Der Dichter Uwe Lammla

(1961–2024)

Götzenspiele - Tragödie

Nomen est omen.

– Plautus

Vers 69134 bis 69133:

Personen

GÖTZ, WEISSLINGEN, ELISABETH, Schauspieler
REGISSEUR am Rudolstädter Landestheater
MARIA, Götzens Schwester
SICKINGEN, ein Industriellensohn
ADELHEID, Polit-Aktivistin aus Bremen
OLEARIUS, Anwalt, Geheimdienst-Agent
METZLER, ein Maler aus dem Odenwald
ELSÄSSER, Staatsanwalt

Rudolstadt und Umgebung, 2020–2022

Vers 69134 bis 69149:

Prolog

ELISABETH: Daß zwei sich finden, die vom Anbeginne
Bestimmt sind füreinander, ist in Dramen
Ehr häufig, daß die Welt nicht ihrem Sinne
Entspricht, genauso, aber daß kein Rahmen
Selbst kurzer Eintracht sei im Trauerspiele,
Daß niemals sie einander sich berühren,
Davon gibts allerdings nicht allzu viele,
Und in genau so eins will ich euch führen.
Wir beide am Theater sollten Rollen,
Bekommen, die entsprachen unsern Herzen,
Er, Götz, sollt Bamberg und dem Bischof grollen,
Ich, seine Frau, die bösen Wunden merzen.
So die Regie. Jedoch dem Bühnenstücke
Gelangs nicht mal, daß man vernünftig probte,
Auch wir gelangten nicht zu unserm Glücke,
Drum schaut euch an, was hier im Lande tobte. (Ab.)

Vers 69150 bis 69229:

Erster Aufzug, Erste Szene

Vor dem Vorhang treten nacheinander der Regisseur und die Schauspieler auf. Sie stehen mit maximalem Abstand mit medizinischen Masken.

Regisseur, Götz, Sickingen, Weißlingen, Elisabeth.

REGISSEUR: Wir proben heut am Götz zum letzten Male
Hier im Gebäude, dann per Skype geschaltet,
Der Lockdown wird nun ernst, weil hier im Saale
Sich die Gefahr inzwischen groß gestaltet.

WEISSLINGEN: So trüb die Aussicht, und wer weiß, wie lange –
Warum dann solche anspruchsvollen Werke?
Wir sind als Truppe viel zu klein, ich bange,
Wenn ich Konflikt in Dreifachrolln bemerke.

REGISSEUR: Besetzung gab sich hier von selbst, die Rollen,
Sind euch doch grad wie auf den Leib geschnitten,
Grundsatzdebatte mag ich nicht mehr wollen,
Um Disziplin und Fleiß hab ich zu bitten.

GÖTZ: Nur weil ich Götz heiß, bin ich nicht der Ritter.
Ich tu mir schwer, es streiten zwei Naturen
In meiner Brust, dem Optimismus Dritter
Bin ich so fremd wie den Gesundheitskuren.

ELISABETH: Du bist hier der Rebell, der aufbegehrend
Infragestellt, was andre kaum bemerken.

GÖTZ: Doch Goethes Text, mich manche Falle lehrend,
Zeigt den Charakter nicht nur in den Werken.
Der Götz vertraut auf Rechte, überkommen,
Von seinen Gegnern werden die mißachtet,
Das Mittelalter, auf den Hund gekommen,
Sein eignes Grab mit sehr viel Mühe schachtet.

WEISSLINGEN: Dem Mittelalter bist du sehr gewogen,
Drum scheint mirs gar nicht falsch, daß du sein Hüter.

GÖTZ: Doch ehr als Minner, nicht auf Schwertes Wogen,
Was mir am Herzen liegt, sind andre Güter.

REGISSEUR: So geht es nicht voran, Bedenklichkeiten,
Wohin man schaut, ja Kleinmut, Scheu und Zweifel,
Ich sehne mich zurück nach Pfälzer Zeiten,
Als ich noch inszenierte in der Eifel.
Ich darf vielleicht noch einmal kurz erwähnen,
In Erfurt heißts nicht: Armer schwarzer Kater,
Und bringen wir das Publikum zum Gähnen,
Steht ein Museum bald, wo noch Theater.

SICKINGEN: Die Firmenleitung bot mir an mein Vater,
Doch Mittun nur um Geld erschien mir schnöde,
Ich wollte leidenschaftlich zum Theater,
Inzwischen scheints mir nutzlos und auch öde.
Ich denk nicht dran, die Skyperei zu buchen,
Ehr kehr ich als verlorner Sohn nach Hause,
Nun ists an euch, Ersatz für mich zu suchen,
Daß in Heilbronn der Götz nicht ewig hause. (Ab.)

GÖTZ: Da geht der Freund. Berechtigt ist die Klage!
Man kann kaum sprechen mit dem blöden Lappen,
Und wenn ich dies hier nicht noch lauter sage,
Dann bloß, weils mühvoll, dabei Luft zu schnappen.

REGISSEUR: Maskierung wär tabu, wenn jeder Spieler
Homeoffice übte, aber unser einer
Nutzt öffentlichen Ort zur Plage vieler,
Drum sei befreit von Maskenpflicht hier keiner.
Seid doch, Kollegen, etwas solidarisch
Und trennt euch von der Elfenbein-Etage,
Für uns ist Sturm und Drang nicht literarisch,
Für uns heißt das Gebot Zivilcourage.

GÖTZ: Zum Götzenwort sind wir noch nicht im Akte,
Doch kaum gelingts, den Ruf noch aufzuschieben.
(reißt sich die Maske vom Gesicht)
Die Mimik liebt bekanntlich nur das Nackte,
Ich üb im Wald, ihr wißt wo, meine Lieben! (Ab.)

ELISABETH (jetzt auch ohne Maske):
Es ist ja auch ein Witz, das wir verspiegelt
So tun, als wärs ein spielendes Begegnen,
Dabei sind unsere Münder eingeigelt,
Ich spann den Schirm auch ohne jedes Regnen. (Ab.)

REGISSEUR: So wie die Stimmung heute aufgeladen,
Scheints besser, diese Probe abzubrechen,
Für alle hier wärs ganz gewiß kein Schaden,
Den Job beim Therapeuten zu besprechen.
Vielleicht ist Wald auch förderlich dem ganzen,
Wir sehn uns dann nach etwas Fortschritt später.
Doch wenn ihr übt, verringert die Distanzen
Nie unter hundertfünfzig Zentimeter. (Ab.)

WEISSLINGEN: Es geht sich leicht vom Pixelbild des Schirmes,
Viel leichter als von dem realen Posten,
Das Leben als Buffet mit Krieg und Kirmes,
Man darf und soll wie beim Konditor kosten.
Die Online-Tour wird den Zerfall befeuern,
Der Sickinger – ja toll, frisch von der Leber,
Die Frist ist schmal, die Sache zu erneuern,
Erwogen sei ein neuer Arbeitgeber. (Ab.)

Vers 69230 bis 69286:

Erster Aufzug, Zweite Szene

Eine Waldlichtung an der Schwarza.

Götz, Elisabeth.

ELISABETH: Der Weißlingen geht auf der andern Seite
Des Bergs, ich hab ihn munter trotten lassen,
Mir ist zumut nach Sonne, nicht zum Streite,
Drum ließ ich ihn die Lichtung gern verpassen.

GÖTZ: Bezähm dich, denn nicht leicht ist seine Rolle
Und tragischer als meine des Gerechten,
Sein leerer Krug und nahebei der volle,
So muß der Mensch mit seinem Schicksal fechten.

ELISABETH: Du redest ja, als sei das Stück von Goethe
Ein Bann, der uns verschleißt wie Marionetten,
Als spiele uns der Dichter auf der Flöte
Und schüfe uns die Flügel und die Ketten.

GÖTZ: Wir haben uns für dieses Stück gefunden,
So wie der Stoff in Straßburg fand den Schreiber,
Wir sehn den Blitz nicht, der uns trifft, die Wunde
Ist aber Herz und Hirn für unsre Leiber.

ELISABETH: So mystisch hast du nie zu mir gesprochen,
Draufgängerisch erschien mir ehr dein Wesen.
Wie kann das sein, die Spielzeit abgebrochen
Und wir für diese Rollen auserlesen?

GÖTZ: Ich hab geübt wie du schon manche Rolle,
Wie man heut sagt: ein Job, ein Deklamieren.
Hab weder mich gefragt, ob ich es wolle,
Noch dran gedacht, ein Fatum zu kreieren.
Doch war es diesmal anders, dem von Eisen
Die Hand ward, dieser junge, späte Ritter,
Er ließ mich in das Bild der Freiheit reisen,
Bis sie ganz nackt verlor den letzten Flitter.

ELISABETH: Was soll die nackte Freiheit uns bedeuten?
Der Säugling ist ganz untertan der Mutter.
Der Grübler sucht Bedingtes zu enthäuten,
Die Freiheit ist zuerst genügend Futter.

GÖTZ: So mein ichs nicht, worauf mich Goethe brachte,
Die Freiheit liegt nicht im verbrieften Rechte,
Sie frommt nur dem, der sich zum Freien machte,
Denn Sorg und Müh geringer sind dem Knechte.
Gar knechtisch ists, zu fordern, zu verfuttern,
Erst buchstabtreu zu folgen dem Befehle
Des Mächtigen so blind, als seis bei Muttern,
Und wimmern, wenn zu eng zuletzt die Kehle.

ELISABETH: Was du da raunst, ist strafbar fast schon heute.
Du nennst es knechtisch, wenn man Alimente
Erdient und nimmt so wie die meisten Leute
Als Lohn, Gehalt, als Stütze und als Rente?

GÖTZ: Der Freie dient nur Gott und seinen Mündeln,
Wer Freiheit sagt und ganz vergißt den Freien,
Sieht sie am Ende immer bloß in Bündeln
Bedruckter Scheine und in Staatsanleihen.

ELISABETH: Was soll das heißen? Bist du gar der Freie?

GÖTZ: O nein, ich bin geringster Knecht und Mime.

ELISABETH: Du spottest aller, grausam nach der Reihe
Stößt du in alle Bäume Kupferpfrieme.

GÖTZ: Verkehrt, ich fand den Ausweg.

ELISABETH: Nein, Kollege,
Du solltest dich mal selber reden hören,
Ich geh jetzt lieber einsam meine Wege
Und werde nicht den Philosophen stören. (Ab.)

Vers 69287 bis 69318:

Erster Aufzug, Dritte Szene

Götz allein.

GÖTZ: Ich Narr hab sie verschreckt. Und wie ein Fechten
Mit Mühlenflügeln kommt mir vor mein Reden,
Was trieb mich, Dunkles zum Gespenst zu flechten,
Ich stand doch gradenwegs am Tor von Eden.
(Pause)
Der Götz ist frei – warum? Weil er die Ränke
Nicht mitspielt, der Politicus ihm feige,
Er schäumt wie frisches Faß in einer Schänke
Und will nichts wissen von Gefahr und Neige.
Er nimmt sich, was er braucht, und will nichts weiter,
Er läßt dem andern, was da recht und billig,
Es kränkt ihn nicht, daß irgendwer gescheiter,
Sein Frohsinn macht ihm viele Arme willig.
Doch eines kränkt ihn, seiner Knabentage
Gespiel und Bruder, Genius und Vertrauter,
Ging fort für eine närrische Staffage
Und weiß nicht mehr, was eigen ist und lauter.
(Pause)
Der Weißlingen war niemals mir Geschwister,
Er schwor mir niemals Treue bis zum Tode,
Und doch erscheint sein Wesen mir sinister,
Als wär er der geborne Antipode,
Ich kann nicht sagen: Den kann ich nicht leiden!
Das wär zu schwach, sein Part ist nicht entbehrlich,
Ihm taugts, sich am Verfallenden zu weiden
Und solche Lust wird mir im Herz gefährlich.
Er reizt mich seltsam, seine Art zu bessern,
Um loszuwerden eine innre Stimme,
Die höhnt, mal süßen Tons und mal in kessern,
Ich selbst sei bloß zu dumm für alles Schlimme.
(Er zerknickt einen morschen Ast auf seinem Beinen.)
Der Götz sinniert nicht lang, bevor er handelt,
Er zwingt das Glück und bleibt im Elend mutig,
Drum bleibt der Himmel heiter, wo er wandelt,
Und nur das Ende ist wie immer blutig. (Ab.)

Vers 69319 bis 69350:

Erster Aufzug, Vierte Szene

Weißlingen tritt auf.

WEISSLINGEN: Ich war doch dort und also völlig sicher,
Ich fänd die Stelle, ohne viel zu fragen.
Ich zähme Spott nur schwer, doch fürchterlicher
Dünkts mich, die Häme andrer zu ertragen.
Ich spiele alle Arten Bösewichte
In Bonn, Berlin, in Breslau oder Basel,
Das Böse fehlt in keiner Volksgeschichte,
Den Satyr ruft das sinnigste Gefasel.
Die Hexe weiß die Frommen zu erschrecken,
Allein, ihr fehlt der Sinn fürs Paradoxe,
Ich mache sie zur Gans und ihn zum Gecken,
Und erst bei mir wird jeder Held ein Ochse.
Wie ich das mach? Ich hab die beßren Reime
Und im Disput die schlagende Methode,
Und weil ich hüt zum Untergang die Keime,
Paß ich zur Zeit, darin der Weltschmerz Mode.
Warum, warum? Wir müssen alle leben,
Und was ich kann, das läßt sich gut verkaufen.
Mein Gott, der Weg hier ist nicht grade eben,
Ich sollte ein Momentchen hier verschnaufen.
(setzt sich auf einen Baumstumpf)
Und warum bin ich hier? Wir sollen proben
Im Wald bei Pantherpilz und Krauser Glucke,
Kiebitze gaukeln hier wie Nasa-Globen,
Der Tannenhäher schnarrt in unsre Mucke.
Die soll nicht sein, ich finde nicht die andern
Weshalb ich dauernd monologisiere,
Ich hab nicht Lust, noch weiter fortzuwandern,
Ich säße gern bei einem Rolschter Biere.
Drum auf zur Landstraß, daß ein schneller Wagen
Mich aufnähm, dem das Elend nicht gefiele,
Ganz nebenbei bemerkt, mir knurrt der Magen,
Kein Fundament für deutsche Trauerspiele.

Vers 69351 bis 69370:

Erster Aufzug, Fünfte Szene

Es beginnt zu regnen.

Götz, Weißlingen.

GÖTZ: Weißlingen du? Du bist am falschen Orte.

WEISSLINGEN: Ein Blinder säh, daß ich beständig kreise!

GÖTZ: Na immerhin, du fandst die rechte Pforte.
Komm her, steig ein, wir haben längre Reise!

WEISSLINGEN: Was Reise? Ich will aber nur nach Hause.

GÖTZ: Der Regisseur hat einen Hof gemietet,
Auflagenfrei für Probe und für Pause,
Und einer, der für jeden etwas bietet.
(Er macht eine anzügliche Geste.)

WEISSLINGEN: Wenn es vom Intendanten abgesegnet –
Wie weit ists denn, doch nicht etwa in Franken?

GÖTZ: Steig endlich ein, du merkst doch, daß es regnet.
Der Hof liegt an der Ilm, ich muß nicht tanken.

WEISSLINGEN: Verrückte Zeiten, wo das Landtheater
In Bauernhöfen muß sein Tun verstecken,
Da hoffte man in Wien zu sein am Prater
Und bettelt nun um wanzenfreie Decken.
Sag, hast du was zu trinken dort im Wagen?

GÖTZ: Ich hab Pörz Festbier von Alb Krebehenne,
Du sollst nicht darben und auch sonst nicht klagen.

WEISSLINGEN: Ich folge ohne Widerspruch, ich renne.
(Beide ab, man hört einen abfahrenden Kleinbus.)

Vers 69371 bis 69401:

Zweiter Aufzug, Erste Szene

Ein Bauernhof, im Hintergrund Berge. Ganz rechts steht ein Gartentisch mit Stühlen unter einer Linde. Maria beim Ziegenfüttern, Weißlingen mit zerzausten Haaren.

WEISSLINGEN: Wo ist der Regisseur?

MARIA: Ich kenne keinen.

WEISSLINGEN: Der Intendant?

MARIA: Da lachen ja die Ziegen.

WEISSLINGEN: Die Posse kulminierte, will mir scheinen.

MARIA: Es könnt am Bier und zu viel Schnäpsen liegen.

WEISSLINGEN: Ein Feierabendbier ist kein Gelage.

MARIA: Die Pumpe da, das Frühstück unterm Baume.

WEISSLINGEN: Ich will hier raus!

MARIA: Das willst du, keine Frage,
Sieh endlich ein, das schaffst du nicht im Traume.
(Ab. Er nach links, wird von einem kräftigen Kerl aufgehalten.)

WEISSLINGEN: So wurde ich in Wirklichkeit gefangen,
Daß Götzens Stück verlaß die Bühnenbretter.
Er meint die Zeit, die tot und ganz vergangen,
Zu holn, und sieht in mir den Kindheits-Vetter.
(Er trottet zur Pumpe, wäscht sich, setzt sich an den Eßtisch.)
Mach ich zum bösen Spiel nun gute Miene?
Kein Telephon, die Polizei zu hetzen,
Allein im Schein, ich sei auf seiner Schiene,
Hoff ich, ein Schrittchen vor den Hof zu setzen.
Es bleibt mir gar nichts übrig, als zu lügen,
Ich fänds bequem im sonnigen Exile,
Ausschau zu halten, wie sich alles fügen
Und drehen wird im weitern Götzenspiele.
Auch kann die Zeit ich nutzen zu erdenken
Die ärgste Rache, die je ausersonnen,
Ich werde mir den Nacken nicht verrenken,
Im Geist wird jedes Attentat begonnen.
Doch freilich wär es nützlich auch der Rache,
Und nicht nur, um den Ausbruch hier zu schaffen,
Ich wüßte mehr vom Zweck von Götzens Sache,
Denn ein Motiv bewegt sogar den Affen.

Vers 69402 bis 69453:

Zweiter Aufzug, Zweite Szene

Götz tritt auf.

GÖTZ: Ha, guten Morgen – hat er ausgeschlafen?

WEISSLINGEN: Hotel, fünf Sterne, sollte es nicht nobler
Erreichen als Mariens Friedenshafen.

GÖTZ: Du übertreibst, gewiefter Süßholz-Hobler.

WEISSLINGEN: Eins darf ich dir versichern, o Kollege
Die Überraschung ist dir fein gelungen.

GÖTZ: Verpatztes Ding braucht ungewohnte Wege,
Daß es von neuer Tatkraft sei durchdrungen.

WEISSLINGEN: Authentischeres Spielen auf der Bühne?
Was sonst solln mich die Urlaubstage lehren?

GÖTZ: Hervorzutun, wo Schuld sei und wo Sühne,
Sein umgekehrt die Bürden und die Ehren.

WEISSLINGEN: Ehr ungeeignet scheint mir die Kulisse
Für derlei, unser Stand bleibt doch der gleiche.

GÖTZ: O glaube mir, daß ich das besser wisse,
Doch weiß ich nicht, ob Umkehr ich erreiche.
Die Welt, in der wir sonst gemeinsam weben,
Will Weißlingen, doch will sie Götzen keine,
Ich gleiche einer Mumie, du dem Leben,
Auch wenn ich deinem Stolz lebendig scheine.

WEISSLINGEN: Daß ich nicht lache, du ein Abgehängter!
Beneiden willst du mich, du liebe Güte!
Was Amor alles schenken kann, dir schenkt er.
Dir lächelt jedes Blümlein, jede Blüte.

GÖTZ: Ja, hält der Mime sich an alle Rollen
Und spielt den Narrn für die Lakain und Fürsten,
Mags sein, daß ihn noch Ärmere gern wollen,
Die auch noch nach den kleinsten Pfründen dürsten.

WEISSLINGEN: Worin bin ich dem Götzen überlegen?

GÖTZ: Du bist im Frieden mit der Welt von heute.
Das ist ein unermeßlich großer Segen
Und einzig wirklich wichtig für die Leute.

WEISSLINGEN: Zu stören meinen lächerlichen Frieden,
Sprengst du die Probe, sperrst mich ein bei Bauern,
Spielst Psycholog und glaubst, wenn wir geschieden,
Würd in mir nur Verständnis überdauern?

GÖTZ: Du wehrst dich zu verstehn, was ich erhoffe.
Ich frage mich, warum in allen Lagen
Weißlingen oben schwimmt, was für Christophe
Ihn auf den Händen durch die Wasser tragen.

WEISSLINGEN: Phantasterei nenn ich die Aureole,
Die du auf meiner Wenigkeit vermutest,
Ich bin Utopia nicht, zum Himmelspole
Taug ich so wenig, wie du selber blutest.

GÖTZ: Nein, nicht als Ideal sieht dich der Schwärmer,
Ich seh dich nicht als Ausnahme und Großen,
Ich hoff allein, mir würd im Herzen wärmer,
Blieb ich nicht unbegreiflich ausgestoßen.

WEISSLINGEN: Ich fühle Mitleid, denn du bist so irre,
Wie keinen Menschen jemals ich getroffen.
Was klag ich, daß an mir die Kette klirre?
Ich will für dich auf eine Beßrung hoffen.

Vers 69454 bis 69536:

Zweiter Aufzug, Dritte Szene

Maria tritt auf.

MARIA: So wie ich seh, habt ihr euch ausgesprochen.

GÖTZ: Wir haben es versucht, uns auszusprechen.

WEISSLINGEN: Wir haben uns betastet und berochen
Um nicht mehr auf den andern einzustechen.

GÖTZ: Ich muß noch einmal weg.

MARIA: Oh, das ist schade.
Ich wollt dem Bruder gern Gesellschaft leisten.
Im Hof wird einem rasch das Nichtstun fade,
Denn stets beschäftigt sind ja doch die meisten.

GÖTZ: So nimm vorlieb mit ihm, dem alles eben.
Gehabt euch wohl, ich komme immer wieder. (Ab.)

MARIA (zu Weißlingen):
Ach, hilf mir mal, den Tisch hier anzuheben,
Er kippelt mir noch Kaffee auf das Mieder.
(Sie werkeln gemeinsam, bis der Tisch gut steht.)

WEISSLINGEN (nach einer Weile mit einer Geste ins Land):
Ein wolkenloser Himmel überm Walde –
Was für ein Wind hat sie nur fortgetrieben?

MARIA: Wohin du zeigst, da liegt die Abraumhalde,
Die uns vom Kupferbergbau ist geblieben.

WEISSLINGEN: Romantisch ist Maria nicht, die harte,
Sie melkt die Ziegen, ölt die Pumpe rostig,
Und findet sie zu bessern keine Scharte,
So wird sie still und fast ein wenig frostig.

MARIA: Was habt ihr für Probleme, du und Götze?

WEISSLINGEN: Was sagt er dir, wozu ich hier gefangen?

MARIA: Er brütet stumm am See und angelt Plötze,
Und er erzählt, was ihm die Elfen sangen.

WEISSLINGEN: Wer ahnte, welche Träumerei ihn leitet?

MARIA: Ich dacht, du wärst ein Freund und ein Vertrauter.

WEISSLINGEN: Nur Unbill hat mir dieser Mann bereitet,
Unglücklich aber aus den Augen schaut er.

MARIA: Ein Freund wär not dem knappenlosen Ritter.
Ergründest du nicht, was an dich ihn bindet.

WEISSLINGEN: Sein Reden ist gewöhnlich richtig bitter,
Ich glaube kaum, daß er mich trefflich findet.
Er meint, ich sei ein Mann der Welt, des Heute,
Chamäleonesk vom Zeitensinn befiedert,
Vergangen aber, was den Götzen freute,
Vom Heutigen ist er nur angewidert.
Er nennt es Frieden, was mir glückt im Lande,
Und nennt es Gnade, daß ich drob nicht leide,
Und mein Hinwegsehn über Schmach und Schande
Sei eine Kunst, um die er mich beneide.

MARIA: Du hast ihn recht verstanden und wie keiner
Prägnant geschildert Hoffen und Verzagen.
Wem Ohren heller sind und Nase feiner,
Mögs nicht verstehn, dir Freundschaft anzutragen.
Gibst du dich weltfremd, fällt ihm zu die Rolle,
Sich selber weltlich und gewandt zu zeigen,
Dann winde er sich, wie er immer wolle,
Er nimmt die Gegenwart als gut und eigen.

WEISSLINGEN: So bin ich nun der mittelalterferne
Gesell, der Minnesänger mit der Klampfe,
Ich preise tugendhafte Fraun und Sterne
Und Männer, die der Türke ruft zum Kampfe.

MARIA: Ich hab auf meiner Kammer eine Laute
Und Wams und Rock für echte Lautenschläger,
Hol ich noch Met, den ich aus Honig braute,
So nennt den Wager dich der reinste Wäger. (Ab.)

WEISSLINGEN: Wohin dies alles führe, nicht zu fragen,
Ist Leichtsinn, bei dem sträflich untertrieben,
Doch alle Folgen, wärn sie zu beklagen,
Kann ich auf Amor und die Braukunst schieben.
(geht sinnierend im Kreis)
Wenn sich verschärfen Lockdown und Schikane
Auf Straßen, in Geschäften und zuhause,
Dann wird die Auszeit aus dem ganzen Wahne
Ein Gold-Exil und nicht nur Liebes-Klause.

MARIA (mit der Laute, Kleidung und einem Humpen zurück):
So hier die Akzidentien, wie versprochen,
Es wird nicht alles gleich auf Anhieb klappen,
Doch ich versicher dir, nach ein paar Wochen
Frißt jeder Hund den hingehaltnen Happen.

WEISSLINGEN (kurz ab, singt eingekleidet zur Laute):
Ob ich fiedel oder geige,
Ob ich rase oder schleiche,
Immer schaust durch Wipfelzweige
Du, Maria, segensreiche.
Ob ich schlemme oder faste,
Ob im Schmande, in der Butter,
Was ich in der Welt ertaste,
Gilt Maria, Gottes Mutter.
Jedes Siegel trag dein Wappen,
Nach dir hetze jeder Rappen,
Jeder Strahl der Wasserpumpen
Ob im Fernsehn, ob im Filme,
Jeder Met-gefüllte Humpen
Preis Maria an der Ilme.
(Beide ab.)

Vers 69537 bis 69601:

Zweiter Aufzug, Vierte Szene

Götz, Sickingen.

SICKINGEN: Ich habe dich vermutet bei der Schwester.

GÖTZ: Weißlingen wurde auch zum Dauergaste.

SICKINGEN: Es sorgt dich nicht, daß er beständig läster?
Die Denunzianten-Rolle ihm gar trefflich paßte.
Mich ficht es an, er könnte uns verpfeifen,
Detailreich plaudern bei den Staatsorganen.
So können große Dinge gar nicht reifen.
Man muß in Ruhe im Verborgnen planen.

GÖTZ: Was planst du, Sickinger, du alter Gauner?
Braucht Vater Kapital fürs Unternehmen?
Bist du nun Grüner oder gar ein Brauner?
Ich meinte, unsre Zunft zähl zu bequemen.

SICKINGER: Bei Vater steht es schlecht, nicht nur Corona
Verfolgt ihn, sondern auch Agrar-Verbote,
Das Düngemittel-Werk liegt halb im Koma,
Denn Stickstoff hat die Ungenügend-Note.

GÖTZ: Weils wärmer wird, wächst alles von alleine?

SICKINGER: Grundlage ist die Lüge mit dem Klima:
Besteuert man den Atem aller Beine,
Wird Rinderzucht das nächste Hiroshima.
Ich sag dirs glatt, das Ziel von allm ist Hunger,
Man dezimiert mit Plan die vielen Esser,
Und während ich da am Theater lunger,
Wetzt man zum großen Schlachten rings die Messer.

GÖTZ: Machs halblang, ja ich seh Verfallssymptome,
Kontroll-Wahn, Lobbyismus, Schwätzer-Nieten,
Doch was du aufzählst nach dem Metronome,
Ist ganz gewiß kein Mordplan der Eliten.

SICKINGER: Du irrst dich, jene planen auf Jahrzehnte,
Es gibt der Bücher reichlich, dies zu zeigen,
Und wer sich richtig aus dem Fenster lehnte,
Der nannte bald den Grabstein bloß sein eigen.

GÖTZ: Was hast du vor?

SICKINGER: Das nächste ist die Spritze,
Der Eingriff in das Erbgut rafft die meisten,
Und dann Graphem, daß man das Hirn besitze,
Denn brave Sklaven solln die Arbeit leisten.

GÖTZ: Ich mag die Warnung vor Verschwörungs-Mythen
Nicht grad, jedoch, mein Sickinger: Nein danke.

SICKINGER: Vergessen, wie die Osterglocken blühten?
Vor alle Kirchentüren fiel die Schranke.
Den Auferstandnen durfte keiner preisen,
Daß ohne Konkurrenz Herr Gates verkünde.
Dem Fernsehpublikum galts zu beweisen,
Als Ungenormter lebt der Mensch in Sünde.
Unwidersprochen nannte er Milliarden,
Die er, sein Geld, zu impfen sich verfröre.
Tragödie klassisch, doch moderne Barden,
Sie schwiegen und auch so die Engelchöre.

GÖTZ: Ich gehe kaum zur Kirch, der hiesge Küster,
Empfahl mir, Ostern Tagesschau zu gucken,
Zwar gab ich wenig auf sein Eingeflüster,
Doch bei dem Wort Milliarden mußt ich zucken.
Wie seltsam, daß ich dies nicht ganz vergessen
Wie andres, was an Größenwahn geboten.

SICKINGER: Solch Bulletins sind keine Petitessen,
Und überall drin hat der Mann die Pfoten.

GÖTZ (nachdenklich)
Ich werd der Sache nachgehn, und sei sicher,
Wenns wahr, ich steige auf die Barrikade,
Und dann ist Schluß mit Gaukeln und Gekicher,
Wenn dies die Welt, dann seis um sie nicht schade.

SICKINGEN: Nur Widerstand, der milde und besonnen,
Hat Christus wider Satans Spinnenfaden,
Bedenke stets, es wird kein Gran gewonnen,
Nimmt unsre Seele unverzeihlich Schaden.
(Beide ab.)

Vers 69602 bis 69674:

Zweiter Aufzug, Fünfte Szene

Weißlingen mit Laute, Maria, Götz.

GÖTZ: Ich höre Lautenschlag und heitre Weise –
Wärs möglich, daß die Haft nicht mehr so schändlich?

WEISSLINGEN: Ich preise den Veranstalter der Reise,
Der Weg zum Glück ist kurz und nicht unendlich.

GÖTZ: Solch scharfe Wende läßt den Makler stutzen.
Wärs möglich, daß der Zweck die Mittel heiligt?

MARIA: Ich kann der Wahrheitsfindung hier nicht nutzen,
Bin, Bruderherz, hier gänzlich unbeteiligt.

GÖTZ: Die Sache riecht nach Weiblichkeit. Verdächtig
Bist du der Korruption des klaren Denkens.

MARIA: Ich fand den Mann verkatert, übernächtig,
Verlassen dann von deiner Kunst des Lenkens,
Gab ich ein Frühstück und getragne Kleider,
Auf seinen Wunsch auch lang verstimmte Saiten,
Sein Freun darob – es ist dir peinlich leider –
Will ich, dem Vorwurf trotzend, nicht bestreiten.

GÖTZ: Maria, oh, ich kenn dich, raffinierte
Einfädlerin, wenn Unschuld du beteuerst,
Verfährst du wie die Dirne, die sich zierte,
Weil den Verdacht du nämlich noch befeuerst.

MARIA: Ich laß euch jetzt allein, denn solch Verhöre
Muß ich mir echt nicht antun hier. (Ab.)

WEISSLINGEN: Du Dussel!
Sie zeigte nichts als Gastlichkeit, ich schwöre,
Sie redet wahr, verschweigt nicht kleinste Fussel.

GÖTZ: So so, nicht Fussel, aber nackte Beine?

WEISSLINGEN: Erotomane, es wird langsam peinlich.
Nicht mal ein Stündchen waren wir alleine.

GÖTZ: Doch die Verwandlung ist ganz augenscheinlich.

WEISSLINGEN: Du sagtest eben noch, ich sei flexibel,
Nun wundert dich, daß ich das beste mache
Aus dem was ist und nicht etwa penibel
Aufzähl, was alles faul an dieser Sache.

GÖTZ: Anpassung liegt dir, das ist völlig richtig,
Doch daß du übertreibst mit Lautenschlagen,
Macht mein Vertraun in diesen Wandel nichtig
Und läßt mich nach den Trugmotiven fragen.

WEISSLINGEN: Gib deinen bösen Argwohn auf! Ich fiedel
Nicht nur Marien, auch du sollst fröhlich werden,
Denn nichts ist holder als ein schlichtes Liedel,
Was Gott den Sinnen hat vermacht auf Erden.
(Er wirft sich in Pose und singt):
Der Mime überträgt das Vorgegebne,
Figurenlust und dichterische Leiden,
Daß er dem Zaungast jede Klippe ebne,
Läßt er die Haut und grast auf fremden Weiden.
Was unterhalb der Maske ihn durchblutet,
Was eigen schweigt im Flitterglanz der Zeichen
Und was das Licht der Bühne überflutet,
Erfährst du, wenn er ganz bei seinesgleichen.
Der Mime wacht am Gral, den wir vermissen,
Er machts wie Pythia oder Orgelpfeifen,
Was Dichter eigenhold vom Baume rissen,
Die Frucht läßt er gemeinen Mann begreifen.
Was unterhalb der Maske ihn durchblutet,
Was eigen schweigt im Flitterglanz der Zeichen
Und was das Licht der Bühne überflutet,
Erfährst du, wenn er ganz bei seinesgleichen.
Drum gönne ihm das maskenfreie Fühlen,
Wenn du wie er, die Bretter los, im Freien,
Und säume nicht, Mißtrauen fortzuspülen
Und dich in seinen Reigen einzureihen.
Was unterhalb der Maske ihn durchblutet,
Was eigen schwieg im Flitterglanz der Zeichen
Und was der Welt er niemals zugemutet,
Erlebst du, wenn er jetzt bei seinesgleichen.

GÖTZ: Nun gut, wenn du dich wohlfühlst auf dem Hofe,
So solls mir recht sein, und ich will nicht klagen,
Ein andermal füg ich dem Lied die Strophe,
Bis dahin gibts noch manchen Kampf zu wagen. (Ab.)

WEISSLINGEN: Ich bleibe bei Maria, mag der Ritter
Sich wandeln oder nicht, denn das Theater
Braucht zum Zerfallen keinen Bombensplitter –
Wo wäre sonst ein Sinn, ein adäquater?
(Ab. Pause.)

Vers 69675 bis 69714:

Zweiter Aufzug, Sechste Szene

Götz, Sickingen.

GÖTZ: Der Sommer geht, und unser aller Dinge
Stehn schlecht, und, Freund, ich fürchte für den Winter,
Die Lügenmär dem Feind so gut gelinge,
Daß endlich steht das ganze Volk dahinter.
Zwar fand sich mancher ein zur Großkundgebung,
Doch vielen wars nur Feiern und Spektakel,
Bekämpft man mit Gewalt die ganze Strebung,
Und jeder, der dabei war, spürt den Makel,
Dann wirst du sehn, wie unser Häuflein schwindet
Und man bevorzugt im Privaten jammert,
Die Kraft gering, die öffentlich verbindet,
Ein jeder sich zuletzt an Eignes klammert.

SICKINGEN: Die große Stadt ist eine Einbahnstraße,
Das Reichstagsviertel schützt die Spree, die Brücke
Ist leicht besetzt, und Stopp in dieser Phase
Schafft nie ein Bild, das einen Spießer drücke.
Gesteuert ist Opposition, die dauernd
Ruft zu Events an gut bewachten Plätzen,
Derweil das Volk, in Thüringen versauernd,
Vermeint, wir wüßten keinen Trumpf zu setzen.
Wir müssen nun ins Breite, Provinzielle,
Das macht es schwer den Schnüfflern und den Bullen,
Wächst der Protest an dezentraler Stelle,
Dann dämmt sichs schlecht für die Berliner Nullen.

GÖTZ: Am meisten ärgert mich im deutschen Westen,
Daß die Protestler vielfach Masken tragen.
Ein Tell mit Geßlerhut! Die gelb Betreßten
Tun gleiches mit der Trikolor am Kragen.

SICKINGEN: Polemik hilft nicht wirklich, lieber Streiter,
Dem Untauglichen schaff Alternative,
Wir wären schon ein gutes Stückchen weiter,
Wenn schlappes Tausend mal durch Saalfeld liefe.

GÖTZ: So tun wir in Tannroda und Teichweiden,
In jedem Dorf der Ilm und an der Saale,
Daß die an Rhein und Donau uns beneiden,
Und wir den andern Stämmen zum Fanale.
Den Furor der Teutonen aufzuwecken,
Ist dieser Herbst die gottgewollte Stunde,
Und bleibt der Herrschaft nichts als das Verstecken,
Dann einen wir uns frei zu echtem Bunde.
(Beide ab.)

Vers 69715 bis 69770:

Zweiter Aufzug, Siebente Szene

Maria und Weißlingen treten auf.

WEISSLINGEN: Die Schwalben sind schon lange nach dem Süden,
Die Mieten sind gehäuft und Heu im Schober,
Im Rundfunk aber schrein die Lebensmüden,
Daß alles neu, den Unter stäch der Ober.
Was kümmerts uns? Wir sind der Paare frohstes,
Mögs Seuchen geben oder Volksproteste,
Das Leben in der Stadt ist bar des Trostes,
Wir aber sind uns selber hier das beste.

MARIA: Das Glück, das mir geschenkt an deiner Seite,
Ich fürchte, muß noch einmal sich bewähren,
Denn schichtet man den anderen die Scheite,
Wird man auch greifen hier die goldnen Ähren.

WEISSLINGEN: Vertraue mir, sie haben uns vergessen,
Sie denken nur in Städten und Fabriken,
Wir haben frische Luft und gut zu essen,
Der Herrgott wird auch nächstjahrs Regen schicken.

MARIA: Ich mach mir große Sorgen um den Bruder,
Er reist umher, nach Östreich und nach Flandern,
Ich fürcht, er führt ein viel zu großes Ruder,
Und manchmal scheints, ich sehe einen andern.
Ja, Götze hat das Angeln aufgegeben,
Er ist auch jetzt in Weimar oder Saalfeld,
Er ward dem Honig untreu und den Reben,
Die Politik er über Hecht und Aal stellt.
Ich glaube nicht, daß friedlich bleibt der Winter,
Der Spahn verspricht das Heil aus neuen Spritzen,
Und mancher sagt, es sei ein Plan dahinter,
Und all die Dinge bringen mich zum Schwitzen.

WEISSLINGEN: Der Doktor mit der Spritze tobt in Jena,
In Weimar, Erfurt, Gotha und Mühlhausen,
Zum Geldverdienen braucht man die Arena,
In Käffern tun sich schwerer solche Flausen.
Jedoch dein Bruder sucht den Feind zu reizen,
Das wird gewiß schon bald ins Auge gehen,
Erst innerlich und jetzt die Feder spreizen,
Das Elend ist ja nicht mehr anzusehen.

MARIA: Ich sagt ihm oft: Das ist nicht deine Sache,
Weich aus, du hast den Ort um abzutauchen,
Drauf er, ihm sei Verpflichtung, was er mache,
Aufklärung würden wir hingegen brauchen.

WEISSLINGEN: Wie hat er einst der Politik gespottet!
Und Demonstranten warn ihm bloß Krakeeler,
Jetzt taugt ihm jeder, der im Zuge trottet,
Er sieht sich als des Volkes Zorn-Beseeler.

MARIA: Die Obern werden dies nicht lange dulden,
Sie werden ihn bald einsperrn – welch ein Jammer!
Die Ordnungsgelder werden schließlich Schulden,
Am Ende kommt der Hof noch untern Hammer.

WEISSLINGEN: Wir brauchen einen Anwalt, ihn zu schützen
Und uns, ich seh, berechtigt hast du Sorgen,
Ein Mann in Rudolstadt, der wird uns stützen,
Ich such ihn auf und kehr zurück schon morgen.

MARIA: Ja, glaubst du, der Jurist wird uns erretten
Und sorgen, daß der Götz ein wenig leiser?

WEISSLINGEN: Ich würde mit dem Teufel darauf wetten.
Den Olearius fürchten Papst und Kaiser.

Vers 69771 bis 69822:

Dritter Aufzug, Erste Szene

Anwaltskanzlei in Rudolstadt.

Olearius, Weißlingen.

WEISSLINGEN (mit Maske eintretend):
Recht schönen Tag, Herr Doktor, sehr verbunden,
Daß Sie sich Zeit für meinen Fall genommen.

OLEARIUS: Nimm bloß die Maske runter, dem Gesunden
Wird übel, wenn die Mimik so verkommen.

WEISSLINGEN (nimmt die Maske ab, entschuldigend):
Ein Warnschild an der Tür hat es befohlen,
Ich wollt die guten Sitten hier nicht schelten.

OLEARIUS: Du wirst es ja nicht auf dem Markte johlen:
Das ist fürs Volk und für die Angestellten.
Wir kämpfen nicht mit Seuchen der Asiaten,
Denn unsre Fälle sind ’ne Nummer härter.
Was machts Theater? Ödipus von Platen
Sah ich mit Phylax, dem Gefängniswärter.

WEISSLINGEN: Wir proben Götz. Der Hauptdarsteller flüchtig,
Von andern heißts im Lockdown nur: Land unter.

OLEARIUS: Na prima, deutsche Kunst mal wieder tüchtig.
Und du bist ebenso gesund und munter?

WEISSLINGEN: Ich nutz die Zeit, daß ich mich weiterbilde
Im Digitalen, das uns weltweit führt und findet,
Das ist die Zukunft auch für unsre Gilde,
Die alle Menschen auf der Welt verbindet.

OLEARIUS: Dann sag ich dir, was deinem Fall zu sagen
Daß du nicht meinst, es lausche dir der Doofe,
Haßprediger wie Götz sind anzuklagen,
Und was sonst haust mit Reichsbürgern im Hofe.
Du bist noch nie ein Unschuldslamm gewesen,
Staatsfeinde warn dir immer Saufkumpane.
Meinst du, ich dächt, die Hexe auf dem Besen
Am Rathaus hätt gehißt die Russenfahne.

WEISSLINGEN: Das ist sechs Jahre her, und den verjährten
Dummjungenstreich nach der Odessa-Sache
Man bitte nicht dem neuerlich Beschwerten
Zum Vorwurf und zur Vorbreitung mache.
Im übrigen, ich meint, Sie würden heben
Mandanten, statt die Demut sie zu lehren.
Wozu sucht man den Anwalt denn im Leben?
Doch um sich wider Schmutz und Schimpf zu wehren.

OLEARIUS: Es ist schon recht, ich diene dem Mandanten,
Doch diene ich zum Ersten dem Gesetze,
Ich stehe allen bei, die sich verrannten,
Doch ich verweiger mich für Haß und Hetze.
Dein Fall ist aussichtlos nicht, doch ich warne,
Du kommst nur raus mit trefflichem Betragen,
Im Fall, daß der Verschwörer sich nur tarne,
Gehts dir wie allen andern an den Kragen.
Zu deinem Glück hat eine feine Dame
Hier vorgesprochen, und sie will dich bessern,
Daß alle Schwurbelei in dir erlahme,
Du nie zurückkehrst zu den Rübenfressern.
Sie ist schon hier, ich lauf zum nächsten Falle,
Halt dich an sie, dann brauchst nicht zu bemühen
Kanzleien und die Ordnungskräfte alle,
Und die Talente werden dir erblühen. (Ab.)

Vers 69823 bis 69906:

Dritter Aufzug, Zweite Szene

Adelheid tritt auf.

ADELHEID: Ich wünsche guten Tag dem Interpreten,
Des wunderbaren Auftritt Zeitungsleser
In Bremen schätzen, hab Termin erbeten
Und komme an die Saale von der Weser.

WEISSLINGEN: So lange Reise für Hallodri, sagen
Sie doch, was kann ich tun, daß Sie zufrieden?

ADELHEID: Juristen-Predigt schlug Ihn’ auf den Magen,
Ich sehs Ihn’ an, er ließ sie nicht in Frieden.

WEISSLINGEN: Er redete mir mächtig ins Gewissen,
Kumpane so wie Bierdunst-Offenbarung.
Man hat mich da in etwas reingerissen,
Was enden wird wohl in der Strafverwahrung.

ADELHEID: Ich kenne Ihre Akte, kein Gemenge,
Daß staatspolitisch Sie im Tatverdachte,
Der Olearius liebt das Überstrenge
Und also angst er Ihrem Leichtsinn machte.
Sie dürfen gehen, es gibt keine Gründe,
Sie zu verhören oder festzusetzen.
Im übrigen ist Liebe keine Sünde,
Nicht an der Ilm, wo Sie die Wirtin schätzen.

WEISSLINGEN: Ich suchte Hilfe in beständger Sorge,
Drum wenig nutzts, den Freispruch anzunehmen.
Nicht fürder will ich, daß ich Zukunft borge.
Und überhaupt: Für dieses Wort von Bremen?

ADELHEID: Wenn Sie so innig meinen Rat erbitten,
Laß ichs beim Offiziellen nicht bewenden,
Es wird doch nur von einer Gans bestritten,
Daß Sie schon lange Ihr Talent verschwenden.

WEISSLINGEN: In Rudolstadt ermüden die Querelen,
Was mich bewog, ein Sabbatjahr zu nehmen.

ADELHEID: Ich kann da kaum Verwunderung verhehlen.
Wärs besser nicht als Tatort-Cop in Bremen?

WEISSLINGEN: Daß mich ein Fernsehsender arrangiere,
Wag ich als ein Provinzler nicht zu hoffen.
Ist das Ihr Ernst? Ist die Idee die Ihre?
Ich bin und bleibe für Verändrung offen.

ADELHEID: Ich bin bei Radio Bremen leitend tätig,
Wenn Sie bereit, jetzt den Vertrag zu schließen,
So wird Ihr Schlucken hoffentlich nicht grätig,
Fünftausend hab ich sofort vorzuschießen.
(Sie legt ein Paket grüner Scheine auf den Tisch.)

WEISSLINGEN: Sie müssen doch bei alledem was wollen.
Für die Besetzung müssen Sie nicht zocken
Und nicht mit sehr viel Geld und hoffnungsvollen
Gebärden den Komplett-Versager locken.

ADELHEID: Ich arbeite nicht nur beim Fernsehsender,
Ich kämpfe ehrenamtlich gegen Rechte,
Querdenker, Nazis und Verschwörung-Blender
Und halte solche Freizeit nicht für schlechte.

WEISSLINGEN: Gewißlich ist solch Mühen sehr honorig,
Und braucht nicht „Tatort“, anerkannt zu werden,
Wär meine Akte nicht so eselsohrig,
Ich hülfe gern, daß Böse nichts gefährden.
Im übrigen beim Geld ists so: Ich will es
Erst nehmen, wenn durch Leistung ich besteche.
In meinem Fall die Ferse des Achilles:
Ich hab für schöne Frauen eine Schwäche.

ADELHEID (packt das Geld wieder ein):
Sie sind beleidigt, weil ich Sie mit Scheinen
Geködert wie ein ungeschickter Schmierer.
Doch in der Wette um das Ehrlichmeinen
Bin ich mir nicht zu fein für den Verlierer.

WEISSLINGEN: Die lange Strecke, die Sie hergefahren,
Wird auch durch Anti-Rechts-Kampf nicht begreiflich.
Warum grad ich? Ich wär mir gern im Klaren,
Drum prüfen Sie die Argumente reiflich.

ADELHEID: Es ist mein Auftrag, keine Worte weiter,
Warum man uns hier heut zusammenführte,
Ich weiß es nicht, doch auf Gefahr, ich scheiter,
Ich sag Ihn’, daß ich Ihre Eignung spürte.
Sie könnten unserm Bündnis Auftrieb bringen
In diesem Kampf, der schwerer wird, fast täglich.
Was Sie auch tun, ich hab mit mir zu ringen,
Ich kriege keine Luft… ach, unerträglich –
(sie weint.)

WEISSLINGEN: Soll ich den Arzt holn oder einfach schweigen?
An dieser Front fühl ich mich nicht gewachsen.
Mir bleibt nur, etwas Mitgefühl zu zeigen,
Mit schweren Worten oder auch mit laxen.

ADELHEID: Ich kann nicht fahren, können Sie den Wagen
Mir steuern, anders komm ich nicht nach Hause?
Ich mußte mich die letzten Wochen plagen,
Jetzt brauch ich unbedingt die Ruhepause.

WEISSLINGEN: Ich fahr Sie heim und sorg auf alle Weise,
Daß Sie gebessert seien und genesen.
(für sich):
Ich fürchte, länger dehnt sich meine Reise.
Was ist die Frau doch für ein seltnes Wesen!
(Er trägt sie hinaus.)

Vers 69907 bis 69971:

Dritter Aufzug, Dritte Szene

Olearius kommt herein, blättert in Akten, macht sich am Schreibtisch zu schaffen und kommt schließlich auf die Vorbühne.

OLEARIUS (zum Publikum):
Sie sind noch immer da? Ja, die Geschäfte
Gehn zäh. Es sind weißgott recht schwere Zeiten,
So mancher ist am Ende seiner Kräfte,
Und mancher wie verschluckt von Seltsamkeiten.
(wirft sich in eine Prediger-Pose):
Was ein Jurist zu tun hab, was zu lassen,
War lange Zeit verbindlich und verständlich,
Man sprach nicht von Eliten und von Massen,
Die Wünsche warn wie das Vermögen endlich.
Dann fiel nach Osteuropa uns die Mauer,
Goldgräberstimmung löschte die Bedenken,
Man sprach nicht mehr von Gleichgewicht und Dauer,
Die Mittelklasse wollte man sich schenken.
Der Sinn nach Ausgleich auf verlornem Posten,
Das Recht – ein Instrument und eine Waffe,
Die Dinge des Humanen wurden Kosten,
Und Pflicht, daß man wie ein Berserker raffe.
Sie glaubens nicht? Ich kenne viele Pleiten
Von Leuten, die Gerechtigkeit zu loben,
Nicht willig, daß sie nur der Mammon leiten
Vermöchte und auch jeden Drang nach oben.
Nun sind sie unten, unten in der Gosse,
Und nichts mehr gilt, nicht daß die Sonne südlich,
Nicht daß dem Leu die Tatz, dem Fisch die Flosse,
Im Unterleib wirds mählich ungemütlich.
Da hilft nur eines, mit den Wölfen heulen,
Die Kunst des Anwalts ward zur Kunst der Finte,
So taugt sein Mühen, ob man nun mit Keulen
Sich streitet oder progressiv mit Flinte.
In Deutschland hört man vom Verfassungsschutze
Verläßlich, was da links und was Geschwurbel,
Drum mach ich mir den Staats-Kontakt zunutze,
Daß niemals ich gedreht die falsche Kurbel.
Im übrigen gilt grade heut die Regel,
Steck nie die Nas dahin, wo nichts zu holen,
Der Profiteur negiert wie Friedrich Hegel,
Heut für Paris und morgen gar für Polen.
In diesem Spiel gibts freilich roten Linien,
Da hilft nur transatlantisches Gemüse,
Damit man nicht zuletzt nach Argentinien
Zu fliehen, wird Matros in der Kombüse.
Wir suchen uns die Zeit, in der wir leben
Nicht aus – wer ist schon gerne egoistisch?
Doch überm Wolkenkuckucksheim zu schweben
Ist doof, dann lieber lügnerisch und listig.
Auch hält für uns Pragmatiker Symbole
Geschichte stets bereit in großer Fülle,
Den Predigern vom Volk und seinem Wohle,
Zeig drum die volkhaft aufgeblähte Hülle.
Ich sehe mich bald selber als Poeten,
Wenn mir die Schlange taugt zum Wappentiere,
So oft verlästert und so oft getreten,
Ist sie als Opfer, das den Reinen ziere,
Geeigneter zu Lobsang und Gebeten.
Und überhaupt, was gnostisch uns geschrieben,
Zeigt, daß wir selbst uns aus dem Sumpf erheben,
Winzige Technik, in den Leib getrieben,
Bahnt uns den Weg ins göttergleiche Leben.
Das schien uns lang als Phantasie der Mären,
Doch daß der Chip und der Prozessor bahne,
Den Weg, uns ewig Leben zu gewähren,
Sprach sich herum sogar im Vatikane.
Doch eh ich weiter philosophisch schwatze,
Prüf ich die Arbeit meiner Dienst-Agenten
Denn was der Hund nicht kann, besorgt die Katze,
Und Hermes grüßt aus allen Elementen. (Ab.)

Vers 69972 bis 70048:

Dritter Aufzug, Vierte Szene

Adelheid, Weißlingen.

ADELHEID: Sag Liebster, wurden uns die Bundesmittel
Bewilligt? Unser Konto ist im Solle,
Von dem, was hier zu zahlen, ist ein Drittel
Noch ungedeckt, man rechne, wie man wolle.
Es geht aufs Weihnachtsfest, da ist es Sitte,
Daß man die Schulden seines Tuns begliche.
Was treibst du und erhörst nicht meine Bitte?
Ich werds erfahrn, ich komm dir auf die Schliche!

WEISSLINGEN: Ich leide an der Säumigkeit nicht minder,
Doch beste Absicht trifft auf schlaffe Streiter,
Zwar lobt man unsern Blog als Faktenfinder,
Doch finanziell gehts irgendwie nicht weiter.

ADELHEID: Wir brauchen einen Knaller für die Presse,
Dann werden uns die Stiftungen bedenken,
Und tun sie’s, wie das Gloria in der Messe
Folgt daraus, auch der Staat wird uns beschenken.

WEISSLINGEN: Was soll in diesem Kreise explodieren,
Wo alle sind so friedlich wie die Schafe?

ADELHEID: So friedlich, wie die Nazis debattieren,
Vom Umsturz träumen, sogar nachts im Schlafe.

WEISSLINGEN: Ich sehe nirgendwo die brauen Rotten
Mit Fackeln oder gar mit Kleinkalibern.

ADELHEID: Ich aber finstere, die hartgesotten
Der braunen Diktatur entgegenfiebern.

WEISSLINGEN: Zu fiebern ist im Lande nicht verboten,
Das reicht der Polizei nicht einzuschreiten.

ADELHEID: Es würde ganz gewiß genug geboten,
Wärst du bereit, dies schlüssig auszubreiten.

WEISSLINGEN: Ich kenne keine Umsturz-Vorbereiter.

ADELHEID: Nun bin ich schon so lang an deiner Seite
Und wähnte deine Selbsterkenntnis weiter.

WEISSLINGEN (gereizt):
So klär mich auf, den Horizont mir weite!

ADELHEID: Jawohl! Hast du den Bauernhof vergessen,
Wo du gelabt dich an der braunen Suppe?

WEISSLINGEN: Du bist aus lauter Eifersucht versessen,
Den Mist zu türmen auf die Ziegen-Puppe.

ADELHEID: Das Mädel ist mir schnurzegal. Gefahren
Bei Sickingen und Götz dem Staate lauern,
Die immer auf der Gegenseite waren,
Und dein Naivtun kann ich nur bedauern.

WEISSLINGEN: Gewißlich warn es schwierige Kollegen,
Doch Nazis oder Demokratenfeinde,
Zu dem Verdacht wirst du mich nicht bewegen,
Theater ist ’ne eigene Gemeinde.

ADELHEID: Gemeinde sind von denen Demonstranten,
Die alles infiziern als Superspreader,
Die Bücher sie der Wissenschaft verbrannten,
Corona-Leugner, denen’s heiße Wetter
Entgegen aller Wissenschaft nur Schwindel,
Und überhaupt die jüdische Verschwörung,
Was ganz und gar nicht neu bei dem Gesindel
Auch wenn erneut die Mittel der Betörung.

WEISSLINGEN: Der Götz glaubt nicht Verschwörungstheorien.

ADELHEID: Was wochenends der Sickingen zum besten
In Dessau gab, wie weit sein Spleen gediehen,
Erschüttre deinen Glauben deinen festen.
Schaus auf Youtube!

WEISSLINGEN: Das werde ich wohl machen.
Doch weil wir grad vom Covid-Thema sprechen,
Ich find die Impfkampagne nicht zum Lachen
Und laß mich ungern von der Spritze stechen.

ADELHEID: Ich unterbinde jeden Schierlingsbecher,
Und helfe Heuchlern, hoffnungsfroh zu schummeln,
Dafür verspricht mit jetzt der Herzensbrecher,
Bei Ilm-Dossier zu klotzen, nicht zu bummeln.

WEISSLINGEN (verwirrt):
Wärs möglich, eine Impfung vorzutäuschen,
Zertifiziert zu sein ganz ohne Spritze?

ADELHEID: Derweil du träumst in nebulösen Räuschen,
Das richtige Adreßbuch ich besitze.
Darin ist auch ein Doktor med. zuhause,
Der Unerwünschtes in den Abguß flutet,
Und das Attest dir reicht nach kurzer Pause,
Wenns Pflaster klebt, wo gar nichts hat geblutet.

WEISSLINGEN: Was du vermagst, das wird mir nicht geheuer,
Wenn ich es brav und ohne Mucken fresse.

ADELHEID: Spiel Bauer oder spiele mit dem Feuer!
Krieg ichs Dossier, kriegst Kennwort und Adresse.
(Beide ab. Vorhang.)

Vers 70049 bis 70080:

Dritter Aufzug, Fünfte Szene

Vor dem Vorhang.

Götz, Sickingen.

GÖTZ: Was treffen wir uns hier bei Nacht und Nebel?

SICKINGEN: Die Feste an der Ilme ist am Kippen.

GÖTZ: Was sagt dir, daß mich eine Blindheit knebel?

SICKINGEN: Ganz in der Nähe fädelt sie die Strippen,
Die Hex von Rudolstadt, die Adelheide,
Den Weißlingen hat sie umgarnt zu pfeifen,
Und das Dossier ist fertig für uns beide,
Im Morgengrauen wollen sie uns greifen.

GÖTZ: Der Weißlingen ist untreu allen Weibern,
Doch ist er kein Spion für dunkle Greifer.

SICKINGEN: Die Greifer folgen ungetreuen Schreibern,
Aus Angst und Panik nährt sich deren Eifer.
Weißlingen weiß, sein Leben nur zu retten,
Wenn anderswen er liefert an das Messer,
Nur karg ist sein Gewinn, den wirklich fetten,
Streicht einer ein, der lügen kann viel besser.

GÖTZ: Mich fortzustehlen, schiene mir erbärmlich.
Und überhaupt, wohin willst du mich locken?
Ich denke, meine Klause ist so ärmlich,
Da findet auch der Dieb nicht goldne Brocken.
Und die Maria hängt an dieser Krume,
Sie wird nicht gehn, ich gehe nicht alleine,
Zwar bin ich nicht mit Ernst im Bauerntume,
Doch werfe ich darauf auch keine Steine.
Und warum soll ich fliehn? Nichts Ungerechtes
Hab ich getan, noch je gedacht zu planen,
Es ist verfehlt, im Eifer des Gefechtes
Zu spotten seiner Heimat und den Ahnen.

SICKINGEN: So folge deinem Stern, allein ich künde,
Du wirst den Hof verlassen bald in Ketten,
Ich lasse größres Erb und reichre Pfründe.
Ach wenn wir uns doch nie getroffen hätten!
(Beide ab.)

Vers 70081 bis 70128:

Dritter Aufzug, Sechste Szene

Vorhang zur Kanzlei wieder auf.

Olearius, Adelheid.

OLEARIUS: Ich freue mich, was hast du zu berichten?

ADELHEID: Der Götz in Haft, der Sickingen ist flüchtig.

OLEARIUS: Das Loch im Deckel gilt es abzudichten,
Ich seh, dein neuer Lover macht sich tüchtig.

ADELHEID: Für erste ja, doch es bleibt abzuwarten,
Ob seine Bahn bleibt dauerhaft stabile,
Er träumt die meiste Zeit in meinem Garten…

OLEARIUS: Und zeigt sich lebhaft nur beim Liebesspiele.

ADELHEID: Sie sollten Ihre Zunge besser hüten.

OLEARIUS: Wir duzen uns doch lange, Adelheide?

ADELHEID: Als Sie sich noch ein wenig mehr bemühten,
Erschien es mir, als mochten wir uns beide.
Das Du erleichtert allzuoft das Grobe,
Ich finde übergriffig Ihr Gebaren,
Weshalb ich mir die Distanzierung lobe
Und auch erwäg, nach Bremen abzufahren.

OLEARIUS: Verzeihen Sie mein despektierlich Reden,
Daß Frauen kämpfen mit dem ganzen Leibe,
Mag Ursach sein für ganzer Völker Fehden,
Doch glaub ich nicht, daß Sie die Laune treibe.
Was uns zusammentut, ist nichts Geringes,
Sie kamen in das Land der ganz Verstockten,
Weil Sie kein Freund des ungewagten Dinges
Und nicht so gern am Aktenschreibtisch hockten.

ADELHEID: Sei beigelegt die Rempelei, beträchtlich
Ist unser Arbeitspensum diesen Winter,
Landauf, landab macht man den Staat verächtlich,
Und wer das anheizt, kommen wir dahinter.
Nun hoffe ich, der Richter läßt nicht laufen
Den Götzen, weil er reinfällt auf den Mimen,
Wir werden uns den andern auch noch kaufen,
Es sei, er risse sich fortan am Riemen.

OLEARIUS: Wir könn’ nicht alle einsperren, die quaken,
Doch die Verwarnung nutzt in jedem Falle,
Wer weiß, wieviele Arme hat der Kraken,
Der meckert nur zuhause noch im Stalle.

ADELHEID: Die Pandemie schafft neue Horizonte
Der Disziplin für alle Untertanen,
Und daß man durchsetzt, was man sonst nicht konnte,
Dafür reicht neuerdings auch ein Ermahnen.

OLEARIUS: Sie scheint mir unverzichtbar für den Wandel,
Sie übt, was not im Hunger und im Kriege,
Daß die Regierung hier entschlossen handel,
Führt sie und eine neue Welt zum Siege.
Die Digitalisierung wird erlauben
Daß sich des Menschen Grundsubstanz erneuer,
Den Göttern die Unsterblichkeit zu rauben,
So wie Prometheus einst entwand das Feuer.

Vers 70129 bis 70180:

Vierter Aufzug, Erste Szene

Der Bauernhof wie im zweiten Aufzug.


Maria.

MARIA: Der Frühling kommt, doch ohne meinen Bruder.
Schon mancher Baum ist grün, die andern sprießen
Schon bald, auch wenn der Pollen fällt wie Puder,
Die Ilm wird ungerührt zur Saale fließen.
Es geht ja, wie es geht, so ging es immer,
Und was sich tut im Erdreich, bleibt verborgen.
Ich habe wie die Ziege keinen Schimmer,
Was uns noch wird, was vorgesehn für morgen.
Erst war ich voller Zorn, mit schwachen Nerven
Schien jeder Ton ein Schritt von seinem Fuße,
Jetzt spür ich, wie die Sinne sich entschärfen,
Als täte ich mit Einvernehmen Buße.
Ich bin sehr still geworden und erwarte
Kein Glück mehr, das da schneit herein wie Flieder,
Ich weiß nicht mehr, ob dieses Los das harte,
Doch manchmal werd ich jung und weine wieder.
Der Weißlingen – sein Fortgehn und Verschwinden,
Ob was zu tun hab mit dem Schreckentage?
Ich kann den roten Faden da nicht finden,
Weshalb ich nichts zu dieser Sache sage.
Der Sickingen hat Götzen sehr verändert,
Ob er ihn Unbedachtes ließ versuchen?
Ich glaub nicht, daß er froh durchs Leben schlendert,
Und mag auch diese Seele nicht verfluchen.
Wen aber dann? Wer nahm mir fort den einen,
Der immer zu mir hielt, in jeder Stunde?
Solch Rätsel sei zu lösen, möcht man meinen,
Doch niemand kann mir geben eine Kunde.
Ich fragte in der Kirche den Pastoren,
Der mir versprach, zu forschen und zu fragen,
Er hat mir alle Hilfe zugeschworen,
Jedoch am Ende konnte er nur klagen.
Es kamen dreißig Männer, dutzend Wägen,
Hubschrauber kreisten über Polizisten,
Sie stöberten im Haus in allen Schrägen
Und öffneten schon lang vergeßne Kisten.
Sie stocherten im Heu, das liegt im Schober,
Was sie entwandten, maß gewiß ein Fuder,
Bevor sie rings vollbrachten den Zinnober,
Davongetragen ward mein lieber Bruder.
Seither ists still, als wär er nie geboren,
Kein Wort von Polizeidienst, vom Gerichte,
Bekannte diskutierten in den Foren,
Doch niemand fand den Reim in der Geschichte.
Der Pastor sprach mit manchem Offiziellen,
Dem Staatsanwalt, sogar mit einem Richter,
Sie könnten das Verborgne nicht erhellen
Und zeigten nur betretene Gesichter.
Die Sache mit dem Bruder ist geheimer
Als noch das Tun der Zwerge tief im Glimmer,
Und wär ich auch der Rabensprache Reimer,
Ich blieb allein im Garten und im Zimmer. (Ab.)

Vers 70181 bis 70248:

Vierter Aufzug, Zweite Szene

Eine Pause, dann Maria, später Götz.

MARIA: Nun ist Johannis, doch es gibt kein Feuer,
Derlei Gebräuche schaffen Erderhitzung,
Im Dorf Gemunkel von erhöhter Steuer,
Tumult sprengt im Gemeinderat die Sitzung.
Und nirgendwo gibts Nachricht vom Verschollnen,
Mir scheints, als wollt ihn keiner mehr erwähnen,
Jüngst räumt ich den Pullover auf, den wollnen,
Den er gern trug. bis kamen die Hyänen.

GÖTZ (tritt auf):
Maria, es erstand der Totgeglaubte!

MARIA: Du bist es wirklich. Komm und laß dich herzen,
Der mir den Schlaf in allen Nächten raubte.
Was ist geschehn? Was läßt das Schicksal scherzen?

GÖTZ: Ich weiß es selber nicht. Gib mir zu trinken!
Ein Bier! Ich frage nicht mehr, welcher Marke.
Doch sollten dir verschiedne Flaschen winken,
So bringe dunkles Festbier, ja das starke.

MARIA (bringt das Bier, dann lebhaft):
Ja, du bist heil und kräftig, ganz der alte,
Du bist mir wieder da, ich mags kaum glauben,
Derweil ich zwischen Tod und Leben walte,
Unfähig, mir den Rotz herauszuschnauben.

GOTZ: Ach, Schwesterchen, die bist so hold zu schauen,
Auch wenn du klagst, so seh ich nicht den Schnupfen,
Sie werden unsre Bande nicht zerhauen,
Auch wenn sie selber sich die Federn rupfen.

MARIA: Von was für Leuten sprichst du, die zu trennen
Geschwister scheinen teuflisch wild entschlossen?

GÖTZ: Unmöglich alle Namen dir zu nennen,
Der Hölle mangelts niemals an Genossen.

MARIA: Du spaßest. Sag nur ehrlich dein Befinden!
Hast du dem Herrn gedankt, der dich befreite?

GÖTZ: Ja, du hast recht. Er kann allein entwinden
Dem Teufel, und er bleib an meiner Seite.
Ich preise den, der Tod und Nacht verwunden,
Der aus dem Grab kam uns am Osterfeste,
Der alles heilt, was in der Welt zerschunden,
Der in uns weckt die ausgebleichten Reste.
Was mir geschah? Mir wurden vorgehalten
All die Klischees, die sich im Fernsehn tummeln,
Auch traf ich im Verhörraum auf Gestalten,
Die sonst in der Gespensterbahn auf Rummeln.
Was mich befreite, weiß ich nicht zu sagen.
Ob Sickingen mir ward der Freiheitsbote?
Ein Häftling steckte mir vor ein paar Tagen,
Daß Terror den Regierungsrat bedrohte.
Ich fand um mich herum nur Rätselraten,
Und bin es müde, etwas zu gewichten,
Den Jäger ließ, Erbeutetes zu braten,
Die Lust, und er entschloß sich zu verzichten.

MARIA: Du treibst schon wieder mit Entsetzen Scherze,
Merkwürdig freilich bleibts, das keines Richters
Verurteilung dir, eine Nebelkerze
Der andern folgt zur Tarnung des Vernichters.

GÖTZ: Im höchsten Maße dem Gesetz zuwider
Ist Haft, die ohne Klag und Urteil dauert,
Doch heißt seit Jahrn der Grundbaß meiner Lieder,
In Deutschland ward die Freiheit eingemauert.
Drum will ich von Verfassung gar nichts hören,
Von Strafprozeß und andern Litaneien,
Im deutschen Lande läßt sich keiner stören,
Wenn tausende in den Verliesen schreien.
Erst wenn der Hunger umgeht, und im Winter
Die Heizung hat nicht Öl, noch Gas, noch Kohle,
Vermutet Michel den Betrug dahinter,
Und auf die Straße treibt ihn seine Sohle.
Wahrscheinlicher ist solch Szenarium heute,
Als all die vielen Jahre, die wir leben.
Immer perfider quälen sie die Leute
Bis sich die trägsten unter uns erheben.
(Beide ab.)

Vers 70249 bis 70304:

Vierter Aufzug, Dritte Szene

Götz, Maria, später Sickingen.

GÖTZ: Ich bin erst ein paar Wochen aus dem Knaste
Und tu, als sei das alles nichts gewesen,
Doch wenn ich auf dem Felde mittags raste,
Ficht es mich an, so könnt ich nicht genesen.
Zwar bin ich auf dem Hofe sehr beschäftigt,
Von Langerweil ist hier kein Gran zu spüren,
Es fehlt der Sinn, der meine Seele kräftigt,
Es fehlt an Zielen, die mich weiter führen.

MARIA: Du sagtest selbst, für Widerstand die Stunde
Sei noch nicht da, erst müßt sich Hunger breiten,
Wir sorgen vor und dies aus gutem Grunde –
Ist dies denn nicht die rechte Art zu streiten?

GÖTZ: So ist es, doch in meinem Herzen pochen
Behaupter, daß ich meinen Strauß versäume.
Wärs möglich, daß wir selbst uns unterjochen?
Daß ich verhinder, was ich nächtens träume?

SICKINGEN (tritt auf):
Hallo ihr beiden, ich bin noch zu haben
Für ein paar Stunden, darum Gott zum Lobe!
Ich fürchte nicht die Wölfe und die Raben,
Doch flieh ich weiter vor der Richterrobe.

GÖTZ: Den Richter hätt ich gern gesehn, gefangen
Hielt man mich ohne Urteil, ohne Klage,
So viele Monde hatte ich zu bangen,
Ich blieb mein Leben lang in dieser Lage.

SICKINGEN: Der Auftritt eines Richters hätt geholfen
Dir wenig, wie es Brauch bei Schauprozessen
Ein Freund von mir, der angeklagt in Wolfen,
Ein anderer, der verurteilt ward in Essen,
Ein dritter gar, verknackt in Kaiserslautern,
Sie wissen alle, daß selbst Staatsanwälte
Und Leute, die ministerial klabautern,
Verblassen vor der Richter Eiseskälte.
Wer aufmuckt, kriegts mit einer Eisenhantel
Aus Sportlers Studio zünftig auf die Rübe,
Das Recht ist allenfalls ein eitler Mantel,
Verhüllend, wer das Armengrab dir grübe.

MARIA: Die Hantel hin, du hast gewiß doch Hunger?

SICKINGEN: Der Magen kann es keineswegs bestreiten.

MARIA: Eh ich hier zwecklos bei den Männern lunger,
Will ich geschwind ein Abendbrot bereiten. (Ab.)

SICKINGEN (nachdem Maria fortging):
Mein Glückwunsch zur geschwisterlichen Liebe,
Ich hatte wenig Glück mit den Verwandten,
Der Vater starb mir nach dem Schicksalshiebe,
Daß sie ihm glatt sein Lebenswerk verbrannten.
Die Mutter stellt sich fern von meinem Wagen
Und lang sich an für eine Phizerspritze,
Die Schwester treibt es dauernd an, zu sagen
Wir stürben alle an der Klimahitze.
Ich geb nichts auf, verlier ich deutschen Boden,
Ich werd in Rathsam diese Nacht verbringen,
Das liegt im Egerland, nach Episoden
Werd ich in Ungarn eine Heimat dingen.
Ich seh, es dauert etwas mit der Speise,
Drum Götz, ich hoff, du hältst dich weiter wacker.
Grüß die Maria, ich hab lange Reise
Und mach mich unverzüglich jetzt vom Acker.
(Götz protestiert wortlos, dann winkt er Sickingen zu und geht selbst ab.)

Vers 70305 bis 70336:

Vierter Aufzug, Vierte Szene

Götz.

GÖTZ: Nun reißt der Herbst die güldnen Ahornblätter,
Die grad er noch gefärbt, von allen Zweigen,
Der Tag wird kurz, und rauer wird das Wetter,
Wo Vögel sangen, wachsen Grau und Schweigen.
Der Hungerwinter wird wohl noch nicht dieser,
Jedoch die Angst jagt weiter durch die Städte,
Die meisten sind geimpft, und nur noch mieser
Die Aussicht ward, daß sie ein Doktor rette.
Nun heißt es schon, es sei der Stich erneuert,
Zwei Male sein nicht dauerhafte Stütze,
Da fragt man sich, wer ist denn so bescheuert,
Nicht zu erkennen, wem die Schmiere nütze.
Krank werden die Geimpften aller Alter,
Corona- oder herzkrank, Krebsgeschwüre,
Begierig wie aufs Kerzenlicht der Falter,
Tut jeder, daß er rasch zur Hölle führe.
Man zuckt die Achseln, Impfung jede Woche,
Wenns die Regierung meint, dann ists wohl richtig,
Sie sind wohl noch nicht tief genug im Loche,
Denn das Gewohnte hält sich hochgewichtig.
Es wurde neu gewählt. Die auszukratzen
Entschlossen sind dem Land Vernunft und Leben,
Giftgrüne Hetzer unter Höllenfratzen
Den Deutschen nun am Leichentuche weben.
Ihr Auftrag ists, die Reste abzuwickeln,
Die Propaganda treibt es immer schlimmer.
Sie kriegen Silber nicht dafür, mit Nickeln
Speist man sie ab, doch Dumme gibt es immer.
Die Ärzte taten ab den Hippokrates,
Der Stich macht reich, und Krankenhäuser morden
Gar um die Wette für das Geld des Staates,
Die Presse jubelt – und kriegt einen Orden.

Vers 70337 bis 70392:

Vierter Aufzug, Fünfte Szene

Götz, Metzler.

METZLER: Ich bin kein Arzt, auch keiner von der Presse,
So wähn ich mich in diesem Haus willkommen!

GÖTZ: Ich rede laut, wenn ich mich mal vergesse,
Und fürcht, Sie haben was davon vernommen.

METZLER: War unvermeidlich, aber keine Sorge,
Der Freund bekräftigt, was da ausgesprochen,
Ich hoff, wenn ich den letzten Reim mir borge,
Urheberrecht wird nicht von mir gebrochen.

GÖTZ: O nein, es ist Gemeingut, was ich sage,
Die Wahrheit sei dem Volk zum Nulltarife,
Verwertung allen Sinns ist eine Plage,
Und überhaupt solch Weltbild ist das schiefe.
Was führt Sie her? Was schafft mir diese Ehre?
Ich wüßte nicht, was dieser Hof Ihn’ böte.

METZLER: Ich wanderte durch Buchfahrt und am Wehre
Fand ich die Anschrift im Gedichtband Goethe.
Das schien mir wie ein Wink, dem Weimaraner
Mal nachgesprochen, der am Ilmenufer
Gefährte mir. Ich bin ein schlechter Planer
Und überseh am Wege manchen Rufer.

GÖTZ: Wann hab ich die Adresse aufgeschrieben?

METZLER: Es ist ein Jahr schon her und war in Halle.

GÖTZ: Vom Bunde damals ist nicht viel geblieben.
Wie optimistisch warn wir damals alle!

METZLER: Trump war noch Präsident, wir fabulierten,
Dem Deutschen Reiche würde endlich Frieden,
Der Zug, den schwarz-weiß-rote Fahnen zierten,
War nicht bereit, der Freiheit Schwert zu schmieden.
Er zeigte sich als Luft, Salon-Geplänkel,
Er mochte nur an Oberflächen kratzen,
Daß dieser Krug von Ton und ohne Henkel,
Es pfiffen von den Dächern bald die Spatzen.

GÖTZ: Ein Leitstern hinterm Teich, hier aber keiner!
Der Deutsche braucht den Herzog aus der Krise.

METZLER: Ich sehe nicht ein Fünkchen von dem Einer.
Dies wag, wer mag, den Klugen ist Devise.

GÖTZ: Wir haben wirklich viele kluge Leute,
Doch fehlts an Mut, am Mutigen wie Luther,
Der sagt: Ich stehe vor verhetzter Meute
Und jedem, der mir sonstwas unterbutter.

METZLER: Ich will die Klugheit aber nicht verpönen,
Sie macht uns heiter und damit auch mutig,
Grad Goethe ist nicht nur ein Freund des Schönen,
So mancher Vers beißt mir die Lippe blutig.
Verniedlicht hat man ihn im Schulbetriebe,
Jedoch in Frankreich ward der „Faust“ verboten,
Er schreibt nicht nur von Liebelei und Liebe,
Er zeigt das Zeug, den bösen Geist zu schroten.
Wer konstruiert den Gegensatz zu Schiller,
Will beide nur als Egomane zähmen,
Und wird das deutsche Lied im Lande stiller,
So sollten sich zuerst die Fälscher schämen,
Die, selber egoman, nur Eitles finden,
Wenn sie in Versen großer Dichter stöbern,
Deutschlehrer muß man züchtigen und binden
Mit feinen Stricken nicht, sondern mit gröbern.

Vers 70393 bis 70549:

Vierter Aufzug, Sechste Szene

Die vorigen. Maria tritt auf.

MARIA: Du hast Besuch von einem Wandersmanne?

GÖTZ: Er wandert an der Ilm auf Goethes Spuren.

METZLER: Ich nächtige gewöhnlich tief im Tanne,
Gern auch im Heu, hier sind ja manche Fuhren.

GÖTZ: Wir kennen uns von Halle an der Saale,
Dort sprach er allem Volk von der Tribüne.
Sonst weiß ich, daß er zeichnete und male,
Er liebt dabei das unbestechlich Kühne.
Den „Tell“ erweckte er mit Stift und Tusche
Das will heut keiner anschaun oder lesen,
Er bleibt uns im Schlaraffenland der Lusche
Ein Artefakt von ausgestorbnen Wesen.

METZLER: Solch Preislied in der Gegenwart der Dame!
Ich werde rot, und deutlich zeigts die Sonne.

MARIA: Üblicher als die Profession ein Name,
Ich nenn mich auch nicht Ziegenmagd und Nonne.

METZLER: Ich bin der Georg Metzler, und ich wohnte
Im Odenwald, ich bin ein Gundelsheimer.

MARIA: Ich hoffe doch, daß sich die Reise lohnte,
Nun findest du den Mimen noch zum Reimer.

METZLER: Die schönste Blume aller deutschen Gaue
Kommt noch hinzu.

MARIA: Genug der Freundlichkeiten,
Es reicht, daß ich neuen Gast vertraue,
Dem Ruh und Stärkung helfe fortzuschreiten.
Er kamen auch schon ungebetne Gäste,
Die möchte ich hier nicht noch einmal dulden,
Für Vieh und Acker leisten wir das beste,
Und beim Finanzamt gibt es keine Schulden.

GÖTZ: Suchst, Georg, du Mäzene, Galaristen?

METZLER: Die Goethe-Wallfahrt ist die Trauerfeier
Für Deutschland, denn ich werd woanders nisten,
Fernab von Müller, Schulze oder Meier.

GÖTZ: Der Sickinger in Ungarn wollte bleiben,
Bei Orban scheints ihm wohler als bei Scholzen.

METZLER: Ich will Gefahren zwar nicht übertreiben,
Doch manches Truggewächs gilts abzuholzen.
Ich kenne Leut, die sich nach Ungarn wandten
Und kehrten und zwar hinter Schloß und Schlüssel.
Wer Ungarns Volkstum schützt, mag Exilanten
Nicht unbedingt, die provozieren Brüssel.
Nur Stillehaltern rat ich dieses Pflaster,
Ich aber will Gerechtigkeit für alle,
In der EU regiert nun mal der Zaster,
Und darum ist sie eine Mausefalle.
Ich will mich selber an der Front beweisen,
Vielleicht gelingen später mir Ikonen,
Und schlägt mir durch das Herz des Feindes Eisen,
Soll dieses Wort in euren Herzen wohnen.

GÖTZ: Du willst zur Front, wo ist denn heut zu streiten?
Seit Jahren ist im Kosovo selbst Ruhe.

METZLER: Unwissenheit schafft meine Einsamkeiten,
Bei manchen ziehts mir Strümpfe aus und Schuhe.
Seit sieben Jahren wird nun scharf geschossen
Im Donbas – doch wer weiß von dem Gemetzel?
Da sitz ich an der Linde bei Genossen,
Und füg ein Bild, wo allweil Zeitungsschnetzel.
Auf dem Maidan besorgt die Soros-Truppe
Daß Ordnungshüter mit Benzin verbrannten,
Scharfschützen schossen in die Hütergruppe
Und abwechselnd auch auf die Demonstranten.
Und während draußen die Gewalt sich steigert,
Der Präsident von Westlern aufgehalten,
Was mäßigt, wird zerredet und verweigert,
Bis rohe Kräfte ungehindert walten.
Der Präsident muß fliehn und seine Treuen,
Bis Russophobe nur im Parlamente,
Amerika-Lakaien sich nicht scheuen,
Zu leugnen, was von Swoboda sie trennte.
Regierung, Richter, Militär und Presse,
Vereint im großen Haß auf Moskowiter,
Die Wissenschaft im Reinigungsprozesse
Sagt nun, ukrainisch waren schon die Ritter.
Bandera kriegt sein Denkmal, Puschkins Dramen
Verbannt vom Lesebuch und vom Theater,
Was russisch ist, das hat nun keinen Namen,
Wo Rußland stand, klafft nun ein Höllenkrater.
Im Osten traf sich bald zum Widerstande
Wems arg, daß russisch reden sei verboten,
Die Krim entfloh dem unheilsschwangren Lande,
Im Donbas gab es bald die ersten Toten.
Und in Odessa „Freiheit“ ward gerufen,
Bis Schläger kamen und am Ende Brenner,
Man fand Verkohlte auf den Treppenstufen
Gewerkschaftshauses, Frauen so wie Männer.
Seither im Westen keiner wagt zu mucken,
Vor Donezk doch der Feldzug kam zum Stehen,
In dieser Weltengegend gibts kein Ducken,
Weil auch Soldaten sich als Russen sehen.
Die Volksmiliz konnt manche Freiheit schaffen,
Lugansk und Donezk, sie geriet ins Stocken.
Zu Minsk schrieb man den Stillestand der Waffen,
Der ward gebrochen, eh die Tinte trocken.

MARIA: Wem soll der Widersinn Gesetzes frommen,
Verboten sei die Muttersprache aller?

METZLER: Sie provozieren, daß die Russen kommen,
Der Einmarsch wär ein Propaganda-Knaller.
Und überdies, wenn Rußland sich am Rande
Verstrickt in Bürgerkrieg und Tod-Schwadronen,
Wärs nicht allein geächtet und in Schande,
In jeder Stadt würd nun der Terror wohnen.
Was man kaukasisch wollte mit Tschetschenen,
Afghanistan mit Truppenuntergängen,
Soll sich von Lemberg bis nach Charkow dehnen
Und Rußland von der Weltenbühne drängen.

MARIA: Woher nur der Totalvernichtungswille?
Warum darf dieses Land nicht sein wie viele?

METZLER: Betrachtet man das Land mit Wallstreet-Brille,
So ists zu groß, daß man gesittet spiele,
Und überdies zu reich, am Gold der Zaren
Hat Rom und später London sehr gelitten.
Dann kam noch Öl, und Eisenbahnen fahren
Nach Indien ohne Suez und die Briten.
So hetzte man die Deutschen in den Osten
Und Chaos, daß sich Staatlichkeit entblöße.
Zwar ganz Europa sank bei diesen Kosten,
Doch Stalin hob das Reich zu neuer Größe.
Als unter Jelzin dann das Land verarmte,
Wars doch nicht tot, als er sich totgesoffen,
Und weil der Herr des Himmels sich erbarmte,
Gesundets Putin, und wir dürfen hoffen.

GÖTZ: Ausführlich hast erzählt du die Geschichte
Und mich erinnert, daß ich weiß das meiste.

METZLER: Nicht mehr so theoretisch ich gewichte
Die Dinge, seit ich in die Frontstadt reiste.

GÖTZ: Wir sind dir beide wirklich sehr verbunden,
Daß du so plastisch sprichst von der Ukraine,
Das arme Volk, geprügelt und geschunden,
Uns bricht man andrer Weise Mut und Beine.
Doch sag, wenn Putin Widerpart des Westens,
Was lobt er Impfung, Maske, Wegkontrolle?
Und überdies, er findet es doch bestens,
Zu unterzeichnen Klima-Protokolle?

METZLER: Aus Elend Volk und Wirtschaft zu befreien,
Geschieht nicht über Nacht und diplomatisch
Muß er zum Schein sich der Agenda weihen,
Die Kohlensäure schade so klimatisch.
Was hülfe es, auf Wissenschaft zu pochen?
Er nutzt wie China alle Aufschubmittel.
Das Gültige vermacht den Welt-Epochen,
Wer undurchschaubar bleibt im ersten Drittel.
Als Pandemie in China ward chaotisch,
Schloß Putin unverzüglich seine Grenzen,
Derweil schrien unsre Medien bloß narkotisch
Einander widersprechende Sentenzen.
In Bergamo die Russen warn so rasche,
Nicht nur, um Italienern beizustehen,
Sie hofften auch dem Geist, der aus der Flasche,
Beim Wüten und beim Wandeln zuzusehen.
Sie prüften, was wir mittlerweile wissen,
Und setzten auch den Lockdown nur sporadisch.
Sie wußten, daß im Inland auch beflissen
Regierungsgegner machen alles madig.
Sie hielten still, bis sich die Stimmung wandle,
Der eigne Impfstoff brachte nicht Infarkte.
Im Schein, daß Putin selber westlich handle,
Vermied er, daß der Westen dies beharkte.

Vers 70550 bis 70602:

Fünfter Aufzug, Erste Szene

Vor dem Vorhang.

Elisabeth, Weißlingen.

ELISABETH: Was treibt dich ins Theater noch, ich hörte,
Viel besser sei dein neuer Arbeitgeber?

WEISSLINGEN: Die Zeit ist mir dahin, die mich empörte,
Denn nicht mehr lange macht es meine Leber.
Drum kommen wir zur Sache. Götz zu suchen
Hab ich nicht mehr Gelegenheit und Muße,
Ich bitt dich, bitt ihn, nicht auf mich zu fluchen,
Ich bin gerichtet und bereit zur Buße.

ELISABETH: Was ficht dich an?

WEISSLINGEN: Ich ward geboostert heute.

ELISABETH: Gesünder wird da keiner, aber tödlich
Ist übertrieben. Sterben rings die Leute?
Doch dein Gesicht scheint ungesund mir rötlich.

WEISSLINGEN: Ich weiß bescheid, es gibt verschiedne Chargen,
Von harmlos über mittel bis verheerend,
Ich weiß, man gab mir heute von dem Argen
Die Dosis, die für jeden Henker ehrend.
Kaum spürte ich im Arm das heiße Brennen,
Erfuhr ich, daß die Huld, die mir gewogen,
Als würde sie den Toren gar nicht kennen,
Ohn Abschied ist nach Bremen fortgezogen.
Wenn man für jede Revision die Akte
So jäh verschließt, beseitigt man die Zeugen,
Mir bleibt nur das Entsetzen, nur das nackte,
Doch muß ich mich dem Urteil völlig beugen.
Das Gift wirkt weiter, ich muß langsam sprechen,
Kein Doktor kann es aus den Adern pumpen,
Ich werde bald vor dir zusammenbrechen,
Das Blut verdickt allmählich sich zum Klumpen.

ELISABETH: Du phantasierst. Beruhige das Bangen!

WEISSLINGEN: Ich bitte nur, dem Götzen es vertraue.

ELISABETH: Ich sah ihn nicht im ganzen Jahr, im langen,
Doch werd ich sagen, wenn ich ihn mal schaue.

WEISSLINGEN: Das ist so wenig. Du mußt gleich ihn suchen,
Daß er erfahr, daß ich so tief bereue,
Was ich ihm tat. Er soll mich nicht verfluchen,
Vergebung zu erbitten, ich mich scheue.
Ich sterbe, und mein Testamentsvollstrecker
Bist du, bedenk, auch du wirst einmal sterben,
Bald fällt der Schnee auf Straßen und auf Äcker,
Die Welt, die wir gewohnt sind, fällt in Scherben.
(Er stürzt durch den Vorhang ins Dunkle.)

ELISABETH: Zu Hilfe! Helft, ein Mann stürzt in die Tiefe!
Ja, ist denn keiner da? Sind wir verlassen?
(Sie tritt an den Bühnenrand, zum Publikum):
Der Text des Stücks verschwindet im Archive,
Sein Sie getrost, was abgrundtief zu hassen,
Kann Zwirn und Abendkleid nicht unterhalten,
Drum ist Zensur die Mildheit unsrer Tage,
Man sagt, das Stück kann die Gesellschaft spalten
Und stellt am Ende gar den Staat infrage.
Doch weil wir wissen, unsrer ist der beste
Der jemals hat geherrscht auf deutschem Boden,
Gibt es auf unserm besten Bühnenfeste
Nur Merkel-Hymnen oder Ampel-Oden. (Ab.)

Vers 70603 bis 70646:

Fünfter Aufzug, Zweite Szene

Wieder vor dem Vorhang.

Olearius, Elisabeth.

OLEARIUS: Ein Jahr hat Sie gekümmert der Kollege
Den Dreck, nun wolln Sie unverzüglich sprechen,
Wenn Sie nicht besser einteiln Ihre Wege,
Sie werden sich den Hals am Ende brechen.

ELISABETH: Sie sind der Anwalt aller Bühnenspieler
Und auch nach oben haben Sie Kontakte,
Ich hab für meine Ansicht Zeugnis vieler,
Sie führen jeden Auftritt in der Akte.
Sie wissen, was dem Weißlingen geschehen,
Wieviele Tote braucht der Rudolstädter,
Eh Dinge ohne Haßtiraden gehen
Und Sie auch den Besorgten etwas netter?

OLEARIUS: Sie wissen, es ist Krieg, und Ihre Flausen,
Sind deplaziert, wenn einer dient dem Staate.
Die Frauen suchen Männer, und zum Grausen
Schreit hier die Lisbeth, dorten die Beate.
Dann kommen Petra, Adelheid und Suse,
Und alle haben eins nur in der Birne,
Ich seh ja ein, der Mime braucht die Muse,
Doch bin ich nicht der Deuter der Gestirne.

ELISABETH: Die Namen sagen nichts, die Adelheide
Nehm ich da aus und hätt es gern genauer,
Sie war ein großes Tier auf Ihrer Weide –
Wer war auf ihrem Schachbrett nicht ein Bauer!
Wo ist sie hin, die Weißlingen gefoltert
Zu Tode und die andern ausgehungert,
Denn wenn es im Theater wieder poltert,
Dann wüßt ich gern, ob sie im Dachstuhl lungert.

OLEARIUS: Ich rate Vorsicht. Eine rote Linie
Gebietet mir, die Frau nicht anzutasten.
Und mancher hing sich auf an einer Pinie,
Als er gewagt, noch ärger auszurasten.
Ich wiederhole, Krieg ist jetzt ganz offen,
Sie haben das noch immer nicht verstanden,
Sie dürfen länger nicht auf Milde hoffen,
Kam Ihnen Sinn für Staatsraison abhanden.

ELISABETH: Sie drohen mir! Was reden Sie vom Kriege?
Der ist entfernt zweitausend Kilometer.
Doch fürcht ich, mit dabei von Ihrer Riege
Ist nicht nur der berühmte Schwarze Peter.

OLEARIUS: Sie reden sich gerad um Kopf und Kragen
Ich nehms als Weibsgewäsch, um Sie zu schützen,
Egal, was Sie noch weiter drohn und wagen,
Ich kann Ihn’ in der Sache gar nichts nützen.

Vers 70647 bis 70687:

Fünfter Aufzug, Dritte Szene

Vorhang auf. Haftanstalt, Verhörraum.

Elsässer, Götz wird hereingebracht.

ELSÄSSER: Sie wurden schon belehrt, auf Rechtsbeistände
Verzichten Sie. – Ist dies so sachlich richtig?
(Götz nickt.)
Sie müssen sprechen, ja, nicht etwa Bände,
Das Tonband kann nicht schaun und ist doch wichtig.

GÖTZ: Ich bin belehrt und brauche nicht Berater,
Denn der Tragödie bin ich Meisterschüler.

ELSÄSSER: In Vainikkala gibt es kein Theater,
Zur Russengrenze streckten Sie die Fühler.
Wir wissen auch, daß von Karelien südlich
Sie weiterwollten in die Ost-Ukraine.
Ich sag es klar, ich kann auch ungemütlich,
Ich laß Sie ganz gewiß nicht von der Leine.

GÖTZ: Nach Lappeenranta wollt als Ski-Urlauber
Ich reisen, weil so schneearm deutscher Winter,
Harmloser Dinge rings Zusammen-Klauber
Vermuten ein Verschwörungsding dahinter.

ELSÄSSER: Sie hatten keine Schier dabei.

GÖTZ: Zu kaufen
Das Sportgerät am Urlaubsort ist besser
Als Fracht und Müh. Sie haben sich verlaufen
Im bösen Argwohn aller Russenfresser.

ELSÄSSER: Das letzte Wort belastet Sie zum weitern.
Doch kommen wir zu Ihrem Urlaubstage.
Was taten Sie im letzten Jahr? Nur scheitern!
Solch teures Urlaubsziel in Ihrer Lage?
Reichsbürgerhof, dann Psychiatrie, entlassen
Mit Meldepflicht, der nie Sie nachgekommen –
Wie soll das zu dem Ski-Urlauber passen?
Von welcher Arbeit Urlaub ward genommen?

GÖTZ: Ich habe eine Straftat nicht begangen,
Mit Unrecht Sie die Freiheit mir verwehren,
Ihr Stochern nach Belastung wird nicht langen,
Sie sollten endlich zu den Fakten kehren.

ELSÄSSER: Ich danke für den Tip! Das fröhlich freche,
So große Maul, wir werdens Ihnen stopfen.
Haft angeordnet, Fluchtgefahr! Ich breche
Die Sitzung ab. Ihn’ fehlts an Malz und Hopfen.
Wir werden weitre Zeugen jetzt vernehmen,
Mal sehn, wie Sie sich zum Ergebnis stellen.
Ich fürchte, daß sich bald ein weißer Schemen
Bedankt, daß sein Gedächtnis wir erhellen. (Vorhang.)

Vers 70688 bis 70731:

Fünfter Aufzug, Vierte Szene

Vor dem Vorhang.

Elisabeth, Maria.

ELISABETH: Glücklicher Tag, daß ich Maria finde!
Ich wußte nichts von der getreuen Schwester.

MARIA: Das Leid der Welt, als ob es stärker binde!
Uns ward der Bund nur immer, immer fester.

ELISABETH: Mein Bote sprach allein von meiner Rolle
Im letzten Stück und von gespielten Schmerzen,
Doch hör die letzte Wahrheit, wer es wolle,
Der Götz liegt mir wie niemand sonst am Herzen.

MARIA: Die große Liebe reichlich spät gestanden.
Er ist in Haft, die Anklag Kriegsverbrechen.
Für lange Zeit kommt er der Welt abhanden,
Verzeihen Sie, ich kann nicht weitersprechen.
(schluchzt.)

ELISABETH: O weine nicht, er ist ein heitrer Ritter!
Er wird uns Nacht und Dunkelheit vertreiben.
Zwar ist die Stunde für die Frauen bitter,
Doch groß wird die Geschichte von ihm schreiben.
Was wir erahnen dumpf, ihm ward es helle,
Er schaut den Höhlenausgang, den bei Plato,
Und hinterm Wellenkamm schaut er die Welle
Und weiß, die Rettung ist der Tod der Nato.
Der Krieg, der grad im Osten wird gefochten,
Hat mit der Pandemie und Klimaschwindel
Gemein, daß wir das alles zwar nicht mochten,
Doch schrein wir wie der Säugling in der Windel.
Der Westen wird sein Monopol verlieren,
Und Christus ist in Neu-Byzanz erstanden,
Auch unsre Heimat wird die Freiheit zieren,
Stolz sagen wir, daß wir am Anfang standen.

MARIA: Genug der Prophetie! Was soll ich sagen
Von seiner Freundin und des Herrn Erbarmen?
Man sagte mir, ich dürft in ein paar Tagen
Ihn sehn und sprechen und vielleicht umarmen.

ELISABETH: Eins unbedingt vor allem andern stehe.
Weißlingen kam zu mir, um bald zu sterben.
Wie seltsam, daß ich ihn gebrochen sehe!
Nun sollte ich für Götz die Botschaft erben.
Er hat bereut, und ehrlich war sein Bitten,
Daß Götz ihm üble Redsamkeit vergebe.
Ich sah ihm an, er hat genug gelitten,
Daß man ihn aus dem Höllenpfuhle hebe.
Ich füg hinzu, Götz möge wie Elise,
Gestrauchelten in die Gebete schließen,
Zwar Adams Welt ist keine Blumenwiese,
Doch solln wir Wasser und kein Blut vergießen.
(Beide ab.)

Vers 70732 bis 70811:

Fünfter Aufzug, Fünfte Szene

Verhörraum.

Götz, dann Olearius.

GÖTZ: Verhör, Verhör! Was wollen die Gestalten?
Am Bahnhof, wo ich laufe umzusteigen,
Werd ich von Polizisten aufgehalten,
Zuerst von Finnen, die beharrlich schweigen.
Doch bald hör ich den ersten Deutschen sabbern,
Man könne dies vor Ort viel leichter richten.
Würd ich nicht stets nur Ungereimtes plappern,
Wärs möglich, auf Verhaftung zu verzichten.
Wenn ich gestände, wessen ich bezichtigt,
So ließe man den armen Sünder laufen.
Solch Wort sagt mir, wenn logisch es berichtigt,
Man will mich wieder mal für dumm verkaufen.
Was wird der Herr vom Elsaß heute wollen?
Er droht mit Zeugen, die Maria aber,
Wird ungläubig mit ihren Augen rollen
Und sagen, dies sei alles nur Gelaber.
Wer sonst? Die Nachbarn oder die Kollegen?
Zwei Freunde sind im Ausland nicht zu fassen.
Auf diese Weise wird sich nichts bewegen,
Am Ende hat der Staatsanwalt zu passen.

OLEARIUS (tritt auf):
Ach Götz, was machst du bloß für krumme Dinger?
Ich kenne dich nun schon ein dutzend Jahre
Und warnte oft, von dem und dem die Finger
Laß bloß, sonst krieg ich lauter graue Haare.

GÖTZ: Ich hab Sie nicht bestellt und hab zu fragen,
Wenn wer Sie rief, von wem die Ladung stammte.

OLEARIUS: Recht eigne Art, willkommen mir zu sagen,
Ich bin bestellt als Pflichtanwalt von Amte.
Man sagte mir, Sie hielten Haft und Klage
Für Irrtum, doch ich möchte Ihn’ versichern,
Beneidenswert ist gar nicht Ihre Lage,
Der Vorwurf bieten keinen Raum zu kichern.
Wie S’ wissen, hat der Putin die Ukraine,
Den friedensfrohen Nachbarn überfallen,
Greift sich das Große so brutal das Kleine,
Dann wird beschmutzt die Freiheit von uns allen.
Dann kommt als nächstes Litaun oder Polen,
Auch Deutschland hat er ins Visier genommen,
Er droht selbst nuklear ganz unverhohlen,
Wenn wirs nicht tapfer wehren, wird er kommen.
Schon großes Zett verharmlost oder billigt,
Sie bleiben nicht beim Zeigen oder Sprechen,
Sie haben in ein Mittun eingewilligt
Und vorbereitet eigne Kriegsverbrechen.
Nun glauben Sie, das keiner könnt beweisen?
Ein Telephongespräch ward mitgeschnitten.
Der Name Metzler ist ein dickes Eisen –
Sie haben sich da mächtig reingeritten.

GÖTZ: ’s ist illegal, Gespräche abzuhören,
Drum taugt solch Machwerk nirgend zum Beweise.
Ich laß mich von so krausem Zeug nicht stören,
Ich machte einzig eine Urlaubsreise.

OLEARIUS: Gewißlich ist das Band so nicht zu brauchen,
Doch wenn wer grad daneben, als Sie schwatzten?
Was Ihnen präsentiert wird? Ob Sie fauchen,
Sie selber sinds, die Sie Ihr Ding verpatzten.
Es ist doch Fakt, Sie stehen auf der Seite
Des Feinds, auch wenn Beweise nicht normale.
Sie können nur verlieren in dem Streite,
Und im Verhör knackt jeder Nuß die Schale.
Das kann bei solch Verstockten etwas dauern,
Dann geht auch das Geständnis leicht und flüssig,
Denn eingepfercht in diesen kalten Mauern,
Wird man des Lebens sehr rasch überdrüssig.
Ich als Ihr Anwalt rate Ihn’, nun endlich
Kooperierend unserm Staat zu dienen,
Und machen Sie den Seitenwechsel kenntlich,
Dann hilft das keinem anderen als Ihnen.

GÖTZ: Gesetzt, Sie träfen mit der Diagnose
Ins Schwarz, die Therapie wär die verfehlte.
Wer tut, was unterstellt, der scheißt die Hose
Nicht voll, wenn man ihm solches Zeug erzählte.
Mein guter Anwalt und was sonst Sie treiben,
Sie fischen wieder hoffnungslos im Trüben,
Bevor Sie weiter die Berichte schreiben,
Empfehl ich dringend, sollten Sie noch üben.
Ob ich erst rauskomm, wenn Sie endlich drinnen,
Weiß Gott allein, doch daß Sie teuflisch locken,
Darüber sichres Urteil zu gewinnen
Reicht von dem ganzen Kerl der kleinste Brocken.

Vers 70812 bis 70839:

Fünfter Aufzug, Sechste Szene

Vor dem Vorhang.

Elisabeth, Maria.

ELISABETH: O sag, hast du den Götzen nun gesprochen?

MARIA: Besuchstermin verschoben, weil Probleme.
Doch ganz umsonst bin ich nicht aufgebrochen,
Man lobte mich, daß ich da Anteil nehme,
Der Staatsanwalt und der Verteidger quatschten
Gemeinsam auf mich ein, mit wurde schwindlig,
Was da für Regentropfen auf mich klatschten,
Verwirrte mich, obgleich ich nicht empfindlich.

ELISABETH: Sie wollen, daß er tut nach ihrem Muster,
Erst redet und dann mitmacht bei dem Treiben,
Er hülf bei Propaganda, bei bewußter,
Und billige, wie sie Geschichte schreiben.

MARIA: Ich weiß, allein, solange sie erhoffen,
Ich hülfe Ihnen, meinen Götz zu brechen,
Bleibt mit das Tor zu der Begegnung offen,
Drum muß ich heucheln die gemeinsten Schwächen.

ELISABETH: Ja, das ist wahr, doch hüte deine Zunge!
Rasch ist ein Wort gesagt, das rührt an eine Wunde,
Und wenn er blutet, dann verliert der Junge
Beherrschung und was sonst noch das Gesunde.

MARIA: Es wird Tortur, vor allem, weil die Herren,
So trockenkratzend, bitterer als Quitten,
Dabeisind und uns jeden Ausweg sperren,
Den Herrn in unsre Zweiheit herzubitten.
Im Geist begleit mich, Teilerin des Leides,
Denn was ich trage, wird mir unerträglich,
Ein böses Wort, nun gottseidank ich meid es,
Doch jetzt will es heraus, dies beinah täglich.
(Beide ab.)

Vers 70840 bis 70960:

Fünfter Aufzug, Siebente Szene

Verhörraum.

Götz, Elsässer, Olearius, Maria.

ELSÄSSER: Wir haben deine Schwester eingeladen,
Daß unser guter Wille sei bekräftigt,
Auch wahrt dein Anwalt dich vor jedem Schaden
Und niemand sonst soll hörn, was dich beschäftigt.
Wir haben auch das Tonband abgeschalten,
Sieh an, der Stecker lümmelt vor der Dose,
Vergeßt mich nun, ich schweige ganz verhalten,
Daß ihr die Eintracht spürt als makellose.

MARIA: Herr Jesus komm in diese Kerkerzelle,
Du sagst, bei zweien seiest du der dritte,
Die Finsternis mit deinem Licht erhelle,
Wir preisen dich, daß du in unsrer Mitte.

GÖTZ: Es ist zu spät, sie haben mich geschlagen,
Ich bin nur noch ein Schatten, schwach zu künden
Von großen Träumen und vergangnen Tagen,
Die nun in dich, mein Herr und Heiland, münden.
(macht eine Geste, daß Maria ihn nicht unterbreche)
Ich muß dir beichten, daß ich hab gelogen,
Nicht ins Gefängnis fuhr die Fahndungsfalle
Den Götzen, nein, er ward begrabscht, gewogen,
Der Zahn befühlt, dann Leber, Herz und Galle.
Ich fiel unter die Ärzte, erst nach Tagen
Begriff ich, daß ich nun im Irrenhause,
Da gab es gar nichts Richtiges zu sagen,
Im besten Fall nach einer Spritze Pause.
Was seither alles tobt in meinen Adern,
Ich habs verdrängt und darum auch verschwiegen,
Daß nicht der fehlnden Anklag galt mein Hadern,
Ich lernte, daß ich rundum kleinzukriegen.

MARIA: Vergebung will ich auch von dir erbitten
Für Weißlingen, der sprach in dunkler Stunde
Zu deinem Leid, als läs er dir Leviten,
Doch es geschah Behörden nach dem Munde.
Er starb und hat gebeichtet und es reute
Ihn ehrlich, nun sei du um Christi Willen
Ihm nicht mehr gram, daß er sich da nicht scheute,
Zu frommen einer Hexe bösen Grillen.

GÖTZ: Hat er zu dir, Maria, dies gesprochen?
Warum ist er, der fröhliche, gestorben?

MARIA: Er kam mit allerletzter Kraft gekrochen,
Elisabeth hat für dein Herz geworben.

GÖTZ: Elisabeth – wie kennst du diesen Namen?
Wie geht es ihr, hat sie mich nicht vergessen?

MARIA: Es ist nicht lang, daß wir zusammenkamen,
Und ihre Liebe kannst du nicht ermessen.

GÖTZ: Das ist sehr schön, und es versöhnt mich gründlich,
Sie ist mein Schatz, ich sollte sie verwöhnen.
Sie ist ein Lied in meinem Ohr, allstündlich
Mit Streichern und mit hartem Paukendröhnen.
Was Weißlingen betrifft, ich hab vergeben
Ihm alles, auch Juristen, Ärzten, Wärtern
Vergeb ich, was sie taten Glück und Leben,
Denn meine Sünden seh ich als die härtern.
Wenn man sich wiederfindet an der Schwelle
Zu Dunkel, zu Gericht und feinem Wägen,
Da fällt vom Licht mit einem Mal das helle,
Auf eignen Fehltritt und auf eigne Schrägen.

MARIA: Was sagt dir Bruder, daß du nah dem Tode?
Ists seelisch oder schmerzts in den Organen?

GÖTZ: Im Blute hab ich Tod, sagt der Rhapsode,
Ich spür ihn sich den Weg zum Herzen bahnen.
Das ist nicht nur der Dichter Bildgefasel,
Die Impfung heute bringt zum Überlaufen
Das Faß. Erinnerst du das Lied vom Hasel,
Wir sangen es im Heu, im großen Haufen.

OLEARIUS: Was sagt er unsern Ärzten nach, der Hetzer?

ELSÄSSER: Nicht unterbrechen, mählich wird er klarer.

GÖTZ: Ich war ja schon als kleines Kind ein Ketzer,
Was einmal wahr ist, das wird immer wahrer.
Der Elsässer hat prophezeit, gestehen
Würd ich die Tat, er taugt wohl zum Propheten.
Als Nachweis werdet ihr jetzt hörn und sehen,
Daß ich gestehe völlig ungebeten.
Denn eh ich vor den Herrn und Heiland trete,
Will ich der Welt kein Rätsel hinterlassen,
Weitschweifigkeit ist abhold dem Gebete,
Drum such ich die Erzählung kurz zu fassen.
Ich hätte gern der Kunst gedient, der reinen,
Was klassisch war, das war für mich das Schöne,
Jedoch die Tage, die uns hier vereinen,
Sie lehrten mich die unerhörten Töne.
Der Teufel wird geleugnet heute gerne,
Wir sahn ihn leibhaft in den letzten Jahren,
Wer dies verleugnet, auch nur ganz von ferne,
Der wird, so fürcht ich, bald zur Hölle fahren.
Doch wer die Schrecken nennt und dabei mutig
Ist dadurch leider längst noch nicht im Heile,
Zu sehn, die Welt ist schrecklich oder blutig
Ist der Erkenntnis leichtester der Teile.
Zu sehn, wo Hoffnung wächst am Horizonte,
Ist schwerer, denn Legion sind die Betrüger.
Ja, welche Macht dem Übel wehren konnte,
Und welche Macht der frohen Aussaat Pflüger.
Die Frage nach dem Katechon, der letztes
Uns aufhält, ist mir spät erst klargeworden
Es auszusprechen, eine Marke setzt es,
Ins allgemeine Blenden und ins Morden.
Ich sags, ich sing es, Rußland ist die Hürde,
Dran sich der Satan stumpfkratzt seine Krallen,
Nicht jeder trägt der Wahrheit harte Bürde,
Doch niemals wird das Heldenvolk uns fallen.
Solange Putin wagt als Rußlands Diener
Solange sind geheiligt seine Schritte,
Daß er vertilgt die westlichen Schlawiner,
Zeigt ihn für unsre Zeit als große Mitte.
Nicht rechts und links sind heute echte Gegner,
Wie Spalter schrein, doch ich von fern erahne
Der Völker Heiler und der Völker Segner,
Am Brandenburger Tor die rote Fahne.

OLEARIUS: Wir sollten diese Peinlichkeit beenden,
Das Deklamieren überreizt die Nerven.
Soll er noch länger unsre Ohren schänden?
Das Strafmaß wäre nicht mehr zu verschärfen.

ELSÄSSER: Götz, Schlußwort!

GÖTZ: Freier Grund dem freiem Volke!
So will ich es zum Augenblicke sagen,
Der Geist naht nicht wie eine Nebelwolke,
Er nutzt die Glut, die wir im Herzen tragen.
Die höchste ist die Liebe, darum meiner,
Elisabeth, der holdesten der Frauen,
Gelt letzter Gruß, und also sag mir keiner,
Ich würde mir schönsten Schluß nicht trauen.
(Er bricht zusammen.)

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