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  Uwe Lammla
MUSIK UND REVOLUTION

Der Kommunismus trat mit dem Anspruch an, einen neuen Menschen zu schaffen, einen, für den Freiheit Einsicht in die Notwendigkeit ist. Mit einem Rousseauschen Menschenbild meinte die Partei, daß Menschen, die durch sozialistischen Kindergarten, die Schule und den volkseigenen Betrieb gegangen sind, staatstragende Denkmuster ausbilden müßten. Diese Rechnung ging nicht auf. Der Mensch veränderte sich zwar, aber nicht in die gewünschte Richtung. Die Bereitschaft zu verantwortlichem Handeln nahm nicht etwa zu, sondern ab, allenthalben setzte sich ein Anspruchsdenken durch, und die Befriedigung von Bedürfnissen ließ allein dieselben ins Unermeßliche wachsen. Der Anteil des feindlichen Westens an dieser Entwicklung soll nicht geleugnet werden. Gleichwohl entstand in den 80er Jahren eine Protestkultur, die als heimisches Gewächs und nicht als Importartikel einzustufen ist. Diese wurde von einer Generation getragen, die nach dem Bau der Mauer geboren und von Kindesbeinen an der Propagandamaschinerie ausgesetzt war.
In dieser Protestkultur vermischten sich höchste verschiedene Elemente. Sie konnten es ohne daß die Widersprüche offensichtlich wurden, weil durch die Mythisierung der Herrschaftsverhältnisse das politische Denken weiträumig verkümmert war. Zum politischen Denken gehört die Kenntnis von Alternativen, ein Freund-Feind-Bewußtsein im Schmittschen Sinne. Die Opposition in der DDR hatte weder Freunde noch Feinde in diesem Sinne. Ihr Verhältnis zur DDR war ambivalent, ebenso zum Westen. Und jede Möglichkeit eines Dritten wurde in der Mitte zwischen Ost und West verortet.
Mit dem Beitritt der mitteldeutschen Länder zum Geltungsbereich des Grundgesetzes zerfiel diese heimelige Welt in Lager. Dabei muß festgestellt werden, daß jene, die sich weiterhin oppositionell verstanden, Dinge aufs Korn nahmen, die in den beiden verfeindeten Staaten gemeinsam waren und vorher in einer Feuer-Wasser-Sicht auf die Gesellschaftssysteme gar nicht als übereinstimmend wahrgenommen werden konnten. Dies gilt für »Linke« und »Rechte« in gleicher Weise. Wenn im folgenden Hintergründe einer Fundamentalopposition vornehmlich »rechts« erklärt werden, so mag sich gleichwohl mancher hier finden, der sein Weltbild als Traum von einer gerechteren Gesellschaftsordnung versteht.
Armin Mohler hat in seiner Dissertation 1949 das Wort Hugo von Hofmannsthals von der »konservativen Revolution« zum politischen Kampfbegriff geformt. In der Zusammenfassung verschiedener antidemokratischer Bewegungen und Denker der Weimarer Zeit kämpft dieses Buch gegen die Vorstellung, Antidemokratie und Nationalsozialismus seien identisch. In Anlehnung an die Auseinandersetzungen der zwanziger Jahre wird das Wort auch heute für eine Opposition bemüht, die in einer zerstörten Welt aufgewachsen ist und keine bessere Welt von früher kennt, die »konterrevolutionär« wieder eingeklagt wird. Allerdings betont Hans-Dietrich Sander in seinem Interviewband zurecht, daß es sich um eine verfehlte Begriffskonstruktion handelt. Wer sie im Munde führt, zeigt, daß er den Konservativismus nicht verstanden hat. Mohler hätte die von ihm ausgewertete Literatur besser als »Reichsliteratur« bezeichnet. Das »Reich« war der NS-Ideologie eigentlich viel zu wenig volkhaft, und wenn dieses Wort in jenen Jahren dauernd im Munde geführt wurde, so war dies allein der Popularität des Begriffs geschuldet. Mohler hätte sich theoretisch mit diesem Begriff sorgfältig abgegrenzt, praktisch freilich schwer in einer Zeit, in der das »Reich« von allen Seiten verteufelt wurde.
In der Sehnsucht nach dem Reich kommt eine Befindlichkeit zum Ausdruck, die das Heil nicht in der Gesellschaft erfährt, sondern in Träumen, Mythen und in der Natur, die sich erfolgreich der Zähmung und Kategorisierung widersetzt. Durch ihre außergeschichtlichen Quellen ist dieses Sehnsucht gefeit für die vielen Niederlagen von 1918, 1945, 1968 und leider auch 1990. Sie sind ihr nicht Entmutigung, sondern ein Purgatorium. Gleichzeitig ist die Realgeschichte des Reichs eine Geschichte der Reichsfeinde. Deshalb knüft die Sehnsucht nach dem Reich nicht 1945 oder 1806 an, sondern an die Wurzeln, genauer, an den frühen Höhepunkt im staufischen Universalismus. Diese geschichtliche Ferne gilt auch für die Zukunft. Das »letzte Gefecht« ist eine jakobinische und also eine apokalyptische Metapher. Die Revolution dieser Sehnsucht ist ein Werk vieler Generationen. Dieses Wissen mischt sich aber mit der Hoffnung, die sich aus dem Tempo des Wandels ergibt, dem in besonderer Weise die Hervorbringungen des Wandels unterliegen und dies rascher, als diese jede Art von Widerstand es könnte. Dies meint Evola, wenn er sagt, man müsse »den Tiger reiten«. Wer den Tiger reitet, versucht ihn nicht aufzuhalten. Er versucht zu überleben, bis der Tiger erschöpft ist. Der Tiger ist die Moderne. Was berechtigt mich zu der Annahme, dieselbe müsse sich erschöpfen?
Die Moderne ist ein Vorgang, dessen Eigenart es ist, sich fortwährend zu beschleunigen. Nicht umsonst stimmen die Ökonomen alle darin überein, daß fortwährendes Wachstum schon die Voraussetzung sei, daß die Dinge sich nicht drastisch verschlechterten. Es kann aber nur etwas wachsen, wenn etwas anderes dafür schrumpft. Alles Leben auf der Erde besteht auf der Grundlage der Energie, welche die Sonne dauernd abstrahlt, bis sie irgenwann verlöschen wird. Die Größe der Sonne macht es jedoch wahrscheinlich, daß eher das Leben auf der Erde oder der ganze Planet überhaupt verschwinden, als irgendwann unter der Abkühlung der Sonne zu leiden.
Die Zivilisation der Moderne verbraucht jedoch ein Zigtausendfaches der gleichzeitig einstrahlenden Energie. Sie verbraucht aber nicht nur im physikalischen Sinne. Ihr Wesen ist es, Dinge, die vorher einfach nur da waren, zu Gütern und Nutzensträgern zu machen. Das sind nicht nur Mineralien, Pflanzen und Tiere, sondern auch alle kulturellen und seelischen Dinge. Sie durchwühlt die Erde nach Scherben verloschner Kulturen, aber sie durchwühlt auch unsere Träume und Sehnsüchte. Und wenn die Leute meinen, ihr Selbst zu verwirklichen, so tun sie damit nichts anderes, als ihr Geheimnis auf dem Altare der Warenwirtschaft zu opfern.
Der alte Spruch, daß Gott den Menschen nach seinem Bilde geschaffen habe, bedeutet aber, daß in unserer Seele etwas Außerzeitliches wirkt, das sich jeder Vermarktung durch die Zeit widersetzt. Hinter den Ideologemen und Surrogaten schimmern Urbilder, welche die Moderne nur negativ als Restrisiko, archaische Relikte und animalische Instinkte fürchten kann. Sie verleugnet diese Dinge nicht, aber sie besetzt sie im Bewußtsein mit dem Unheil, Verbrechen und Gewalt. Nietzsche sagt dazu, daß die »Guten und Gerechten« den Verbrecher fürchteten, den Brecher ihrer Gebotstafeln. Zweifellos richtig hat er erkannt, daß die Wende im rundum Tabuisierten ihren Ausgang nimmt. Eine besondere Raffinesse der Moderne besteht nun darin, daß sie auch das Tabu als Material ihrer Vernutzungsbestrebungen erkannt hat. Aber auch hier geht sie am Kern vorbei. Abgesehen davon, daß jeder Tabubruch neue Tabus schafft, ist es dem luziferischen Wesen prinzipiell unmöglich, auf das Innenbild unserer Gottähnlichkeit zuzugreifen.
Der Widerspruch zwischen unverlierbarem Innenbild und realem Leben stärkt die Sehnsucht nach dem Reich, und da dieser Widerspruch notwendig krasser wird, erhöht sich die Strahlkraft der Wahrheit. Die Bosheit des Teufels ist zwar unendlich, aber seine Trickkiste nicht. Ein schönes Bild ist es, daß es einem wie Schuppen von Augen fällt. Die Revolution ist also weniger eine gewaltige Eruption als eine unmerkliche Veränderung im Schauen. Machtfragen sind Glaubensfragen. Und vor diesem Hintergrund sind bisherige Revolten dran gescheitert, daß sie nicht tief genug vom Blendwerk sich lösten, daß sie nur an einer Oberfläche kratzten und das Innere dahingestellt ließen. 1933 wollten die Deutschen nur das Bismarck-Reich zurück. Es gibt Romantiker der 80er Jahre, wie es welche der 50er oder der 30er gibt. Dies sind Seifenblasen. Das Übel beginnt spätestens 1789 mit der Französischen Revolution, im Grunde genommen, schon 1492 mit der Einführung des römischen Rechtes in deutschen Landen. Aber auch diese Jahreszahl ist vielleicht nur ein Markstein.
Ein befreundeter Russe, der sich als Don-Kosake bezeichnet, was ich ihm, nebenbei bemerkt, voll abnehme (Zitat: »Meine Kinder hätten in der Welt, in der ich aufwuchs, keine Überlebenschance.«), berichtete mir von seinem großen Erstaunen, daß seine beiden Buben blond und blauäugig seien, wo doch dies sowohl in seiner als auch in der Familie seiner Frau seit Menschengedenken nicht vorgekommen sei. Natürlich wird ein Übelwollender dieses Resultat auf eine geschmacklose Weise erklären wollen, dies scheidet aber für mich unbedingt aus. Im Gegenteil, dieses Beispiel dient mir als Antwort an alle Kleingläubigen. Wir kommen von weiter her als von unseren Großeltern. Gottes Wege sind sehr viel komplexer, als uns die uns zugängliche Anschauung weismachen will. Ich stimme Evola zu, der Chamberlains Rassenlehre als infantil bezeichnete. Bekannterweise wurde diese Lehre in den 30er Jahren zur Doktrin. Wer freilich wegen der Unstimmigkeiten dieser Doktrin die Rasse aus dem Kanon bemerkenswerter Phänomene verbannen will, schüttet das Kind mit dem Bade aus, vielleicht, weil ihm das Kind ein viel größeres Ärgernis darstellt als das Wasser.
Ich habe nicht die Absicht, das Phänomen der Rasse wissenschaftlich zu beschreiben oder gar zu deuten. Ich bekenne offen, daß ich dies nicht kann. Aber das stört mich wenig. Ich freue mich einfach an der Gnade Gottes. Ich weiß, daß es Unverlierbares gibt. In Orwells »1984« erklärt der Folterer dem Opfer, Geschichte sei das, was als Erinnerung in den Köpfen und aufgeschrieben in den Büchern sei. Da sie, die Herrschenden, sowohl die Köpfe wie das Schrifttum kontrollierten, gäbe es keine andere Geschichte, als die von ihnen geschaffene. Sein Sieg im Roman ist es, daß der Aufmüpfige alles preisgibt, sogar seine Liebe. Aber sein Sieg ist ein Pyrrhussieg. Er kann nämlich nicht erklären, wie es überhaupt zu dem ersten Gedankenverbrechen, der Suche nach einer Ecke im Zimmer, die der Televisor nicht überblicken und kontrollieren kann, kommen konnte. Und weil er es nicht erklären kann, wird er in Kauf nehmen müssen, daß dieser Widerstand immer und überall wieder aufflackern kann. Die Welt, die er überwacht, ist nämlich nur die menschliche Gesellschaft. Nicht nur, daß er von den Gestirnen abhängig bleibt, nicht einmal das Wetter hat er im Griff. Ähnlich verhält es sich mit der Geschichte. Es gibt völlig unabhängig von aller Überlieferung eine reale Geschichte und die ist dauernd in Gott präsent. Und jeder weiß von mystischen Erlebnissen, wo sich diese ihm auf eine Weise erschlossen hat, daß die üblichen Erklärungsmuster versagen.
Diesen Hintergrund habe ich dargelegt, um nicht nur zu verkünden, daß für die Reichsidee die beste Hoffnung bestünde, sondern auch, um den von konservativer Seite immer wieder erhobenen Einwand zu entkräften, die neurechte Musik sei von daher nichts originäres, weil sie auf dem Boden von importierter Musik und Müllkultur wachse. Das Wesen der Musik ergründet nicht die Kompositionslehre oder Harmonik. Dies sind sind innerkulturelle Erklärungsmuster, die Kultur aber, die sie hervorbrachte, ist in den Stahlgewittern des Weltkrieges verblutet. Kulturunabhängig läßt sich die Musik nur in zwei Kategorien einteilen: Marsch oder Wiegenlied, Anheizer oder Balsam, Tyrtaios oder Orpheus. Ähnlich verhält es sich mit dem Leben, es zerfällt in Jugend und Alter, Aktion und Reflexion, Kampf und Versöhnung. Diese Gegensätze bedingen aber einander: Nur wer in der Jugend schroff ist, kann später verbindlich sein, nur wer das Feuer kennt, entwickelt das Gottvertrauen.
Beim Kampf ist nicht die Seite entscheidend, sondern Ehre, Mut und Treue. Er ist mein Feind, aber er ist ein Ritter wie ich, so lautet die Losung einer besseren Zeit. Bill Gates ist mein Feind, aber ich versage ihm nicht die Achtung, Frau Merkel hingegen ist nur eine billige Verräterin. Das Links-Rechts-Schema ist als solches eine blöde Ideologie. Fundamental dagegen ist der Gegensatz zwischen Siegfrieds Schwert und Wotans Speer. Wotan hütet die bestehende Ordnung, gegen die Siegfried aufbegehrt und zwar im Namen des Lebens. Denn eine Jugend, die nicht wider eine Welt aufbegehrt, welche die Erwachsenen unter sich aufgeteilt haben, ist widernatürlich und pervers. Dies muß auch in einer besseren Welt als der derzeitigen immer so bleiben. Siegfrieds Aufbegehren hat man traditionell als links bezeichnet. Nun ist aber Wotan, um im Bilde zu bleiben, auf die Idee gekommen, Siegfried dadurch auszuschalten, daß er das Linke für sich vereinnahmt und damit Siegfried in Verwirrung führt. Aber Siegfried muß sich durch das Rollenspiel nicht verwirren lassen. Er war nämlich schon rechts als er sich noch als links verstand und deswegen von Wotan bekriegt wurde. Er ist nämlich insofern rechts, weil er im Namen des ewigen Generationen-Gesetzes handelt und nicht nur für die konkreten Interessen seiner Generation.
Niemand kann links kämpfen, ohne von seinem rechten Instinkt gestachelt zu werden, niemand kann rechts versöhnen, ohne vorher mit linken Idealen gekämpft zu haben. Gerade die Radikalen der 68er Bewegung wie Horst Mahler haben diese Weisheit nach gründlichem Nachdenken begriffen. Wir leben in einer Welt tödlicher Erstarrung, die nur noch die Scheinbewegungen des sozialversicherten Konsumidioten zulassen und alle wirkliche Bewegung unterdrücken will. Aus diesem Grunde ist aggressive Musik keine Geschmacksfrage. Die Musik wirkt wie keine Kunst unmittelbar auf die Seele. Deshalb war sie schon bei den Griechen umstritten und gefürchtet. Deshalb ist sie der Königsweg der Revolution.