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Idæisches Licht

Uwe Lammla, Poet und Krieger
Bronzebüste von Serge Mangin, 2001

Idæisches Licht

Uwe Lammla ist Poet und Krieger zugleich, ganz in der Tradition von Archilochos und Ernst Jünger. Seine Kraft sowie seine Sünde sind, was er selber den »göttlichen Leichtsinn« nennt. Beim Lesen seiner Gedichte sowie bei unseren Gesprächen ist es mir aufgefallen, daß er sich mit dem Ich – das Arthur Rimbaud schon einen »anderen« nannte – fast nie ausdrückt: Es kommt daher, daß die Poesie, welche von dem Dichter kommt, ihm nicht gehört, so wie die Luft, die wir atmen, und das Feuer, das uns erwärmt, uns nicht gehören. Insofern stellen wir ohne überraschung fest, daß die Schlüsselworte seines Œuvres rein oberirdisch sind: Luft, Himmel, Blau, Feuer, Schmieden, Licht, Glanz, Mut, Jugend, Götter und Blüte. Sogar der wohltuende minoische Frieden bleibt unter seiner Feder nicht verschont und steht nicht im Zeichen der Weiblichkeit und des Wassers, wie man es üblicherweise glaubt, sondern in dem des Stieres (das »Tier des Windes« wie Henri Bosco ihn nennt), der Helden, des Widders und der Streitäxte. Wenn er einmal an das Wasser appelliert, in »Aquarellkunst«, handelt es sich um ein reines, aktives und strenges Wasser:
       »Im Reich der verfließenden Wasser,
       Marderhaar, das seine Kräfte aufs äußerste zähmt.«
Wahrscheinlich auf Grund des Gesetzes der Gegensätze fühlt sich der Bildhauer der feuchten Erde in mir von dieser nietzscheartig fröhlichen, luftigen Kraft angezogen. Aber diese Kraft ist nicht nur tätig, sie will auch Philosophie sein und sucht, wie unsere Mutter, die Antike, das Goldene Mittel: Wie Archilochos lehnt Lammla das Selbstmitleid wie die zügellose Euphorie ab, er will die Zyklen des Kosmos und den Rhythmus des menschlichen Daseins verstehen.
All dies erinnert mich an die Betrachtung meines Lehrmeisters Gaston Bachelard: »Der Pessimismus von Schopenhauer hat in der Werkstatt des Handwerkers nichts zu suchen.«
Aber wie hoch sollte man dann die Bereicherung, welche diese Poesie mit sich bringt, schätzen, wenn es nun nicht mehr um die Inspiration eines Bildhauers geht, sondern darum, ein Leuchtturm in der jetzigen Nacht, die Europa aufgezwungen wird, zu bleiben?
Uwe Lammla hat mich auch zur Poesie meiner Jugend zurückgeführt, meiner Pariser Bohême, welche ich verlassen habe, um wie er nach Licht zwischen den Säulen des Atlas zu suchen. Um ihm meine Dankbarkeit auszudrücken, aber auch nach seinem Wunsch, habe ich versucht, durch meine Aquarellkunst zu diesem männlichen Mut etwas Milde zu legen, aber auch Honig auf die Wunden desjenigen, der leidet und der es nur einmal zugibt:
       »Der Dichter ist allein dem Gott zu Willen,
       Der mit dem Schmerz den Traum verflicht zu Welt,
       Er kann das Blut der Schöpfungswunde stillen,
       Wenn er die eigne Wunde offen hält.«

Serge Mangin  


Interview mit einem Journalisten,
der ungenannt bleiben möchte und das Interview am Ende doch nicht veröffentlicht hat

Journalist: Sie stellen sich auf Ihrer Netzpräsenz als "Poet und Krieger" vor. Glauben Sie, daß Sie mit solchen Selbststilisierungen ernst genommen werden?

UL: Die Formel "Poet und Krieger" stammt nicht von mir, sondern von dem Bildhauer Serge Mangin, der vor allem durch sein Porträt Ernst Jüngers bekannt geworden ist. Ich finde die Formel treffend und zitiere sie gern, weil der Kampf für mich nicht nur eine Metapher ist. Ich meine das, was ich sage ernst und bin auch bereit, für die Folgen einzustehn. Meine Gedichte sind eine Kampfansage an die moderne Dekadenz, die unseren Glauben, unsere Heimat und unser Vaterland ruiniert.

Journalist: Ein zentrales Motiv in Ihren Gedichten ist das Reich. Was genau muß man sich darunter vorstellen?

UL: Als die Rheinbund-Staaten unter dem Druck Napoleons den Lehnseid kündigten, legte Franz II. die deutsche Kaiserkrone nieder. In den Wirren der Ereignisse hat dies kaum jemand besonders wichtig genommen, aber im Volk wuchs ein unterschwelliges Bewußtsein, daß etwas höchst Bedeutsames und Wertvolles verloren gegangen ist. Die zeigt sich in der sehr populären Kyffhäusersage, nach der der Staufer einst wiederkommen und das Reich in seiner Herrlichkeit aufrichten wird. Wie jeder Mythos ist auch der Mythos vom Reich ein Widerspruch in sich: zum einen ist es deutsch, zum anderen ist es universal. Man kann diesen Widerspruch teilweise auflösen, wenn man deutsch nicht rein ethnisch, sondern als Ethos und Weltanschauung auffaßt. In der Mitte Europas treffen sich die geistigen Strömungen und die klimabedingten Mentalitäten. Als die Franken die Saale überschritten und das von Sorben besiedelte Gebiet kolonisierten, haben dies die meisten Sorben als Chance begriffen und sind zum Deutschtum übergetreten. Andere Völker, wie die Tschechen, Ungarn und Italiener behielten ihre Eigenart im Reich. Das Reich ist der Raum zwischen Rußland und Frankreich und zugleich die Vormacht der Christenheit. Der christliche Glaube stellt den fundamentalen Unterschied zur kapitalistischen EG dar.

Journalist: Dies klingt nach einem gewaltiges Kreuzzug. Wie soll der im Zeitalter der Atombombe aussehen?

UL: Die EG ist ja auch ohne Gewaltanwendung entstanden, und dies zeigt, daß Staaten durchaus zu Souveränitätsverzichten bereit sind, wenn sie sich dadurch eine Verbesserung der allgemeinen Lage versprechen. Die derzeitige, von Amerika verordnete, Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zwingt die besten Kräfte des deutschen Volkes zu Brache und Unfruchtbarkeit. Wird dies einmal geändert, wird sich ein so gewaltiger Erfolg einstellen, daß auch die deutschkritischsten Völker Europas ihre Vorbehalte aufgeben werden.

Journalist: Ihre Vision erinnert mich etwas an die Maxime des Neuen Testaments, der Glaube könne Berge versetzen. Politische Romantik hat sich jedoch in der Geschichte als höchst untauglich erwiesen, oft gemahnten die Akteure an Don Quijote. Wie wollen Sie den Widerspruch von mythischer Mission und der Banalität des Alltags auflösen?

UL: Im römischen Kaiserreich, als das Christentum noch illegal war, haben sich gelegentlich übereifrige bei den Behörden angezeigt, sie würden den Kaiser nicht als göttlich verehren, und damit den Märtyrertod erzwungen. Die Bischöfe haben solches Verhalten zurecht verurteilt. Gott hat dem Menschen Verstand gegeben, daß dieser ihn nutze. Jedes Kind kann erkennen, daß das kapitalistische System widervernünftig ist. Man muß bescheiden sein in seinen Nahzielen, aber man darf die Jahrhunderte nicht aus den Augen verlieren.

Um auf Ihre Frage zurückzukommen: unser Dasein bewegt sich zwischen den Polen Logos und Mythos, Vernunft und Blut. Im Gedicht versuche ich die Waage zu halten, dies zeigt sich schon in der Form. Das Reich gründet sich auf Tatkraft, in der Tat kommen die beiden Pole zusammen. Mut ist vonöten, die Möglichkeiten von Gemeischaft und Ordnung innerhalb einer Welt von Defätismus und Nihilismus denken zu können. Aber eine Alternative besteht nicht.

Journalist: In ihren Anworten und auch in Ihren Gedichten greifen Sie die BRD fortwährend an uns lassen kein gutes Haar an ihr. Könnte dies damit zusammenhängen, daß Sie als Ossi in einer ganz anderen Welt aufgewachsen sind und im Grunde niemals im Westen ankamen?

UL: Ossi ist für mich ein Ehrentitel, weil mein Vater aus Beuthen in Schlesien stammt und ich viel Grund habe, auf Schlesien stolz zu sein. Was das Herkommen deutscher Dichter angeht, so stellt Schlesien nach Schwaben den Platz 2, kein Rheinländer kann da mitreden. Die BRD ist eine amerikanische Kolonie. Es wird Adenauers Ausspruch überliefert, er habe lieber das halbe Deutschland ganz als das ganze halb. Richtiger wäre festzustellen, daß er nur ein Drittel wollte. Als Erzfeind Preußens traf er sich mit den Kriegsgegnern. Im Nachkrieg war die SPD die nationalste unter den legalen Parteien, selbst die Kommunisten veranstalteten 1946 einen "Reichsparteitag". Daß der Heilige Stuhl vorbehaltlos die CDU unterstützte, steht in der Tradition vatikanischer Deutschfeindschaft. Die CDU hat es mit mancherlei Operette verstanden, die Vertriebenen bei Laune zu halten, und erst in jüngster Zeit die Maske fallen lassen. In den fünfziger Jahren hätte sie sich niemals zu dem Dogma verstiegen, der deutsche Staat gründe sich auf Auschwitz. Wenn sich ein science-fiction-Autor ein Verlogenheitsszenarium einfallen ließe, wie wir es mit der CDU und der BRD erleben dürfen, würde man ihn pathologisieren.

Journalist: Der Untergang Preußens wird in Deutschland kaum noch bedauert. Preußen steht für Eigenschaften, die im Ausland zu einer Karrikatur des Deutschen geführt haben. Selbst Friedrich der Große hat unter dem Militärstaat gelitten und viele Intelektuelle nach ihm. Goethe hat den preußischen Patriotismus sogar in den Befreiungskriegen abgelehnt. Da Sie, gerade in Ihrem Thüringen-Buch, der Partikularität das Wort führen, muß Ihnen doch Preußen als Monster in Deutschland erscheinen. Wie erklären Sie sich diese Widersprüche?

UL: Preußen ist der Triumph des Geistes über die Stammeswelt, ein Land ohne ethnische Basis. Ein Staat, der sich auf Vernunft, nicht auf das Blut stützt. Wenn man es großartig findet, daß solches möglich war, heißt dies nicht, daß man den Bayern ihre Eigenart nicht gönnt. Ich bemerkte schon einmal, daß wir uns zwischen diesen Polen bewegen. Als bekennender Lutheraner möchte ich auch den Katholizimus keineswegs verdrängen, ich halte es für menschengemäß, daß über bestimmte theologische Fragen keine Einigkeit besteht. Es ist eine große Freiheit, wenn der einzelne in diesen Fragen wählen kann.

Journalist: Ebenso wie Preußen romantisieren Sie den Protestantismus. In der deutschen Geschichte war er das Flaggschiff des Bürgertums und hat geradenwegs in die Moderne geführt. Wie können Sie die mittelalterliche Ökumene preisen und gleichzeitig der Reformation anhängen?

UL: Wir haben uns daran gewöhnt, die Reformation als bürgerlich aufzufassen. Das geht sogar so weit, daß im DDR-Geschichtsbuch der Bauerkrieg als "frühbürgerliche Revolution" tituliert wurde. Dies ist grober Unsinn, denn den Bauern ging es nicht um Freihandel und Zunftfesseln, sondern um die Wiederherstellung des germanischen Rechts. Die Beliebtheit der DDR-Geschichtsbücher im Westen der siebziger Jahre zeigt nur, daß diese Vorstellungen dem modernen Bewußtsein allgemein nicht fremd sind. Sie sind dadurch entstanden, daß in den fünfhundert Jahren seit der Reformation das Bürgertum das Rennen gemacht hat, erst durch die Holländer, dann durch die Engländer, schließlich durch Amerika. Dies ist jedoch nicht der Geist des Luthertums, sondern des Calvinismus, Luthers Revolte zielt in eine ganz andere Richtung. Romantik ist eine spezifisch deutsche Erscheinung. In ihr sind beide Refomationen auf eine eigenartige, oft komische Weise verquickt. Der Aufstieg Preußens, der Geist der Befreiungskriege und das Bismarckreich sind romantische Kunstwerke, ich sage das nicht nur bewundernd, sondern auch kritisch. Denn Romantik ist Halbheit und auf Dauer dem Feind unterlegen, der keine Halbheit kennt. Deshalb muß man Nietzsche als Reformator verstehen, der Luthers Halbheit zu Ende bringt. Leider ist seine Botschaft bis heute nicht bei den Deutschen angekommen. Nietzsches Radikalkritik des paulinischen Christentums muß man als Radikalkur zu seiner Gesundung verstehen. Und natürlich sind deutsch und christlich zwei Worte, die sehr eng zusammengehören.

Journalist: Ihr Traum vom Reich erscheint mir als Restauration des Mittelalters. Meinen Sie wirklich, wir werden in hundert Jahren wieder in Klöstern und auf Ritterburgen leben, und die Dichter ziehen klampfend durch die Lande und preisen Ihre Dulcinea?

UL: Fakt ist, daß die moderne Lebensweise mit ihrer beispiellosen Verschwendung natürlicher und menschlicher Werte auf eine Katastrophe zusteuert. Die Kultur, und ich sage das gerade mit Blick auf die deutsche Kultur, denn eine Kultur wird sich auch nach Katastrophen immer wieder herstellen, hat nur eine Chance zu überdauern, wenn ein neues Gleichgewicht gefunden wird. Das Mittelalter kann uns hierzu drei Dinge lehren. Zum ersten ist die moderne Gewaltenteilung eine reine Formalität, die kaschieren soll, daß nur eine Gewalt herrscht: das Geld. Im Mittelalter waren Ritterstand, Geistlichkeit und Bürgertum reale Mächte. Oft wird unterschlagen, daß die Geistlichkeit, insbesondere in den Klöstern, nicht nur die weltanschauliche und künstlerische, sondern auch die naturwissenschaftliche und technische Elite vereinte. Das Bürgertum hat das Volk dazu benutzt, die anderen Stände auszuschalten und totalitär zu herrschen. Die zweite Tugend des Mittelalters ist die Eigengesetzlichkeit der Landschaften im Reich. Es ist Schwachsinn, in einer Massen-Show darüber abzustimmen, wer der nächste Bundeskanzler wird. Der Mensch muß Rechte und Verantwortung in seiner erfahrbaren Umgebung wahrnehmen können, in dem Bereich, den man zu Fuß am Tag durchwandern kann. Germanisches Recht verwirklicht sich von Angesicht zu Angesicht, hier kann es keine beschränkte Haftung geben. Zum dritten ist der mittelalterliche Mensch tief gläubig und voller Ehrfurcht vor der Schöpfung. Seine Ordnung und sein Wohlfahrsdenken bezieht die Toten und die Ungeborenen mit ein. Eine Egomanie, die auf Kosten künftiger Generationen lebt, ist ihm fremd. Auch werden die Toten in Ehre gehalten, was zutiefst menschlich ist. Der christliche Geist gibt allem Einheit und Bestand. Ohne diesen Geist herrschen kriminelle Banden und man muß seine ePost-Adresse geheimhalten, um nicht im Spam zu ertrinken. Ich glaube durchaus, daß es auch in hundert Jahren elektronische Rechner gibt. Aber keine Spielhöllen, Börsenspekulaten, Privat-Fernsehsender, 29-Euro-Flüge etc. etc.

Journalist: In Ihren Versen ist ein starker pädagogischer Impulse spürbar. Was möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

UL: Vor allem, daß es sich lohnt, mit den Surrogaten der Moderne zu brechen, und es ist möglich. Erstens: Werfen Sie Ihren Fernsehapparat weg. Das Ding ist so unmoralisch, daß man es nicht verkaufen oder verschenken darf. Benutzen Sie das Internet nicht als Glotze. Lesen Sie dort keine Nachrichten oder Skandalberichte. Nutzen Sie es auch nicht als Schwatzbunde. Bezähmen Sie sich beim Mailen und verzichten Sie aufs Chatten ganz. Lesen Sie keine Tageszeitung, eine Wochenzeitschrift ist völlig ausreichend. Drängen Sie alles Kurzatmige von Ihnen weg, beschäftigen Sie sich wieder mit Dingen von Dauer. Bei Büchern keine Reißer, sondern die Dinge, die man in einem guten Antiquariat findet. Schützen Sie sich vor den Bildern. Zweitens: Werfen Sie das Handy weg und nutzen Sie das Telefon nur noch für Organisatorisches. Schreiben Sie Briefe. Seien sie dabei sorgfältig mit unser Sprache. Sie ist göttlich und der Genius der Nation. Drittens: Nutzen Sie das Auto nur noch zum Transport großer Gewichte, keinesfalls für einen Ausflug. Begreifen Sie es als Glück, daß Sie gesund sind und zu Fuß gehen können. Benutzen Sie die Bahn nur, wenn es unerläßlich ist, das Flugzeug niemals. Bleiben Sie in Deutschland und geben Sie Ihr Geld nicht im Ausland aus. Viertens: Lösen Sie sich vom Schwachsinn des Darwinismus. Daß der Stärkere sich durchsetzt, ist eine Tautologie. Die Erkenntnis von Stärke ist eine Gnade und ohne Glauben nicht möglich. Fünftens: Wehren Sie sich gegen die Dekadenz in der Kirche und im Öffentlichen. Bennennen Sie die moderne Architektur als teuflisch und fürchten Sie nicht, der Lächerlichkeit preisgegeben zu sein. Vergessen Sie nie, eine wirkliche Besserung kann es vielleicht für unsere Urenkel geben, aber dazu sind wir gefordert. Glauben Sie an die Vernunft, die Welt wird im letzten nicht durch Gewalt, Betrug und Bestechung bestimmt.