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Aus »Unstrutleuchten. Zweites Buch«. Gedichte 2020, Vers 45436 bis 45499

GEUSSENPFENNIG


Nah dem Ritteburger Wehre
Soll uns Morpheus heut entführen,
Nicht dem ersten Haus die Ehre
Unsrer Einkehr soll gebühren,
Reine Zimmer sind erschwinglich,
Suchst im Bauerndorf das schlichte,
Angekommen, faßt uns dringlich
Eine kleine Weltgeschichte:

Aus dem achtzigjährgen Ringen
Spaniens um die Niederlande
Hochgeschätzte Münzen singen
Aufstand und Besatzer-Schande,
Nachgeprägte wilhelminisch
Eine trägt der Maler Hennig,
Und so reim ich sibyllinisch
Heute auf den Geußenpfennig.

Bettelpack sein die Empörer,
Sagt der Spanier abgehoben
Und vereinigt seine Hörer,
Die ihn parodierend loben:
Sollen wir als Geußen gelten,
Büß der Tadler seinen Tadel,
Und die Flüche, uns zu schelten,
Seien Zierde uns und Adel.

Halbmonds Antlitz, einmal bärtig,
Umgewandt mir blankem Kinne:
Habsburgs Feinde gegenwärtig
Gleichen sich in manchem Sinne,
Bis versinkt das Land in Nässe
Halb frivol, halb fatalistisch,
Zwing kein Söldner uns zur Messe,
Lieber türkisch als papistisch.

Schiller sang den Niederländern
Hymnisch wie den Eidgenossen,
Opfermut, das Los zu ändern,
Allen Deutschen sei erschlossen:
Dem Tyrannen zeig die Nase,
Greif die Priesterschar am Wickel,
Und verkünde mit Emphase,
Was du vorhast auf dem Nickel.

Kleine Dinge aber Jammer
Passen in die kleinsten Ritzen,
Endlich glücklich auf der Kammer,
Und schon wieder mußt du schwitzen.
Ja, das halbe Haus erzittert,
Denn der Talisman metallen
Will vom Heizungsblech umgittert
Nicht aus seinem Kerker fallen.

Also Hammer her und Zange,
Schlingendraht und Taschenlampe,
Runzle weder Stirn noch Wange,
Bis der Flüchtling auf der Rampe.
Hinterher die Episode
Gilt als witzig und erfreulich,
Und erleichtert heißt schon Mode,
Was so vorkommt, jetzt und neulich.

Dieser Nachtisch nach dem Laufen
Durch das Land und sein Versprechen
Mahnt nun endlich zu verschnaufen
Und nichts mehr vom Zaun zu brechen.
Doch im Magen grummelt Leere,
Und wenn ich es recht bedenke,
Fordert heideggersch zur Kehre
In das Nachbardorf die Schenke.