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  Uwe Lammla
ZWEIFRONTENKRIEG

Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn konnte ich 1993 auf der Sommeruniversität der »Jungen Freiheit« erleben, die zunächst in Ravensburg und dann in Konstanz stattfand. »Hitler war ein Linker!«, stellte er apodiktisch fest und ergänzte dann, »Hitler war ein Bruder, kein Vater.« Diese prägnante Aussage, das Rechte orientiere sich am Väterlichen, das Linke am Brüderlichen, hat mich seither nicht losgelassen. Sie erscheint mir in ihrer Evidenz selbsterklärend. In dieser Begrifflichkeit ist es möglich und geboten, Hitler von rechts zu kritisieren. Die derzeitige politische Kultur tituliert jedoch jedes Bekenntnis zu Hitler als »rechtsextrem« und verbietet damit schon theoretisch eine Position »rechts von Hitler«.
Analysieren wir Hitler und seine Bewegung zunächst einmal unabhängig von aller Bewertung seit 1945. Der Nationalsozialismus entsteht in den Materialschlachten des ersten Weltkrieges, den die Protagonisten als Bankrott der alten Welt erlebten. Der Frontkämpfermythos wurde konstitutiv. Im Grabenkampf verschwanden die materiellen und geistigen Schranken, entstand eine Brüderlichkeit gemeinsamer Not und Verantwortung. Gleichzeitig kapitulierte die Idee der Internationale. Die Proletarier aller Länder vereinigten sich nicht, sondern sie schossen aufeinander bis zur letzten Patrone.
Es ist bekannt, daß Hitler bei öffentlichen Auftritten das Eiserne Kreuz als einziges Ehrenzeichen trug. Hier lohnt ein Blick in die Historie. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen stiftete diesen Orden unmittelbar nach seiner Breslauer Proklamation. Dies war die erste Auszeichnung in Deutschland überhaupt, die kämpferische Leistungen ohne Ansehung von Stand, Herkunft, Dienstgrad und militärischem Rang zierte. Als Material war das Eisen symbolträchtig, es wurde bewußt auf die üblichen wertvollen Materialen verzichtet.
Es ist auch bekannt, daß Hitler Hindenburgs Geringschätzung als »Gefreiter« tapfer ertrug und sich in seinen Reden immer wieder auf den Kameradschaftsgeist der Grabenkämpfe bezog. Zweifellos sah er sich als einer von den Millionen, die im grauen Feldmantel namenlos ihre Pflicht taten. Eine eindrucksvollere Brüderlichkeit ist kaum denkbar.
Gleichzeitig mißtraute Hitler den alten Eliten, dem Offizierskorps, dem Adel und der Kirche. Es ist keine Propaganda, wenn es in allen Phasen des Aufstiegs und der Macht Programm war, auch Arbeitersöhne sollten, Begabung, Fleiß und Mut vorausgesetzt, den Weg in Führungspositionen gewinnen. Die Tüchtigkeit vor dem Ererbten wurde gefeiert. In seinem eigenen Aufstieg aus dem Heer der Namenlosen sah er das Muster für jeden, der mit Opferbereitschaft und Zähigkeit um Macht und Verantwortung rang.
Es wird hier die Ungleichheit in Begabung und Charakter betont, aber gleichzeitig jegliche Ungleichheit, die in historischen und gesellschaftlichen Bedingungen begründet ist, auszumerzen getrachtet. Dies ist das radikalste Gleichheitscredo, das in realitätsgerechter Weltbetrachtung überhaupt möglich ist. Alle äußeren Hemmnisse, die den einzelnen hinderten, zu maximaler Leistung und Kreativität aufzusteigen, sollten beseitigt sein, vorausgesetzt freilich, daß Leistung und Kreativität der Volksgemeinschaft dienten.
Wir sehen also hier Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit der Französischen Revolution aufeinander widerspruchsfrei angestimmt durch das Normativ der Nation. Zweifellos eine linke Weltanschauung und ein linkes Programm.
Der Nationalsozialismus entstand aus der Niederlage im ersten Weltkrieg und damit genau an dem Punkt, an dem der Bolschewismus zur historisch relevanten Macht aufstieg. In Rußland wurde die allgemeine Ordnung durch die verheerende Niederlage so geschwächt, daß nach einer Zwischenstufe die radikalste Truppe um Lenin die Macht übernehmen konnte und mit beispiellosem Terror eine totale Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft erzwang. Nach der Revolution bedeutete die marxistische Internationale nicht mehr die Verhinderung von imperialistischen Kriegen, sondern einen totalen Imperialismus, der in einem Prunkbau sein Symbol fand, der vollendet werden sollte, wenn das letzte Land der Welt der Union der sozialistischen Sowjetrupubliken beigetreten sei.
Einen solchen Imperialismus kannte der Staat Hitlers nicht. Ihm war das Band der Nation konstitutiv, deshalb widersetzte sich Hitler jedem Export des Nationalsozialismus. Deshalb wurden die Auslandsdeutschen nicht etwa zu Zellen der Außenpolitik, sondern wurden ins Reich heimgeholt. Der trotzige Isolationismus ist hierbei nicht nur eine Konzentration der Kräfte. Er ist Ausdruck eines spezifisch deutschen Programms, keines Programms für die Menschheit. Auch daß die Juden nach ihrer Amsterdamer Kriegserklärung ausgegrenzt wurden, zeigt neben dem totalitären auch den antiimperialistischen Zug des Regimes.
Aus dem Gesagten ergibt sich zwingend, daß die Feindschaft zwischen Hitler und Stalin keine Feindschaft zwischen Rechts und Links war. Für Stalin war das russische Volk das Mittel der Weltrevolution, für Hitler war das deutsche Volk Mittel und Zweck.
Nach der Niederlage Deutschlands im ersten Weltkrieg entstand zuächst ein System, das den permanenten Bürgerkrieg bedeutete. Die Parteien waren sich zwar darin einig, daß das Land unter dem Versailler Diktat ausblute, aber sie waren gleichwohl bereit, mit Feindmächten zusammenzuarbeiten, um gegen ihre Konkurrenten in Deutschland vorzugehen. Die Rechnung der Sieger, durch Bruderkrieg den deutschen Erfolgswillen zu zähmen, ging auf. Die deutsche Nation wurde zum Tummelplatz der Lobbyisten und Spekulanten. In beispielloser Not stieg Hitler zum Führer einer Massenpartei auf.
Die Regierungsverantwortung erreichte die NSDAP nur in Koalition mit der Deutschnationalen Volkspartei, die bei den Märzwahlen dann unter der Bezeichnung Kampffront Schwarz-Weiß-Rot antrat und die Koalition fortsetzte. Dieses Bündnis, das schließlich zur Auflösung der DNVP führte, war in allen seinen Phasen für die monarchistisch kaisertreue Partei ein Weg in den Untergang. Papen hatte sich lange, gemeinsam mit Hindenburg, dem Machtanspruch Hitlers widersetzt. Man weiß, daß er mit dem 30. Januar 1933 Hitlers Stimmen im Reichstag für die Wiedererrichtung der Monarchie instrumentalisieren wollte und noch in der Marburger Rede für ein solches Programm warb. Aber nach der »Nacht der langen Messer«, die er selbst nur überlebte, weil ihm Göring persönlich geraten hatte, zuhause zu bleiben, und in der seine engen Mitarbeiter Herbert von Bose und Edgar Julius Jung zu Tode kamen, blieb er an Hitlers Seite. Er war zu der Überzeugung gekommen, daß nur dieser Mann die Nation einen könne.
Das Verhalten Papens kann als beispielhaft für die deutsche Rechte angesehen werden. Der ideologische Gegensatz zur NSDAP wurde aufgegeben, weil das Programm einer Einigung der Nation unter deren Herrschaft möglich schien. Aus diesem Grunde konnte sich Hitler nicht nur in seinem Kampf gegen den Sowjetkommunismus auf die Rechte stützen, sondern auch im Aufbau seines neuen Staates. Der Schulterschluß aller Nationalen mit dem Nationalsozialismus verstärkte sich schließlich im Deutschland aufgezwungenen Kriege und der Weigerung der Allierten zu jeglichem Kompromißfrieden, was schließich in einen Verteidigungskrieg aller deutschen Gaue bis zur vollständigen Besatzung und Entrechtung mündete. Daß Teile der deutschen Rechten in illusionärer Verkennung der realen Lage Hitler zu töten versuchten, änderte an der Situation rein gar nichts.
Wir haben hier eine historisch einmalige Konstellation: die deutsche Rechte wurde komplett von einer linken Partei vereinnahmt, und dies wurde möglich, weil die Nation mit einer solchen Übermacht und einem solchen Vernichtungswillen angegriffen wurde, daß die politischen Differenzen bedeutungslos wurden. Diese Konstellation dauert bis die Gegenwart an. Nach der militärischen Niederringung wurde mit einem Schuldkomplex systematisch Hand an die Wurzeln des deutschen Volkstums gelegt. Die Bemühungen dieser »Umerziehung« tragen reichlich Früchte. Die deutsche Stadt ist, nach einem Worte Bernd Rabehls, »asiatischen Siedlungslandschaften« gewichen, an den Universitäten werden antideutsche Pseudowissenschaften gelehrt, die Kunst ist zu egomanen Spiegelfechtereien verkommen und die öffentliche Diskussion wird als effekthascherische Klischeeanhäufung betrieben. Gleichzeitig wird mit Abtreibung und sexueller Freizügigkeit das Volk biologisch dezimiert und das Vakuum mit raumfremden Migranten gefüllt. Das Christentum wird systematisch zu einer völkerfeindlichen Religion umgedeutet und die Kirchen werden konfessionsübergreifend für den »Kampf gegen Rechts« rekrutiert. Wer in einer Situation der extremen Tabuisierung Hitlers Kritik an diesem übt, sieht sich sofort eingebunden in den oft wiederholten Satz, Faschismus sei keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Er wird zu einem Zeugen und Diener der Reichsfeinde. Eine wirkliche deutsche Rechte kann es also erst wieder dann geben, wenn Hitler von seinem Standort als »rechtsextrem« wieder dorthin geschoben ist, wohin er tatsächlich gehört.
Es ist deshalb unmöglich, so auszutun, als ginge uns Hitler nichts an, weil wir nicht Anhänger seiner Lehren sind. Wäre die Behauptung zutreffend, daß Hitler auf eine Stufe mit Stalin, Mao Tse-tung und Pol Pot zu stellen sei (oder gar noch darüber), dann wäre die deutsche Rechte in der Tat irreparabel kompromittiert. Darin besteht die fundamentale Bedeutung der revisionistischen Forschung. Die ernstzunehmende bestreitet nicht deutsche Kriegsverbrechen. Aber sie bestreitet einzelne Taten und Tatwaffen. Insbesondere bestreitet sie die Absicht und die Durchführung einer organisierten Ausrottung eines ganzen Volkes. Es soll hier nicht über das Für und Wider der historischen Argumente befunden werden. Es sei lediglich darauf hingewiesen, daß die Befürworter des status quo mit einer unglaublichen Verbissenheit, unter Rechtsbeugung und nacktem Terror solche Forschungen und die Publikation und Diskussion der Ergebnisse zu verhindern suchen. Sie tun dies in der vorgeblichen Absicht, das Andenken der Opfer zu hüten. Diese Schutzbehauptung kann kein politisch denkender Mensch glauben. Wo solche Mittel im Spiele sind, geht es nicht um eine Sentimentalität, sondern um die Machtfrage.
Der Herrschenden der Welt zittern vor dem Nationalsozialismus. Das darf kein Grund sein, ihn nicht als eine Spielart der Moderne zu betrachten, die es insgesamt zu befechten gilt. Aber eine freie Kritik ist erst möglich, wenn man aus dem Zweifrontenkrieg heraustritt. Dazu muß man sich von den Tabus lösen, welche die Reichsfeinde verhängt haben. Wenn man diesen Rubikon überschritten hat, wird aus dem Zweifrontenkrieg ein Einfrontenkrieg.