Schärfer jedoch ist die Klinge der Luft,
Die deinem Atem ein Dreschflegel scheint,
War dir November ein grimmiger Schuft,
Ist auch der Groll deines Aufruhrs verpufft,
Hat dich der Frost mit der Stille vereint.
Wehe, dich drücken noch Pflicht und Termin!
Achte den Wink, der nicht müde, doch mild
Lächelt so kalt wie ein Hauch Kokain,
Dem sich die staubigen Schemen entziehn,
Dem das Begehren als Strohfeuer gilt.
Dies ist kein Schnitter, kein flinker, der singt,
Er ist der Schlußstein im Jahr-Mosaik,
Was er aus offenen Himmeln dir bringt,
Braucht keinen Vogel, den Liebe beschwingt,
Denn alles Wollen beendet der Sieg.
Wenn auch der Ofen den Herrn nicht vertreibt,
Gibt dich das Federbett ganz dir zurück,
Nichts, daß dir Hoffnung und Zuversicht schreibt,
Nur das Gepränge, das herrschaftlich bleibt.
Aber die Dauer -- sie ist doch -- das Glück?
Vers 38877 bis 38924:
Versunken mit der Großmama
Ist auch der Sinn fürs rechte Heim,
Ob Bett, ob Spind, die Dinge da
Warn stolz auf ältrer Zeiten Reim,
Da war das Knarrn von Stufen noch
Erinnerung an Pferch und Baum,
Und wo die Eltern schliefen, roch
Man winters einen Sommertraum.
Ein Baum, der wuchs bis zu den Sparrn,
Mit herznen Blättern lindenfarb,
Sie warn so groß, sie anzustarrn,
Die Pflanze schon mit Blättern warb,
Und Kelch- und Kronblatt seidenweiß,
Umgaben goldner Büschel Blust --
Daß sie die Zimmerlinde heiß,
War schon dem Hosenmatz bewußt.
Sie kam vom Kap, von Afrika
Herein ins deutsche Nachtgemach,
Und wenn das Gießen recht geschah,
Sah sie uns viele Sünden nach,
Sie litt geringen Frost recht gut,
Sie mocht es hell, doch abgetönt,
Verderblich war ihr trockne Glut,
Darum sie das Gedämpfte schönt.
Nicht auszudenken, daß zentral
Die Heizung allen Räumen gleicht,
Versiegelt sei mit Glas und Stahl
Die Höh, die grad zum Aufstehn reicht,
Wo das Gefängnis wird zur Norm
Und sich die Technik pilzhaft mehrt,
Bei Brütern in der Kuchenform
Die Zimmerlinde nicht verkehrt.
Die Blätter, buchtig ausgezähnt,
Der dichtbehaarten Nervatur,
Vergaß, wer es von Vorteil wähnt,
Daß Ruhezeit ein Übel nur,
Und wer nur umklappt sein Gestühl,
Daß es erhalte Bettgestalt,
Der weiß kein Gran mehr vom Gefühl,
Wies warm und doch der Atem kalt.
Wenn wieder Heim und Morgen gut
Und Fremde heißt ein Natternbiß,
Weil dir die Müh, die Ofenglut
Zu schürn vertraut und selbstgewiß,
Du nichts verpaßt im Leben meinst,
Wenn bloß die Kinder sind gesund,
Dann kommt die Zimmerlinde einst
Zurück in deine Schläferstund.
Vers 38925 bis 38956:
Was uns das Lykeion als Äther,
Als Quinta essentia gedacht,
Der Feinstoff der heiligen Väter,
Was droben den Sphärenglast macht,
Dem gab, unser Grübeln zu fachen
Im Kreis von Weswegen und Wie,
Der Weise im Reiche des Drachen
Die tonarme Hauchsilbe Qi.
Hier eint sich dem Nahen das Fernste,
Der Himmel dem Odem, der lebt,
Als Doppelbegrenzung dem Ernste
Gesetzt, wo der Zugriff verschwebt,
Hier wandelt die Not sich in Gnade,
Verfügt sich Gewißheit das Nie,
Es ruht als die Achse im Rade
Die tonarme Hauchsilbe Qi.
Sie lindert und weiß zu verwunden,
Sie mählt sich dem Krieg und dem Heil,
Sie zeichnet die Sucht dem Gesunden
Und nimmt an den Holzwegen teil,
Den Rächer bedroht sie als Rachen,
Als Schlund, der die Erdfeuer spie,
Den Holden beflügelt als Nachen
Die tonarme Hauchsilbe Qi.
Sie läßt sich nicht pachten und zwingen,
Verheimlicht Geburt und Verdienst,
Sie läßt sich durch Stolz nicht erringen
Und nicht, weil du demütig schienst.
Wem aber gewiß, daß ihn bade
Der Traum, der zur Schöpfung gedieh,
Dem macht alles Krumme gerade
Die tonarme Hauchsilbe Qi.
Vers 38957 bis 38989:
I
Not -- gekehrter Silbenklang dem Ton,
Irdnem, der dem Ziegel schafft das Rot,
Mangels oder der Verheißung Sohn:
Not.
Einst, so sagst du, war die Welt im Lot,
Heute wich die Freude Schmach und Fron,
Und am Hause grüßt kein froher Schlot.
Zwang und Klemme im Gedränge drohn,
Und auf Wunden ward zum Salz das Jod,
Allzuoft verschwistert sich dem Hohn
Not.
II
Not, wie auch ein Ton unhörbar schon,
Wenn der Überfluß verschmäht das Brot,
Doch dem Frevel frommt allein als Lohn
Not.
Was der Herr in seinem Garten bot,
Sah oktoberrot zuletzt Skorpion,
Bis sodann die Kleie blieb vom Schrot.
Doch sie macht die Welt auch polyphon,
Darum sterbe nie der Behemoth,
Sehnsucht sorg, daß dir im Herzen wohn
Not.
III
Not, ein Ruf und allzuoft auch Mohn,
Ärger oft die Furcht, daß solche droht,
Oder gar das Strandgut, frisch entflohn
Not.
Mancher wälzt sich in Urin und Kot,
Und vermeint dabei die Himmelszon,
Die als Lust in seinen Adern loht.
Daß die Freude geht dem Schmerz synchron,
Deute nicht als Nacht und Gottestod,
Dich bewahrt, nicht gänzlich zu verrohn,
Not.
Vers 38990 bis 39085:
Als Preußen stieg zur Vormacht auf
Des Luthertums, der Bildsamkeit,
Die formen sollt den Lebenslauf,
Focht Francke wider Harm und Streit.
Jesaja sprach am Hauptportal
Der Stiftungen verheißungsvoll,
Wer nur dem Herrn im Erdental,
Der Adlerschwingen haben soll.
Ein Waisenhaus, dann drumherum
Werkstätten, Gärten, Pharmazie,
Als ein addisco ergo sum
Die Pietät zur Form gedieh,
Das Buch, dem Buch der Bücher nah,
Durch Schwarze Kunst dem Volke feil,
War diesem Geist im Ansatz nah
Als Lob und Trost und Weg zum Heil.
Als Francke in der Saalestadt,
In Halle seine Schulstadt schuf,
Der Antiquarius Lippert hat
Am Alten Markte guten Ruf
Als Auktionator Pergaments,
Als Pfleger aller Letternzier,
Und sein Geschäft, das wächst, man nennts
Den Armen mild im Drittrevier.
Der Sohn im Kirchkolleg, im Rat
Und Wahlmann zweiter Kammer gar,
Stellt sich der öffentlichen Tat,
Als Politik noch Freizeit war,
Im Handel kriegt das Sortiment
Druckfrischer Bücher Concession,
Und was man später Lippert nennt,
War hier im Kern begonnen schon.
Zur Einungskriegezeit zum Boß
Niemeyers Max die Handlung rief,
Im Buchhaus Waisenhauses sproß
Dem Lehre und Gesellenbrief,
Dem fügt sich, daß nach hundert Jahrn
Sein Lehrbetrieb und sein Gedeihn
In einer Hand zusammenfahrn
Und solln auch fürder hallisch sein.
Am Anfang stand kein Sahneschmand,
Denn wenn die Männer sind im Krieg,
Wird nicht gekauft im Hinterland,
Drum teuer wird der deutsche Sieg,
Doch eine Musikalien-Leih
Niemeyer holt die Damenwelt,
Daß, wenn Sedan gefochten sei,
Den Männern dieser Weg gefällt.
Bald steht der Sinn des starken Manns
Bei Lippert nach Verlegerei,
Wer beim Verkaufe weiß, er kanns,
Sehr gerne auch der Schöpfer sei,
So wird dem Philologenstand
Die Marke absolutes Muß,
Wer als Magister hierher fand,
Macht mit der Professur nicht Schluß.
Jedoch in Jalta die Provinz
Von Sachsen ging ans rote Reich,
War West und Ost auch Kunz und Hinz,
Ging mancher später, mancher gleich,
Niemeyer ging nach Württemberg,
Der Treuhänder vier Jahre drauf,
Des Unternehmens Haus und Werk
Ging dann im Volksbuchhandel auf.
Zwar blieb den Antiquaren hier
Auch im Regime der Staatspartei,
Daß Fleiß und Sorgfalt stets die Zier
Der deutschen Kaufmannsgilde sei,
Geschäftshaus doch und Galerie
Nun tumbe Ignoranz verbaut,
Was einst dem Jugendstil gedieh,
Bedröppelt in die Wende schaut.
Als dies Baron und Hebestedt
Von Treuhands Gnaden dann privat,
Ist man in Tübingen so nett,
Daß alter Name mache Staat,
Und weil ein Regionalverlag
Vervollständigt der Felder drei,
Der Wappenspruch hier richtig sag,
Daß Büchern auch ein Schicksal sei.
Die wird mir heutger Neugestalt
Noch inniger, weil Druckerei
Hier wieder gutenbergisch alt
Flankiert von Satz und Binder sei,
Wo Inhalt, Fertigung, Verkauf
Zusammenstehn in einer Hand,
Da gibt die Macht der Banken auf,
Die profitiert vom Unverstand.
Besonders an Cornelius muß
Ich preisen heut zum Feiertag,
Daß nicht, wie sonst zum Überdruß
Kredenzt wird, was die Marktmacht mag,
Im Sortiment bei Lippert find
Was bodenständig mitteldeutsch,
Drum staune wie ein kleines Kind,
Daß hier der Wiprecht liegt von Groitzsch.
Vers 39086 bis 39133:
Als der Spinoza ward bekannt,
Da hat ein glaubensschwaches Land
Gemeint, daß Christentum sei not,
Da andern Falles Mord und Tod
Alltäglich und allnächtlich wärn
Und ohne Ruh die Flur verheern.
Vor dem Szenarium, fest gefügt,
Recht eindrucksvoll die Ansicht trügt,
Es zeigten sich doch allerweil
Die Leugnenden von Christi Heil
In Tugend, Sitte und Gesetz,
Kein Unhold da das Messer wetz.
Dagegen klebe Blut und Schmach
An dreißig Jahren Ungemach,
Auch sei die Kirche alter Zeit
Voll Unrecht, das zum Himmel schreit,
Drum Christi Tod und Wiederkunft
Sei nun erkannt als Unvernunft.
Und umso lauter mans bespricht,
Sieht man die Pferdefüße nicht,
Was schmeichelt glaubt man und was paßt,
Und so wird Gründlichkeit zur Last,
Denn wer dem Teufel ist verfalln,
Trägt stets ein Stück von seinen Kralln.
Er will die Macht, die Macht allein,
Drum muß er sehr behutsam sein,
Er zeigt Geduld, daß Übereil
Ihn wertet als sein Gegenteil.
Vor der geübten Täuschekraft
Schützt Klugheit nicht und Wissenschaft.
Denn wer der Meister ist im Trick,
Der weiß um Wünsche und Geschick,
Er zaubert das begehrte Gut
Und hat so manches Glück im Hut,
Vor allem setzt er auf die Zeit,
Denn jeden schreckt ein Weg, der weit.
Und ist sein Blendwerk erst gereift,
Kein Aug den Horizont begreift,
Aus allem, dem der Blick vertraut,
Die Maske einer Fratze schaut,
Und also narrt der Augenschein
Und läßt die Nebel dichter sein.
Drum nimm des Heilands Warnung an,
Sein Antlitz nur behüten kann,
Wo Taufe spricht und Abendmahl,
Wird der Versucher aschenfahl,
Und nutzte er das Unschuldskleid,
Ists aus mit der Gelassenheit.
Vers 39134 bis 39245:
I
Am Anfang stand der Atem, dann der Magen,
Die Ahndung hascht im Augenblick das All,
Der offenbare und der dunkle Fall
Entspinnen sich durch Raten und durch Sagen.
Daß worthaft sich erfahr der Seelenschall,
Gehn Lust und Schmerz, Erhoffen und Ertragen,
Denn ohne Fürwort gibt es keine Fragen,
Und nur das Verbum macht die Sätze prall.
Allein die Sprache macht die Welt uns eigen,
Und dem Geschenk, das innerst führt und faßt,
Verpfänden wir auch Träumerei und Schweigen.
Manch einer nennts Provinz und Herkunfts-Last,
Doch was die Mutter sang im Wiegenreigen,
Den Schlüssel hegt, der auch im Himmel paßt.
II
Der Ahorn flammt vor müden Stoppelfeldern,
Das Lichtmeß-Glöckchen blüht im letzten Schnee,
Die Seele kommt im Deutschen von der See,
Und immer liegt der Ausweg in den Wäldern.
Und wo ein Frohsinn haust und wo ein Weh,
Das sagt sich nie von unbenamten Meldern,
Dies ist kein Zins von Pfründen oder Geldern,
Denn nur der Reim ruft in den Tann die Fee.
Wer meint, daß solches eine Kunst ersetze,
Die zu erlernen wohlfeil und bequem,
Und alles sonst ein Knoten nur im Netze,
Der suche sich schon einen Platz im Brehm.
Doch daß im Schlachthof wer das Messer wetze,
Macht auch das Fressen nicht nur angenehm.
III
Dort, wo man singt, da laß dich freudig nieder,
So sprach man, als noch sang die Schnitterin,
In solchem Land ich großgeworden bin
Und ich ersehn es immer, immer wieder.
Die Muttersprache bleibt seit Anbeginn
Ein Gotteslob, ein Duft von Heu und Flieder,
Heut schaut man bei der Sängerin aufs Mieder
Und disputiert, wie groß wohl der Gewinn.
Wer nicht zu singen weiß von Luchs und Wiesel,
Der schaut das Einhorn auch im Haine nie,
Verpaßt das Evchen, wie schon lang das Liesel.
Und auch am Meer mit Weltklang-Melodie
Vermacht die Muschel ihm nur grauen Kiesel
Und spricht, genarrt sei er, nicht etwa sie.
IV
Das Gegenteil von Heimat ist die Mode,
Von Wurzel Wind, der Blätter fegt vors Tor,
Wer fiel dem Trug, man komme ihm zuvor,
Gleicht einem Wald nach wochenlanger Rode.
Was einer lügt, wird wahrer nicht im Chor,
Und weil der Redner etwa ein Rhapsode,
Der Wechsel führt nur rascher uns zum Tode,
Die Dauer liegt als Wiegenlied im Ohr.
Drum freue dich, daß Deutschland dich geboren,
Denn wenn du dies verneinst, bleibt nur der Groll
Auf Völker, welche Heimat nicht verloren.
Und wähn den Krug nicht bis zum Rande voll:
Wer deutsch spricht, webt in einem deutschen Orden,
Und niemand weiß, was Gott am Ende woll.
V
Zu sprechen ist ein andres Wort für bluten,
Die Macht des Worts dem Sprecher ist Verlust,
Der Rosenstock, der sich verströmt im Blust,
Hat lang gespart, sich solches zuzumuten.
Drum zürne niemals, wenn du schweigen mußt,
Denn wenn die Laute ungesprochen fluten,
Erfahre, wie sie in sich selber ruhten,
Als Trotz und Ränke dir noch unbewußt.
Vom A wie Anfang bis zum U wie Ufer,
Aarschwinge oder Falterflaum im Mund,
Bist du an jedem Ort ein Wüstenrufer.
Doch sei dir Mut, ein hochgemuter, kund:
Ein Jahresring und oft ein Stundenstufer
Bist du gewiß und auch aus gutem Grund.
VI
Wer Sprachen mischt, ist beider nicht verständig,
Tauscht beider Antlitz ein für das Gesäß,
Ihm fehlt der Sinn fürs heilige Gefäß,
Drin Gott den Geist hält fruchtbar und lebendig.
Nur Größenwahn den Sprachgeist neu vermäß,
Der unterm Nebelhaupt auch nebelhändig,
Und windig ist, was ihm erscheint als wendig
Und so, als ob der Hahn vom Miste krähs.
Man geht zum Schläferstündchen nicht mit Äxten,
Man wär entsetzt, wenn solches einer tät,
Doch scheints erlaubt, ein Kauderwelsch zu texten,
Daß nur ein Narr den trüben Sinn errät,
Fünf Sinnen fremd, und sicher auch dem sechsten
Ein Vakuum, das sich zu Babel bläht.
VII
Wir haben unsern Schiller doch und Goethe
Und wissen, wie man Kreuzworträtsel lös,
Wer weiter fragt, der ist entsetzlich bös
Und will vom Film zu Hausklavier und Flöte.
Warn einst, wie man den Dichterkram verdös
Und käm zum Fußballplatz, die Schülernöte,
Sinds heut des Lehrers, wie er etwas böte,
Das nicht zu heftig kitzelt das Gekrös.
Und sagt er, daß sich etwas nicht gehöre,
So gilt im Harz, im Spessart, in der Rhön,
Daß ihm zum Schneemann fehle nur die Möhre.
Und notfalls deutsch, er findets doch so schön,
Sagt man ihm, daß ein Gestriger hier störe
Und Abhilf böt ein heißes Bad mit Fön.
VIII
Was auch das kleinste Volk mit Sorgfalt hütet,
Das wirft ein großes ohne Not zum Müll?
Durchsichtig freilich wie bestickter Tüll
Die Seifenblase zeigt sich eingetütet.
Wie er sein Stroh recht weltgewandt umhüll,
Der Panscher über Hülsensilben brütet,
Und wenn das Publikum dies nicht vergütet,
Zeigt das Gesäusel sich als Kraftgebrüll.
Und nennt ein Kind den Kaiser nackt und müde,
So war zu hoch die Krippenplatz-Gebühr,
Sonst wär das zeitgeschulte nicht so prüde.
Die andern freilich heben Tor und Tür
Und was man sonst auf ihre Schultern lüde
Und meinen stets, sie könnten nichts dafür.
Vers 39246 bis 39278:
I
Eindeutig sein auf sehr subtile Weise
Braucht Stiegen, wo die Stufen heinzelklein,
Der Ruf kann nur durch willkürfreie Schneise
Eindeutig sein.
Auf die Geschichte werf den ersten Stein,
Wer ihr nicht untertan sich fruchtbar preise,
Daß Volkswitz er mit Blütenstaub verein.
Wenn freilich Selbstmord heißt das Ziel der Reise,
Und alle Deutung mißt das fettste Schwein,
Kann simples Grunzen nur für junge Greise
Eindeutig sein.
II
Das Lutherwort ist auch nach halbem Tausend
Der Sommer nicht vergessen und verdorrt,
Das Volk bewahrt, den Pelz so oft entlausend,
Das Lutherwort.
Und wie man schreibt, spinnt diese Linie fort,
Solch Niblung ist für Revoluzzer grausend,
Drum braucht die Sprache den Tyrannenmord.
Man kommt uns bei, wenn man das Fremde mausend
Es wiederholt, als seis der Sehnsuchtshort,
Und diffamiert, im Abfallkübel hausend,
Das Lutherwort.
III
Das Regelfach ist plastisch und gewogen,
Ein waldig Berg, den uns kein Planer mach,
Denn immer ist von Bachgesprüh durchzogen
Das Regelfach.
Hier bist du froh, daß dir ein Brunnen lach,
Hier sind die Störche stets zurückgeflogen,
Und wo was stirbt, wird eine Ader wach.
Solch Freisinn arg mißfällt Kanzlein und Logen,
Wo stört ein Haus, durchlöchert man das Dach,
Und darum hat der Feind des Volks betrogen
Das Regelfach.
Vers 39279 bis 39350:
Seitdem die Brauchtumspflege
Behördlich uns erbaut,
Sind seltsam ihre Wege
Und gleichwohl sehr vertraut,
Wo einst ein Abenteuer,
Steht heute ein Etat,
Der Igel von der Steuer
Ist lang vorm Hasen da.
In fernen Kindertagen
Die Buben suchten Holz,
Des Reiserturmes Ragen
Ward schon den Kleinsten Stolz,
Die Großen warn erfahren,
Wie man die Scheite schicht,
Daß keinen Span zu sparen,
Daraus die Lohe bricht.
Denn wie ein Dachstuhl sollte,
An Hohle reich und Halt,
Das Drum- und Draufgerollte,
Was sich zum Zelte ballt,
Den Blitz im Herzen tragen,
Eh es dem Himmel flaggt,
Der Rücken, nicht der Magen,
Sei darum vollgepackt.
Die Lehre war begreiflich,
Wo Augen glühn und Mut,
Man übte früh und reiflich,
Und trieb die Tat mit Blut,
Wenn aber nun Bezahlte
Sich mühn um Gunst und Lohn,
So ist der Turm, der strahlte,
Verfahlt im Herzen schon.
Hingegen die Gazetten
Wie Metzger preisen an,
Die Osterfeuer hätten
Das Zeug zum Himmelsbann,
Und rings die Leute reisen
Mit Auto an und Bus,
Weil, Ostern zu beweisen,
Das Volk dabeisein muß.
Der Vorspann ist gewaltig,
Zu sechst stehn frischlackiert
Löschwägen vielgestaltig
Verteilt um das Geviert,
Und in orangen Westen
Müht wider Profession,
Den Feuersturm zu mästen,
Wems Pflicht, daß er uns schon.
Es sind der Häufen zweie,
So groß wie noch erlaubt,
Daß jemand sing und freie,
Ein Narr alleine glaubt,
Wir frieren unter Schwaden
Der Unlust, die so müd,
Wenn hier von Amtes Gnaden
Kein Balken ächzt und glüht.
Die Teilzeit-Pyromanen
Verpumpen Gas ins Kraut,
Daraus, es war zu ahnen,
Doch keine Flamme schaut,
Da hilft auch kein Erschöpfen,
Kein Knobeln, kein Verdruß,
Wer anfangs fehlt beim Knöpfen,
Der bessert nichts am Schluß.
Daß hier ein Pickel eitert,
Sehn freilich einzig wir,
Die Schlange sich verbreitert
Beim Wurster und beim Bier,
Wer herkam zum Konsume,
Genießt den Dämmertag
Und sieht im Ostertume
Nur Eintracht und Ertrag.
Vers 39351 bis 39414:
Uns überrascht im Lexikon,
Daß Hegel noch vor Goethe tot,
Doch Goethen lief die Zeit davon,
Die Hegel viele Jünger bot,
Wer sich des Widerspruchsgeists rühmt,
Wies Dialektik Sinn und Ziel,
Dem sagt der Dichter leicht verblümt,
Es sei mephistophelisch Spiel.
Man suche im Naturbeschaun
Bescheidenheit, die reich sich gibt,
Wenn man, statt dem Begriff zu traun,
Die Dinge als Gestalten liebt.
Wer aber fordert jeden Stern,
Sei auch die Kenntnis lückenhaft,
Dem wird sogar das Nächste fern,
Weil er den eignen Kosmos schafft.
Kaum fiel der Weltgeist zu Berlin
Aus seinen viel zu großen Schuhn,
Die Jünger in die Fehde ziehn,
Wer sei der rechte Erbe nun,
Weil jedem, der es ganz genau
Zu wissen meint, hier etwas frommt,
Zur unbescheidnen Weltenschau
So vieles Unbescheidne kommt.
Die Hegelei als Modesucht
Dem Modenwandel trotzt bis heut,
Wo grad den Klügsten fehlt die Zucht,
Erkranken rings begabte Leut,
Wer jung akuten Wahnen frönt,
Dem Lebensmittags Krönung sei,
Daß er sich seinen Herbst verschönt,
Mit fortgeschrittner Hegelei.
Wer eine Professur erhält,
Entwickelt Sinn für ein System,
Wer einsam lebt in dieser Welt,
Wills wenigstens im Geist bequem,
Und wenn der Todesschauder packt,
Was Pillen halten noch instand,
Ists Trost, wenn man zum Ordnungsakt
Den Schlüssel wähnt in eigner Hand.
Und wenn der criticus erkennt,
Daß etwas unzureichend sei,
So fordert er fürs Parlament,
Es gäbe deren weitre drei,
Dem Staate Bauch, Arm, Kopf und Bein,
Jed Glied halt ungeschmälert hof.
Erst sollte jeder Künstler sein,
Und nun ein jeder Philosoph.
Nicht nur die Alma mater mehrt
Die Infektion der Hegel-Fans,
Auch sonst, sogar im Knast verkehrt
Die sanft getarnte Pestilenz,
Und einer, der im Kerker schlang
Die Hegelwerke, Band für Band,
Ließ später sich dem Abgesang
Auf Selbsterhaltung und Verstand.
Wird es der Weltgeist honoriern,
Wenn das Martyrium nur für ihn?
Gefangnen kann es nicht passiern,
Das Leben wollt den Vorhang ziehn.
Drum, Dialektik-Jünger, hüt
Dich sehr, daß nie die Aussicht frei,
Es könnte sein, daß etwas blüht
Als Spott auf alle Hegelei.
Vers 39415 bis 39447:
I
Quacker nennt man Enten, Frösche, Finken,
Freilich, wer gewohnt den kargen Acker,
Nennt auch Leute mit zu großem Zinken
Quacker.
Die bedenklich tun wie Flammgeflacker
Wackeln, hackeln, dackeln, ihnen stinken
Jungfraun oder allzufesche Racker.
Überall sehn sie die Zeichen winken,
Aber wer da sagt: Korinthenkacker!
Will ja gar nicht Meßwein mit dir trinken,
Quacker!
II
Quack die Lehr, daß alle im Talare,
Weil die Welt schon morgen klagt im Sack,
Also hat die meisten Missionare
Quack.
Und so heißts, daß unser kleiner Zwack,
Weil ein Raubtier, stracks zur Hölle fahre,
Denn erlaubt ist nur ein Knechtsgeplack.
Nur wer schon als Kind hat graue Haare,
Mag das Zeug, das heilig ist dem Pack.
Jeder andre nennt verdorbne Ware
Quack.
III
Quacken paßt zu Pommes und Gemüse
Oder wenn die Gläubiger im Nacken,
Leute mit geschmacksneutraler Drüse
Quacken.
Wie man weiß, daß keine Bomberjacken
Retten Düsenjäger ohne Düse,
Trifft das Schicksal endlich alle Macken.
So beschließt der Koch in der Kombüse:
Wenn die Hühner sich im Hof behacken,
Muß man eine Psychoanalyse
Quacken.
Vers 39448 bis 39495:
Hüpfer, Winzling, Beute
Schon für kleine Nager,
Busch- und Heckenleute
Niemand hält für Wager.
Weberknechte, Larven
Schreckst du armer Zittel --
Welche Würfel warfen
Dir den Königstitel?
Schlechtester der Flieger,
Kleinster fast der Klasse,
Nur im Flöten Sieger
Und der Haremsmasse --
Welchen Würmerblicken
Purpur schien dein Kittel,
So als würde schicken
Dir der Königstitel?
Flogst du lorbeertragend
In des Märzes Iden?
Herrschst du vorhersagend
Über Krieg und Frieden?
Ist dein Walten älter
Als der Wahl zwei Drittel?
Reicht ein hochgestellter
Schwanz zum Königtitel?
Deine Namen viele
Höhle, Schnee und Winter,
Waren eins im Spiele,
Daß der Rex dahinter.
Muß die Eule passen?
Muß mit Stirngeknittel
Dir der Dichter lassen
Deinen Königstitel?
Wird Musik zum Adel?
Welt zu Bühnenbrettern?
Übertönt den Tadel
Vier Uhr früh das Schmettern?
Ist der Sieg ein voller,
Wenn die Kunst das Mittel,
Stiften Reim und Roller
Einen Königstitel?
Weithin tönt der Sänger,
Weckt und schließt den Abend,
Nicht als Wiedergänger
Nur den Sommer habend,
Der nicht fliegt noch schreitet,
Achtet kein Gekrittel,
Das umsonst bestreitet
Seinen Königstitel.
Vers 39496 bis 39561:
I
Getreide, von der Erde ausgetragen,
Feldfrucht, Gepäck, daß es der Schnitter schneide,
Allsommerliches Gold aus frühsten Tagen,
Getreide.
Wir hoffen lange, daß der Winter scheide,
Denn mit dem Vorrat streitet unser Magen
Und flucht den Morgen, da er Hunger leide.
Von Saat und Segen sprechen unsre Sagen,
Die Träumerei vom Tischleindeckdich meide,
Denn ewig folgt auf Sammeln und auf Jagen
Getreide.
II
Den Weizen, Sohn von Ziegengras und Emmer,
Zu ernten, läßt die Mühlenflügel greizen,
In allen Königreichen preist der Schlemmer
Den Weizen.
Die Pflanzenwelt ist reich an Gaumenreizen,
Doch Gerste, Hirse, Hafer sagt der Schwemmer
Der Bäuche, daß sie mit der Stärke geizen.
Erst wenn im Knechtsstand blöken blödste Lämmer,
Wird man zu Motorsprit das Korn verheizen,
Wie alles was von Gott kommt hassen Flämmer
Den Weizen.
III
Der Roggen steht und fällt mit deutschem Ruhme
Und kann sonst nur den Wodkatrinker locken,
Allein durch Landraub kam zum Polentume
Der Roggen.
Der Nordwind kühl und Streusandbüchsen trocken
Behagen ihm wie auch die blaue Blume,
Wo er bekannt ist wie die Haferflocken.
Erst Sauerteigfleiß dichtet seine Krume,
Drin dunkler, fester die Arome hocken,
Und also nennt Germania seine Muhme
Der Roggen.
IV
Den Dinkel schätzt der Schwabe als den Spelten,
Man kennt ihn dort so wie die Kuh den Zinkel,
Die Knauzenwecken nie entbehrlich schelten
Den Dinkel.
Das Burgenland trägt ebensolche Winkel,
Daß selbst die Wiener hohes Urteil fällten
Zu Reis und Nudel oder Brot mit Kinkel.
Er wurde heimisch hier schon bei den Kelten
Er ist beliebt bei Hilke, Hinz und Hinkel,
Beim Biere preisen ganze Säuferwelten
Den Dinkel.
V
Der Gricken nutzt als Knöterich die Tüte,
Den Ansatz seines Blattstiels zu umstricken,
Geschätzt ward, wo gesiedelt hat der Skythe,
Der Gricken.
Du mußt die Augen nicht nach Osten schicken,
Die weiß bis rosafarb gehüllte Blüte
Läßt sich auf mancher Unkrauthalde blicken.
Kartoffeln und gedüngte Bodengüte
Verdrängten ihn für Schafe selbst und Zicken,
Doch Honigbienen ist noch keine Mythe
Der Gricken.
VI
Getreide sagen viel zu Nutz und Schaden,
Denn Mehl und Grieß der Christ mag wie der Heide.
Zum Brote taugt, zu Nudel, Brei und Fladen
Getreide.
Auch Bier gebraut macht Herbst zur Augenweide,
Bei Kornschnaps das Gespräch verliert den Faden,
Als gliche Mutterkorn des Wirtes Kreide.
Und bist auch du zum Schnitterfest geladen,
Bedenk, der Bauer niemals bricht die Eide,
Das Leben wählt, wenn Ferienfrohe baden,
Getreide.
Vers 39562 bis 39625:
Lob die Sichel, die uns näher
An die stolzen Halme zwingt,
Als den aufgereckten Späher,
Dessen Lied die Sense singt.
Sehr genau ist hier zu scheiden,
Welcher Halm der Mahd verfall,
Und kein Rehkitz hat zu leiden,
Bleibt der Schnitter so am Ball.
Lob die Sichte, welche Ähren
Unverwirrt zu Garben ballt,
Leicht gebückte Mühn gewähren,
Was dem Binder Unterhalt,
Tiefer als die Sichel schneidet,
Was dem Stalle mehrt das Stroh,
Wer sich für die Schur entscheidet,
Weiß genau des Endes Wo.
Lob die Sense, die da singen
Auf dem Kampe läßt die Schar,
Größte Ernte einzubringen,
Blatt und Reff erfunden war,
Dengel, Rückenblatt und Hamme
Rufen, was die Sprosse rafft,
Wenn der Schnitter sich dem Kamme
Mählt und also doppelt schafft.
Wenn Maschinen dies verdrängen
Und ein Reiter mäht und drischt,
Folgt Motorenlärm Gesängen,
Eine Volkskultur erlischt,
Mit dem Dengeln und dem Wetzen
Mit dem Blinken tief im Feld,
Mit der Nähe zum Verletzen
Wird ein Traum die alte Welt.
Selbst die frühen Photographen
Sind Gemälden ähnlich noch,
Weil sie Gottesdienste trafen,
Goldkorn unterm Himmelsjoch,
Wenn die Hand nicht mehr am Halme,
Wenn die Sehnsucht nicht mehr Müh,
Gibt es keine echten Psalme,
Dankbarkeit nicht spät und früh.
Ist die Sense aus dem Rennen,
Wird die Sichel zum Symbol,
Aber wenn die Höfe brennen,
Bleibt das Pathos schwindelhohl,
Wird zum Brandmal allem Fronen,
Ist der Knechtsmoral gezollt,
Wird zum Brandsatz allen Kronen
Wird zum Neider allem Gold.
Nur wer sät, darf später schneiden,
Wer mit Blut die Körner streut,
Wird mit ihrem Heimgang leiden,
Ohne daß die Tat gereut,
Aber wer der Opfer keines
Hält für Wuchs und Reife not,
Bleibt in Taumeln blinden Scheines
Und in allen Altern tot.
Also folg dem Ahnenbrauche,
Steck den Wetzstein in den Kumpf,
In das Meer der Ähren tauche,
Bis die Klinge müd und stumpf,
Zähle nicht zum Abgelegten,
Was geschwisterlich dich nährt,
Und vertraue im Bewegten,
Was getreu für immer währt.
Vers 39626 bis 39665:
Wenn die schweren Halme nicken,
Grille zirpt und Wachtel schlägt,
Eine Schar von Zottelwicken
Lilaton ins Grüne trägt,
Wenn die Hummel wie den Käfer
Treibt der Schwüle Goldgespinn,
Beugt sich gar der Siebenschläfer
Vor der schönen Schnitterin.
Sie verströmt sich in der Schärfe
Ihrer Sense, spiegelnd hell,
Ehe Sturm das Feld verwerfe,
Ehe Hagelschlag zerspell
Alles Sonnengold-Verwöhnte,
Holder Monde Fruchtgewinn,
Der sich zu dem Bild verschönte
Von der schönen Schnitterin.
Nichts verrät, daß sie erkenne,
Was am Halme wuseln mag,
Was sie schichte, was sie trenne,
Was dem kühnen Schwung erlag,
Zwischen Zug und kurzem Blinken,
Schamhaft wie der Klingenpinn,
Darf das Auge sich betrinken
An der schönen Schnitterin.
Längst ist Zeit für Rast und Speise,
Doch die Holde mäht und mäht,
Keiner tritt in ihre Kreise,
Die zu bergen schon zu spät.
Ahnt von ihrem Mühen keiner?
Setzt sich eigenhold der Sinn?
Gings nach Wünschen, wäre meiner
Bei der schönen Schnitterin.
Mählich wird der Schatten länger,
Webt ins Gold den Hauch von Blut,
Es verwundert sich der Sänger,
Wie sie wahr den frischen Mut --
Ob ein Abendbrot ihr munde?
Ob sie stetig neu beginn?
Oder träumt im Wiesengrunde
Jemand bloß die Schnitterin?
Vers 39666 bis 39705:
Ist es so still? Ich fühle mich wie taub.
Auf mir, auf Blättern Staub.
Die Sonne sticht, daß auch der Schatten schwitzt,
Und sauer riechts vom Teich herauf,
Wer heute nichts besitzt,
Macht beide Arme für die Schwermut auf,
Und hofft allein, daß sich der Himmel ritzt,
In Wolken ein Kanonenschlag verpufft,
Die heiße Luft
Thors Hammer als Befreiungsschlag durchblitzt.
Da eine Bö! Ich hör das reife Korn.
Ich ruck ein Stück nach vorn.
Die Ähren wispern wie verstört und zag.
Was macht sie weich, die hoch und fest?
Der nahe Schnittertag?
Die Wolke, die vielleicht sie faulen läßt?
Der Eber, der schon grollend stampft im Hag?
Ich horch. Es ist ein Ton nur noch, ein Fis.
Wie ungewiß
Ist doch, was Sommer uns noch bringen mag.
Das Schnitterfest! Der erste Erntedank!
Und mein Gemüt ist krank.
Wie müd die Welt? Und nun ein Jahrmarktskrach?
Ob Lärm vertreibt den Hagelschlag?
Ich werde langsam wach.
Was tut man, wenn man nicht mehr schlummern mag?
Die Quelle wär jetzt gut und längs im Bach
Zu liegen wie ein Halm, der abgemäht,
Es ist schon spät.
Ich muß zum Anger, daß die Laute lach.
Dort liegen Kränze, Kräuter, Brei und Brot.
Noch vor dem Morgenrot
Die erste Garbe schnitt der Vater stumm,
Uralter, dunkler Vorsicht treu.
Die Sonnenbahn ist krumm,
Der Winter-Bote duftet selbst im Heu,
Und irgendwann ist aller Aufschub um,
Darum bedenket wohl beim Schnitterfest:
O trinkt und eßt,
Daß Segen sei und jede Sichel summ.