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  Uwe Lammla
SCHWARZARBEIT

Wenn man sich in Opposition zum herrschenden Zeitgeist weiß, hält man dauernd Ausschau nach möglichen Verbündeten. Das ist heute freilich eine frustrierende Angelegenheit. Vor einigen Tagen stieß ich auf eine Netzseite eines Musikers und Musikwissenschaftlers, der Front gegen die moderne poluläre Musik von Jazz über Rock und Pop bis zu Rap, Techno und Heavy Metal machte und sich damit Spott, Häme und sogar Morddrohungen einhandelte. Mir erschien der Mann mutig, und ich schrieb ihm. Das Ergebnis war enttäuschend, der Mann war extrem rechthaberisch und von allerlei fixen Ideen besessen. Die Spitze des Eisberges erschien mir, daß er eine zunehmende allgemeine Akzeptanz von sog. »Schwarzarbeit« als moralisches und kulturelles Niedergangsphänomen brandmarkte, das auf übermäßigen Genuß von »Gewaltmusik« zurückgehe. Argumente, diese Entwicklung zeuge doch vielleicht von einem geschwundenen Staatsvertrauen, das man mit den Stichworten Staatsverschuldung, Steuerverschwendung und Amigowirtschaft begründen könne, wischte er vom Tisch: nein, die Schwarzarbeit sei Folge einer Verwahrlosung, die mit neurologisch dokumentierbaren Folgen des Musikkonsums zusammenhänge.
Ich habe es unterlassen, zu erwidern, daß man im Elfenbeinturm eines Lehrstuhles mit Professorengehalt zu solchen Schlüssen kommen könne, wenn man keine Freunde habe, die sich als Prekär-Selbstständige oder als Harz-IV-Aufstocker durchschlagen müssen. Allerdings nahm ich die Kontroverse zum Anlaß, einmal etwas über das Thema der sog. »Schwarzarbeit« nachzudenken. Um meine Position gleich an den Anfang zu stellen: Ein System, das es brandmarkt und leidenschaftlich verfolgt, wenn jemand arbeitet, ohne mindestens ein Drittel und oft weit mehr des Erfolges an die öffentlichen Kassen abzuführen, muß als geschichtlicher Gipfel der Tyrannis eingestuft werden. Steht die Arbeit als grundsätzliche menschliche Wesenheit unter staatlichem Lizenzzwang, muß von allgemeiner Leibeigenschaft gesprochen werden.
Die Sklaverei ist an sich keine geschichtliche Novität, neu ist hingegen die Universalität dieser Knechtschaft und das systematische Stopfen aller Schlupflöcher der Freiheit. In Schweden werden derzeit Maßnahmen durchgesetzt, das Zirkulieren von Bargeld massiv einzuschränken und in der Tendenz ganz zugunsten sog. alternativer Zahlungsweisen zu unterbinden. Über die dabei zur Anwendung kommenden Methoden öffentlicher Gehirnwäsche und menschenverachtender Verdrehungen will ich hier nicht weiter eingehen, da wir diese in vielen Politikfeldern studieren können. Daß die schwedische Krone ein Versuchsballon für den Euro darstellen könnte, ist von daher wahrscheinlich, weil die Anti-Bargeld-Lobbyisten dortzulande mit jenen Kreisen identisch sind, die auch im Euroraum federführend sind. Nur am Rande will ich darauf eingehen, daß die Umstellung von Banknoten auf Girargeld des letzten Reste einer Geldmengenkontrolle der Nationalbank beseitigt, denn Girargeld steht nicht unter staatlicher Hoheit, sondern wird von Privatbanken durch Kreditvergabe geschöpft. In zunehmendem Maße durch Kreditvergabe der Banken untereinander, also buchstäblich als grenzenlose creatio ex nihilo. Sich auszumalen, wohin dies führt, braucht man kein Wirtschaftsstudium.
Aber die Schwarzarbeit bedarf nicht unbedingt des Bargeldflusses. Auch nichtmonetäre Vorteilsgewährungen rufen nach dem Staatsanwalt, ja auch ein idealistischer Verzicht auf Entlohnung befreit nicht von der Abgabepflicht auf menschliche Wertschöpfung. Auf anderem Felde fehlen Kontrolle und Abgabenfron jedoch völlig, nämlich bei den erfolgreichsten Schwarzarbeitern der Moderne, den Maschinen und Automaten. Obwohl sie nur allzu offensichtlich überall an die Stelle menschlicher Arbeit getreten sind und in der Massenfertigung die Produktivität ganzer Heerscharen von Arbeitern verrichten, bleiben sie von aller Verantwortung, die man noch einem armen Teufel, der unsren Garten umgräbt, weismachen will, weltweit befreit. Der Einwand, daß man tote Dinge nicht schöpfen könne, greift nicht, denn jede Menschine tut nur, weil sie jemand angeschafft hat und Nutzen aus ihrer Bewegung zieht.
Wenn wir noch einen Schritt weitergehen, sehen wir hinter der Maschinenwelt die Finzanzwelt, welche dieselben und natürlich den Menschen mit all seinen Potenzen unter ihre Kontrolle zu stellen versucht. Ihre Hochburgen sind die sog. Steuerparadiese, aber auch im deutschen Lande genießen die Zinsherren Privilegien sondergleichen. Innerhalb weniger Generationen hat die Finanzwelt Schlachten und Kriege gewonnen, die alle Feldherren der Weltgeschichte zu unbedeutetenden Fußnoten machen. Die älteren unter uns können sich noch an die Lohntüte erinnern und an Zustände, wo Normalbürger kein Bankkonto brauchten. Modernisierungen bedeuteten immer, seit es diesen Begriff gibt, Machtsteigerungen der Finanzoligarchie. Inzwischen ist auch der Staat nichts als ein Büttel dieser unheimlichen Macht.
Eh wir weiter in diesem Nebel stochern, wollen wir die Perspektive wechseln und zwar auf den Menschen und seine natürliche Bestimmung. Eine ganze Industrie befaßt sich heute damit, diese Bestimmung mit Wolkenkonstrukten zu verschleiern, die uns für sich betrachtet albern erscheinen könnten, wären sie nicht im Gefolge der technischen Entmündigung so überaus wirksam. Aber wenn der Mensch das orwellsche Gedankenverbrechen begeht, einen Augenblick all die Zerstreuungsmaschinen abzuschalten und etwa bei einem Gang in die Natur ein unverfälschtes Selbstbild zu gewinnen, wird immer in der Lage sein, sich an die simplen Grundlagen seiner tatsächlichen Bestimmung zu erinnern.
Die Bestimmung des Menschen ist es zuallererst, für sich und die seinen zu sorgen. Die Basis aller Gesellung ist zunächst die Familie. Hier ist die Arbeitsteilung natürlich zwingend. Die Frau sorgt für den unmittelbaren Kreis, der Mann für den weiteren. Die Schwangerschaft ist nicht deligierbar und bannt die Frau an die Nachkommen. Sodann das Stillen. In Welten des Kinderreichtums ist die Frau während ihres ganzen aktiven Lebens mit der Sorge um die nächste Generation beschäftigt. Dies bringt es mit sich, daß der häusliche Bereich in Ihrem Leben dominiert. Es gilt heute geradezu als Beleidigung, wenn man Frauen am Herd sehen will. Ein solche Umwertung wurde jedoch erst möglich, als der Herd eine elektrische Maschine wurde und die Verantwortung, das Feuer zu hüten, in Vergessenheit geriet. Überhaupt war der Haushalt in vormodernen Zeiten keine Nebensache oder gar ein Spielplatz für Putzsüchtige. Es wurden Haustiere gehalten, der Kräutergarten war am Haus, es wurde Brot gebacken und Bier gebraut. Während der Erfolg oder Versagen einer Hausfrau eine ganz offensichtliche Sache waren, war der Beweis der Sinnhaftigkeit die Sorge der Männer. Die älteste Domäne des Mannes ist die Jagd, später der Ackerbau, das Handwerk und der Krieg. Ein Hauswesen mußte immer auch verteidigt werden.
Die Arbeitsteilungen haben bis in die frühe Neuzeit hinein nichts an dem Grundsatz verändert, daß die Frau ganz für Ihre Familie da ist und der Mann zuerst für seine Famlie und erst an zweiter Stelle für Belange der Gemeinde oder gar des Stammes und schließlich des Volkes. Wenn diese Ordnung etwa durch Kriegszüge gestört wurde, stellte sie sich danach immer rasch wieder her. Eine große Umwälzung stellen die Manufakturen zu Beginn des 19. Jahrhunderts dar. Was hier geschah, paßte nicht mehr in die tradierte Arbeitsteilung. Denn hier wurden Dinge hergestellt, für die kein Bedarf innerhalb der Gemeinde oder einer überschaubaren Welt bestand, ja in zunehmender Weise solche, für die der Bedarf überhaupt zweifelhaft wurde. Das hat wenig mit der Art der Waren zu tun, etwa, ob sich sich um Wolldecken oder um Waffen handelt. Werden Decken in solcher Menge hersgestellt, daß man sich um Absatzmärkte bemühen und unter Umständen gewaltsam streiten muß, so entsteht hier keine andere Situation als jene, wo der Hestellende nicht mehr weiß, ob die Waffen von Freund oder Feind gekauft werden. Sie werden an den verkauft, der dafür zahlt, wer immer dies sei. Der Lohnarbeiter verkauft also seine Arbeitskraft nicht nur an den Unternehmer, sondern an einen ihm gänzlich unbekannten Nutzer. Das ist die eigentliche Entfremdung der Arbeit.
Um das noch einmal ganz deutlich herauszuarbeiten. Die entfremdete Arbeit ist nicht mehr als solche Sorge für sich und die seinen, sondern nur noch ein Mittel, um Zahlungen zu erlangen, die für die Familie sorgen sollen. Man arbeitet nicht mehr für sich, sondern für einen, dessen Recht und dessen Nutzen an einem ganz anderen Ort entschieden werden. Die behauptete Notwendigkeit ist für den Arbeiter nicht mehr überprüfbar und auch letztlich ohne Belang. Warum soll man Decken weben, wenn die Kanonengießerei deutlich besser bezahlt?
Die frühe Arbeiterbewegung versuchte den Arbeiter an den Früchten der Rationalisierung zu beteiligen, indem sie Arbeitszeitverkürzungen durchsetzte. Dies zielte nicht auf eine Verminderung der Arbeit überhaupt, sondern auf eine Minderung des Anteils an entfremdeter Arbeit in der Gesamtlebenszeit. Im 19. Jahrhundert, ja noch in den Tagen der DDR, war es nicht selten, daß Arbeiter in der Industrie sich nach Freierabend ihrer Eigenwirtschaft zuwandten, sei es, daß sie Schafe und Hasen hielten, sei es, daß sie am Traum von einem eigenen Haus arbeiteten oder vielleicht nur an einer Gartenhütte. Heutig gesprochen, sie machten Schwarzarbeit. Ja, sie nahmen die entfremdete Malocherei auf sich, um nach Betriebsschluß zur eigentlichen Arbeit zu kommen. Die angeblich so totalitäre DDR war in diesem Punkte großzügig, wer in einem definierten Bereich seiner Pflicht für die Allgemeinheit nachkam, durfte sich im Darüberhinaus der Freiheit sicher sein, erhielt sogar im land- und gartenwirtschaftlichen Bereich manche Förderung, weil so Versorgsengpässe vermindert werden konnten.
Schwarzarbeit ist Eigenarbeit, und sollte besser als Weißarbeit bezeichnet werden. Denn die ärgste Gewalt an der Bestimmung des Menschen als Sorgender stellt die Erfindung und zielgerichtete Züchtung der Arbeitslosigkeit dar. Der Arbeitslose ist einer, der am Wirtschaftsleben nur als Konsument teilnimmt. Dies trifft für zwei Klassen zu, wie sie verschiedener kaum gedacht werden können, die armen und die reichen Arbeitslosen. Während unter den Arbeitenden die Hierarchie von Reichen und Armen eine vielgestufte, fast kontinuierliche ist, in der man aufsteigen oder auch maßvoll herabsinken kann, so stehen sich die beiden Arten von Arbeitslosigkeit antagonistisch gegenüber, ein Wechsel ist hier der freie Fall oder das schon immer exteme seltene und immer seltener werdende große Glück.
Die reichen Arbeitslosen sind solche, die, euphemistisch gesprochen, ihr Vermögen für sich arbeiten lassen. Das Zinssystem bringt ihnen mehr Leistung unter ihre Knute, als sie selbst verbrauchen und ihren das nämliche System als Lasten aufbürdet. In Deutschland gehört man mit etwa einer Million Euro zum Club der Profiteure. Die armen Arbeitslosen wären treffender als Bettler bezeichnet, denn Sie werden ausgehalten und im Sinne von »Brot und Spiele« unterhalten. Ich wundere mich immer wieder über die vielen Plakete an der Straße, welche dauernd für Rockkonzerte, Mittelalterspiele, Spaßbäder, Preisausschreiben und skurile Messen werben, für derlei Klamauk gab es in der DDR keinen Markt, man arbeitete oder arbeitete schwarz.
Nun gehört es zu den krassesten Lügen der Weltgeschichte, wenn gestreut wird, die Arbeitslosigkeit sei ein naturgesetzliche Folge der Technisierung. Wenn am Bahnhof der Fahrkartenschalter geschlossen und ein Automat aufgestellt wird, dann nicht etwa deshalb, weil Herstellung und Wartung des Automaten önonomischer wären als das Personal am Schalter. Eine solche Rechnung kann überhaupt nur aufgehen, wenn Gewinne in private Taschen fließen, Kosten aber der Allgemeinheit aufgehalst werden, und überhaupt im Hintergrund Schiebung größten Ausmaßes stattfindet. Die betriebswirtschaftliche Argumentation ist fast immer die reinste Propaganda. Richtig sind vielmehr zwei Dinge: Erstens die Erziehung der Leute, im konkreten Bespiel der Fahrgäste. Sie werden durch die Alternativlosigkeit des Automaten gezwungen, Denken und Verhalten der Maschine anzupassen. Solche Übungen zielen auf ein berechenbares Verhalten. Zum zweiten stellt ein Fahrkartenschalter einen Kommunikationsort dar, nicht nur mit den Verkäufern, sondern auch für die Kunden untereinander. Wenn jedoch Kommunikationsbedürfnisse ohne Geldfluß befriedigt werden, stellt dies eine auszumerzende Insel im totalen Marktgeschehen dar. Auch ist jeder Automat der Inbegriff eines Kadavergehorsams, der sich so sichtbar und unübersehbar als gesellschaftliche Norm etabliert. Aus diesem Grunde werden auch massenhaft digitale Anzeigen, Spruchbänder und Blinktexte aufgestellt, für dies sich beim besten Willen keine ökonomische Notwendigkeit erkennen läßt.
Die Arbeitslosigkeit ist nicht etwa ein Schicksal, gegen das Wirtschaft und Politik mit großen Anstrengungen ankämpfen, sondern gewolltes Resultat großer Anstrengungen von Politik und Wirtschaft. Sie ist der Großangriff auf die Würde der Arbeit, die bei aller Entfremdung noch übrig geblieben ist. Der Sinn der Arbeit ist nun nicht mehr, irgendetwas vielleicht Nützliches herzustellen, sondern schlicht und einfach der Status, einen Arbeitsplatz inne zu haben, um den einen Arbeitslose beneiden.
Was den Schrecken der armen Arbeitslosigkeit für Arbeitende so groß macht und ihnen einen Gehorsam verleiht, der sonst nicht durchzusetzen wäre, ist die schikanöse Behandlung von armen Arbeitslosen. Das geht von endloser Bürokratie, über Vorladungen, Zwangsbeschäftigungen mit Vorführungscharakter bis zu Bewerbungstraining und Selbstbildverzerrung. Wer arbeitslos ist, soll sich Versagen eingestehen und sich vielleicht gar psychologisch behandeln lassen. Wohlmeinde entgegnen auf diesen Skandal mit dem Vorschlag eines bedingungslosen Grundeinkommens. Man argumentiert, man solle in einer Situation, in der ohnehin nur noch eine Minderheit produktive Arbeit leistet, Arbeitsplatz und Existenzsicherung entkoppeln und unter Verzicht auf teure Bürokratie jedermann ohne Prüfung der Bedürftigkeit ein Existenzminimum zukommen lassen. Gegen diesen Vorschlag regt sich großer Widerstand, der die Anhänger dieser Lösung freilich nur bestärkt.
Zunächst wird entgegengehalten, eine solche Wohltat ließe sich nicht finanzieren. Nachdem freilich in den letzten Jahren zur Bankenrettung Mittel aufgebracht wurden, die ganz neue Horizonte des ökonomischen Unverstandes aufleuchten lassen, verliert dieses Argument an Überzeugungskraft. Wenn man damit verbunden gleichzeitig Steuerbürokratie und Finanzschwindel zur Disposition stellt, ist die Finanzierbarkeit vorstellbar. Das setzte natürliche eine flächendeckende Entmachtung des Finanzkapitals voraus.
Auch die Rede, es würde dann ja niemand mehr arbeiten, ist nicht so zwingend, wie sie auf den ersten Blick scheint. Die Bereitschaft zur Arbeit ist sicher größer, als mancher annimmt, und der finanzielle Vorteil von einer Berufstätigkeit gegenüber einem Lebensminimum muß nicht so groß sein, daß die Inflation nicht mehr zu beherrschen wäre. Treffen würde es wohl besonders wenig geschätzte Arbeiten, die freilich gesamtwirtschaftlich nicht ausschlaggebend sein müssen.
Gleichwohl finde ich die Idee allenfalls als Übergangslösung in einer sich anbahnenden katastrophalen Systemkrise für diskutabel. Wenn man so einen Bürgerkrieg vermeiden kann, ist es gewiß das geringere Übel. Eine besondere geistige Verwüstung der Moderne stellt der verlorene Zusammenhang von Recht und Pflicht dar. Es darf kein Recht geben, daß nicht von Pflichten gedeckt ist, jeder Verstoß gegen dieses Gleichgewicht macht den Menschen vom geschichtlichen Subjekt zum Objekt. Ungeborene und Kleinkinder müssen bedingunslose Rechte haben, aber niemand, der über ein Minimum an gestaltender Kraft verfügt. Einst schickte man Kinder in Bergwerke, um durch die geringe Körpergröße bei der Stollenhöhe zu sparen. Das war zweifellos ein Skandal. Aber bei der Ächtung der Kinderarbeit wurde das Kind mit dem Bade ausgekippt. Kindern wollen aber keine raffiniert ausgetüftelten Spielplätze, sondern einen angemessenen Anteil an der Realwirtschaft. Was ist das ganze technische Spielzeug gegen ein Haustier? Kinder lernen heute eine Menge Kram, aber das wichtigste nicht, den Zusammenhang von Rechten und Pflichten, von Produktivität und Macht.
Wir müssen wieder dahin kommen, daß die Technik dem Menschen dient und nicht umgekehrt. Jede Technologie, nicht nur die militärische, war im geschichtlichen Gang eine Waffe, um Umverteilungen des Reichtums vorzunehmen. Wer dabei zu kurz kam, reagierte mit weiteren Umverteilungsforderungen. Was dabei auf der Strecke blieb, war jede Art von Beständigkeit und Dauer, das Leben im Gleichgewicht. Um dorthin zurückzukommen, muß der Grundsatz lauten: im Zweifelsfalle gegen die Maschine und nicht etwa umgekehrt. Für den Segen der Technik müssen immer wieder dieselben Beispiele herhalten, das Fragwürdige wird bewußt unterschlagen. Die Domestizierung der Technik beginnt aber nicht mit Klimakonferenzen oder ähnlichem Unfug, sondern mit der täglichen eigenen Einschänkung. Diese ist aber erst möglich, wenn man lernt, daß der Fußweg mehr Freunde macht als die Autofahrt, wenn man lieber gemeinsam singt, als die Glotze einzuschalten. Wenn die Entsagenden wirklich die glücklicheren sind, werden sie auch zu Vorbildern werden.