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Aus »Zwischen Dünwald und Pleiße«. Gedichte 2008   Vers 24152 bis 24193

PERIODISCHER SEE


I

Wer auszog, um das Questenfest zu schauen,
Der prüfe stets zuvor an dieser Stelle,
Ob das Gewässer sinke oder schwelle,
Denn diesem See ist alles zuzutrauen.

Man nennt periodisch seines Saums Gefälle,
Wo hier der Grund, bleibt stets im Ungenauen,
Er ist bekannt in allen Nachbargauen,
Daß er das Antlitz wirft wie andre Bälle.

Zwar diesmal scheint er gänzlich ohne Makel,
Ein andres Mal stehn hier Morast und Risse
Wie Runen oder Pflanzenblatt-Tentakel.

So bleibt für den Besuch das Ungewisse,
Doch nimm als gutes Omen und Orakel,
Daß heute er anscheinend nichts vermisse.


II

Die Wasser steigen und die Wasser schwinden,
So wie die Götter gehn und wiederkommen,
Ob dir die Fluten oder Wüsten frommen,
Das gilts in diesem Leben rauszufinden.

Schon manchem hat ein Irrstern hell erglommen
Und machte ihn zum Narren und zum Blinden,
Es gibt kein Muster, sich herauszuwinden
Aus Schemen, die uns immer höchst verschwommen.

Doch habe Mut, die Feste aufzusuchen,
Wo hohle Eichen stehn als Pilgerkaten,
Denn hinter einem Bannwald roter Buchen

Hat die Instanz, die prüft in deinen Taten,
Vielleicht die Laune, deiner Furcht zu fluchen,
Doch ganz gewiß wird sie dem Wandrer raten.


III

Es ist ein Vorhang zu der hohen Pforte
Der Weiher, nicht zu zwingen und berechnen,
Er möge dich beglücken und bepechnen,
Doch dies wird dir erklärt mit keinem Worte.

Wer unterwegs ist, klebt an keinem Horte,
Er liebt die Schichten, schiefrigen und zechnen
Hat er vermählt den hellen sprudelbächnen
Gebirgsgeist, den er spürt an jedem Orte.

So ist es auch, wenn dich Gefährten ließen,
Die einst mit dir die gleichen Pfade wagten,
Dir soll die Trauer nicht den Tag vermiesen.

Denn alles, was sie sich und dir versagten,
Kann nur was immer strömte wiederkiesen,
Solang dich nicht die Angler fest verhakten.